Analyse

HSV in der Krise: Fehlstart-Gefahr, Systemdebatte und die Suche nach der Rettungstaktik

der HSV steckt in der Krise. Fünf der letzten fünf Testspiele verloren, ein Torverhältnis von 2:14 und ein Sportvorstand, der in den Katakomben in Mallorca einmal so richtig…

HSV in der Krise: Fehlstart-Gefahr, Systemdebatte und die Suche nach der Rettungstaktik

Moin zusammen,

der HSV steckt in der Krise. Fünf der letzten fünf Testspiele verloren, ein Torverhältnis von 2:14 und ein Sportvorstand, der in den Katakomben in Mallorca einmal so richtig seinen Ärger rauslassen muss. Die Vorbereitung des HSV lässt für die kommende Spielzeit wenig Gutes hoffen. Kaum etwas funktioniert, die Stimmung wird von Woche zu Woche schlechter und erreicht ihren Höhepunkt im letzten Test vor dem Saisonstart.

Das aktuelle System funktioniert nicht

Die Umstellung von 4er- auf 5er-Kette ist nicht gelungen. Der Zugriff im Zentrum fehlt. Defensiv ist man trotz einem Mann mehr noch anfälliger als vorher. Sobald das Mittelfeld überspielt ist, beginnt das Chaos und keiner weiß, wen er decken soll.

Anders als in der vorherigen Saison hat man keinen mehr, der das Mittelfeld absichert, sobald die 8er überspielt sind. Dieser ist mit dem neuen System nämlich in die 5er-Kette zurückgerückt. Sobald das Mittelfeld nach einer Umschaltsituation überspielt ist, ist die Zuteilung aber mäßig bis schlecht. Teilweise stehen beide Flügel des Gegners frei, während im Zentrum 2 Spieler ohne Gegenspieler im freien Raum rumlaufen. Zum Doppeln der Außenspieler kommt dann meistens der Spieler aus dem Zentrum, der einen Gegenspieler hat, und dieser wird dann von den anderen nicht übernommen. Ein gutes Beispiel hierfür ist das 1:0 von RCD Mallorca vom Wochenende. Der rechte Flügel kann frei flanken, Elfadli verliert das Kopfballduell und Asano steht frei vor dem Tor, während Torunarigha nur hinterherschaut.

Nicht viel besser läuft die Offensive. Wenn man mit einer 5er-Kette defensiv stabil stehen möchte, ist das Ziel, Tore über Umschaltmomente zu schießen. Allerdings fehlt es dem HSV in der Vorwärtsbewegung an jeglicher Kreativität. Meistens kommt man über lange Bälle, gefährliche Situationen passieren nur, wenn der Gegner einen Fehler macht. So viele gut herausgespielte Chancen hat der HSV nicht. Und selbst wenn man diese hat, erzielt man hieraus keinen Ertrag. Es fehlt schlichtweg an Kreativität.

Fazit: Das System funktioniert hinten und vorne nicht.

Umstellung auf 4er-Kette?

Laut einigen Gerüchten sollen einige Spieler in einer Sitzung auf Merlin Polzin zugegangen sein und Kritik am System geäußert haben. Sofern ihr den letzten Blog gelesen habt wisst ihr, dass dem nicht so war. Dennoch habe ich das Gefühl, dass die Spieler nicht überzeugt vom System sind. Miro Muheim war das ganze Spiel ziemlich sauer und Torunarigha ließ seinen Frust mit einem überharten Einsteigen in der 90. Minute raus. Dafür wird er, wenn es blöd läuft, übrigens nachträglich auch für die deutschen Wettbewerbe gesperrt.

Der obligatorische Schiri-Bericht, der ja bei jeder glatt roten Karte geschrieben werden muss, wird auch an die jeweiligen nationalen Verbände der Mannschaften geschickt.

Sollte der DFB nun aus diesem Bericht ein Risiko für die anderen Spieler sehen, kann er Torunarigha für die nationalen Wettbewerbe sperren, um solche Art von Fouls präventiv zu verhindern. Ich bin gespannt, was dabei rumkommt, aber bei dem, was beim HSV zurzeit alles drunter und drüber läuft, würde es passen, wenn Torunarigha für 2 oder sogar 3 Spiele gesperrt wird. Und ganz ehrlich: Bei so einem unnötigen Foul in einem Testspiel Sekunden vor dem Abpfiff könnte man es dem DFB nicht einmal übelnehmen. Das war einfach unklug. Naja, so wie es scheint, ist der HSV sich ja mit Vuskovic einig, dann könnte man Torunarigha zumindest ersetzen.

https://www.tiktok.com/@manni.hartwig/video/7537641320966409494

Welches System passt am besten?

Ich bin wie viele von euch sicherlich auch dafür, wieder zurück zu einer 4er-Kette zu wechseln. Man könnte zurück zum alten 4-3-3 wie in der Vorsaison, allerdings hat man den Kader so umgekrempelt, dass vor allem das Zentrum, in dem sich ja bei einer 4er-Kette am meisten tut, eigentlich komplett neu ist. Lediglich Elfadli ist der Einzige im Zentrum, der letztes Jahr Teil des 4-3-3 war. Also bräuchte man wieder Zeit, um ein neues System einzustudieren. Diese Zeit hat man aber nicht. Wenn man gegen Pirmasens verlieren sollte, wird die Stimmung extrem schlecht. Sollte man das Spiel gewinnen, birgt der Spielplan zum Saisonstart trotzdem das Risiko eines Fehlstarts. Sollte man gegen Pauli verlieren, geht es richtig bergab, ehe man dann in München ranmuss. Sollte man bis zum Bayern-Spiel immer noch kein funktionierendes System gefunden haben, gibt es dort mit hoher Wahrscheinlichkeit eine richtige Abfuhr.

Man muss also schnell ein System finden, an das sich jeder schnell anpasst.

Mein Vorschlag wäre ein 4-2-3-1. Früher hat mir mein Trainer immer gesagt: „Wenn du nicht weißt, wie du spielen sollst, spiel ein 4-2-3-1 und pack deine besten Männer auf die Doppelsechs.“ Logischerweise lässt sich Jugendfußball nicht auf den Herrenfußball beziehen, aber als ich über dieses Zitat nachgedacht habe, kam ich zu dem Entschluss, dass dieses System zum aktuellen Zeitpunkt vielleicht wirklich das richtige wäre. Mit Capaldo und Remberg hat man meiner Meinung nach eine vernünftige Doppel-6. Sie haben zwar nicht immer geglänzt, aber die beiden waren diejenigen, die in der Vorbereitung zumindest verhältnismäßig viele Zweikämpfe gewonnen haben.

Für die Außenverteidiger ändert sich im Prinzip nichts, Gleiches gilt für die Flügel. Diese müssen lediglich mehr mit nach hinten arbeiten als letztes Jahr, aber das müssen sie sowieso. Das ist unabhängig von der Grundformation. Auch für den Stürmer ändert sich nichts. Lediglich die Innenverteidiger übernehmen eine andere Rolle. Denn anders als im letzten Jahr müssen sie nun die 6er absichern, sofern diese überspielt werden.

Und natürlich der 10er, der ja im alten System ein vorrückender 8er war.

Allerdings finde ich, dass der HSV einen klaren Spielmacher braucht, und im 4-2-3-1 wäre dieser gegeben. Man könnte sich auf der 10er-Position dann nochmal verstärken, oder man greift auf den eigenen Kader zurück und gibt Pherai eine Chance.

Pherai als Schlüsselfigur?

Pherai hatte eigentlich immer gute Anlagen, allerdings ist er für mich ein klarer 10er und kein 8er. Das ist für mich auch der Grund, warum er in der zweiten Liga nicht so gespielt hat, wie man es sich erhofft hat. Er musste viel nach hinten arbeiten und hatte offensiv wenig Räume, die er mit Steckpässen bespielen konnte.

Erinnern wir uns an Pherais Zeit in Braunschweig zurück, spielte er als 10er in einer Mannschaft, die Umschaltfußball gespielt hat. Durch die Räume, die sich dort ergaben, konnte er seine Qualitäten im Passspiel und im Tempo super ausspielen.

Sofern Pherai es schafft, lange Zeit verletzungsfrei zu bleiben, könnte er m. M. n. also der Schlüsselspieler im HSV-System werden. Denn jeder, der Pherai im Braunschweiger Trikot spielen gesehen hat, weiß, wie gut der Junge im Umschaltspiel sein kann.

Fest steht: So wie es aktuell läuft, kann es nicht weitergehen. Wenn man so auftritt wie in den letzten Wochen, ist ein Ausscheiden am Wochenende in Pirmasens gar nicht mal abwegig. Und das, obwohl die Truppe momentan in der Oberliga kickt. Eine Veränderung muss her. Ob das nun personell oder taktisch ist, werden wir sehen, aber so kann es nicht weitergehen.

Nun seid ihr gefragt. Wie steht ihr zu der Thematik rund um das taktische System? Und welches System würdet ihr spielen?

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Wir hören uns.

Tom

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