HSV hat ein zentrales Problem - van Drongelen verletzt
Der HSV ist sensibel. Das wissen alle. Auch der Trainer, der sichtlich angefressen auf der Pressekonferenz nach dem Spiel zu vermeiden versuchte, was aktuell kaum zu vermeiden…

Der HSV ist sensibel. Das wissen alle. Auch der Trainer, der sichtlich angefressen auf der Pressekonferenz nach dem Spiel zu vermeiden versuchte, was aktuell kaum zu vermeiden ist. Er will die Angst vor dem Versagen und die Erinnerung an die bitteren Vorjahre gar nicht erst thematisieren. Je mehr von außen darüber diskutiert wird, desto wackliger wirkt seine Mannschaft. Und die Tendenz zeigt klar nach unten.
Kein Sieg in den letzten vier Spielen, zuletzt zwei Niederlagen. Nur sechs Punkte und 14. in der Rückrunde, neun Punkte hinter dem besten Team - dem FC St. Pauli. Der gravierende Unterschied: In der Hinrunde hatte der HSV aus diesen sechs Partien noch 16 Punkte geholt. Ebenfalls auffällig: In der Rückrunde hat Torjäger Simon Terodde nur in einem von sechs Spielen getroffen. Fehlen seine Tore, fehlt offenbar auch der Erfolg.
Van Drongelen zieht sich Bänderriss zu - Leibold gesperrt
So, eigentlich könnte man an dieser Stelle den Blog abbrechen. Oder noch ein wenig auf allen rumprügeln, die gestern im Derby dabei waren. Wobei, nicht auf allen. Eine Ausnahme gibt es dann doch: Rick van Drongelen, der sich leider bei seinem Kurzeinsatz verletzte. Bei einer Grätsche gegen Igor Matanovic, bei der er unglücklich im Rasen hängen blieb, erlitt der gerade erst wieder genesene Innenverteidiger einen Außenbandriss im linken Sprunggelenk. Das ergab eine MRT-Untersuchung. Der 22-jährige Niederländer fällt damit für die nächsten Wochen wieder aus. Übrigens ebenso wie Tim Leibold, der für seine Rote Karte, die sicher von so einigen noch thematisiert wird, zwei Spiele vom Sportgericht gesperrt wurde und damit gegen Holstein Kiel und auswärts beim VfL Bochum fehlen wird. Thioune betont kurze Antwort: „Nicht gut für uns, nicht gut für Tim.“ Stimmt.
Aber, einen Tag nach der Derbyniederlage schmerzt selbige noch zu stark. Vor allem bei der Mannschaft und den Verantwortlichen, die heute im Gegensatz zu sonst auf die Analyse nach dem Spiel und vor dem Spielersatztraining verzichteten, um den Spielern Zeit zu geben, diese Niederlage erst einmal selbst zu verarbeiten. „Wir haben heute morgen eher einen Kreis gemacht für den Zusammenhalt“, so Sportdirektor Michael Mutzel, „für alles andere war der Kopf noch nicht frei.“
Allein Trainer Daniel Thioune versuchte sich in der ihm eigenen, unaufgeregten Art schnell in Optimismus. „Wir schütteln uns und stehen wieder auf“, verspricht Thioune. „Wer uns kennengelernt hat, der weiß, dass wir in den nächsten Tagen den Kopf wieder aufrichten und weiter beharrlich bleiben für große Ziele. Ich weiß, dass wir Mentalität haben und vielleicht sind mehr Straßenköter bei uns drin. Wir werden anfangen, uns zu wehren, wir werden weiterhin fleißig einsammeln.“ Auch Sportchef Michael Mutzel sieht es wie sein Coach. „Ich weigere mich, schon wieder von einer Krise zu sprechen.“ Dennoch ist auch er sich der aktuellen Probleme bewusst: „Wir haben im Moment nicht den Punch inne, um so ein Spiel zu entscheiden.“ Aber das muss die Mannschaft. Schnell sogar. Denn Zeit zum Luftholen bleibt nicht. Nächsten Montag schon kommt der Tabellenzweite Holstein Kiel ins Volksparkstadion. Nur vier Tage darauf geht es zum Spitzenreiter Bochum.
Crunchtime also. Eine ganz wichtige Phase mit direkten Duellen steht bevor. Hier kann der HSV genauso viel verlieren, wie er vom Prestige und von der Tabellensituation her zurückgewinnen kann. Angesichts der aktuellen Formkurve, darf man Befürchtungen äußern. Ich habe heute ehrlich gesagt nicht ein einziges Mal etwas anderes gehört. Ihr?
Der HSV hat ein zentrales Problem - von vorn bis hinten
Und trotzdem weigere ich mich noch, von meinem Standpunkt abzurücken. Der besagte, dass diese Mannschaft die individuelle Qualität für den Aufstieg hat. So, wie in den letzten Jahren auch, wo man scheiterte. Der entscheidende Unterschied diesmal: Diese Mannschaft hat einen anderen Zusammenhalt. Sie war bislang stabil – und wackelt jetzt. Auch, weil sie in der Mitte zu anfällig ist. Von Ulreich über die Innenverteidigung durchs Mittelfeldzentrum bis zum zentralen Stürmer Terodde, der gerade etwas schwächest. Es war längst nicht nur Innenverteidigung, sondern auch das Mittelfeld, in dem gestern nichts so funktionierte, wie nes funktionieren sollte. Kittel hatte zwar mit seinen Freistößen gute Szenen und Jeremy Dudziak war sichtlich bemüht – aber das war es leider schon. Effektiv kam nichts.
Für mich besonders beunruhigend: David Kinsombis Form. Was der nach seinen guten Spielen zuletzt in Würzburg und gestern beim F St. Pauli ablieferte, ist mit dem Begriff „Nichts“ noch geprahlt. Der Mann, von dem ich gehofft hatte, dass er gerade jetzt vornewegmarschiert und Verantwortung übernimmt, tauchte komplett ab. Körperlich wirkt er langsam und kraftlos. Spielerisch kommt gar nichts. Kinsombi verwaltet die 90 Minuten Spielzeit, von denen ich ihn gestern spätestens nach 45 Minuten erlöst hätte. Ebenso wie Bakery Jatta übrigens.
Und trotz alledem glaube ich daran, dass sich diese Mannschaft im Gegensatz zu den letzten Jahren selbst aus der Misere befreien kann. Wie das möglich ist? Dazu morgen in aller Ausführlichkeit mehr. Für heute, dem immer komplett unbrauchbaren Tag nach schwerwiegenden Niederlagen, soll es das erst einmal gewesen sein. Zumindest sportlich. Denn parallel zur HSV-Niederlage mussten auch wir eine Schlappe hinnehmen – auch wenn der Anlass ein freudiger war. Denn gestern ist unter dem überdimensionalen Verkehr auf unserer Website selbige für zwei Stunden offline gewesen. Der Server hat nicht mehr mitgespielt. Deshalb auch erst um 0.38 Uhr der Blog samt Blitzfazit.
Aber bevor ich diesen Blog abschließe und uns einen weiteren Trauerabend zugestehe, bevor morgen wieder aufgestanden und alles besser gemacht wird, noch eine sehr erfreuliche Nachr9cht: Wir haben für Sven tatsächlich das schwarze Trikot unbeflockt in der gewünschten Größe L gefunden. Ein HSV-Mitarbeiter, der sich keine fünf Minuten nach Veröffentlichung des Blogs gemeldet hatte, hat zusammen mit dem Logistiker das Trikot auftreiben können. Ebenso wie ein treuer Blogfreund namens „Frankie“ übrigens, bei dem ich mich auf diesem Wege schon einmal bedanken will: Du kannst Dein Trikot gern behalten – der Wille zählt aber! Vielen Dank Dir, vielen Dank an den HSV-Mitarbeiter, das Merchandising-Team und den HSV-Logistiker! Vor allem aber: Vielen Dank an Euch alle da draußen! Eure Hilfsbereitschaft war überwältigend – und schon allein für Euch wäre der HSV-Aufstieg verdient!
Allein für Eure Hilfe wäre der Aufstieg verdient!
Aber wie gestern im Blitzfazit und im Blog schon angedeutet: Das wird. Das wird zunächst einmal härteste Arbeit. Das werden einige unangenehme Entscheidungen und einige unangenehme Wahrheiten, die ausgesprochen werden müssen. Aber es wird klappen. Behaupte ich – aber morgen mehr dazu…
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