HSV gewinnt Spitzenspiel in Paderborn mit 3:2 - Dompé der Matchwinner
Der HSV hat ausgerechnet bei der heimstärksten Mannschaft der Liga seine Sieglosserie beendet und sich im Aufstiegsrennen zurückgemeldet. Mit dem 3:2-Auswärtssieg verdrängen…

Der HSV hat ausgerechnet bei der heimstärksten Mannschaft der Liga seine Sieglosserie beendet und sich im Aufstiegsrennen zurückgemeldet. Mit dem 3:2-Auswärtssieg verdrängen sie die Ostwestfalen in der Tabelle vom zweiten Platz und sind bi sauf einen Punkt an Tabellenführer Darmstadt (1:1 beim FC St. Pauli) dran. Für Trainer Tim Walter und Co. war es der erste Dreier nach einer Serie von vier Pflichtspielen mit drei Niederlagen und einem Remis.
Und das nach einem holprigen Start. Robert Leipertz hatte die Paderborner schon in der dritten Minute in Führung geschossen, nachdem HSV-Keeper Daniel Heuer Fernandes per Glanzparade unmittelbar davor noch retten konnte. Aber: Robert Glatzel (23. Minute) und Glatzels Vorbereiter Jean-Luc Dompé (45.+1) drehten die Partie in der Home-Deluxe-Arena bis zur Halbzeit in eine Führung. Und nachdem erneut Leipertz (60.) für Paderborn traf, schoss Laszlo Benes in der 69. Minute den letzten und spielentscheidenden Trefer dieser Partie, in der der HSV die Tugenden an den Tag legte, die es bedarf, um solch enge Spiele am Ende zu gewinnen.
Die auf beiden Seiten mit offenem Visier geführte und zwischenzeitlich sogar ein Stück weit wilde Partie war das erwartete Spitzenspiel des heimstärksten Teams gegen das auswärtsstärkste Team. Und so schön das Ergebnis schon ist, so gut war auch das Spiel. Von beiden Teams. Die 15 000 Zuschauer im ausverkauften Stadion erlebten eine mitreißende Partie. „Heute gab es nicht nur einen Sieger, den HSV, sondern insgesamt zwei: die 2. Liga und den Fußballsport“, sagte Paderborn-Trainer Lukas Kwasniok bei Sky, während HSV- Coach Tim Walter erleichtert war, endlich wieder gewonnen zu haben: Walter lobte dafür sein Team: „Meine Mannschaft hat heute sehr viel Energie versprüht, und das hat den Ausschlag gegeben.“
Ihren letzten Treffer sah das Spiel beim Treffer vom immer besser werdenden Laszlos Benes zum 3:2. Vorbereiter war hierbei erneut der heute kaum zu stoppende Dompé, der somit an allen Hamburger Toren beteiligt war und zum Matchwinner avancierte. „Ein paar Minuten vor dem Tor habe ich Dompé gesagt, dass er mich suchen soll“, berichtete Benes und Torjäger Robert Glatzel fasste zusammen. „Wir wussten, dass wir nach den letzten Spielen eine Reaktion zeigen mussten. Wir haben uns extrem gewehrt. Das war der Schlüssel zum Erfolg. Nach dem 1:1-Ausgleich wurde unser Spiel immer besser, auf 90 Minuten gesehen war es eine gute Leistung.“ Stimmt. Und das übrigens das erste Mal in dieser Saison mit weniger Ballbesitz (47%) als der Gegner…
Die Einzelkritik:
Daniel Heuer Fernandes: Noch Fragen? Ohne ihn in dieser Verfassung wäre das Spiel heute nach zwei Minuten schon verloren gewesen. War beim Gegentor zum 0:1 machtlos, zuvor aber Retter beim Stark getretenen SCP-Freistoß. Note: 2
William Mikelbrencis (bis 68.): Willkommen im Zweitligafußball! Nach einem ganz ordentlichen Debüt vergangene Woche war er heute von der ersten Minute an komplett neben der Spur. Er ließ seinen Gegenspieler vor dem 0:1 (und danach wiederholt) widerstandslos ziehen. In der 12 Minute, bei der zweiten Großchance der Paderborner, ließ er sich zu einfach wegdrücken. Er ist zwar auch erst 19 Jahre, da dürfen noch Fehler passieren. Aber er ist definitiv noch nicht in der Liga angekommen – und in der Form leider ein Risikofaktor. Dass der Trainer in der Schlussphase lieber Königsdörffer als ihn hinten rechts spielen ließ, sagt alles. Note: 5
Ransford Königsdörffer (ab 68.): Ungewöhnliche Position als Rechtsverteidiger. Note: 4
Jonas David: Immer einen Schritt zu langsam – vor allem gedanklich. Er muss aktuell mächtig Kritik einstecken. Leider zu oft noch zurecht. Er schont sich nicht und kämpft, das ist unverkennbar. Aber er wirkt oft noch unbeholfen in den Aktionen. Das 2:2 ist stellvertretend: Er gewinnt erst einen wichtigen Zweikampf, bei dem der Ball dem Torschützen unglücklich direkt vor die Füße fällt. Pech auch, dass Glatzel ihn in der 77. Minute bei der Torchance stört. In der Schlussphase hatte er dann endlich wieder gute Defensivaktionen. Note: 4,5
Mario Vuskovic: Auch er hatte seine Probleme mit dem schnellen Paderborner Spiel. Das war vnicht sein bestes Spiel, er biss sich aber rein und verteidigte gewohnt robust. Note: 4
Miro Muheim: Sein Stellungsfehler leitete das 2:2 ein. Nach einer beschäftigungslosen ersten Halbzeit war seine Seite in der zweiten Hälfte zu offen. Note: 4
Jonas Meffert: Beim 0:1 verliert er erst den Zweikampf und dann den Gegenspieler aus den Augen. Auch sonst hatte er ungewöhnlich wenige Ballkontakte, dafür aber ungewöhnlich viele Ballverluste (Fehlpässe). In der Schlussphase war er aber wieder da. Note: 3
Ludovit Reis: Unauffällig. War heute nicht so aktiv und nicht so stark wie sonst fast immer. Aber ihm gestehe ich diese „Auszeit“ zu. Note: 4
Laszlo Benes: Er war bemüht, das Spiel offensiv zu gestalten. Und als ich dachte, dass es wohl Beim Bemühen bleiben würde, traf er und schmiss sich plötzlich defensiv in jeden Ball. Für mich war das heute sein bestes Spiel für den HSV und vielleicht ein ganz wichtiger (Fort)Schritt dorthin, wo ihn Trainer und alle gern sehen würden: Als spielbestimmenden Zehner. Note: 2
Jean Luc Dompé (bis 78.): Hatte seinen gefühlt ersten Ballkontakt bei der Flanke auf Glatzels 1:1-Kopfballtreffer. Und von da an war er im Spiel. Er suchte das Eins-gegen-Eins und gewann es mehrheitlich. Dazu der Treffer zum 2:1 und die Vorbereitung zum3:2 von Benes – top! Da gibt es heute mal die Note: 1
Filip Bilbija (ab 78.): Er ist hochmotoviert – aber irgendwie wirkt das alles noch überdreht. Note: 4
Sonny Kittel (bis 78.): Es läuft bei ihm einfach nicht. Meistens, weil er es gar nicht erst ernsthaft versucht. Aber inzwischen läuft es auch dann nicht mehr, wenn er es mal versucht. Er trifft einfach falsche Entscheidungen, ihm fehlt es an Überzeugung, wie deutlich zu sehen war beim Querpass auf Glatzel. Deshalb muss er sich weiter reinkämpfen – und teilweise wirkte es heute zumindest so, als wolle er diesen Kampf annehmen. Note: 4
Anssi Suhonen (ab 78.): Wirbelte noch ein wenig mit und beschäftigte die Pasderborner in der Schlussphase. Note: 3
Robert Glatzel: Er ist einfach der entscheidende Mann in der HSV-Offensive. Eine gute Flanke und er traf. Dass jetzt alle über David schimpfen bei der Riesigen Torchance in der 77. Minute ist falsch. Natürlich muss der Ball drin sein – aber: Da hätte Glatzel wegbleiben müssen. So störte er David entscheidend. Trotzdem: Mit ihm ist der HSV offensiv eine Klasse besser als ohne ihn. Note: 2
Trainer Tim Walter: Wenn man seinen Jubel nach Schlusspfiff sieht und dazu beobachtet, wie er auf seine Spieler zugeht, wie er mit ihnen spricht, und vor allem, wie diese reagieren – der erkennt, wie viel Ballast heute mit diesem Sieg abgefallen ist. Walter wusste, dass er defensiv anfällig ist und dass er gegen die treffsicherste Mannschaft der Liga improvisieren (und sehr viel Hoffen) musste. Heute mit Erfolg. Am kommenden Wochenende muss dieser Sieg bestätigt werden – dann wieder mit Abwehrchef Sebastian Schonlau, dessen Fehlen auch heute bemerkbar war. Die Idee mit Königsdörffer hinten rechts für Mikelbrencis in der Schlussphase war mutig – und sie ging zumindest nicht schief. Bleibt zu hoffen, dass Walters unerschütterliches Vertrauen in Kittel irgendwann in dieser Saison doch noch Früchte trägt. Heute hat Kittel zumindest Ansätze gezeigt, sich gegen seine Formkrise wehren zu wollen. Note: 3
Schiedsrichter Florian Badstübner: Hatte die Partie komplett im Griff. Da gab es absolut gar nichts zu meckern. Note: 1
DIE DATEN ZUM SPIEL:
SC Paderborn: Huth - Heuer (86. Tachie), Hünemeier (74. Srbeny), Rohr - M. Hoffmeier, Schallenberg, Muslija (65. Mehlem), Justvan - Pieringer, Conteh (65. Platte), Leipertz (86. Ofori)
HSV: Heuer Fernandes - Mikelbrencis (68. Königsdörffer), Vuskovic, David, Muheim - Reis, Meffert, Benes - Kittel (78. Suhonen), Glatzel, Dompé (78. Bilbija)
Tore: 1:0 Leipertz (3.), 1:1 Glatzel (23.), 1:2 Dompé (45.+1), 2:2 Leipertz (51.), 2:3 Benes (69.)
Zuschauer: 15.000 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Florian Badstübner (Nürnberg)
Gelbe Karten: Muslija (42.), Rohr (82.) / -
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