Spielbericht

HSV gewinnt letzten Test - Schonlau neuer Kapitän

Endlich wieder Fußball im Volksparkstadion – MIT Zuschauern! Dachte ich mir auf der Hinfahrt über die zugestellte A7, die ich mit viel Glück dann doch noch Höhe Eidelstedt…

HSV gewinnt letzten Test - Schonlau neuer Kapitän

Endlich wieder Fußball im Volksparkstadion – MIT Zuschauern! Dachte ich mir auf der Hinfahrt über die zugestellte A7, die ich mit viel Glück dann doch noch Höhe Eidelstedt verlassen konnte. Anders wäre ich definitiv auch nicht pünktlich gewesen. Aber so schaffte ich es knappe 45 Minuten vor Anpfiff im Stadion zu sein und noch etwas von der Stadionshow unseres Freundes Stübi mitzubekommen. Der machte es gewohnt gut. Auch er hatte sichtlich mehr Spaß mit den knapp 4000 Zuschauern im Stadion als in den letzten Saisonspielen, wo er auf uns Journalisten und ein paar Angestellte einreden durfte. Nein, es war schon wieder ein Hauch Normalität zu verspüren. Und es wäre schön, wenn sich die Werte so verhalten, dass der Fußball risikofrei wieder mit Zuschauern stattfinden kann. HSV-Trainer Tim Walter nach dem erfolgreichen letzten Test gegen Basel: „Die Atmosphäre im Stadion war heute sehr gut. Es macht einfach Spaß, wieder vor Zuschauern zu spielen. Ich hoffe, dass uns die Fans auch gegen Dynamo Dresden so tatkräftig unterstützen, denn genau das brauchen wir.“

Aber das nur vorweg, denn heute ging es nicht um die äußeren Umstände sondern um den letzten Test vor dem Saisonauftakt gegen den Schweizer Champions-League-Teilnehmer FC Basel, der gleich nach einer Minute die erste Großchance hatte. Und das aus einer Szene, die wir vielleicht häufiger durchstehen müssen. Denn neue HSV-Trainer Tim Walter will, dass seine Mannschaft möglichst viele Situationen möglichst oft fußballerisch löst.

Soll heißen: Den berühmten „langen Hafer“ wird es nicht allzu oft zu sehen geben, auch wenn er manchmal besser wäre – wie eben in dieser ersten Minute. Da bekam Keeper Daniel Heuer Fernandes den Ball auf Höhe des Fünfmeterraums zugespielt und wollte zwischen drei Baselern hindurch den umzingelten Jonas David anspielen, der auch sofort attackiert wurde – und den Ball verlor. Das sichere 0:1 wurde nur durch ein Hamburger Bein verhindert, das den Schuss gerade noch blocken konnte.

Jonas David begeistert Walter

Aber es war ein Fingerzeig – zum einen generell für die Saison. Aber auch heute für die Mannschaft, schneller zu spielen, als zuletzt gegen die qualitativ deutlich schwächer einzustufenden Dänen aus Silkeborg. Ansonsten würde es ungemütlich. Und das nicht nur heute. Denn das hoch stehende, auf Offensive ausgelegte Spiel Walters birgt neben vielen Offensivaktionen eben auch Räume für den Gegner zu kontern. Eine auch Walter selbst bekannte und einkalkulierte Schwäche in seinem System, die es dringend noch auszubalancieren gilt.

Eine wichtige Rolle in Walters System hat auch Sebastian Schonlau, der in der Innenverteidigung gesetzt sein dürfte, zumal er vom Trainer zum neuen Mannschaftskapitän bestimmt wurde. Und ehrlich gesagt gefiel mir der Nachfolger von Tim Leibold heute in der ersten Halbzeit am besten von allen 22 Spielern auf dem Platz. Der Neuzugang aus Paderborn wusste mit spielerischer Ruhe, sehr starkem Stellungs- und sicherem Aufbauspiel in einem ansonsten sehr zähen und von vielen kleinen Fehlern geprägten Spiel zu gefallen. Er machte es seinem jungen Nebenmann Jonas David nach der frühen Schrecksekund auch leicht, schnell wieder Fuß zu fassen. Wobei Jonas David vom Trainer erneut in den höchsten Tönen gelobt wurde. Seine Belohnung: Ein Startelfplatz und ein Platz im neuen Mannschaftsrat, den Walter bestimmt hat.

Aber Torchancen im Spiel? NULL. Und zwar genau bis zu dem Moment, wo ich diesen Satz beendet hatte. Denn da kam der HSV endlich auch zu seiner ersten Großchance. Der aktive David Kinsombi kam rechts frei an den Ball, flankte und fand Manuel Wintzheimer, der per Direktannahme ebenso wie Bakery Jatta im Nachschuss an Basels Keeper Heinz Lindner scheiterte. Noch – denn vier Minuten später war der Ball dann drin. Robert Glatzel legte kurz hinter der Mittellinie per Hacke auf Wintzheimer, der den Ball in vollem Lauf mitnahm, gekonnt am letzten Mann der Baseler vorbeilegte und allein auf Lindner zulief. Dass er es am Ende nicht selbst war, der abschloss – geschenkt!

Walter findet seine Stammelf - Fingerzeig gegen Basel

Es war Wintzheimers Tor – und damit dessen dritter Treffer in der Vorbereitung. Vor allem war es auch der Halbzeitstand. Etwas überraschend für mich war, dass der Trainer zur zweiten Halbzeit erst einmal nichts veränderte. Ein Wink für den ersten Spieltag am kommenden Freitag beim FC Schalke? Gut möglich! Zumindest deutete Walter an, dass die heutige Startelf die aktuell leistungsstärkste Elf aus seiner Sicht sei. Aber: Ich hoffe, dass bis zum kommenden Freitag Amadou Onana wieder voll da ist und dann eine Verstärkung wird. Sein Tempo und seine Zweikampfstärke in der zentralen Defensive neben den spielstarken Jonas Meffert, Ludovit Reis und David Kinsombi könnte passen – sofern Walter im 4-4-2-System spielen und nicht wie heute in der zweite Halbzeit auf 4-3-3 umstellt. 

Wobei mir Glatzel/Wintzheimer im Paket gut gefallen haben. Allerdings brachte auch Mikkel Kaufmann nach seiner Einwechslung Dampf ins Spiel. Der Däne hatte zumindest gleich in der 61. Und 65. Minute zwei gute Torraumszenen, die die Schweizer allerdings zu vereiteln wussten. Ebenso wie Miro Muheim übrigens auf der anderen Seite keine 60 Sekunden nach seiner Einwechslung, als er den sicheren Ausgleich mit einem blockierten Schuss zu verhindern wusste.

Aber, und das kann man als Fazit gelten lassen: Die Neuen wussten heute zu gefallen. Der eine (Schonlau) mehr als die anderen – aber auch Meffert (gutes Stellungsspiel, ruhig im Spielaufbau), Reis (noch etwas zurückhaltend im Aufbauspiel, aber einsatzfreudig), Glatzel (sehr agil mit noch zu vielen Stockfehlern zwar – aber immer in Bewegung) sowie die später eingewechselten Mikkel (bringt eine spannende Robustheit gepaart mit gutem Tempo und dem Zug zum Tor mit) und Muheim zeigten, dass sie den HSV verstärken können. Und das wiederum wird - bei aller Freude über den heutigen Sieg - vonnöten sein.

HSV ist auf einem guten Weg - mehr noch nicht

Wobei diese Kritik ein Stück weit erwartungsgemäß ist angesichts dieser personell aus Walters Sicht betrachtet holprigen Vorbereitung. Dennoch: Den Kraftaufwand, den man heute immer wieder betreiben musste, um kleine Stockfehler defensiv auszubügeln, muss man vermeiden. Ebenso ist das ständige Wechseln der Viererkette im dann per Kurzpass versuchten Aufbauspiel noch nicht Zweitliga-sicher, um es mal vorsichtig zu sagen. Oder anders formuliert: Hier bietet der HSV einfach noch zu viele (vor allem unnötige) Angriffspunkte für den jeweiligen Gegner. Zumal diese im Ligabetrieb noch mal eine Nummer heißer und schneller sein werden als der FC Basel heute in diesem Testspiel. Walter nach dem Schlusspfiff: „Wir wollten sehr viel Ballbesitz – das haben die Jungs bereits gut umgesetzt. Wir müssen in Zukunft aber noch schneller die Tiefe suchen und uns noch öfter belohnen.“

Fazit: Der HSV ist noch nicht da, wo er Freitag sein muss, wenn er auf Schalke bestehen will. Aber wenn man dieses Spiel richtig analysiert und die Fehler im Training zu beheben weiß, ist der HSV unter Tim Walter zumindest auf einem guten Weg dahin.

SO HAT DER HSV GESPIELT:

HSV: Heuer Fernandes - Gyamerah, Schonlau (68. Rohr), David (68. Leistner), Leibold (68. Heyer) - Meffert (63. Gjasula) - Reis (68. Muheim), Kinsombi (63. Onana) - Wintzheimer (75. Opoku), Glatzel (63. Kaufmann), Jatta (75. Meißner)

Tor: 1:0 Wintzheimer (39.)

Schiedsrichter: Patrick Ittrich (Hamburg)

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