Spielbericht

HSV gewinnt 2:0 in Nürnberg - ein Sieg zum Abschied

Der HSV beendet das Jahr 2023 mit seinem zweiten Auswärtssieg in dieser Hinserie. Robert Glatzel und Jean Luc Dompé sichern einen 2:0-Auswärtserfolg gegen schwache Nürnberger,…

HSV gewinnt 2:0 in Nürnberg - ein Sieg zum Abschied

Der HSV beendet das Jahr 2023 mit seinem zweiten Auswärtssieg in dieser Hinserie. Eine bessere Vorlage für die heute Abend geplante Weihnachtsfeier der Mannschaft konnte sie sich selbst kaum erarbeiten. Robert Glatzel und Jean Luc Dompé sicherten einen 2:0-Auswärtserfolg gegen offensiv schwache Nürnberger, die mehrfach Latte und Pfosten treffen, aber ansonsten harmlos agierten. „Das tut schon gut“, freute sich Kapitän Sebastian Schonlau, der auch betonte, dass es nicht explizit ein Sieg für den wackelnden Trainer war. „Es war einfach ein Sieg für uns. Wir wollten gewinnen, weil wir nicht zufrieden waren mit uns. Wir waren nicht zufrieden mit unseren Leistungen und auch nicht mit unseren Ergebnissen. Da ist es umso schöner, dass wir jetzt mit einem Auswärtssieg diese Hinserie beenden.“

Ein vernünftiges Statement des Captains. Dennoch wird es jetzt vor allem darauf ankommen, dass sich beim HSV niemand von der Emotion des Augenblickes leiten lässt. Denn auch nach diesem Sieg muss erkannt werden, dass dieser HSV defensiv nicht stark genug ist, um souverän aufzusteigen. Es muss sogar in Frage gestellt werden, ob es überhaupt reicht, was der HSV aktuell aus seinen Möglichkeiten herausholt.

Ich hatte es in den letzten Wochen, Monaten und Jahren unter Trainer Tim Walter immer wieder moniert, und kann hier keine Verbesserung/Veränderung erkennen. Immer wieder reichen einfache, lang geschlagene Bälle, dass die HSV-Abwehr ausgehebelt ist. Auch heute fing sich der HSV nach einer offensiven Standardsituation einen Konter, bei dem ein Nürnberger allein aufs Tor zulief. Ein Szenario, dass sicher jeder Mannschaft mal passiert – aber eben nicht in der Regelmäßigkeit, wie sie beim HSV zu sehen ist.

Dass der HSV hier am Ende – absolut nicht unverdient – mit 2:0 gewinnt, freut mich. Es ist wichtig für die Köpfe der Spieler, wichtig für die Tabelle und die eigenen Ziele. Aber der Sieg hat eben auch zum wiederholten Male viele altbekannte Mängel aufgezeigt, die nur mit etwas Aluminium-Glück und der Harmlosigkeit der Nürnberger Offensive keine schlimmeren Folgen für den HSV hatten. Der HSV hätte dieses Spiel tatsächlich auch verlieren können. Und das gegen eine offensiv außergewöhnlich harmlose Nürnberger Mannschaft. Und nicht nur deshalb hat sich an meiner Meinung zur aktuellen HSV-Situation nichts geändert. Ich bleibe dabei, dass der HSV einfach noch zu viele defensive Mängel hat, die ihn gegen jeden Gegner anfällig wirken lassen.

Bleibt nur zu hoffen, dass der HSV die von Sportvorstand Jonas Boldt angekündigte Analyse möglichst umfangreich und schonungslos durchzieht. An eine Veränderung bei Tim Walter, der sein Spiel nur anpassen müsste, glaube ich nicht mehr. Dafür hat er diesen Ratschlag aus allen Richtungen kommend schon zu oft ignoriert und sein Spiel auf Biegen und Brechen durchgezogen. Leider. Warum er so resistent agiert, erschließt sich mir dabei bis heute nicht. Denn es sind – wie nach seinem ersten Spiel schon angemerkt – nur Nuancen, die fehlen. Aber sie fehlen eben immer noch.

In diesem Sinne, die nächsten Tage werden uns zeigen, wie ernst es der HSV mit der Analyse meint. Bis dahin wünsche ich Euch einen schönen Sonnabend und ein schönes Rest-Wochenende!

Scholle

STIMMEN ZUM SPIEL:

HSV-Sportvorstand Jonas Boldt: Man hat schon gemerkt, dass die letzten Wochen nicht einfach waren, aber wir haben sehr fokussiert gearbeitet und viel Energie reingesteckt. Mit den Spielunterbrechungen war es heute nicht einfach. Mit zunehmendem Spiel war es klar, dass Nürnberg auch zum Zuge kommt und Chancen haben wird. Da hatten wir sicher auch ein bisschen Glück, aber das gehört dazu. Die Jungs haben nie aufgesteckt und am Ende auch verdient gewonnen. 

HSV-Trainer Tim Walter: Zu Beginn hat man gemerkt, dass wir wieder auf vielen Positionen umstellen mussten. Gerade in der ersten Halbzeit ging es viel hin und her mit Chancen auf beiden Seiten. Es waren wenig Mittelfeld-Aktionen, sondern eher immer Umschaltmomente. In der zweiten Halbzeit waren wir gut drin, mussten dann aber einen Schockmoment überstehen müssen, als der Club die Latte getroffen hat. Das war für uns ein Hallo-Wach-Effekt. Dazu haben uns auch ein paar Wechsel gutgetan. Die Führung war dann wie ein Brustlöser. Wir haben danach sehr abgezockt und mit viel Spaß auf dem Platz gespielt. Jean-Luc hat uns dann belohnt.  

Nürnbergs Trainer Cristian Fiel: Wir haben viel von dem gespielt, was wir uns vorgenommen hatten. Am Anfang hatten wir einige Probleme, was dann aber besser wurde. Es war wenig Kontrolle über den Ball. Wir hatten einige Chancen, die müssen dann gegen den HSV aber auch rein, sonst bekommst du ein Problem. Bei den Gegentoren hat man die individuelle Klasse gesehen. Es war von meinem Gefühl eher eine bittere Niederlage. 

DIE ZAHLEN ZUM SPIEL:

1. FC Nürnberg: Klaus - Gyamerah (86.Valentini), Hübner, Horn, Handwerker - Geis, Schleimer (86.Duman), Brown (81.Wekesser), Goller, Okunuki - Hayashi (71.Lohkemper)

HSV: Heuer Fernandes - Mikelbrencis, Ambrosius, Schonlau (90.+3 Ramos), Oliveira - Meffert, Pherai (85.Poreba), Benes - Jatta, Glatzel (85.Nemeth), Öztunali (61.Dompe)

Tore: 0:1 Glatzel (80.), 0:2 Dompe (90.+7)

Zuschauer: 41.276

Schiedsrichter: Tobias Reichel (Sindelfingen) 

Gelbe Karten: Brown (45.+2) / Meffert (42.), Jatta (44.), Mikelbrencis (64.), Benes (90.+6), Dompe (90.+8)

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