HSV: Flexibleres Spiel wäre die konsequentere Entwicklung
Anfälligkeit, die wir zuletzt immer wieder zu sehen – und der HSV zu spüren bekommen hat. Seit Saisonbeginn wiederhole ich mich darin, dass ich dieses Spiel in seiner Auslegung…

Das Spielsystem von Trainer Tim Walter ist sehr speziell. Und genau das macht seine Stärke aus. Aber es birgt leider auch eine Anfälligkeit, die wir zuletzt immer wieder zu sehen – und der HSV zu spüren bekommen hat. Seit Saisonbeginn wiederhole ich mich darin, dass ich dieses Spiel in seiner Auslegung beim HSV als zu dogmatisch und zu riskant empfinde. Der bisherige Saisonverlauf gibt mir in diesem Punkt Recht. Gerade zuletzt hat sich der HSV immer wieder selbst in unnötige Bedrängnis gebracht. Dennoch ist dieses Thema diskutabel. Und viele, aber5 längst nicht alle gehen mit meiner Meinung d’accord. Auch Spinoza sieht es anders. Er schrieb (stellvertretend für einige andere nehme ich diesen Post):
Eine Frage dazu: Was bringt es, aus der Abwehr heraus spielen zu wollen, wenn man nicht in der Lage ist, dies gegen eine hoch pressende Mannschaft zu tun? Wenn der Gegner einen hoch presst, ist das Gegenmittel nicht seinen Spielplan aufzugeben und somit zu vermitteln dass dieser nur auf Zuckerwatte aufgebaut ist. Dadurch nimmt man dem Gegner nicht den Glauben, man schenkt ihn ihm. Vielmehr muss erkannt werden, wie das Spiel hinten raus trotz eines hoch pressenden Gegners, gut umgesetzt werden kann. Und wenn dabei Fehler entstehen, müssen diese angesprochen werden bzw. im Training überwunden werden. Oder siehst du das anders?
Meine Antwort:
Es geht mir hier nicht darum, das eine zu fordern und das andere abzulehnen. Das Spiel hintenraus darf mutig sein. Das finde ich sogar sehr gut. Es darf auch versucht werden, möglichst alles spielerisch zu lösen. Es geht mir aber darum, dass man hier flexibler sein muss und eben nicht partout ein System durchdrückt. Es gibt immer die Situation, in der die Gegner den HSV so hoch pressen, dass sie automatisch defensiv Lücken bieten. Du kannst nicht offensiv hoch attackieren und defensiv tief stehen, ohne große Lücken zu hinterlassen. Und wenn die Gegner mit der gesamten Mannschaft aufrücken, bieten sie automatisch den Raum für den langen Ball, bei dem es dann auf das Tempo von Angreifer und Abwehr ankommt. Und hier hat der HSV mit Jatta sogar den schnellsten Spieler der Liga in seinen Reihen.
Nein, mir geht es darum, dass der HSV das mutige Spiel spielt und trotzdem den langen Ball als Stilmittel mit einbaut. Als Notball – und als öffnenden Pass. Hierbei gibt es keine klare Regel von Trainerseite, die man vorgeben kann. Das muss intuitiv vom Spieler entschieden werden. Aber Tim Walter hat den Jungs sehr deutlich gemacht, dass der lange Ball bei ihm nicht erwünscht ist. Und angesichts von nunmehr acht Gegentoren nach unnötigen Ballverlusten in der eigenen Defensive (Negativ-Spitzenwert in der Liga) schreit das nach einer Nachjustierung.
Denn sobald der Gegner weiß, dass das eigene, hohe Pressing gefährlich wird, weil der HSV das Konterspiel draufhat, überlegen es sich Dresden, Paderborn, Kiel und Co. dreimal, ob sie weiterhin so hoch attackieren. Und genau DANN haben sie den meisten Respekt vor dem HSV, behaupte ich. Und was den Glauben des Gegners anbelangt: Die meisten Teams treten gegen den HSV in dem Glauben an, dass der HSV die bessere Mannschaft ist. Und ich gebe Dir Recht, dass die spielerische Lösung diesen Eindruck noch einmal verfestigt – wenn sie gut gespielt wird und funktioniert. Aber: Sobald ich als Gegner mit einfachem Pressingspiel beim HSV hinten Unruhe stiften kann, wittere ich selbst als die spielerisch schwächste Mannschaft der Liga meine reelle Chance.
Denn dann geht es nicht mehr darum, dass ich das bessere Passspiel oder ansonsten fußballerisch besser sein muss, sondern nur noch darum, dass ich mich zerreißen muss. Ich muss „einfach nur“ (Die Anführungsstriche, weil es sehr anstrengend ist) sehr laufintensiv attackieren. Ich muss mich quasi bis zur Erschöpfung quälen und den HSV nerven – dann ist eine reelle Chance da. Und während die wenigsten Zweitligateams dem HSV spielerisch das Wasser reichen können, können sie dies dagegen körperlich fast alle. Denn während man fußballerisch innerhalb dieser Liga ganz deutlich Unterschiede erkennen kann, stehen physisch in dieser Liga alle Teams sehr viel näher beieinander.
Giorgi Chakvetadze wird wohl nicht übernommen
Und ja, das muss und kann man im Training ganz einfach simulieren. Anschauungsmaterial hat der HSV (siehe acht Gegentreffer) definitiv genug. Von daher: Bitte übernehmen Sie, Herr Walter! Apropos übernehmen: Laut Meldung der Kollegen der BILD wird Giorgi Chakvetadze nach dieser Saison nicht übernommen. Und gemessen an dem bisher Gezeigten ist das sicherlich die richtige Entscheidung.
In diesem Sinne, das nur als kurzen Einwurf am freien Tag. Ich melde mich dann morgen früh wieder mit dem MorningCall und werde abends mit dem Blog wieder bei Euch sein. Sofern gewünscht. Bis dahin!
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