Spielbericht

HSV feiert seinen ersten Sieg - dank Vuskovic, Philippe und einer Portion Glück

Vor 57.000 Zuschauern im ausverkauften Volksparkstadion hat der HSV drei ganz wichtige Punkte eingefahren - und das mit viel Willen und einer gehörigen Portion Dusel. Beim 2:1…

HSV feiert seinen ersten Sieg - dank Vuskovic, Philippe und einer Portion Glück

Vor 57.000 Zuschauern im ausverkauften Volksparkstadion hat der HSV drei ganz wichtige Punkte eingefahren - und das mit viel Willen und einer gehörigen Portion Dusel. Beim 2:1 gegen den 1. FC Heidenheim feierte der HSV nicht nur den ersten Bundesliga-Sieg seit dem Wiederaufstieg, sondern auch das Ende einer siebenjährigen Durststrecke ohne Erstliga-Erfolg. Spielerisch blieb vieles Stückwerk, es war ein wildes Spiel, bei der der HSV defensiv wackelte. Doch am Ende zählt erstmal allein das Ergebnis, das die Mannschaft von Merlin Polzin ein Stück weit durchatmen lässt. Heute zumindest. Ab morgen geht es dann darum, weiter bestehende Schwächen abzustellen.

Der HSV musste an diesem Nachmittag zunächst ohne seinen etatmäßigen Torjäger Robert Glatzel in der Startelf auskommen – das Trainerteam hatte ihn zunächst auf die Bank gesetzt. Gerade im Strafraum machte sich das Fehlen des Box-Spielers bemerkbar, denn von Beginn an fehlten die Mittel, um die dicht gestaffelte Defensive des 1. FC Heidenheim ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Früh zeigte sich zudem, dass die Standardsituationen der Gäste erneut eine Schwachstelle darstellten: Schon nach elf Minuten stand Muheim bei einer Ecke erneut nicht eng genug am Mann, sodass Heuer Fernandes retten musste. Auch kurze Varianten, wie sie schon St. Pauli zum 0:1 genutzt hatte, wurden vom HSV nicht konsequent verteidigt.

Der HSV gerät immer wieder unter Druck - aber Vuskovic trifft

Heidenheim suchte sein Glück vor allem über die linke Hamburger Abwehrseite, wo Elfadli gegen den pfeilschnellen Conteh kaum Zugriff fand. In dieser Phase war es einzig Torwart Heuer Fernandes, der mit mehreren starken Paraden einen frühen Rückstand verhinderte. Offensiv blieb der HSV lange harmlos. Vieira wirkte unsicher und auf den linken Fuß festgelegt, Philippe fand überhaupt nicht ins Spiel. Erst nach 20 Minuten bereitete Omari mit einem beherzten Lauf die erste Chance vor, doch Vieiras Schuss wurde geblockt. Kurz darauf erarbeitete sich Vieira den Ball im Mittelfeld, setzte Königsdörffer in Szene – doch auch dessen Versuch wurde zur Ecke abgewehrt. Aus dieser Standardsituation ergab sich die bis dahin größte Gelegenheit: Vuskovic stand völlig frei, setzte den Ball aus fünf Metern jedoch über die Latte.

Dann aber die 42. Minute: Wieder war ein Standard Ausgangspunkt. Nach mehreren Abprallern landete die Kugel vor den Füßen von Luka Vuskovic, der entschlossen nachsetzte und das 1:0 erzielte – das erste Bundesliga-Tor des HSV seit 2018. Doch fast im direkten Gegenzug unterlief ihm ein fataler Fehler, den er nur mit einer beherzten Grätsche selbst wieder ausbügeln konnte. Trotz der Führung blieb der HSV in der Defensive wackelig, gerade über die linke Seite, wo Heidenheim immer wieder gefährlich wurde. Mit einem glücklichen Vorsprung ging es in die Pause – und mit dem klaren Befund: Strukturell schwach, defensiv anfällig, aber endlich wieder effektiv.

Nach dem Seitenwechsel setzte sich das Bild zunächst fort. Heidenheim kam mutig aus der Kabine, profitierte von Hamburger Nachlässigkeiten, scheiterte jedoch erneut mehrfach am glänzend reagierenden Heuer Fernandes. Doch mitten in dieser Drangphase schlugen die Gastgeber eiskalt zu: In der 59. Minute leitete Gocholeishvili den Ball von rechts in den Lauf von Vieira, der am Fünfmeterraum Philippe fand. Mit einem feinen Kontakt drückte der Franzose die Kugel über die Linie – das wichtige 2:0 HSV.

Philippe besorgt das 2:0 - aber der HSV verpasst die Vorentscheidung

Danach wurde die Partie offener, noch etwas wilder. Der HSV gewann zunächst etwas an Sicherheit, ohne jedoch spielerisch zu überzeugen. Chancen gab es auf beiden Seiten, doch die Hamburger verpassten es, frühzeitig den Deckel draufzumachen. In der 90. Minute bot sich dem eingewechselten Baldé die Möglichkeit, eine Überzahlsituation zum 3:0 auszuspielen, doch er verzettelte sich und leitete stattdessen einen gefährlichen Konter ein, den seine Mitspieler gerade noch stoppen konnten. In der Nachspielzeit kam Heidenheim durch Kölle zwar noch zum Anschlusstreffer, mehr gelang den Gästen aber nicht.

So blieb es beim 2:1 – dem ersten Bundesliga-Sieg des HSV seit dem 12. Mai 2018. Vor den Augen jener HSV-Helden, die einst das legendäre 4:4 gegen Juventus Turin erkämpft hatten, gelang den Rothosen ein Erfolg, der vor allem eins bedeutet: endlich in der Bundesliga angekommen zu sein. Mit Glück, mit viel Abwehrarbeit – aber auch mit dem Wissen, dass diese drei Punkte Gold wert sind.

DIE SPIELER IN DER EINZELKRITIK:

Daniel Heuer Fernandes: Das war ein Spiel für ihn zum Auszeichen. „Dank“ der defensiven Unzulänglichkeiten seiner Vorderleute rettete er häufiger in höchster Not, als in der gesamten letzten Saison zusammen. Dass ihm das nur bedingt recht war, demonstrierte er, in dem er seine Vorderleute immer wieder zu organisieren versuchte – was leider nur bedingt gelang – aber auch nichts eine Kernaufgabe sein sollte. Was er machen musste, erledigte er fehlerfrei. Note: 1

Gocholeishvili (bis 86.): Er gefiel mir gut. Sehr aktiv nach vorn, defensiv stabiler als seine Kollegen auf der linken Seite. Seine Auswechslung war unnötig – und falsch! Warum das Trainerteam hier der eh schon wackeligen Defensive noch eine Stütze entriss – unverständlich. Note: 3

Warmed Omari: Gut. Wirklich, alles, was er macht, hat Hand und Fuß. Dass die Defensive des HSV heute trotzdem noch lange nicht erstligareif war, liegt an der fehlenden Abstimmung und an den vielen individuellen Fehlern seiner Nebenleute. Note: 3

Luka Vuskovic: Offensiv hat er seine gute Szene gehabt, defensiv war das nichts. Viele Stellungsfehler, noch mehr Stockfehler und Fehlpässe. Das kann er besser – wobei mir sein fehlendes Tempo Sorgen bereitet. Ganz sicher bin ich, dass wir alle aufpassen sollten, zu viele Erwartungen in diesen jungen Spieler zu setzen – auch wenn er Vuskovic heißt und heute getroffen hat. Normalerweise eine 4,5, durch den wichtgen Treffer wird es eine Note: 3,5

Daniel Elfadli: Gut, dass er wieder dabei war – dachte ich. Aber dann sah ich, wie er gegen den schnellen Conteh immer wieder Probleme hatte. Er UND Vuskovic scheint keine gute Kombo zu sein, weil sie beide nicht in der Lage sind, schnelle Gegenspieler abzulaufen. Aber: Wer soll es sonst machen? In der zweiten Halbzeit wurde er besser. Note: 4

Miro Muheim: erste Halbzeit war er im Zusammenspiel mit Elfadli und Vuskovic defensiv eine Schwachstelle. Zweite Halbzeit wurde er weniger gefordert, war aber zumeist da. Bitter ist, dass er als Standardspezialist in der Offensive auf der anderen Seite als Defensivspieler immer wieder pennt. Note: 4

Nicolai Remberg: Er ist zwar sehr robust, aber heute ohne jeden Impact auf das Spiel. Sehr viele Querpässe, zu wenig Aufbau. Note: 4

Fabio Vieira (bis 80.): Es macht Spaß, ihn am Ball zu sehen. Auch wenn er in der ersten Hälfte zu wenig daraus machte und zusammen mit den Kollegen kaum Mittel gegen die defensiven Heidenhemer fand, so ist er trotzdem ein Hoffnungsschimmer in dem weitgehend unkreativen Offensivspiel des HSV. Note: 2,5

Alexander Rössing-Lelesit (ab 80.): Schade, dass seine erste Aktion mit einem Ausrutscher zunichte ging. Er hat definitiv super Anlagen und wird, dabei bleibe ich, in einigen Jahren der am höchsten dotierte Spieler aller derer, die heute auf dem Platz standen. Aber erst dann. Das Potenzial dafür hat der schnelle Außenstürmer - aber er braucht leider noch eine Weile, bis er auch die physische Stabilität hat. 

Rayan Philippe (bis 73.): Endlich trifft er. Auch wenn er heute wieder nur sehr partiell andeutete, was man sich von ihm erhofft, hat er endlich seinen ersten Treffer. Bleibt zu hoffen, dass er hier in Hamburg nicht anderthalb Jahre bis zu seiner Topform braucht, sondern jetzt mit diesem Rückenwind anfängt, sein Potenzial mehr als nur ausnahmsweise einzubringen. Und: Welche Position er erste Halbzeit spielen sollte, erschloss sich mir auch bei genauem Hinsehen nicht. Aber: Er hat getroffen. Endlich. Note: 4

Fabio Baldé (ab 74.): Gute Aktionen hinten, aber nach vorn ließ er einen blitzsauberen Konter sehr ungeschickt liegen. Das hätte die Entscheidung sein müssen. Ohne Note heute. 

Ransford Königsdörffer (bis 86.): Viel unterwegs. Zumindest deutlich mehr als in München. Wirklich effektiv war es aber nicht. Note: 4

Robert Glatzel (ab 89.): Sein Wechsel kam spät – und war nur dafür gedacht, Zeit von der Uhr zu nehmen. Es ist schade, dass das Trainerteam seine Qualitäten nicht nutzt. Ebenfalls ärgerlich war, dass Glatzel in der Nachspielzeit nur die Latte traf, nachdem man gerade den Anschlusstreffer kassiert hatte. Eine Note gebe ich dafür nicht.

Jean-Luc Dompé (bis 73.): Endlich wieder in der Startelf, allerdings heute lange nicht so gefährlich, wie erhofft. Denn: Allein sein Dabeisein verändert die Balance des Gegners. Note: 4

Albert Sambi Lokonga (ab 74.): Sein Ballgewinn in der Nachspielzeit nach dem unfassbar dämlich ausgespielten Konter über Baldé war Gold wert, seine Kopfballvorlage unmittelbar danach in den Lauf der Heidenheimer saugefährlich. Eine Bundesligapremiere, die in sehr kurzer Zeit recht viele Aufs und Abs hatte. Eine Note gibt es dafür aber (noch) nicht.

DIE STIMMEN ZUM SPIEL

Daniel Heuer Fernandes: Es braucht auf diesem Niveau genau diese Mannschaftsleistung, um am Ende die drei Punkte zu holen. Wir sind froh, dass wir es heute mannschaftlich geschafft haben. Wir hatten natürlich Chancen, um auch vorher schon den Sack zuzumachen, aber vielleicht brauchte es heute auf diese Art und Weise den Sieg. Man hat heute in vielen Momenten gesehen, wofür wir stehen wollen: defensiv kompakt stehen, offensiv mit Zielstrebigkeit für Aktionen sorgen. Heute war von Beginn an mächtig Power im Stadion. Das wollten wir unbedingt für unser Spiel nutzen. Solche Siege geben uns natürlich Selbstvertrauen.

"Die Unterstützung der Fans war heute fantastisch"  Fabio Vieira

HSV.de

Rayan Philippe: Es war ein verrücktes Spiel und eine verrückte Atmosphäre. Es ist unglaublich, vor dieser Kulisse ein Tor zu schießen und dann auch noch einen Sieg zu feiern. Dafür spielt man Fußball. Natürlich wollen wir an diese Leistung jetzt anknüpfen.

Fabio Vieira: Wir sind sehr glücklich über diesen Sieg. Wir wollten unbedingt dieses Erfolgserlebnis, um das Selbstvertrauen im Team und im gesamten Club zu stärken. Die Unterstützung der Fans war heute fantastisch. Es ist toll, dass wir ihnen die drei Punkte schenken konnten. Ich gebe alles dafür, dem Team zu helfen, damit wir unsere Ziele erreichen. Das Wichtigste ist, dass wir als Mannschaft weiter hart arbeiten, um uns immer weiter zu verbessern. Das gilt für jeden Verein auf der Welt. Es gibt kein perfektes Team. Heute ist aber ein Tag, an dem wir uns auch einmal über den Sieg freuen dürfen, bevor wir uns gedanklich auf das nächste Spiel vorbereiten.

Luka Vuskovic: Ich bin sehr emotional und stolz. Auf uns, unseren Sieg und auch auf mein Tor. Es bedeutet mir sehr viel, direkt in meinem ersten Heimspiel getroffen zu haben, schließlich hat mein Bruder, der immer für mich da ist, beim HSV auch seine Geschichte. Das Gefühl beim Tor und der Jubel der Fans waren unglaublich. Ich hatte erst noch die Befürchtung, dass der Treffer wegen irgendetwas zurückgenommen werden könnte, aber umso größer war dann die Freude. Über das Tor, vor allem aber über unseren Sieg.

"Es war eine absolute Energieleistung - sowohl von der Mannschaft als auch von der Tribüne"  Merlin Polzin

HSV.de

Miro Muheim: Dieser Sieg war extrem wichtig und die Freude riesig. Die verrückte Stimmung im Stadion hat Bände gesprochen, die Fans haben uns sehr gepusht. Das Gegentor zum 1:2 am Ende nervt, aber die Hauptsache ist, dass wir gewonnen haben. Natürlich war der Druck da, der herrscht in Hamburg immer. Aber wir haben uns nicht verrückt machen lassen, haben uns sehr konzentriert vorbereitet und in vielen Phasen eine gute Leistung gezeigt. 

Merlin Polzin: Es war ein Arbeitssieg, der sich nicht nur in den 90 Minuten, sondern über die Woche hinweg zugetragen hat. Die Mannschaft war sehr kritisch mit sich und hat untereinander den Austausch gesucht. Wir haben klar besprochen, für welche Art von Fußball wir stehen wollen. Die Jungs haben es heute in puncto Energie und Durchschlagskraft in den Möglichkeiten sehr gut gemacht. Dafür haben sie tagtäglich sehr hart gearbeitet. Ich freue mich sehr, dass wir die drei Punkte gegen einen Gegner, der es uns sehr schwer gemacht hat, eingefahren haben. Es war eine absolute Energieleistung - sowohl von der Mannschaft als auch von der Tribüne.   

Frank Schmidt: Für uns ist die Niederlage heute schwer zu akzeptieren. Wir hatten in den ersten 25 Minuten gute Chancen, um in Führung zu gehen und haben erst in der Mitte der ersten Hälfte etwas zugelassen. Beim Gegentor ist der Freistoß nicht besonders gut getreten, aber der HSV setzt nach und macht das Tor. Fast im Gegenzug müssen wir das Tor machen, verpassen es aber, das 1:1 zu machen. In der zweiten Hälfte geht es genauso weiter und wir haben wieder mehrere Möglichkeiten. An der Anzahl und Qualität der Chancen hat es heute also nicht gelegen. Wir haben einfach viel zu wenig draus gemacht. Das 2:0 ärgert mich zudem maßlos, weil wir es nicht gut verteidigen. Dann steht es 0:2 und das macht es verdammt schwer, zurückzukommen. Dennoch ein Kompliment an meine Mannschaft, dass sie nie aufgegeben und verdient das 1:2 gemacht hat.

DIE STATISTIK ZUM SPIEL:

HSV: Fernandes – Omari, Vuskovic, Elfadli – Gocholeishvili (85. Mikelbrencis), Vieira (79. Rössing-Lelesiit), Remberg, Muheim – Philippe (73. Lokonga), Dompe (73. Balde) – Königsdörffer (85. Glatzel)

1. FC Heidenheim: Ramaj – Traore, Mainka, Gimber (68. Busch), Föhrenbach – Kerber (53. Beck), Dorsch, Schöppner (68. Schimmer) – Conteh, Kaufmann (79. Kaufmann), Ibrahimovic (79. Kölle)

Tore: 1:0 Vuskovic (42.), 2:0 Philippe (59.), 2:1 Kölle (90.+3)

Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)      

Schiedsrichter: Dr. Florian Exner (Münster)

Gelbe Karten: Elfadli, Philippe, Vieira, Remberg, Heuer Fernandes / Kölle

Anzeige · Partner

Zeig deine Farben

Unsere Freunde von HANDS OF GOD setzen ikonografischen Momenten und Legenden der Vereinsgeschichte ein künstlerisches Denkmal.

Alle Hamburg-Motive bei HANDS OF GOD

Wir sind Partner von HANDS OF GOD und bekommen eine Provision, wenn du über diese Links kaufst — für dich ändert sich am Preis nichts. Gezeigt werden nur Motive, die wir selbst aufhängen würden.

Diskussion

0 Kommentare

Diskutier mit!

Registriere dich kostenlos — dann kannst du unter den Beiträgen mitdiskutieren, antworten und liken.

Jetzt kostenlos registrierenAnmelden
DU
Bleib fair — wir moderieren mit Augenmaß.
Noch keine Kommentare — sei der/die Erste.
Lies weiter Meinung HSV-Blamage- Die Taktik war das geringste Problem Ein Tag nach der Pleite sitzt der Frust tief. Neben taktischen Mängeln fehlte vor allem eins: die Bewegung und der Wille, den Ball zu fordern. Das Problem war viel tiefer als die reine Herangehensweise Weiterlesen