Spielbericht

HSV enttäuscht gegen Lyon: Volksparkfest-Testspiel offenbart Schwächen vor Bundesliga-Start

Am heutigen Nachmittag spielte der HSV beim Volksparkfest vor ca. 46 Tausend Zuschauern gegen den französischen Club Olympique Lyon. Die Mannschaften sind ungefähr auf…

HSV enttäuscht gegen Lyon: Volksparkfest-Testspiel offenbart Schwächen vor Bundesliga-Start

Moin zusammen,

Am heutigen Nachmittag spielte der HSV beim Volksparkfest vor ca. 46 Tausend Zuschauern gegen den französischen Club Olympique Lyon. Die Mannschaften sind ungefähr auf demselben Stand.   Während Lyon am 16.08. startet, muss der HSV 8 Tage später, am 24.08., das erste Mal in der Liga ran. Also ein perfekter Test, um zu schauen, wie weit der HSV nun wirklich ist. Schließlich qualifizierte Lyon sich letztes Jahr für die internationalen Plätze. Mit im Kader war unter anderem Weltmeister Corentin Tolisso.

Volksparkfest

Vor dem Spiel stand aber erst einmal das Volksparkfest an. Vor dem Stadionumlauf wurde ein Platz für jedermann geschaffen. Von groß bis klein gab es jede Menge Attraktionen. Über Dartscheiben bis hin zu Eishockey. Dribblingparcours, Schusskraftmessung und eSport waren auch vertreten. Auch für Essen und Trinken wurde gesorgt. Viele Gespräche unter HSV-Fans und eine großartige Atmosphäre. Alles in allem ein sehr gelungener Vorlauf. Und auch im Stadion war die Atmosphäre super. Spätestens als Stadionsprecher Stübi mit dem Slogan „Das lauteste Volksparkstadion bei einem Testspiel“ zu Stimmung aufrief, wurde es richtig laut. Die Fans scheinen also bereit für die neue Saison. Auch ein paar Lyon-Fans waren vor Ort. Ungefähr 10–20 Fans standen im Oberrang des Auswärtsblockes und machten ordentlich Alarm.

1. Halbzeit

Nun aber zum Spielerischen.

Anders als bei üblichen Spielen wurden heute 4 mal 30 Minuten gespielt.

Der HSV startete, wie in den vorherigen Testspielen, in einem 5-3-2-System, wobei der dritte Innenverteidiger dabei offensiv wieder aus der Kette rausrückte.

Genauer:

Heuer Fernandes startet im Tor.

Links hinten wie gewohnt Miro Muheim.

Die Innenverteidigung bestand aus Torunarigha und Schonlau. Soumahoro stellte den mobilen 6er/IV.

Rechts hinten begann Mickelbrencis.

Im Mittelfeld starteten Remberg und dieses Mal auch Capaldo.

Vorne links und rechts wie gewohnt Dompe und Philippe.

In der Sturmspitze durfte Ransford Königsdörfer starten.

Der HSV startete hochpressend in die Partie. Und erzwang immer wieder hohe Ballgewinne.   Den ersten Abschluss gab es in der 3. Minute.

Den ersten guten Abschluss hatte Capaldo in der 7. Minute. Dompe spielte ihn frei, doch Capaldos Schuss wurde pariert.

In der 10. Minute fiel dann allerdings das 0:1 für Lyon.

Nachdem ein Freistoß in der Nähe der rechten Eckfahne scharf Richtung kurzen Pfosten getreten wurde, bekam der HSV es nicht hin, den Ball vernünftig zu klären. Der Ball landete im 16er vor Fofana, der den Ball aus ca. 5 Metern ins Tor hämmerte.

Danach übernahm Lyon nach und nach das Spiel. Es kam immer wieder zu Lyon-Abschlüssen aus der Distanz, überwiegend über die rechte HSV-Seite.

Das erste Viertel startete gut für den HSV, allerdings übernahm nach dem 0:1 Lyon das Heft des Handelns. Lyon schaffte es immer wieder, sich gegen hochstehende Hamburger zu lösen und somit gute Umschaltsituationen zu schaffen. Trotz der 5er-Kette stand der HSV sehr hoch und geriet des Öfteren in unangenehme 2-gegen-2-Situationen.

Das zweite Viertel startete ebenso, wie das erste aufhörte. Langer Ball, Soumahoro rutscht unter durch und Maitland-Niles steht alleine vor dem Tor. Heuer Fernandes hatte im 1-gegen-1 keine Chance.

Bereits 7 Minuten später klingelte es zum 3. Mal. Dieses Mal war es Mikautatze. Ausgang war eine Passstaffette im Zentrum. Die Hamburger Defensive ohne Zugriff im Zentrum.

Hier fehlte mit zunehmender Zeit immer mehr der Anschluss. Das Spiel verlor im weiteren Verlauf immer mehr an Tempo. Lyon spielte sich den Ball zu und der HSV schaute zu. Dann war Schluss. Man wollte gar sagen: „Zum Glück.“

Fazit der „1. Halbzeit“:

Der HSV startete gut rein, mit hohem offensiven Pressing. Durch einen individuellen Fehler ging Lyon allerdings in Führung. Ab da stellte der HSV das Fußballspielen mehr oder weniger ein. Man probierte es weiter mit hohem Pressing, allerdings ohne Tempo oder Druck. So war es für die Lyon-Spieler ein leichtes, den HSV auszuspielen. Es schien zeitweise so, als ob die HSV-Jungs nicht mehr könnten. Meine Frage: Warum presst man, wenn man nicht die Kraft dazu hat? Oder viel mehr noch: Warum kann man nur 8 Minuten pressen?

Am Ende stand der HSV trotz der 5er-Kette hinten wieder im 2-gegen-2 und bekam dies nicht verteidigt. Man begab sich in gleichen Spähern wie in der zweiten Liga.   Die Absicherung war schlecht und die Rückwärtsbewegung eigentlich nicht vorhanden.

Die Zuteilung im Zentrum war zudem auch nicht da. Kein Wille, kein Kampf.

Freunde, ich sage es so, wie es ist: So wird das nix. Die Defensive ist das A und O, aber wenn man so in der Bundesliga verteidigt, klingelt’s sehr häufig und das nicht am Telefon. Hinzu kommen individuelle Fehler, die einfach zu simpel sind. Ein einfacher Pass zum Torwart, der nicht ankommt, ein Laufweg, der verweigert wird. Das war in der ersten Halbzeit eigentlich gar nix. Die ersten 10 Minuten mal ausgenommen. Ja, das war ein Vorbereitungsspiel, aber es gibt jetzt eben nicht mehr die Ausrede eines vorherigen Trainingslagers. Und deshalb spreche ich das hier so direkt an. Fußball ist ein Laufsport und wenn man nicht läuft, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass man gewinnt.

Denn um das mal vorwegzunehmen: Die Jungs, die in der zweiten Halbzeit auf dem Platz gestanden haben, konnten das Tempo über 60 Minuten gehen. Klar, das ist dann auch die zweite Garde, aber der Wille war zumindest zu sehen.

2. Halbzeit

Kommen wir jetzt aber zur zweiten Halbzeit:

In der zweiten Hälfte startete der HSV wie folgt:

Peretz im Tor

Davor, Katterbach, Ramos, Elfadli, Ageykum und Hefti.

Im Zentrum begannen Meffert und Megeed

Die Dreier-Sturmreihe bestand aus Roessing-Lelesiit links, Sahiti rechts und Poulsen im Sturm.

Der HSV begann wieder mit hohem Pressing. Roessing-Lelesiit kam das erste Mal vors Tor. Allerdings kappte er ab, anstatt abzuziehen.

In der weiteren Phase plätscherte das Spiel so ein wenig dahin. Der HSV versuchte weiter, hochzupressen, und erzielte hohe Ballgewinne. Allerdings konnte man das selten in Torabschlüsse ummünzen. Immer wieder rückte auch Elfadli aus der Kette nach vorne. Er übernahm den Part, den Soumahoro in der ersten Halbzeit spielte. In der 89. Minute hatte dann Sahiti eine gute Chance, nachdem Meffert den Ball früh erobert hatte. Der Ball wurde allerdings gut vom Keeper pariert.

Dann war das 3. Viertel auch schon vorbei.

Den Platz verließen Elfadli, Poulsen und Katterbach.

Glatzel, Bornschein und Jatta kamen rein.

In der 95. Minute fiel dann das 0:4. Langer Ball in die Spitze und wieder ein 1 vs. 1 gegen den Torwart. Moreira bleibt eiskalt und netzt ein.

In der 99. Minute gab dann Otto Stange sein Comeback nach seiner Verletzung. Roessing-Lelesiit ging dafür raus.

Die nächste nennenswerte Chance gab es dann in der 105. Minute. Sahiti aus der Distanz. Wieder gut pariert.

Auffällig waren vor allem Megeed und Sahiti. Megeed verteilte die Bälle sehr gut und brachte viel Tempo ins HSV-Spiel. Auch Sahiti machte einen ordentlichen Job. Er ging immer wieder ins 1-gegen-1, spielte kluge Pässe und suchte den Abschluss. Alles in allem muss man sagen, dass die Halbzeit deutlich besser aussah als die erste. Das Tempo wurde hochgehalten und man erzwang immer wieder hohe Ballgewinne. Das Problem blieb jedoch und das ist die Absicherung. Denn diese hatte das 0:4 als Konsequenz. Dennoch muss man sagen, dass vor allem die zweite Halbzeit, was den Willen und den Kampfgeist angeht, eine deutliche Steigerung zum ersten Abschnitt war. Der HSV kam zu deutlich mehr Torannäherungen und auch zu einigen guten Chancen.

So wird das nix

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieses Spiel alles andere als positiv für den HSV ausging. Zwar spielte man die ersten 8 Minuten ein gutes Pressing, doch spätestens nach dem 0:1 verlor man komplett den Faden. Keine Zuteilung, kaum Gegenwehr und in den Umschaltsituationen kein Tempo. Trotz der Verstärkungen auf den Außen gelangen wenig Umschaltsituationen. Defensiv eine katastrophale Rückwärtsbewegung und eine Zuteilung wie zu Zweitliga-Zeiten.

Testspiele sind da, um zu schauen, was man in der Zeit bis zum Bundesligastart verbessern muss.

Aber ich sage es ganz ehrlich: Wenn das die Höchstleistung der Jungs gewesen sein soll, braucht man beim HSV ein gutes Zeitmanagement. Ich kann nur hoffen, dass die Jungs in Zukunft mehr im Tank haben als heute. Und ja, ich weiß, viele wollen jetzt über die Qualität reden. Aber Fakt ist: Ab dem jetzigen Zeitpunkt wird der HSV den Kader nicht mehr auf 11 Positionen umkrempeln können. Klar, hier und da wird sich noch etwas verändern, aber der Grundkern steht. Da bringt es meiner Meinung nach nichts, jetzt noch über Qualität zu reden. Ob die da ist, lasse ich jetzt mal als Frage für euch offen. Aber man muss die Fehler ansprechen und sie verbessern, denn wie gesagt, so wird das in der Bundesliga nichts. Ich neige dazu, zu sagen, dass man so in der Bundesliga weniger Punkte holt als Schalke unter David Wagner.

In der zweiten Hälfte sah man dann mehr Tempo auf dem Platz. Die Mannschaft wurde komplett durchgetauscht und vor allem Omar Megeed leitete immer wieder Angriffe ein. In der zweiten Halbzeit konnte man das Tempo über die gesamte Halbzeit hochhalten, man verpasste es lediglich, das Tor zu machen. Darauf möchte ich jetzt aber nicht mehr so explizit eingehen, denn schlussendlich hat die Truppe eben auch nur gegen Lyon 2 gespielt. Man muss ihn allerdings lassen, dass sie ihren Job gut gemacht haben. Ich kann mir vorstellen, dass einige Spieler der zweiten Halbzeit einen guten Eindruck hinterlassen haben. Vor allem Sahiti und Megeed. Ob das dann für die Startelf in der Bundesliga reicht, weiß ich nicht, sie sind heute aber rausgestochen.

Ihr wisst, ich bin eigentlich immer optimistisch, aber das heute war einfach gar nix. Ich weiß, einige von euch werden wahrscheinlich immer noch sagen, ich bin nicht kritisch genug.

Sicher ist jedenfalls: So wie in HZ 1 brauchen wir in der Bundesliga gar nicht antreten. So sehe ich das.

Wie seht ihr das Ganze?   Was ist euer Fazit?

Schreibt all das in die Kommentare. Aber bitte bleibt konstruktiv. Das heute war schlecht, aber keiner verdient wegen einer Leistung auf einem Fußballplatz persönliche Beleidigungen. Sprecht die Fehler an und eventuell auch Verbesserungsvorschläge, aber wie gesagt bitte SACHLICH!

Bis dahin

Euer Tom

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