HSV entdeckt die Wichtigkeit der zweiten Reihe
Er hat keine Not. Und dementsprechend entspannt reagierte Trainer Tim Walter heute auch auf die Frage nach Jean-Luc Dompé. Der Franzose war auch heute noch nicht zurück im…

Er hat keine Not. Und dementsprechend entspannt reagierte Trainer Tim Walter heute auch auf die Frage nach Jean-Luc Dompé. Der Franzose war auch heute noch nicht zurück im Training. „Da muss man jetzt noch abwarten. Es ist schon alles besser, er kann schon viel machen. Er muss aber richtig beschwerdefrei und schmerzfrei sein, dann nehmen wir ihn auch wieder mit. Die Ärzte und er müssen das Go geben, dann entscheiden wir.“ Einen genauen Termin für die Rückkehr gäbe es aber noch nicht.
Und das muss es auch nicht. Denn angesichts der Konkurrenz auf den Außenbahnen mit Sonny Kittel, Bakery Jatta und dem Matchwinner aus dem Hannover-Spiel, Ransford Königsdörffer, hat er so schon die Qual der Wahl vor dem Spiel am Sonnabend gegen den 1. FC Kaiserslautern, das mit 57.000 Zuschauern aller Voraussicht nach ausverkauft sein wird. Ein Verdienst der letzten Siege. Derer waren es sogar gleich fünf in Folge.
Walter freuts naturgemäß. Auch der Umstand, dass die HSV-Fans wieder voll hinter dem HSV stehen. „Alle stehen hinter uns, niemand pfeift. Das haben wir uns erarbeitet“, sagt Walter, den die neue Euphorie freut. Zumindest in Teilen: „Ich finde es gut, dass die Zuschauer durchdrehen, die dürfen das auch. Aber wir bleiben schön auf dem Boden.“ Sorgen, dass seine Mannschaft zu früh zufrieden sein könnte, hat er nicht. Wie man das aus der Mannschaft bekommt? „Ganz locker“, sagt Walter, „weil wir noch nichts erreicht haben und immer besser werden wollen. Wir nehmen jedes Spiel als neues wahr. Wir wollen jedes Spiel gewinnen, die Jungs wollen jedes Spiel gewinnen. So, als wäre es das letzte Spiel.“
Worte, die ich dem HSV-Trainer problemlos abnehme. Ebenso wie die lobenden Worte über Ex-Spieler Aaron Opoku, der nach einer langen Rotsperre am Sonnabend ins Team zurückkehrt. Ins Team des FCK wohlgemerkt – und ins Volksparkstadion zu dem Team, für das der Offensivspieler beim letzten Auftritt für den HSV (gegen Darmstadt) Rot sah. „Aaron ist wirklich ein guter Junge“, sagt Walter, „es ist wichtig, dass er mal was Neues macht. Das ist gut so. Ich wünsche ihm nur das Beste – abgesehen vom Ergebnis am Sonnabend. Er kann zwar gern gut spielen, aber die Punkte bleiben hier.“
Also anders als beim letzten Heimspiel gegen den FCK. Das fand vor ziemlich genau elf Jahren am 11. Spieltag der Saison 2011/2012 statt. Damals sah Slobodan Rajkovic in der ersten Halbzeit die Rote Karte und der HSV holte trotz Rückstandes durch einen Treffer von Paulo Guerrero trotzdem noch ein 1:1 und damit einen Punkt. Nebenbei: Damals saß unter Trainer Thorsten Fink ein gesunder Heung Min Son, der heute mit 75 Millionen Euro Marktwert bei Tottenham spielt, 90 Minuten nur auf der Bank.
Auch auf der Geschäftsstelle kommt die zweite Reihe in Fahrt
Apropos Ersatz: Den hat der HSV auf Vorstandsebene noch nicht gefunden. Vielmehr hatte Aufsichtsratsboss Marcell Jansen zuletzt sogar angekündigt, dass sich die Suche nach einem Ersatz für Wüstefeld noch ziehen werde. Man wolle die lange WM-Pause dafür nutzen, so der HSV-e.V.-Präsident. Sehr zur Freude von Jonas Boldt. Der Vorstand Sport ist inzwischen alleiniger Vorstand, nachdem sein Kompagnon Thomas Wüstefeld seine Ämter niedergelegt hatte und der Aufsichtsrat keinen Ersatz parat hatte.
Boldt selbst freut sich auf die neue Aufgabe und spricht sogar von einer neuen Euphorie, die er im direkten Umfeld verspüren würde: Insbesondere die zweite Reihe des HSV-AG-Managements würde sich darüber freuen, jetzt wieder mehr in die Verantwortung genommen zu werden. „Wir haben eine qualitativ starke und menschlich tolle zweite Ebene. Da sind richtig gute Kräfte dabei, die über die letzten Monate schon helfen wollten, aber vielleicht nicht immer durften. Jetzt dürfen sie wieder, das spüre ich, das setzt Kräfte frei“, so Boldt. „Alle sind gewillt, zu helfen und zu unterstützen. Das ist das, was wir brauchen.“
In etwa das, was Trainer Tim Walter sportlich zuletzt immer hatte: Eine starke zweite Reihe. Gegen Düsseldorf brachte Sonny Kittel als Einwechselspieler entscheidenden Schwung in die Partie, gegen Hannover war es Ransford Königsdörffer. Man kann also sagen: Der HSV entdeckt neue Potenziale, womit man direkt überleiten könnte zu Laszlo Benes, der mir von Spiel zu Spiel besser gefällt. Gegen Hannover und zuvor Düsseldorf durfte der Zugang jeweils bis 15 Minuten vor Spielende auf dem Platz stehen. Und er machte es zunehmend besser, wie ich finde. Noch nicht so effektiv, wie er sein könnte. Glaube ich zumindest. Aber allemal besser werdend. Zudem kommt mit Anssi Suhonen ein weiteres belebendes Element nach langer Verletzungspause wieder dazu.
Es scheint, als gäbe es beim HSV auf den entscheidenden Ebenen gerade mal wieder frische Impulse. Aber das nur als Antwort auf die Frage vieler hier, wie der HSV jetzt seinen Schwung beibehalten kann. So könnte es gut funktionieren.
In diesem Sinne, bis morgen.
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