Spielbericht

HSV bleibt oben dran - 2:1-Arbeitssieg gegen Bielefeld

HAMBURG: Am Flaggentag im Volksparkstadion ging auch HSV-Trainer Tim Walter vor dem Spiel gegen Arminia Bielefeld gut gelaunt zu seinem Arbeitsplatz. Das 2:1 seines Teams gegen…

HSV bleibt oben dran - 2:1-Arbeitssieg gegen Bielefeld

HAMBURG: Am Flaggentag im Volksparkstadion ging auch HSV-Trainer Tim Walter vor dem Spiel gegen Arminia Bielefeld gut gelaunt zu seinem Arbeitsplatz. Das 2:1 seines Teams gegen die Ostwestfalen war für ihn indes kein durchgängiger Spaß. Eine Woche vor dem Top-Duell beim Tabellenführer Darmstadt 98 hatte Walters Team einige Mühe, um seine Pflicht zu erledigen. „Wir haben zu statisch gespielt, zu wenig Mut an den Tag gelegt, zu wenig Tiefe angerissen. Wir haben zu viele Fehler im Passspiel gehabt und uns zu wenig bewegt“, kritisierte Walter. 

Dass das Spiel dennoch vor der mit 56.905 Zuschauern erneut erstklassigen Kulisse gut für die Gastgeber ausging, lag an den Toren von Ludovit Reis (26. Minute) und des überragenden Bakery Jatta (57.). Bastian Oczipka (51.) hatte für den zwischenzeitlichen Ausgleich der unbequemen Gäste gesorgt. Zweimal profitierte der HSV zudem von Entscheidungen, die nach Eingreifen des Videoassistenten fielen: Der vermeintliche Führungstreffer der Arminia durch Frederik Jäkel (13.) wurde wegen Abseits zu Recht zurückgenommen. Schiedsrichter Daniel Siebert sah sich später einen Zweikampf von Jonas Meffert gegen Sebastian Vasiliadis (22.) noch einmal am Bildschirm an. Jonas Meffert war im Strafraum unabsichtlich dem Bielefelder auf den Fuß gestiegen. Siebert blieb bei seiner Entscheidung und zeigte nicht auf den Elfmeterpunkt. Und das auch zurecht. Ergebnis: Der HSV reist mit vier Punkten Rückstand auf die Darmstädter am Samstag (20.30 Uhr/Sport1 und Sky) nach Hessen. Der Vorsprung des HSV auf den 1. FC Heidenheim auf dem Aufstiegsrelegationsplatz beträgt ebenfalls weiter vier Zähler. 

Die Generalprobe für den Gipfel fiel nicht sonderlich glanzvoll aus. Nur ab und an blitzte die spielerische Klasse der Hamburger hervor. Vor allem, wenn Reis und der spielfreudige Jatta am Ball waren. Dagegen war Mittelfeldmann Laszlo Benes, den Trainer Walter nach zuletzt starken Leistungen als Einwechselspieler wieder in die Startelf berufen hatte, nicht der erhoffte Impulsgeber. Ein Freistoß an die Latte des Bielefelder Tores war seine auffälligste Szene (53.). 

Elfmeter? Ich behaupte: ja. Der Schiedsrichter schaute sich die Szene per VAR noch einmal an und entschied auf Freistoß. Foto: WITTERS

Glück hatten die Hamburger bei ihrer Führung. Der Schuss von Reis wurde vom Bielefelder Guilherme Ramos noch abgefälscht. Den Treffer hatte Miro Muheim mit der Hacke sehenswert vorbereitet. Kurz vor der Pause parierte Bielefelds Torhüter Martin Fraisl noch einen präzise getretenen Freistoß von Jean-Luc Dompé.

Bielefeld kam im Anschluss selbstbewusst aus der Pause und belohnte sich schnell. Den Ball von Fabian Klos konnte HSV-Keeper Daniel Heuer Fernandes noch abwehren, gegen Oczipkas Nachschuss gerade einmal sechs Minuten nach Wiederanpfiff war er dann chancenlos. Arminia versuchte im Anschluss viel und erarbeitete sich auch Gelegenheiten. Ebenso übrigens der HSV. Dem wurde in der Nachspielzeit von Siebert trotz VAR-Rufs noch recht deutlicher Elfmeter verwehrt.

Aber darüber wollte sich Walter gar nicht erst groß ärger. Zumal nach dem Schlusspfiff der Blick bereits zum Spiel in Darmstadt ging. Jatta verriet bei Sky schon einmal seinen Vorbereitungsplan: „Nach Hause gehen, gut essen und gut schlafen.“ So einfach kann es manchmal sein.

(MVP/dpa)

Anzeigetafel mit Endstand, Volksparkstadion Hamburg, 19.02.2023. Foto: WITTERS

DIE EINZELKRITIK:

DANIEL HEUER FERNANDES: Machtlos beim Ausgleichstreffer, mit einem Wackler am Ball – ansonsten gewohnt sicher. Note: 3

MORITZ HEYER: Er kann es deutlich besser. War heute etwas verhalten, stand beim Gegentor ebenso wenig gut wie in einigen anderen Situationen. Note: 4

SEBASTIAN SCHONLAU: Schwache Abstimmung beim Ausgleichstreffer, wo er mit Meffert und Muheim den Bielefelder Flankengeber ziehen ließ. Auch ansonsten mit leichten Stockfehlern heute kein so umsichtiger Abwehrchef und insgesamt lange nicht so souverän wie gewohnt. Er muss als Abwehrchef die Vierkette im Zusammenspiel mit dem defensiven Mittelfeld stellen – das gelang ihm heute nicht. Dank seiner vielen gewonnenen 50:50-Situationen bekommt er aber die Note: 4

JONAS DAVID: Er muss nicht führen, sondern Zweikämpfe gewinnen und auf Schonlau hören. Aber: Ohne grobe Fehler war er trotzdem Teil der wackeligen HSV-Defensive. Er hatte einmal Glück, dass Robin Hack seinen Stellungsfehler nicht zum 2:2 verwertete. Auf der anderen Seite aber auch mit Pech, dass Bielefelds Keeper Fraisl bei seinem Schuss so sensationell parierte. Note: 3,5

MIRO MUHEIM: Geniestreich per Hacke als Assist von zum 1:0 von Reis, dazu eine starke erste Halbzeit. In der zweiten Hälfte pennte er (als einer von dreien) vor der Flanke zum Ausgleich, fing sich dann aber wieder. Note: 3

JONAS MEFFERT (bis 70.): Ich halte ihn nach wie vor für einen entscheidenden Faktor im HSV-Mittelfeld. Auch heute, wo er nicht topfit ins Spiel ging, merkte man dem Mittelfeld sofort an, dass defensiv Stabilität fehlte. Note: 4

SONNY KITTEL (ab 71.): Gegen Heidenheim fand er sofort ins Spiel und bereicherte es für den HSV. Heute nicht. Heute öffnete er als zu passive zweite Spitze noch weitere Räume für Bielefelder Angriffe. Dass plötzlich Glatzel nach hinten arbeiten MUSSTE lag auch an ihm. Eine Note spare ich mir an dieser Stelle aus.   

LUDOVIT REIS: Er macht sich für den HSV immer weniger haltbar – deswegen sollten wir jedes Spiel mit ihm im HSV-Trikot genießen! Seine Fleißarbeit krönt der Niederländer immer häufiger mit Toren. So auch heute! Dazu seine Pässe – einfach bärenstark! Zusammen mit Jatta war er der beste Mann auf dem Platz. Obwohl er in der Schlussphase nach de3r Meffert-Auswechslung das defensive Mittelfeld nicht sortiert bekam, wofür es einen Punkt Abzug gibt. Note: 1,5 

BAKERY JATTA (bis 90.): Es meckern immer welche über seine Stockfehler. Dass die oft bitter aussehen – zugegeben! Aber: geschenkt! Denn Jatta ist so fleißig in beide Richtungen (offensiv wie defensiv), er reißt Lücken, macht Bälle fest und setzt den Gegner 90 Minuten allein durch sein Tempo so unter Druck, dass er unverzichtbar bleibt! Basta! Dass er jetzt auch noch trifft – eine gern genommene Zugabe!! Note: 1,5

ANDRAS NEMETH (ab 90.): Heute mal ohne Treffer. Ewas angesichts gefühlt 20 Sekunden Spielzeit aber auch nicht wirklich verwundert. 

LASZLO BENES (bis 86.): Er hatte sich die Startelf mehr als verdient in den letzten Wochen. Aber er wusste die Belohnung lange nicht umzusetzen. Spielerisch fehlte ihm lange die Bindung. Aber, und das ist – was er allerdings mit viel Fleißarbeit wettzumachen versuchte. Note: 4

RANSFORD YEBOAH KÖNIGSDÖRFFER (ab 87.): Dabei. Mehr nicht. 

JEAN-LUC DOMPÉ (bis 70.): Erste Hälfte hatte er viele Ballsituationen und hätte sicher noch mehr daraus machen können (müssen?). Aber: Er bereitete das 2:1 mit einer starken Flanke vor und war immer wieder anspielbar. Allein seine Tempodribblings stellen die Gegner immer wieder vor Probleme. Das war wieder sehr ordentlich! Note: 2,5

NOAH KATTERBACH (ab 71.): Der Junge kann richtig was, auch wenn das heute nicht wirklich zum Vorschein kam. Hatte viele Aktionen und löste sie meistens gut. Eine Note spare ich mir bei ihm aber ebenso wie bei Kittel aus.

ROBERT GLATZEL: Gegen Bielefeld hat er noch nicht getroffen. Und auch heute hatte er bis in die Schlussminuten seine besten Aktionen nach hinten. Aber dann hätte er einen Elfmeter zugesprochen bekommen müssen, der ihm trotz Hilfe des VAR verwehrt blieb. Schade eigentlich. Note: 3,5

DIE DATEN ZUM SPIEL:

HSV: Heuer Fernandes - Heyer, David, Schonlau, Muheim - Reis, Meffert (71. Kittel), Benes (87. Königsdörffer) - Jatta (90.+2 Nemeth), Glatzel, Dompe (71. Katterbach)

Arminia Bielefeld: Fraisl - Ramos, Andrade, Jäkel - Klünter, Lepinjica (84. Rzatkowski), Oczipka (84. Corbeanu), Vasiliadis (46. Consbruch), Okugawa (73. Serra) - Klos (58. Lasme), Hack

Tore: 1:0 Reis (26.), 1:1 Oczipka (51.), 2:1 Jatta (56.)

Zuschauer: 56.905

Schiedsrichter: Daniel Siebert (Berlin)

Gelbe Karten: DavidHeyer/ Klünter, Hack, Ramos

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