Analyse

HSV bei Union Berlin - ein Spiel mit besonderem Hintergrund

Der HSV steht am kommenden Sonntag vor einem besonderen Wiedersehen – auch wenn es auf den ersten Blick gar nicht so wirkt. Im Auswärtsspiel bei Union Berlin hätte es…

HSV bei Union Berlin - ein Spiel mit besonderem Hintergrund

Der HSV steht am kommenden Sonntag vor einem besonderen Wiedersehen – auch wenn es auf den ersten Blick gar nicht so wirkt. Im Auswärtsspiel bei Union Berlin hätte es eigentlich zum direkten Duell mit dem ehemaligen Hamburger Trainer Steffen Baumgart kommen sollen. Doch ausgerechnet für dieses Spiel ist der 53-Jährige gesperrt und darf nicht an die Seitenlinie. Glücklich – oder besser gesagt unglücklich – ist das vor allem für Baumgart selbst, der sich dieses Aufeinandertreffen mit Sicherheit nicht so vorgestellt hat. Schließlich war es für ihn ein Herzenstraum, den HSV trainieren zu dürfen, auch wenn die gemeinsame Zeit im Volkspark nur neun Monate hielt.

Eine kleine Randnotiz dabei: Baumgart war es übrigens auch, der Noah Katterbach einst nach Hamburg holte. Ausgerechnet Katterbach macht derzeit allerdings keine Schlagzeilen auf dem Rasen, sondern durch eine interne Maßnahme. Der 24-Jährige wurde von den Profis vorläufig suspendiert und trainiert aktuell mit der U21 in der Regionalliga. Grund: unsportliches Verhalten. Was genau passiert ist, bleibt hinter den Kulissen, doch klar ist, dass die Verantwortlichen beim HSV konsequent durchgreifen mussten. Sollte sich Katterbach wirklich über die geltenden Regeln hinweggesetzt haben, dann ist diese Sperre nicht nur verständlich, sondern auch absolut gerechtfertigt.

Katterbach suspendiert - Baumgart gesperrt

Für Katterbach selbst ist die Versetzung in die U21 eine Chance und Warnung zugleich: Er kann Spielpraxis sammeln und sich wieder herankämpfen, muss dafür aber Eigeninitiative zeigen. Im Gegensatz zu Steffen Baumgart, der am Sonntag nur zuschauen darf, liegt es bei Katterbach an der eigenen Einstellung, ob er wieder schnell den Weg zurück ins Profiteam findet.

So wird das Wochenende für den HSV von zwei besonderen Geschichten begleitet – dem gesperrten Ex-Trainer und einem suspendierten Spieler, den eben jener Ex-Coach einst nach Hamburg lotste. Geschichten, die zeigen, wie eng Erfolg und Rückschläge im Fußball oft beieinanderliegen.

Doch nicht nur Katterbach sorgt in diesen Tagen für Gesprächsstoff, auch Ransford Königsdörffer rückt wieder in den Fokus, wie meine Kollegen von der BILD berichten. Im Mai und Juni war der HSV mit dem 24-Jährigen bereits intensiv im Austausch über eine mögliche Vertragsverlängerung. Der aktuelle Kontrakt läuft zum Saisonende aus. Bevor es zu einer Entscheidung kam, grätschte allerdings OGC Nizza dazwischen. Der HSV einigte sich mit dem Europa-League-Teilnehmer auf eine Ablöse von sechs Millionen Euro, der Stürmer flog zum Medizincheck an die Côte d’Azur – und kehrte wenig später zurück.

Königsdörffer soll Vertrag verlängern

Grund: Die Franzosen bliesen den Deal ab. Eine alte Knieverletzung aus Königsdörffers Jugendzeit bei Hertha BSC sorgte dafür, dass Nizza Abstand nahm. Beim HSV hingegen gab es in den vergangenen drei Jahren keinerlei Probleme. So wurde der ghanaische Nationalspieler (sechs Länderspiele) in Hamburg wieder mit offenen Armen empfangen – und bekam gleich die Chance, vorne Verantwortung zu übernehmen. Auch weil Kapitän Yussuf Poulsen zuletzt mit muskulären Problemen fehlte, ist Königsdörffer aktuell Mittelstürmer Nummer eins. Vier Spiele, viermal Startelf, 317 Minuten Einsatzzeit: sportlich läuft es ordentlich.

Genau deshalb ist die Situation jetzt so spannend. Aus Sicht des HSV ist das hier und jetzt die perfekte Gelegenheit, die Vertragsverhandlungen wieder aufzunehmen. Warum? Ganz einfach: Königsdörffer kann aktuell keine großen Forderungen stellen. Erstens weiß er, dass der Verein ihn ohne mit der Wimper zu zucken hat ziehen lassen, als ein vernünftiges Angebot auf dem Risch lag. Aber vor allem hat er nach dem geplatzten Transfer nach Nizza mit dem gescheiterten Medizincheck mit Sicherheit auch in Zukunft ein Problem, wenn es darum geht, bei ambitionierteren Vereinen unterzukommen. Das ist ein Makel, den man nicht so leicht loswird, egal wie gut man gerade in Form ist.

Für den HSV bedeutet das: jetzt Nägel mit Köpfen machen! Wenn man sportlich überzeugt ist, dann muss man ihm genau jetzt ein Angebot vorlegen. Königsdörffer selbst weiß, dass er froh sein kann, wenn der HSV in dieser Phase überhaupt mit ihm verlängern möchte. Sein Marktwert hat nach dem Nizza-Desaster einen deutlichen Dämpfer bekommen, die Begehrlichkeiten anderer Klubs halten sich naturgemäß in Grenzen. Das gibt dem HSV eine Verhandlungsposition, wie man sie nicht oft bekommt.

Natürlich - Königsdörffer ist ein Spieler, der immer wieder mit seinen Dribblings und seiner Geschwindigkeit auffällt. Aber er ist eben auch ein Spieler, der noch nicht konstant genug ist und der weiß, dass er ohne das Vertrauen eines Klubs wie dem HSV schnell ins sportliche Niemandsland rutschen könnte. Für ihn wäre ein neuer Vertrag in Hamburg eine Art Rettungsleine - und für den HSV die Möglichkeit, einen potenziell wichtigen Offensivspieler langfristig zu binden, ohne sich finanziell zu verheben.

HSV in einer komfortablen Verhandlungsposition - trotz auslaufenden Vertrages

Unterm Strich: Der HSV sitzt diesmal vielleicht nicht am längeren Hebel - aber in einer guten Situation. Und wenn die sportliche Leitung wirklich überzeugt ist, dass Königsdörffer die Qualität hat, dem Team dauerhaft zu helfen, dann ist jetzt die Zeit gekommen, die Unterschrift einzutüten.

Allerdings ist Königsdörffer nun auch in der Situation, dem HSV auf dem Platz wirklich helfen zu müssen. Bislang ist der Offensivmann noch nicht sonderlich in Erscheinung getreten – im Gegenteil: Die Diskussion, dass es dem HSV an einem echten Boxstürmer fehlt, wird immer lauter. Da Yussuf Poulsen, bei dem schon bei der Verpflichtung klar war, dass er nicht alle Spiele über 90 Minuten gehen kann, weiterhin angeschlagen ist und nicht bei 100 Prozent, hat Trainer Merlin Polzin im Sturmzentrum derzeit nur die Wahl zwischen Königsdörffer und Glatzel.

Ich persönlich hoffe, dass der HSV in Berlin mit einem Stürmer spielt, der vor allem im Strafraum sehr präsent ist. Denn nur so macht es wirklich Sinn, über die Außenbahnen zu kommen. Wobei - vielleicht gibt es sogar noch eine weitere Option. Mats Beckmann brachte kürzlich die Idee ins Spiel, Rayan Philippe ins Sturmzentrum zu stellen. Ein Spieler, der von der Anlage her zwar eher in Richtung Königsdörffers Spielweise tendiert, der aber zuletzt deutlich mehr Boxpräsenz gezeigt hat als Königsdörffer in seinen Auftritten.

In diesem Sinne, bis morgen!!
Scholle

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