Spielbericht

HSV-Aufstieg zum Greifen nah - weil Effizienz über bloßen Ballbesitz tiumphiert

Der HSV hat im Aufstiegskampf ein kraftvolles Ausrufezeichen gesetzt. Mit einem beeindruckend effizienten 4:0-Auswärtssieg beim SV Darmstadt 98 meldeten sich Davie Selke und…

HSV-Aufstieg zum Greifen nah - weil Effizienz über bloßen Ballbesitz tiumphiert

Der HSV hat im Aufstiegskampf ein kraftvolles Ausrufezeichen gesetzt. Mit einem beeindruckend effizienten 4:0-Auswärtssieg beim SV Darmstadt 98 meldeten sich Davie Selke und Co. nicht nur eindrucksvoll zurück, sondern zeigten vor allem eines: dass kontrollierter, taktisch disziplinierter Fußball erfolgreicher sein kann als bloßer Ballbesitzfußball mit Offensivfeuerwerk.

Von Beginn an war zu erkennen, dass HSV-Trainer Merlin Polzin diesmal einen klaren Plan verfolgte – und die Mannschaft diesen Plan kompromisslos umsetzte. Der HSV überließ Darmstadt weitgehend das Spiel, agierte über weite Strecken aus einer tiefen, kompakten Grundordnung heraus und attackierte erst hinter der Mittellinie. Die Konsequenz: Darmstadt kam zwar auf 67 Prozent Ballbesitz, konnte sich daraus jedoch kaum echte Torchancen erarbeiten.

HSV endlich geduldig-effizient

Anders der HSV: Die wenigen eigenen Möglichkeiten wurden mit maximaler Effizienz genutzt. Den Anfang machte Ludovit Reis, der nach einem Standard per Kopf zum verdienten 1:0 traf. Der Treffer war nicht nur die Belohnung für einen konzentrierten Auftritt, sondern auch der Dosenöffner für den weiteren Spielverlauf. Trotz der Führung blieb der HSV geduldig, taktisch diszipliniert und defensiv stabil.

In der zweiten Halbzeit sorgte dann der eingewechselte Sebastian Schonlau – der für den verletzten Dennis Hadzikadunic kam – für zusätzliche Stabilität. Kurz nach seiner Einwechslung fiel das 2:0: Ransford-Yeboah Königsdörffer traf nach feinem Umschaltspiel und sorgte damit für die Vorentscheidung.

Doch der HSV hatte noch nicht genug. Nach weiteren Wechseln – unter anderem kam auch Immanuel Pherai – setzten die Gäste noch zwei Treffer obendrauf. Beide Tore wurden von Pherai vorbereitet, der in den letzten Wochen nicht unbedingt den Eindruck vermittelt hatte, dem HSV noch entscheidend helfen zu können (oder zu wollen). An diesem Nachmittag strafte er all jene – mich eingeschlossen – Lügen. Mit zwei herausragenden Vorlagen brachte Pherai die Offensive zum Glänzen und sorgte dafür, dass der Sieg nicht nur souverän nach Haue gebracht wurde, sondern auch deutlich ausfiel.

Fazit: Dieser HSV zeigt sich reif für den Aufstieg – nicht, weil das Spiel ein Augenschmaus war, sondern weil es ein Ausdruck von Stabilität, Konzentration und taktischem Verständnis war. So gewinnt man Spiele, wenn es darauf ankommt. Chapeau, Merlin Polzin!

DIE EINZELKRITIKEN:

Daniel Heuer Fernandes: Er hatte nicht viel zu tun, war aber da, wenn er gebraucht wurde. Dass unter der Woche über einen neuen Keeper diskutiert wurde, ließ ihn kalt. Souverän!
Note: 2

William Mikelbrencis (bis 90.): Die Achillesferse des HSV. Defensiv überfordert, lässt er jeden Flankenlauf zu, pennt bei Flanken von der anderen Seite auf den zweiten Pfosten und zieht jegliche Legitimation aus offensiven Aktionen. Heute hatte er das große Glück, dass die Mannschaft insgesamt geschlossener defensiv agierte und seine Lücken nicht so zum Tragen kamen.
Note: 4

Dennis Hadzikadunic (bis 43.): Er war gut drin, bis er sich so unglücklich verletzte. Dass die Reporter immer wieder was von Sprunggelenk faselten, nervte mich. Umso mehr hoffe ich aber, dass ich nicht recht habe mit meiner ersten Vermutung.
Note: 2

Sebastian Schonlau (ab 44.): Kam rein und war sofort wach. Wobei ich auch behaupte, dass so defensiv eingestellte Taktiken für ihn passend sind, weil sich so wenige bis keine Tempogegenstöße ergeben und sein fehlendes Tempo weniger zum Tragen kommt als sein gutes Stellungsspiel. Schade, dass er sich eine so unglückliche Gelbe Karte abholte und jetzt gesperrt ausfällt.
Note: 2

Miro Muheim (bis 74.): Auch wenn er defensiv noch ein paar Probleme hatte, war er es mit seiner Qualität, der den HSV auf die Siegerstraße verhalf. Sein Standard auf Reis besorgte das so wichtige 1:0. Allein deshalb bekommt er schon eine gute Note.
Note: 2

Silvan Hefti (ab 75.): Er schmiss sich wieder mit allem rein, was er hatte – das spricht für ihn.

Daniel Elfadli: Er begann wild, war dann aber defensiv sehr stabil und hielt sich auch an seine Position in der Innenverteidigung. Er machte heute alles genau so, wie es nötig war, um den Darmstädtern die Räume zuzustellen und nichts zuzulassen. Vor allem hatte er heute auch die Geduld und kümmerte sich zu 100 Prozent um seine Aufgaben.
Note: 1,5

Jonas Meffert: Er ist und bleibt im defensiven Mittelfeld essenziell. Heute ging es wenig darum, das Spiel anzukurbeln. Stattdessen kümmerte er sich vor der Abwehr darum, die Darmstädter Offensivbemühungen zu unterbinden. Und das sehr effektiv. Aufgabe zu 100 Prozent erfüllt!
Note: 1,5

Ludovit Reis: Er ist soooo wichtig. Und er bleibt es, wenn er so spielt. Zuerst die Zweikämpfe annehmen und gewinnen – dazu dann noch die Führung köpfen und dem Spiel die entscheidende Richtung geben – der Matchwinner für mich!
Note: 1

Jean-Luc Dompé (bis 74.): Er war heute nicht so im Spiel wie zuletzt in dieser Saison (das KSC-Spiel mal ausgenommen). Dennoch war ich sehr verwundert, dass er runter musste, als sich die Räume nach vorn zum Kontern ergaben.
Note: 4

Immanuel Pherai (ab 75.): Dass er kam, obwohl er in den letzten Wochen enttäuscht hatte, war allein der Weitsicht vom Trainerteam um Polzin zu verdanken. Und die hatten ein sehr gutes Gespür, denn Pherai drehte mächtig auf! Das war top!
Note: 1,5

Fabio Baldé (ab 45.): Seine Nominierung war überraschend. Aber er rechtfertigte sie mit seiner kämpferischen Einstellung. Spielerisch geht sicher noch mehr. Aber das war okay.
Note: 3

Emir Sahiti (ab 46.): Seine Qualitäten sind unbenommen, waren aber heute nicht so wichtig für das HSV-Spiel. Daher war er zunächst draußen und kam dann ab der zweiten Halbzeit mehr über den Kampf. Er stellte sein eigenes Ego hinten an, ergo: alles richtig gemacht!
Note: 3

Ransford Königsdörffer (bis 82.): Sein Treffer zum 2:0 war für mich das Siegel auf den Sieg. Auch sonst viel in Bewegung. Einfach gut!
Note: 2

Robert Glatzel (ab 83.): Er kam, sah und traf! Viel mehr konnte er nicht bringen!

Davie Selke: Er traf wieder, was für ihn persönlich wichtig ist. Und er stellte sich selbst voll in den Dienst dessen, was heute am erfolgversprechendsten war – obwohl das für ihn bedeutete, weniger Bälle zu bekommen. Seine Gelbe Karte gegen Vukotic war Gold wert, weil der Verteidiger so nicht mehr voll zulangen konnte – und die HSV-Mannschaft noch mal wachgerüttelt wurde! Note: 2

Trainer Merlin Polzin: Dompé raus, als der HSV zu Kontern kam? Das hat mich sehr verwundert. Dafür Pherai zu bringen, nachdem dieser in den letzten Wochen wenig Werbung für sich machen konnte – und es sogar so wirkte, als wolle er gar nicht mehr – das verwunderte mich. Aber im Ergebnis muss ich Polzin recht geben: Dieser Wechsel besiegelte das deutliche Ergebnis. Ansonsten hatte der HSV heute die richtige Einstellung, zunächst einmal defensiv abzusichern, komplett verinnerlicht. Das eigene Spiel zu hinterfragen und sich selbst (bzw. die eigene Taktik) zu korrigieren, zeichnet die Besten aus. Und Polzin hat das mit seinem Trainerteam gemacht. Er hat der Mannschaft in einer extrem schwierigen Phase mit einer ungewohnt defensiven Grundeinstellung Stabilität und Sicherheit verliehen. Chapeau, Coach! Note: 1

STIMMEN ZUM SPIEL: 

Sebastian Schonlau: Es ist überragend, dieses Spiel unter diesem Druck, der natürlich ein bisschen auf unserer Situation lastete, mit 4:0 und so eindrucksvoll zu gewinnen. Uns war klar, dass wir hinten wieder die Null halten müssen, darauf lag der Fokus und daran hat die ganze Mannschaft mitgearbeitet. Das war eine große mannschaftliche Leistung. Die Tore kamen dann am Ende ein bisschen von allein und haben diesen Tag perfekt gemacht. Jetzt haben wir am nächsten Wochenende das Finale, das wir haben wollten. Für mich ist es natürlich extrem ärgerlich, dass ich gesperrt fehlen werde, aber das ist am Ende total egal, denn wir werden es als Mannschaft gemeinsam durchziehen. 

Jonas Meffert: Das war heute eine überragende Mannschaftsleistung! Wir haben so viel an Teamgeist auf den Platz geworfen und haben uns diesen Sieg total verdient. Wir hatten als Mannschaft heute soviel Überzeugung, haben zu jeder Zeit füreinander eingestanden und auch die Tore noch super rausgespielt. Das ist heute ein so überragender Tag, da kam einfach alles zusammen, auch wenn die Darmstädter ein wirklich gutes Spiel gemacht haben. Ein brutal wichtiger Sieg, gerade nach den letzten Wochen. Und jetzt werden wir am nächsten Wochenende zusammen mit unseren Fans alles geben, um dann auch den letzten Schritt noch zu gehen.

Davie Selke: Wir haben eindrucksvoll heute gezeigt, dass wir eine Einheit und total gefestigt sind. Wir haben dieses schwierige Spiel angenommen, haben während des Spiels nochmal ein bisschen angepasst und haben hinten alles wegverteidigt, als wir anfangs ein bisschen unter Druck standen. Das Trainerteam hat nach dem schlechten Spiel gegen Karlsruhe die richtigen Worte gefunden, Stefan Kuntz auch, und so haben wir uns auf dieses Spiel eingeschworen. Wir freuen uns heute riesig, denn das war ein hartes Stück Arbeit, und jetzt haben wir richtig Bock auf das Finale im Heimspiel gegen Ulm, das wir gemeinsam mit den Fans ziehen wollen.

Miro Muheim: Genau das hatten wir uns vorgenommen! Wir wollten von Anfang positiv sein, uns pushen und jede gute Aktion abfeiern. Genau das haben wir umgesetzt. Denn uns war klar, dass wir nicht hierher kommen und zaubern können, sondern dass wir das intensive Spiel und den Kampf annehmen müssen. Das haben wir getan und haben mit unserer großen Stärke bei Eckbällen das Spiel auf unsere Seite gezogen. Zusammen mit den Fans haben wir dann diesen wichtigen Sieg eingefahren und können uns jetzt auf das nächste Heimspiel freuen.

Ransford Königsdörffer: Wir wollten für uns selbst dieses Spiel gewinnen. Wir haben alle gekämpft, haben für uns gegenseitig gefightet, haben zusammen verteidigt und nach vorn gespielt. Dieser Sieg war so wichtig, denn wir sind jetzt auf einem richtig guten Weg und freuen uns auf das nächste Heimspiel. Um dort unser Endspiel zu haben, mussten wir heute liefern, und das haben wir zusammen mit den Fans geschafft. Umso emotionaler waren die Momente nach dem Spiel in der Fankurve. Das war heute ein sehr besonderer Tag.

Merlin Polzin: Heute ist viel von dem aufgegangen, was wir uns vorgenommen hatten. Wir wussten, dass die Darmstädter zu Beginn viel Druck aufbauen werden und dass wir diese Phase überstehen müssen. Das haben wir getan und uns in diese Partie hineingekämpft. Für uns ging es nicht darum, den perfekten Fußball zu spielen, sondern uns den Widerständen zu stellen, möglichst viele Zweikämpfe zu gewinnen und uns so die nötige Sicherheit für unseren Fußball zu holen. Ich bin deshalb sehr stolz auf die Mannschaft und meinen Staff, denn wir haben zusammengestanden und den Widerständen erfolgreich getrotzt.

Florian Kohfeldt: Wir sind gut ins Spiel gekommen, waren zu Beginn die bessere Mannschaft und hatten unsere Torchancen. Trotzdem geraten wir in Rückstand und haben uns danach schwergetan, gegen einen sehr clever agierenden Gegner zurückzukommen. Trotzdem haben wir weiter alles gegeben und haben zu jeder Zeit versucht, noch einmal heranzukommen, mussten zum Ende hin in Umschaltmomenten aber noch den dritten und vierten Treffer hinnehmen. Insofern ist der Sieg des HSV natürlich verdient, auch wenn es aus meiner Sicht kein typisches 0:4-Spiel war.

DAS SPIEL IM STENOGRAMM:

SV Darmstadt 98: Schuhen - Lopez, Riedel, Vukotic, Guille Bueno (29. Papela) - Müller, Nürnberger, Förster (68. Boetius), Corredor - Lidberg, Hornby

HSV: Heuer Fernandes - Mikelbrencis, Hadzikadunic (43. Schonlau), Elfadli, Muheim (74. Hefti) - Meffert, Königsdörffer (82. Glatzel), Reis - Balde (46. Sahiti), Selke, Dompé (74. Pherai)

Tore: 0:1 Reis (23.), 0:2 Königsdörffer (58.), 0:3 Selke (80.), 0:4 Glatzel (90.+5.)

Zuschauer: 17.800 (ausverkauft)      

Schiedsrichter: Patrick Alt (Illingen)

Gelbe Karten: Förster, Vukotic, Müller / Selke, Schonlau, Meffert

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