Analyse

HSV-Analyse, Teil 3: das defensive Mittelfeld

Wenn solche Menschen gehen, dann ist das mehr als nur der Verlust des Menschen an sich. „Der war doch besser als Messi, oder nicht?“, hat mich mein kleinster Sohn gestern…

HSV-Analyse, Teil 3: das defensive Mittelfeld

Wenn solche Menschen gehen, dann ist das tatsächlich mehr als nur der Verlust des Menschen an sich. „Der war doch besser als Messi, oder nicht?“, hat mich mein kleinster Sohn gestern gefragt, als ich ihm davon berichtete, dass Pelé gestorben ist. Und alles Wissen über Pelé hat mein Sohn über youtube reingeholt. Natürlich hat er ihn genauso wenig wie ich persönlich spielen sehen. Aber als großer Messi- und Ronaldo-Fan ist es schon bezeichnend, dass mein Sohn Pelé nicht nur namentlich kennt, sondern ihn derart hoch einschätzt.

Denn Pelé ist mehr als nur ein Fußballer gewesen. Er ist ein Stück Evolution der Fußballgeschichte, er war prägender als die Fußballer vor und nach ihm. So prägend, dass selbst die jüngste Fußballergeneration von heute ihn kennt. Und während das bei vielen einfach so gesagt wird, stimmt es in diesem Fall ganz sicher: Pelé wird unvergessen bleiben. Völlig zurecht.

Ruhe in Frieden, Pelé. 

Der Brasilianer Édson Arantes do Nascimento, kurz "Pelé" genannt, ist am 29.12.2022 im Alter von 82 Jahren verstorben. FOTO: Witters

 

HSV-Analyse, Teil 3 - das defensive Mittelfeld:

Rafael van der Vaart hat sich gerade bei seinem Kumpel Babak Milani in der BILD für Ludovit Reis stark gemacht und ihn in den höchsten Tönen gelobt. Und das völlig zurecht, wie ich finde. Denn der Niederländer ist im HSV-Mittelfeld für mich (und wahrscheinlich für fast alle) der absolute Gewinner dieser Hinrunde. 17-mal stand er in der Startelf, nur zweimal wurde er kurz vor Schluss ausgewechselt und war ansonsten immer dabei – Reis ist aus der Stammelf des HSV nicht wegzudenken. Und so sehe längst nicht nur ich das, sondern vor allem auch der Trainer und höherklassige Klubs, die inzwischen auf den Niederländer aufmerksam geworden sind.

Steigt der HSV nicht auf, geht Reis

Aber van der Vaart spricht auch ein Problem an, das auf den HSV zukommen könnte, sollte der Wiederaufstieg verpasst werden: Reis‘ Wechsel im Sommer. Der HSV muss aufsteigen, um weiter auf die Dienste seines aktuell formstärksten Spielers bauen zu können. Denn Reis, so ehrlich muss man das betrachten, muss aufsteigen, um sich für höhere Aufgaben wie beispielsweise die Nationalmannschaft empfehlen zu können. Das sagt nicht nur van der Vaart – das wissen auch beim HSV alle. Das war auch der Grund, weshalb sich Reis bei seiner jüngsten Vertragsverlängerung ebendiese Klausel einarbeiten ließ, bei Nichtaufstieg wechseln zu können. 

Es wäre ein ganz empfindlicher Verlust für den HSV, da Reis aktuell das ist, was man als das Motor des HSV-Spiels bezeichnen kann. Reis ist Ballschlepper, Zweikämpfer, Passgeber und Torschütze in einem. Als defensiver Mittelfeldspieler war er zum HSV gekommen – inzwischen ist er viel mehr als das. Zusammen mit dem fast ausschließlich defensiv orientierten Jonas Meffert bildet er das Herzstück des HSV. Im Spiel nach vorn wie nach hinten bestimmen die beiden den Takt. Wobei Reis offensiv für mich der entscheidende Spieler ist. Er schafft es als einer der wenigen beim HSV, den Ball nach vorn mitzunehmen, ohne dabei das Tempo zu verschleppen. Für ihn gibt es – auch in der Relation zu allen anderen Feldspielern – aus meiner Sicht nur eine logische Note: 1.

Auch, weil sich Reis zusammen mit Meffert sehr gut ergänzt. Meffert hatte in der Vorsaison für mich den Anteil im Mittelfeld, den Reis jetzt hat. Er war die ordnende Figur – und das ist er noch heute. Meffert verbindet Defensive und Offensive, er stellt seine Mitspieler und fängt ab, was durchs Mittelfeld von den Gegnern kommt. Und während Reis seine unbändige Energie ausleben darf, räumt Meffert unaufhörlich auf und sortiert. Wie Schonlau in der Viererkette ist Meffert das Gehirn des HSV-Mittelfeldes. Funktioniert er, macht er seine Mitspieler stärker. Und das ist in den allermeisten Spielen auch diese Saison der Fall gewesen. Note: 2

Mächtig Potenzial - Suhonen ist auf dem Sprung

Ganz so weit sein kann Anssi Suhonen noch nicht. Immer wieder warfen ihn Verletzungen zurück. Diese Saison musste er anfänglich wegen der Folgen eines Wadenbeinbruches aussetzen und konnte erst in den letzten sieben Spielen so richtig angreifen. Fünfmal spielte er zuletzt in Folge – allerdings nur Kurzzeit als Einwechselspieler und einmal 55 Minuten in der Startelf. Immer mit 100 Prozent Einsatz, immer auffällig und mit starken Ansätzen. Aber eben noch nicht konstant, und auch noch nicht immer schlau in der Art.

Suhonen betreibt zu viel Aufwand (er ist immer derjenige, der durchschnittlich am meisten läuft), er geht zu stark ins Risiko und hat eine Spielweise, bei der er sich null schont – ein höheres Verletzungsrisiko nimmt er dafür in Kauf. Und ja, das ist altersgemäß auch alles so in Ordnung – aber: Hier wird sich der junge Finne bei Reis und Meffert einiges abschauen können und lernen müssen.

Das Potenzial, für den HSV einmal ein ganz wichtiger Mann zu werden hat er allemal. Nicht als Meffert-Ersatz, dafür aber als Backup für Ludovit Reis. Bislang kommt er auf eine Note 3, weil er noch zu wenig spielen konnte. Aber noch mal ganz klar: Suhonen hat das Potenzial gezeigt, das für ihn sehr viel mehr Spielzeit rechtfertigt. Suhonen lohnt jeden erdenklichen Aufwand vereinsseitig. Daher gibt es hier auch noch die Potenzial-Note 2.

Im defensiven Mittelfeld ebenfalls zuhause ist Elijah Krahn, der in der Vorbereitung auf sich aufmerksam machte und wirklich gut spielte. Er ist nicht ganz so physisch wie Suhonen, sondern eher der Typ, der gut antizipiert.  Krahn ist technisch stark, kann auch einen finalen Pass ansetzen. Auf jeden Fall freue ich mich darauf, wenn der 19-Jährige nach auskuriertem Kreuzbandriss in der Vorbereitung zur Rückrunde wieder einsteigt. Zumindest ist das der Plan. Eine Note werde ich ihm allerdings erst dann geben, wenn er seine ersten Einsätze auf Liga-Ebene hatte. Dasselbe gilt für Omar Megeed, der im offensiven Mittelfeld zuhause ist, das als nächster Mannschaftsteil analysiert wird. 

Bis dahin!

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