HSV-Abschied mit Anstand - kommen jetzt Walter und Dursun?
Bochum ist Meister, Fürth noch Zweiter - und Kiel muss in der Woche noch mal ran in der Relegation gegen den 1. FC Köln. Und während ich den Konkurrenten hiermit meinen…

Bochum ist Meister, Fürth noch Zweiter - und Kiel muss in der Woche noch mal ran in der Relegation gegen den 1. FC Köln. Und während ich den Konkurrenten hiermit meinen Glückwunsch aussprechen will, feierte der HSV mit einem 4:0 zum Abschluss gegen erschreckend desolate Absteiger von Eintracht Braunschweig einen versöhnlichen Abschied. Obgleich das Spiel vom Niveau her nicht zu hoch einzustufen war. Tendenziell nicht viel mehr als ein besseres Testspiel. Aber es wurde wenigstens klar und deutlich gewonnen. „Am Ende war es die Partie, die ich von der Mannschaft erwartet habe. Die Jungs haben noch einmal alles in die Waagschale geworfen und die drei Punkte in Hamburg behalten“, bilanzierte Horst Hrubesch sein letztes Spiel als Cheftrainer beim HSV. „Wir haben versucht, die Saison vernünftig zu Ende zu bringen. Das ist uns denke ich auch gelungen. Jetzt wird es darum gehen, dass wir uns selbst hinterfragen. In der neuen Saison geht es dann weiter.“ Und das mit vielen Baustellen – und einem neuen Trainer, der gefunden worden sein soll: Tim Walter soll die Geschicke beim HSV übernehmen. Der Ex-Bayer, Ex-Kieler und Ex-Stuttgarter soll zeitnah beim HSV präsentiert werden. Aber dazu später mehr… Denn heute geht es noch ein letztes Mal um die aktuelle Saison.
Und da war er war zufrieden. Zumindest mit dem Spiel heute. Wie versprochen hatte Hrubesch so einiges umgebaut. Rick van Drongelen und Jonas David bildeten die Innenverteidigung, während Robin Meißner vorn zusammen mit dem auf die Zehn zurückgezogenen Manuel Wintzheimer wirbelte. Ergo: Etwas überraschend standen Simon Terodde und Toni Leistner nicht in der Startelf, sondern waren zunächst nur auf der Bank. Zudem musste Amadou Onana, der zumindest auf der schriftlichen Aufstellung zu finden war, ersetzt werden. Für ihn rückte Jan Gyamerah in die Startelf, während Klaus Gjasula, Gideon Jung, Josha Vagnoman, Aaron Hunt (alle angeschlagen) sowie der Langzeitverletzte Stephan Ambrosius gar nicht erst im Kader waren.
Hrubesch baut um - und es funktioniert
Eine Startelf also, wie man sie in so einem letzten Spiel durchaus spielen lassen kann. Denn die jungen Spieler waren heiß. Nervös auch – aber eben auch hochmotiviert. Und angesichts der prekären Lage der Braunschweiger war damit zu rechnen, dass es hier und heute genauso physisch hart würde, wie es die Braunschweiger in den ersten zehn Minuten andeuteten. Aber: Der HSV hielt nicht nur dagegen, er legte sogar vor. Und das nach einer ersten Chance für die Braunschweiger – Felix Kroos versuchte es nach Fehlpass von Rick van Drongelen aus dem Mittelkreis direkt – traf Sonny Kittel.
Manuel Wintzheimer war gefoult worden, wobei der Ball weg war, ehe Wintzheimer leicht touchiert wurde. Aber egal, es war keine klare Fehlentscheidung, von daher also okay. Und Kittel war das alles eh wumpe. Denn der zirkelte den 20-Meter-Freistoß gekonnt um die Mauer herum hoch ins kurze Eck (7.). Eintrachts Keeper Fejzic fliegt zwar – aber vergeblich. Ein richtig schöner Freistoß! Und einmal dabei, legte der HSV gleich noch mal nach. Nach elf Minuten verpasst Meißner noch (er erläuft Wiebes zu kurzen Rückpass und spitzelt das Leder aus spitzem Winkel an Fejzic und dem Tor vorbei), in der 21. Minute aber findet er den frei stehenden Kittel, der im Sechzehner noch seinen Gegenspieler Iba May umkurvt und Fejzic den Ball durch die Beine zum 2:0 ins Tor schiebt.
Und das alles in einem wirklich von beiden Seiten wenig überzeugenden Spiel. Das Gute für den HSV: Die Eintracht war einfach zu schwach und zu behäbig n der Offensive, als dass sie dem HSV gefährlich zu werden wusste. Bis auf ein paar zu vernachlässigende Distanzschüsse kam da gar nichts. Dafür umso überraschender: Im Mittelfeldzentrum hatte der beste Hamburger, Manuel Wintzheimer immer wieder völlig freie Bahn. So auch vor dem 3:0, das er selbst mit seinem Pass auf Jatta schon hätte einleiten können. Da der Pass aber zu spät kam, sprang nur eine Ecke heraus – die dann aber wiederum zum 3:0 führte. Kittel von der rechten Seite mit rechts vom Tor weg (so habe ich es als Aktiver geliebt...) auf van Drongelen, der per Kopf in die Mitte, wo Meißner den Ball mit links per Unterlatte zur 3:0-Halbzeitführung einschiebt.
Terodde muss Dursun die Törjägerkrone überlassen
Zur Halbzeit konnte sich Hrubesch den Luxus erlauben, den (zusammen mit Kittel) fleißigsten Mann runterzunehmen. Für Wintzheimer kam Terodde, dem noch drei Treffer fehlten, um erneut Torschützenkönig der zweiten Liga zu werden. Und sehr viel mehr Spannung versprach diese zweite Hälfte auch nicht mehr. Nicht, weil der HSV nicht wollte, sondern weil die Braunschweiger einfach zu schwach waren. Nicht einmal die physische Härte brachten sie trotz ihrer finalen Chance auf den Platz. Bitter.
Zur Halbzeit konnte sich Hrubesch den Luxus erlauben, den (zusammen mit Kittel) fleißigsten Mann runterzunehmen. Für Wintzheimer kam Terodde, dem noch drei Treffer fehlten, um erneut Torschützenkönig der zweiten Liga zu werden. Und sehr viel mehr Spannung versprach diese zweite Hälfte auch nicht mehr. Nicht, weil der HSV nicht wollte, sondern weil die Braunschweiger einfach zu schwach waren. Nicht einmal die physische Härte brachten sie trotz ihrer finalen Chance auf den Platz. Bitter.
Noch bitterer: Teroddes ärgster Konkurrent im Kampf um die Torjägerkrone netzte gleich mit Beginn der zweiten Halbzeit zweimal ein. Ergo: Selbst diese Spannung war schon weg, bevor sie richtig aufgekommen war. Insofern war hier die Luft raus und es wurde auf den heute etwas besser besetzten Rängen mehr über das Trainergerücht gesprochen und auf den anderen Plätze geschaut, als wirklich über diese Parte diskutiert. Zwar hatte der HSV durch Terodde (53.) und Meißner (57.) zwei gute Gelegenheiten – aber es wurde nur noch wahrgenommen, während immer wieder der Name „Tim Walter“ zu hören war. Wer das ist, wie er drauf ist, wo er war – die neben uns auf der Tribüne platzierten Mitarbeiter des HSV hatten viele Fragen zu dem neuen Mann, der morgen oder übermorgen tatsächlich hier präsentiert werden soll. Und das „tatsächlich“ erkläre ich Euch dann auch noch...
Zum Spiel bleiben noch die Fakten: Terodde durfte sich in der 76. Minute noch als Torschütze eintragen. Passend zu diesem Spiel: Teroddes härtester Gegner bei diesem Treffer war der schnellere, eigentlich sogar besser postierte Ogechika Heil, der letztlich aber zugunsten Teroddes verzichtet. Die Art allerdings, mit der Terodde dieses Ding souverän per Chip an Fejzic vorbei machte – das war schon wieder chic anzusehen.
Kommen Dursun und Walter zum HSV?
Torjäger Nummer eins in dieser Zweitligasaison ist also nicht Terodde – sondern Dursun mit nunmehr 27 Treffern. Und der wiederum könnte Hamburgs Terodde in Hamburg ablösen. Das Interesse des HSV gibt es schon seit einigen Wochen – doch nun hat Dursun eine Anfrage des HSV bestätigt. Dass Dursun ein gebürtiger Hamburger ist, spiele „wirklich“ eine Rolle in seinen Überlegungen, wo er in der nächsten Saison spielen wird. „Das ist immer eine Option für mich“, sagte Dursun heute gegenüber Sky. Früher habe er für einen der beiden großen Hamburger Vereine – HSV oder St. Pauli spielen wollen. „Jetzt ist es so weit, dass ich eine Anfrage vorliegen habe“, bestätigte Dursun.
Und ohne es negativ gegenüber Dursun verstanden wissen zu wollen: Mir gefällt auch ein Robin Meißner sehr gut. Zu sehen, wie schnell der junge Angreifer sich reingebissen hat und wie schnell zu erkennen ist, dass er der Mannschaft helfen kann – das freut mich! Davon möchte ich in Zukunft mehr sehen. Und es ärgert mich, dass es vorher nicht einfach mal probiert wurde. Aber das Thema hatten wir ja gestern schon. Und das werden wir sicher auch in den nächsten Tagen auch wieder haben.
Bis dahin wünsche ich Euch erst einmal einen schönen Sonntagabend. Genießt den Pfingstmontag – und bis bald!
Scholle
Statistik zum Spiel:
HSV: Ulreich - Gyamerah (46. Narey), van Drongelen, David (78. Leistner), Leibold - Jatta, Kinsombi (74. Kwarteng), Heyer, Kittel (64. Heil) - Meißner, Wintzheimer (46. Terodde)
Eintracht Braunschweig: Fejzić - Wiebe (86. Kleeberg), Behrendt, Diakhite, May (66. Ziegele) - Nikolaou, Ben Balla, Kaufmann (66. Kupusovic), Kroos (77. Kammerbauer), Bär - Otto
Tore: 1:0 Kittel (7.), 2:0 Kittel (21.), 3:0 Meißner (45.+2), 4:0 Terodde (76.)
Zuschauer: 250
Schiedsrichter: Patrick Alt (Illingen)
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