Hrubesch's Mission: Wenig Zeit , große Ziele
Eigentlich muss man nichts mehr sagen. Man muss auch nicht mehr schreiben, worau f es jetzt ankommt. Denn das wissen alle. Also auch die, die das nocht zeigen konnten und…

Eigentlich muss man nichts mehr sagen. Man muss auch nicht mehr schreiben, worau f es jetzt ankommt. Denn das wissen alle. Also auch die, die das nocht zeigen konnten und können. Und hätte heute nicht die erste Pressekonferenz mit Horst Hrubesch angestanden, wahrscheinlich hätte ich es mir leicht gemacht und geschrieben: Nur ein Sieg zählt. Alles andere ist zu wenig. „Es macht auf jeden Fall keinen Sinn mehr, Spiele zu verlieren“, fasste es Hrubesch heute gewohnt einfach und kurz zusammen, worauf es ankommt. Auch deshalb klammern sich beim HSV klammern Fans, Vereinsführung und selbst die Profis an die letzte Hoffnung: Horst Hrubesch. Die 70 Jahre alte Vereinsikone soll in nur drei Wochen schaffen, woran seine Vorgänger Hannes Wolf, Dieter Hecking und Daniel Thioune in knapp drei Jahren gescheitert sind.
Dabei wird die Rückkehr in die Bundesliga gleicht einer Herkulesaufgabe. Im Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg ist der HSV als derzeit Fünfter weiter vom Aufstieg entfernt denn je in dieser Saison. Gleichwohl: Zehn Tage zuvor gab es kaum noch Zuversicht, jetzt herrscht im Volkspark Aufbruchstimmung. Wieder einmal. Spitzenreiter VfL Bochum (63 Punkte), der am heutigen Sonntag gegen Jahn Regensburg mit 5:1 gewann und damit nur noch zwei Punkte für den direkten Aufstieg braucht, patzte Greuther Fürth (58) gegen den Karlsruher SC (2:2). Dadurch hat Holstein Kiel (56) in den Nachholspielen gegen Hannover 96 (Montag) und Regensburg (Donnerstag) die große Chance, einen direkten Aufstiegsplatz zu übernehmen. Der Nordrivale zeigt dem HSV kurzerhand, wie Souveräneität funktioniert - trotz des Nachholstresses.
Aber noch mal zur Ausgangslage für den HSV Fortuna Düsseldorf (53 Punkte) scheint nach dem 2:2 gegen Eintracht Braunschweig aus dem Rennen, gewinnen Hrubesch und Co. Gegen Nürnberg, kann der HSV den Anschluss an das Spitzentrio herstellen. „Die Teams oben werden noch enger zusammenrücken, es wird spannend bis ganz zum Schluss“, sagte Coach Stefan Leitl, dessen Fürther gegen die Ex-Erstligisten Paderborn und Düsseldorf nun unter Druck steht. Und: Wenn Sportvorstand Jonas Boldt schlau ist, macht er Steffen Baumgart schnell als nächsten HSV-Trainer dingfest. Mehr Motivation, dem HSV mit einem Sieg seiner Paderborner gegen Fürth zu helfen, geht nicht…
Hrubesch fand Mannschaft verkrampft vor
Aber okay, alles Rechnen ist eigentlich überflüssig. Und ich mache es heute auch nur, weil der HSV morgen spielt und ich mich für Hrubesch wünsche, dass er den Karren hier tatsächlich noch einmal aus dem Dreck holt. Zumindest hat er es aus meiner Sicht verdient. Wie er es schaffen wolle, wurde er heute natürlich gefragt. Und Hrubesch antwortete, was auch im Training zu sehen war. Mit vielen Gesprächseinheiten in den vergangenen Tagen habe er versucht, die mentale Blockade, die er bei den Spielern festgestellt habe, zu lösen und „ein bisschen Stimmung in die Sache reinzubringen. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass die Jungs ein bisschen freier und offener geworden sind.“ Dass er die Mannschaft tiefgreifend umkrempelt, ist nicht zu erwarten. Retuschen wird es aber geben. Statt eines 4-3-3-Systems wie bei seinem Vorgänger Daniel Thioune setzt er auf ein 4-4-2 mit einer Doppelspitze. Der 21-jährige Offensivspieler Robin Meißner aus der U23 könnte dabei zu seinem ersten Startelfeinsatz kommen.
Wie Ihr alle wisst, halte ich immer noch sehr viel von Daniel Thioune als Trainer. Aber er hat in den entscheidenden Momenten dieser Schlussphase falsche Entscheidungen getroffen und der Vereinsführung das Gefühl vermittelt, er würde keine Lösungen parat haben. Deshalb wurde er geschasst und Hrubesch herangezogen, um zu retten, was nicht zu retten scheint. Und Hrubesch geht diese Aufgabe mit dem Elan an, den es braucht. Er sieht den Aufstieg sogar nicht so weit entfernt. Wenn auch nicht auf direktem Wegen, so hält er zumindest die Relegation für realistisch. „Wir leben noch“, befand der HSV-Nachwuchschef und sagte unumwunden, worauf es nun mal immer wieder ankommt. Konzepttrainer hin oder her - manchmal ist der einfache Weg eben doch der effektivste. Und wo Thioune ein wenig verkopft wirkte, hielt Hrubesch es betont einfach. „Ich werde nicht innerhalb von einer Woche diese Mannschaft neu erfinden. Das Wichtigste wird einfach sein, dass wir unseren Job machen und dann die Spiele für uns entscheiden werden. Wenn da morgen elf Leute auf dem Platz stehen, die sich zerreißen, dann kriegen wir das auch hin“, betonte der einstige Torjäger. Und wisst Ihr was? Punkt, aus – so ist es. So einfach ist es jetzt.
Die Mannschaft kennt die Aufstellung - und soll Verantwortung tragen
Wobei Hrubesch in seiner einfachen Art schon anders ist. Sehr gut anders, wie ich finde. Dass die Mannschaft schon seit Sonnabend weiß, wie für Montag die Aufstellung ist – das gab es bei keinem der letzten 20 Trainer. Hrubeschs Erklärung für diese ungewohnte Maßnahme: „Jetzt wissen alle, was Sache ist“. Okay, Hrubesch muss diese Mannschaft nicht über eine lange Saison hinweg bei Laune halten, sondern nur für drei Spiele. Das darf man bei solchen Vergleichen nie vergessen. Und diesen Vorteil nutzt Hrubesch maximal. Hrubesch glaube zu 100 Prozent an Simon Terodde und sagte ihm einige Tore voraus für die letzten drei Spiele. Hrubesch motiviert mit Komplimenten, nimmt seine Spieler aber zugleich voll in die Verantwortung. „Ich habe der Mannschaft die Frage gestellt: ‚Was braucht Ihr jetzt, was können wir noch tun.‘“ Ein Schlüssel zum Erfolg sei bei ihm nunmal die Kommunikation mit seiner Mannschaft. Hrubeschs einfache, aber logische Gleichung: „Ich übergebe ihnen drumherum Verantwortung – denn auf dem Platz müssen sie diese auch übernehmen.“
Hrubeschs Geheimrezept ist, dass es keines gibt. Er überhöht nichts. Hrubesch ist, wie er ist. Und wie mir geht es bis heute tatsächlich fast allen Menschen, die Hrubesch kennenlernen dürfen: Sie mögen ihn. Er ist ein Trainer, für den sich Spieler aufopfern. Das haben schon viele renommierte Spieler gesagt, die unter Hrubesch trainieren und spielen durften. Und vielleicht kann Hrubesch ja aus den zuletzt mental schwach en Spielern noch einmal herausholen, was es bedarf, um die eigenen Hausaufgaben zu machen. Denn alles andere als drei Siege aus den letzten drei Spielen wäre eh zu wenig. Oder wie „der Lange“ es formuliert: „Verlieren macht jetzt keinen Sinn mehr.“
Nee, das macht es nicht. Von daher wollen wir mal sehen, wozu das alles noch führt. Ich jedenfalls freue mich auf morgen und das Heimspiel gegen Nürnberg. Zugegeben: Vor allem wegen Hrubesch. Aber ich freue mich immerhin noch drauf. Und ich könnte mir sogar vorstellen, dass Hrubesch neben Meißner noch weitere Youngster beginnen lässt. Mo Kwarteng wäre für das zentrale Mittelfeld eine Option, da hier neben Aaron Hunt auch jeremy Dudziak ausfallen könnte. Und auch, wenn das schon etwas überraschend käme – auch Jonas David steht bei Hrubesch höher im Kurs als zuvor bei Thioune. Auf jeden Fall aber wird es schon
Mein Tipp für die Aufstellung: Scheißegal. Hauptsache gewinnen.
In diesem Sinne, bis morgen!
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