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Hrubesch schlägt Alarm: „Man muss sich hinterfragen, ob man in der richtigen Spur ist“

Während die HSV-Verantwortlichen heute mit dem neuen Trainer Tim Walter alles klarmachen und den Ex-Kieler und Ex-Stuttgarter beim HSV einen Zweijahresvertrag unterschreiben…

Hrubesch schlägt Alarm: „Man muss sich hinterfragen, ob man in der richtigen Spur ist“

Während die HSV-Verantwortlichen heute mit dem neuen Trainer Tim Walter alles klarmachen und den Ex-Kieler und Ex-Stuttgarter beim HSV einen Zweijahresvertrag unterschreiben lassen, will ich mich weniger mit dem neuen Coach, denn mit Horst Hrubesch nach dessem letzten Auftritt als Interimstrainer des HSV beschäftigen. Denn dort  zog Horst Hrubesch noch einmal eine ernüchternde Bilanz einer erneut enttäuschenden Fußball-Saison, die auch ein neuer Trainer nicht mal eben so per Unterschrift abwenden kann: „Wenn man sieht, was die Kieler und die anderen geleistet haben, stehen sie zu Recht da oben. Wenn man sieht, was wir geleistet haben, sind wir zu Recht nicht aufgestiegen“, sagte die 70 Jahre alte Vereins-Legende. Zudem gratulierte er dem VfL Bochum und Greuther Fürth verdientermaßen zum Aufstieg und Holstein Kiel zum Relegationsplatz. Und über die eigene Mannschaft sagte er, sie habe „die Qualität. Das haben wir gesehen, aber mit dieser Qualität musst du das ganze Jahr spielen“, sagte die HSV-Vereinslegende.

Hrubesch wird ab sofort wieder auf den Chefposten im HSV-Nachwuchszentrum zurückkehren, um an der Zukunft des Vereins zu arbeiten und die Profis von Morgen zu formen. Und das finde ich gut. Vor alle, weil ich jetzt noch mehr als vorher das Gefühl habe, dass Hrubesch intern eine treibende Kraft werden kann und werden sollte. Hrubesch sollte helfen, den HSV zu dem Ausbildungsverein zu machen, der der HSV ist. Denn egal wie oft man diesen Status mit teuren Einkäufen auch zu leugnen versucht, der HSV muss mehr denn je umdenken – und Hrubesch mahnt genau das an: „Es gibt viele Dinge, die sich eingeschliffen haben. Es sind viele Leute, die schon viele, viele Jahren da sind, wo man sich hinterfragen muss, ob man immer in der richtigen Spur ist“, sagte er. 

Walter soll kommen und: Hrubesch sollte beraten!

Für die nahe Zukunft ist operativ vor allem Sportvorstand Jonas Boldt gefordert. Der 39-Jährige muss schnell einen Trainer finden, danach kann es auch mit der Kaderplanung losgehen. Es könnte schon schnell Vollzug in Sachen Übungsleiter vermeldet werden. So war gestern nach Informationen des Pay-TV-Senders Sky davon zu hören, dass der HSV „in aussichtsreichen Verhandlungen mit Tim Walter“. Demnach sollen sich die Club-Verantwortlichen mit dem 45-Jährigen „in vielen Punkten“ einig sein. Boldt dazu gestern etwas wortkarg gegenüber dem NDR: „Ich werde jetzt keine Namen groß kommentieren.“ 

Es wäre eine Trainerlösung, die nicht wirklich kreativ ist. Das muss es auch nicht sein, wenn inhaltlich alles passt. Und da ich bislang auf nichts als auf Außenstehende Meinungen bauen kann, werde ich mir an dieser Stelle untersagen, was in vielen Foren schon passiert: Ich werde Walter nicht als falsche Lösung bezeichnen, bevor ich mir nicht wirklich selbst ein objektives Bild von ihm machen konnte.

Bis dahin halte ich mich an Fakten: Walter war zuletzt Trainer des VfB Stuttgart in der 2. Liga. Ende 2019 musste er dort gehen. Vor seinem Stuttgarter Engagement war er für ein Jahr tätig Holstein Kiel, mit denen er den sechsten Rang einfuhr. Walter betonte dabei immer wieder, dass er seinen Weg selbst bestimme und sich dabei auch von niemandem abbringen lassen werde. Hrubesch ist nach eigener Aussage noch nicht in die Suche eingebunden: „Ich bin noch nicht gefragt worden. Bei uns hat das Thema auch nicht stattgefunden.“

Aber so, wie ich Boldt und Hrubesch im Tandem erlebt habe, wird der Sportvorstand den Europameister von 1980 sehr wohl mit einbinden. In alle Bereiche. Auch bei der Kaderzusammensetzung, die man definitiv überdenken muss. Hierbei allein auf den neuen Trainer zu setzen wäre mehr als fahrlässig. Den neuen dabei auszusparen nicht minder. Aktuell scheint noch offen, wie die Mannschaft für den vierten Aufstiegsversuch aussieht. „Alles Weitere werden wir in den kommenden Tagen sehen, wenn dann auch ein neuer Trainer feststeht“, meinte Boldt. „Wir werden den Spielern klar mitgeben, was wir hier verlangen: Mit ein paar guten Spielen während der Saison reicht es einfach nicht. Die Bereitschaft muss da sein, hier erfolgreich sein zu wollen.“

HSV muss den Status Ausbildungsverein annehmen

Viele Profis stehen auf dem Prüfstand und haben sich nicht gerade als stressresistent im Aufstiegskampf erwiesen. Mal wieder nicht. Und hier kommt aus meiner Sicht Hrubesch zwangsläufig ins Spiel, da genau seine bodenständige, an den Basics orientierten Anforderungen beim HSV zuletzt zu kurz gekommen waren. Als Zugang steht bislang nur Paderborns Kapitän Sebastian Schonlau (26) fest. Bleibt noch die Hoffnung auf die Jungen. Vor allem der 21-jährige Robin Meißner drängte sich in den Spielen unter Hrubesch auf, traf in den letzten drei Saisonpartien insgesamt drei Mal und könnte auch zur neuen Saison eine Konstante bei den Profis werden. 

Und dieser Talente-Nachschub soll aus Hrubeschs Nachwuchsleistungszentrum kommen. „Am Ende muss es so sein, dass wir Spieler entwickeln müssen, dass wir ausbilden müssen“, sagte der langjährige DFB-Nachwuchscoach. Seine Vorstellung: „Wir müssen Spieler ausbilden, die beidfüßig sind, die Kopfball spielen können und die Verantwortung übernehmen.“ Vor allem letzteres braucht der HSV in Zukunft. Hrubesch betonte, dass das ein hoher Anspruch sei, sagte aber auch: „Dem können wir aber irgendwann gerecht werden.»

Klar ist: Sturm-Enttäuschung Bobby Wood ist schon vor dem Saisonende gegangen, Torjäger Simon Terodde (33) verabschiedete sich am Sonntag mit seinem 24. Saisontreffer nach einem Jahr aus Hamburg und soll Bundesliga-Absteiger Schalke 04 wieder nach oben schießen, während der HSV den Zweitliga-Torschützenkönig und gebürtigen Hamburger Serdar Dursun (27 Tore) von Darmstadt 98 auf dem Zettel haben. Auch er wäre zweifellos die für jeden Zuschauer die offensichtlichste Lösung aus der Zweiten Liga. Ähnlich Terodde vor dieser Saison. Und das wiederum hat eine Halbserie lang sehr gut funktioniert.

Von daher will ich an dieser Stelle auch vor der drohenden Schwarz-Weiß-Diskussion warnen. Denn ein richtig gutes Nachwuchskonzept basiert nie allein auf dem Nachwuchs. Und: Kein guter, ambitionierter Verein auf dieser Welt verschließt sich vor Veränderung und Qualität, wenn diese denn machbar ist und hilft. Für mich waren die Verpflichtungen von den so genannten Säulenspielern so lange kein Problem, wie diese Spieler funktioniert haben. Ein Problem (falsche Signalwirkung!) wurden sie erst, als sie nicht funktionierten und talentierten Spielern quasi den Platz nahmen, um sich zu entwickeln. Bestes Beispiel hierfür ist für mich Klaus Gjasula, der schlichtweg niemals vor Amadou Onana aufgestellt werden darf – behaupte ich seit Beginn der letzten Saison – und auch weiterhin...

Der HSV muss sich Leitplanken setzen - neue...

Ich habe mir oft überlegt, wie ich als Sportvorstand bzw. als Sportdirektor vor dieser Saison gehandelt hätte. Und ich muss zugeben, dass ich Leistner und Terodde auch genommen hätte, solange ich finanziell mit ihnen kein Risiko eingegangen wäre. Bei Ulreich hätte ich damals auch stark zum Transfer tendiert – weil ich viel Gutes über ihn gehört habe. Dass man sich aber darauf NIE verlassen kann, hat Gjasula gezeigt. Von dem einwandfreien Teamplayer wurde mur seinerzeit berichtet, dass er eine ganze Mannschaft zusammenhalten könne. Allein, es kam anders…

Wichtiger als das alles aber ist, dass man ein langfristiges Ziel definiert und den Weg dahin stufenweise beschreitet. Man muss hier klare Leitplanken setzen. Und die muss man auch dann einhalten, wenn der Glamour für eine davon abweichende Entscheidung auch noch so verführerisch scheint. Dabei darf man nie stur sein – aber immer konsequent. Was neu dazukommt, muss sich an diesem einen, langfristigen Ziel ausrichten. Auch der neue Trainer. Und zu dem werde ich aller Voraussicht nach morgen schon mehr erzählen können. Heute noch soll Walter in Hamburg seinen Zweijahresvertrag unterschreiben.

In diesem Sinne, bis dahin!

Scholle 

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