Analyse

Hrubesch sabbelt nicht - er macht (kein Geheimnis)

Wie gern hätte ich morgen eine Auswärtscouch angeboten. An einem so spannenden wie wichtigen Spieltag macht es einfach mehr Spaß, in einer Gruppe gleichgesinnter Freunde zu…

Hrubesch sabbelt nicht - er macht (kein Geheimnis)

Wie gern hätte ich morgen eine Auswärtscouch angeboten. An einem so spannenden wie wichtigen Spieltag macht es einfach mehr Spaß, in einer Gruppe gleichgesinnter Freunde zu schauen. Dazu ein paar Kaltgetränke und dann – Fußball in Reinkultur. Zwar auf Zweitliganiveau und nicht wie heute auf Erstligaebene. Aber eben auf andere Art  interessant, denn Horst Hrubesch und seine Jungs haben noch immer die Resthoffnung, einen Relegationsplatz zu erreichen. Wobei das auf der einen Seite nur bei eigenen Siegen möglich ist, aber selbst dann noch nicht, wenn die Konkurrenz nicht patzt. Oder anders formuliert: Wenn an diesem Spieltag der SC Paderborn nicht Fürth Punkte abnimmt. Denn die Spielvereinigung hat noch drei Punkte Vorsprung auf den HSV und kann sowohl noch den direkten Aufstiegsplatz wie auch einen Nichtaufstiegsplatz erreichen.  „Wir wollen das verhindern, wollen gewinnen. Auch die Spieler wollen sich mit Sieg verabschieden. Wir müssen Vollgas geben, gegen eine spielerisch gute Mannschaft, die sehr kontinuierlich gespielt hat.“

Hamburgs größter Hoffnungsträger ist ausgerechnet einer, der dem HSV gerade in Sachen Trainerjob einen Korb gegeben hat: Steffen Baumgart. Der bekennende HSV-Sympathisant („Der HSV war in meiner Kindheit mein Verein aus dem Westen. Seit 1980 fiebere ich da auch immer etwas mit, habe mich dem Verein immer sehr nah gefühlt.“) wird sich nicht wie von den HSV-Verantwortlichen gewollt dem HSV anschließen, sondern ab der neuen Saison als Trainer des 1. FC Köln arbeiten. Vorher aber will er seinen Abschied aus Paderborn mit Bravour und dementsprechend einem Sieg gegen Fürth angehen. Und trotz der Tatsache, dass es für den SCP tabellarisch um fast nichts mehr geht, hat Baumgarts eine klare Ansage an alle beim SC Paderborn vor dem letzten Heimspiel der Saison: „Wir haben die Pflicht, alles für den SC Paderborn rauszuhauen.“

Paderborn verspricht Einsatz bis zum Schluss

Das alles wird dem HSV allerdings nicht helfen, wenn er seinerseits seine Hausaufgaben nicht macht. Und dasc wird schwer genug beim VfL Osnabrück, der nach 13 punktlosen Spielen zuhause gegen den HSV seinerseits nicht nur einen guten Abschied von der heimischen Bremer Brücke gestalten, sondern zudem versuchen will, den Abstieg doch noch zu vermeiden. Und das ist bei nur einem Punkt Rückstand auf sowohl den Relegationsplatz (Eintracht Braunschweig) als auch den ersten Nichtabstiegsrang (SV Sandhausen) absokut noch realistisch. Von daher: Auch diese Konstellation verspricht Spannung.

Weniger spannend ist indes die Startaufstellung des HSV, aus der Horst Hrubesch gar nicht erst ein Geheimnis machen will. Wie schon vor dem Nürnberg-Spiel hat der 70-Jährige auch diesmal der Mannschaft schon zwei Tage vor dem Spiel die Aufstellung verraten. Und die sieht die Startelf der vergangenen Woche inklusiver Jan Gyamerah als positionsgetreuen Ersatz für den verletzten Josha Vagnoman vor.

Nebenbei: Genau diese Art des Machens ersetzt für mich in Perfektion das viele Gerede aller Hrubesch-Vorgänger. Denn während alle Trainer beim HSV zuletzt nimmermüde den (sinngemäß nicht mal falschen) Satz „wir müssen nur auf uns schauen“ raushauten, macht Hrubesch das. Er demonstriert mit der offengelegten Aufstellung nicht nur seinen Spielern sondern auch dem Gegner, dass er keine Geheimnisse und/oder Überraschungen braucht. Er verzichtet – wie 1982 bei seinem entscheidenden Elfer im WM-Halbfinale gegen Frankreich – auf Psychospielchen und macht einfach… 

Hrubesch-Style statt unsouveräne Kampfansagen

Wobei es jetzt natürlich erst noch funktionieren muss. Aber ich bin wie gesagt sehr froh, dass dieser HSV aktuell weniger sabbelt. Eigene Kampfansagen hatten in den letzten Jahren zumeist zu Enttäuschungen geführt, von daher ist dieser Hrubesch-Style „lasst die anderen sabbeln – wir machen“ für mich genau richtig. Denn zu viel Gerede vor den Spielen ist oft auch ein Zeichen von Unsicherheit und wirkt unsouverän. Auch jetzt, wo aus Osnabrück die Kampfansagen („Wir müssen den Kampf in den Vordergrund stellen, müssen sie bekämpfen, sozusagen aufessen“) den HSV eigentlich ebenso nur heißer machen dürften.

Insbesondere übrigens die unglaublich dämliche Ansage aus Braunschweig. Da hat Präsident Christoph Bratmann mit einer unschönen Läster-Attacke für etwas Stimmung gesorgt. „Ich hoffe, der HSV erspielt sich in Osnabrück eine gute Ausgangsposition, um sie dann gegen uns wieder zu verspielen. Das ist der Plan. Da sollte sich der HSV auch treu bleiben. Ich würde den HSV gerne in der nächsten Saison in der 2. Liga sehen – mit uns.“

Worte, die eigentlich das eigene Scheitern verdienen, so gern ich den Traditionsklub aus Niedersachsen auch mag, dass sein Präsident als Tabellen-16. So auf die Kacke haut, ist an Dummheit kaum zu überbieten. Zumindest hat er dem HSV ein Zitat geliefert, dass ich den Spielern vor dem letzten Saisonspiel an die Kabinentür nageln würde. Das allein dürfte schon Anlass genug für jeden HSV-Spieler mit Ehre sein, die Eintracht dafür zu bestrafen und ggf. sogar in die Dritte Liga zu schießen.

Hrubesch lobt - und warnt zugleich

Ich halte es da mit Hrubesch. Der Pragmatiker spricht seiner Mannschaft eine gute Trainingswoche aus und warnt zugleich davor, irgendwas auch nur einen Millimeter zu locker zu nehmen. Seine Jubelwarnung („Wir sollten weniger jubeln und effektiver bei der Torausbeute werden“) macht deutlich, worauf Hrubesch am meisten Wert legt: Auf das Ergebnis. Oder, wie sagte es Dr. Olaf Ringelband in einem seiner Kommentare zuletzt ganz richtig: „Horst Hrubesch verkörpert für mich perfekt das, was ich ‚Hochleistungskultur‘ nenne: wie er nach dem Spiel schweißgebadet sagte, ‚wenn ich etwas mache, dann mache ich es richtig‘. Auch was er über seine Arbeit sagte – er hat jedem Spieler seine Stärken deutlich gemacht, aber auch dass er nur bei 80% ist und hart arbeiten muss, um besser zu werden. Schade, dass Hrubesch nur für drei Spiele bleibt.“

Dennoch bzw. gerade weil Hrubesch jetzt noch da ist, scheint gerade angesichts der letzten Leistung gegen Nürnberg Optimismus zumindest zulässig zu sein. Denn der HSV hat endlich wieder mutig nach vorn gespielt, die Umstellung auf zwei Spitzen hat funktioniert. Und auch ich glaube tatsächlich daran, dass der HSV unter Hrubesch weiter erfolgreich spielt, wenn Ulreich, Leistner, Leibold, Terodde und Co. weiter an ihr eigenes Limit gehen.

Mit dieser Startelf wird Hreubesch aller Voraussicht nach beginnen: Ulreich – Gyamerah, Leistner, Heyer, Leibold – Jatta, Onana, Kinsombi, Kittel – Meißner, Terodde. Und ich hoffe, dass unser Orakel am Ende Recht behält:

Ich freue mich auf jeden Fall auf das morgige Spiel bzw. den gesamten Spieltag. In diesem Sinne, bis morgen! Dann wieder mit Blog und Blitzfazit!

Scholle

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