Meinung

Hoffentlich entschädigt der Sport wenigstens ein wenig

Ich weiß, dass es lustig sein sollte. Und vielleicht ist Humor auch tatsächlich der letzte Weg, um mit diesem HSV-Theater umgehen zu können. Aber ich sehe den HSV auf dem…

Hoffentlich entschädigt der Sport wenigstens ein wenig

Ich weiß, dass es lustig sein sollte. Und vielleicht ist Humor auch tatsächlich der letzte Weg, um mit diesem HSV-Theater umgehen zu können. Aber ich sehe den HSV auf dem besten Weg, sich massiv lächerlich zu machen. Der HSV sei ja immer gut dafür, dass dort etwas los ist, hatte Trainer Tim Walter heute auf einer Pressekonferenz rausgehauen, die auf mich sehr seltsam anmutete. Zuerst scherzte Trainer Tim Walter die ganze Zeit – vor allem mit Journalisten aus dem Plenum. Dann dieser Satz, dem Walter noch versuchte, einen sportlichen Bezug hinterher zu schießen. Klappte nur sehr bedingt.

Und das nehme ich dem Trainer, der bekannt für seine klare Kante ist, nicht einmal wirklich übel. Denn alles, was sich aktuell rund um den HSV und seinen Führungsstreit abspielt, ist einfach nur noch unangenehm. Oder anders formuliert: Die Verantwortlichen Vorstände und Aufsichtsräte sollten sich schämen. Was sie ganz sicher – nicht machen… Im Gegenteil: Es geht weiter nur darum, die eigenen Vorteile maximal zu pushen. Inzwischen sogar schon ohne jede Tarnung.

Im Aufsichtsrat haben sich die Kühne-Fraktion um Berenberg-Gesellschafter Hans-Werner Peters und Markus Frömming offen gegen einen Verbleib von Dr. Thomas Wüstefeld ausgesprochen, während die beiden noch unentschiedenen Lena Schrum und Andreas Peters ruhig sind und sich die Wüstefeld-Fraktion um Marcell Jansen, Detlef Dinsel und Michael Papenfuß für einen Verbleib von Wüstefeld stark macht. Anteileigner Klaus Michael Kühne ist sauer, dass Wüstefeld ihm fehlende Informationspolitik beim Anteilskauf vorwirft und fordert öffentlich die Ablösung Wüstefelds. Alles Dinge, die in einem funktionierenden Unternehmen undenkbar sind. Aber wie gesagt: Wir reden ja über den HSV.

Da versuchen die beiden zerstrittenen Vorstände Wüstefeld ebenso wie Jinas Boldt, den jeweils anderen schlecht aussehen zu lassen. Oder besser gesagt: Sie beschweren sich über verschiedene Fehlverhalten. Nicht immer so offen und laut, wie es Jonas Boldt in der Arbeitsgerichtsverhandlung bei der ersten Verhandlung bezüglich Sportdirektor Michael Mutzel machte. Und auch nicht so offensichtlich, wie es Wüstefeld in der Presserunde am Dienstag machte, als er erklärte, der alte Vorstand müsse sich prüfen lassen und damit auch seinen aktuellen Kompagnon attackierte. Nein, es läuft wieder alles hintenrum.

Es ehrt die allermeisten hier, die versuchen, das Thema von der Vernunftsseite zu betrachten. Aber all denen sei gesagt: Es bringt nichts. In diesem fall ist die Vernunft schon lange geopfert worden. Und ich habe ehrlich gesagt gar keine Lust, zwischen den ganzen Parteieln zu unterscheiden, weil es einfach keine Seite gibt, die sich gut verhält. Weder die Vorstände noch der Aufsichtsrat hat den HSV an sich im Vordergrund. Überall geht es um eigene Interessen. Die einen schützen ihren Auftraggeber Klaus Michael Kühne, der wiederum Wüstefeld loswerden will. Der Aufsichtsrat traut sich nicht, Wüstefeld zu entbinden, da dieser gerade dabei ist, dem HSV eine existenzielle Finanzierung aufzustellen, wie er selbst angekündigt hat. Und dann gibt es noch die Fraktion um Boldt, der sich mit Trainer Tim Walter und Nachwuchschef Horst Hrubesch intern wesentlicher Persönlichkeiten gewiss sein kann. Soll heißen: Weder Wüstefeld noch Boldt scheinen für den Aufsichtsrat aktuell „opferbar“. Ergebnis: Es passiert nichts und alle Parteien dürfen weiter ihren Schwachsinn produzieren…  

Dass Trainer Tim Walter heute erneut eine personelle Nachbesserung gefordert hat, zeigt, wie es um den HSV steht. Hier sind alle Fronten verhärtet und unter normalen Umständen müsste man sieben Aufsichtsräte und den Vorstand auflösen. An der Spitze scheint jeder Praktikant mit Interesse daran, dass es dem HSV gut geht, geeigneter. Und im Sport würde ich gern die Lockerheit des Tim Walters aus der Vorsaison wieder sehen. Aber alles das scheint nicht drin zu sein…

Apropos Walter: Der Trainer, der letzte Saison nie gejammert und immer betont hatte, mit seinem Kader mehr als zufrieden zu sein, meckert heute über fehlende Außenstürmer. Zurecht, wenn man es ihm so zugesagt hatte. Aber vor allem auch, weil er damit seinen Buddy Boldt unterstützt. Auf den Flügeln sieht der 46 Jahre alte HSV-Coach nach dem Ausfall von Bakéry Jatta (Muskelverletzung im Oberschenkel) noch Mängel im Kader. „Baka fehlt uns auf jeden Fall, aber uns fehlen allgemein Außenbahnspieler“, sagte Walter am Donnerstag. Er habe immer dafür geworben, den Kader zu verbessern. „Aber bis sich etwas tut, arbeiten wir mit den vorhandenen Spielern“, sagte der Coach vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim.

Für die Partie am Sonnabend im Volksparkstadion (13.00 Uhr/Sky) sind bisher 40.500 der 57 000 Tickets verkauft worden. Das ist ordentlich. Die Fans scheinen sich nicht von dem Kindergarten beim HSV abschrecken zu lassen. Und Walter erwartet zudem einen hochmotivierten Gegner, der nach zwei Siegen zum Auftakt der neuen Saison selbstbewusst auftreten werde. „In Heidenheim wurde über die Jahre eine Superarbeit gemacht. Das ist nicht mehr die kleine Maus, die haben sich gemausert“, betonte Walter. „Sie sind brutal gefährlich, weil sie sehr intensiv spielen, auch offensiv. Da bieten sich uns Räume, die wir ausnutzen wollen“, fügte der HSV-Coach hinzu. 

Neben Jatta stehen auch die Rekonvaleszenten Tim Leibold (nach Kreuzbandriss), Anssi Suhonen (Wadenbeinbruch) und Xavier Amaechi (Knöchelblessur) noch nicht wieder zur Verfügung. Dafür hofft Walter, dass Sonny Kittel gegen Heidenheim wieder ein Top-Match abliefert. Wahrscheinlich wieder auf der Außenbahn. „Das darf er gerne wieder machen“, meinte Walter lächelnd. Denn beim 2:0-Heimsieg Mitte Februar erzielte der Offensivakteur beide Tore gegen die starken Gäste und avancierte damit zum Spieler des Spiels. Und vielleicht schafft es ja wenigstens der Sport am Sonnabend mal, mir wieder etwas Spaß am HSV zu vermitteln. Denn der Rest langweilt mich nur mal wieder... 

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

WICHTIGER:

Und dann noch eine Nachricht von dem Menschen, dessen Sicht auf und dessen Haltung zu dem HSV allen aktuell Beteiligten sehr gut zu Gesicht stehen würde: Uwe Seeler. Der größte HSVer aller Zeiten ist nach übereinstimmenden Berichten im engsten Familienkreis beigesetzt worden. Wie Hamburger Abendblatt und BILD berichteten, wurde der am 21. Juli im Alter von 85 Jahren gestorbene langjährige Profi des Hamburger SV am Mittag leise und im engsten Familienkreis auf dem Friedhof Ohlsdorf beigesetzt. Im dortigen Familiengrab sind auch Uwes Seelers Vater Erwin und seine Mutter Anny sowie sein früh verstorbener Bruder Dieter und dessen Ehefrau Helga bestattet.

Die offizielle Trauerfeier für Uwe Seeler am kommenden Mittwoch (14 Uhr/ARD und N3 live) findet im Volksparkstadion statt, wie es sich Seeler gewünscht haben soll. Dort trägt Unter den insgesamt rund tausend geladenen Gästen der Trauerfeier sind unter anderem auch Bundeskanzler Olaf Scholz und Peter Tschentscher (beide SPD). Bundeskanzler Scholz hatte seine Teilnahme an der Trauerfeier für „Uns Uwe“ gestern über einen Regierungssprecher angekündigt. „Mit Uwe Seeler ist nicht nur ein großer Fußballer, sondern auch ein großer Mensch von uns gegangen“, hatte Olaf Scholz über den Tod der Fußball-Legende gesagt.

Der NDR (13.30 bis 15.30 Uhr) und das Erste (13.59 bis 15 Uhr) übertragen die Trauerfeier für das HSV-Idol. Diese werde in enger Abstimmung mit der Familie Seeler und unter Beteiligung des HSV sowie des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) vorbereitet, teilte der Hamburger Senat mit. Uwe Seeler war seit 2003 Ehrenbürger der Hansestadt. Der Einlass ins Stadion erfolgt ab 13.00 Uhr, die Trauerfeier beginnt um 14.00 Uhr. Gäste der Trauerfeier werden gebeten, auf Blumenschmuck zugunsten einer Spende für die Uwe-Seeler-Stiftung zu verzichten.

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