Meinung

Hoffen ist Trumpf

Es ist ein bisschen so, wie man es aus schlechten Filmen kennt. Da hat jemand die absolut richtige Idee – aber zum falschen Zeitpunkt. Beim HSV scheint der neue Sparkurs…

Hoffen ist Trumpf

Es ist ein bisschen so, wie man es aus schlechten Filmen kennt. Da hat jemand die absolut richtige Idee – aber zum falschen Zeitpunkt. Beim HSV scheint der neue Sparkurs absolut nachvollziehbar zu sein, da man in den letzten Jahren immer wieder viel zu leichtfertig Gelder verbrannt hat. Allerdings hat man aktuell auch eine personelle Situation, die gefährlich werden könnte, wenn man an dem Standpunkt, Sparen zu wollen, mit aller Macht festhält.  Denn das, was dem HSV in den letzten Jahren viele Sorgen erspart hätte, könnte ihm aktuell genau diese bringen. Und zwar mehr als gewollt. Und auch in den Filmen führen derartige Konstellationen im Ergebnis zu Misserfolgen. Zumindest erst einmal. Denn die allermeisten Filme bedienen sich des Happy Ends, also einem schönen Ausgang, der den Zuschauer mit einem guten Gefühl entlässt. Und genau das wollen hier in Hamburg nach nunmehr fünf Szenarien ohne Happy End alle. Zumindest wollen das beim HSV ganz sicher - und hier im Blog (fast) alle.  Auch ich.

Ich sehe aber weiterhin eine grobe Fahrlässigkeit beim HSV, die es zu benennen und zu beheben gilt. Denn dieser HSV riskiert gerade sehenden Auges einen Fehlstart. Drumherum ist es noch ruhig – mit der Betonung auf „noch“. Denn aktuell muss man festhalten, dass alle Beteiligten ein hohes Risiko eingehen. Personell muss man angesichts der Ausfälle schlimmes befürchten. Und: Die Konstanz, die aktuell auf Führungsebene samt Trainerteam gefeiert wird, kann schnell zum Kritikpunkt werden, wenn der HSV sportlich wieder an denselben Problemen scheitert, wie unter Trainer Tim Walter in den letzten zwei Serien auch.

Aber noch mal ganz deutlich: Ein erstes Saisonspiel ist immer anders. Die Mannschaften kommen aus einer langen Pause in den Ligabetrieb zurück und sind in der Regel alle noch nicht bei 100 Prozent. Da kannst Du nach grandiosen Testspielergebnissen plötzlich gegen ein Team verkacken, das in der Vorbereitung nicht einmal einen Möbelwagen getroffen hat. Und die ersten zwei, drei Spiele sagen auch noch nicht voraus, wie eine Saison verlaufen muss. Aber das ist auch gar nicht mein Thema heute. Mir geht es nur darum, dass die Verantwortlichen um Sportvorstand Jonas Boldt und den Aufsichtsrat im Vorfeld einer Saison Risiken minimieren müssen – nicht maximieren, wie aktuell beim HSV.

Gleiches gilt wie gesagt auch für den Aufsichtsrat. Dieser muss immer die Entwicklungen des HSV im Blick haben und ggf. reagieren, wenn Missstände offensichtlich werden. Vor allem aber muss sich der aktuelle Aufsichtsrat beim HSV immer auf alle Szenarien vorbereiten – als auch auf einen. Fehlstart. Dass man sich zuletzt auf einer Sitzung zunächst mehrheitlich gegen die Erstellung eines Plans B ausgesprochen und zudem die Benennung eines dritten Vorstandes abgelehnt hat, zeigt nur noch einmal, wie fahrlässig dieses Gremium seiner Verantwortung auch in der aktuellen Konstellation nachkommt.

Man stelle sich nur einmal vor - und ich klopfe dreimal auf Holz, dass es nicht so kommt -,  der HSV verkackt den Saisonstart und nach fünf, sechs Spieltagen liegt man nur auf Rang 8 oder noch weiter hinten. Dann geht die große Diskussion auch bei den Kollegen der Tageszeitungen los – und der Aufsichtsrat ist komplett ohne Krisenmanagement einer Situation ausgesetzt, die er nicht meistern kann, weil der Trainer mit dem Sportvorstand und dieser wiederum mit einigen anderen Entscheidungsträgern verbunden ist. Und das alles nur, weil man vor der Saison komplett auf einen Plan B verzichtet hat. Unfassbar… Aber ich bin mir sicher, dass man diese selbst verursachte Alternativlosigkeit, diese Gedanken-Faulheit dann einfach als „Konstanz“ schönreden und nach außen den tollen Zusammenhalt feiern wird.

Ich war selten so schlecht gelaunt vor einem Saisonauftakt wie dieses Mal. Und ich hoffe weiterhin, dass ich mich irre und dass Jonas Boldt samt Scoutingabteilung zumindest mannschaftlich noch ein paar Asse im Ärmel haben, die wir nur noch nicht kennen. Denn ansonsten wird es sehr eng diese Saison. Vielleicht (und mit viel Glück) gegen die vermeintlich stärkste Mannschaft Schalke 04 noch nicht. Der erste Spieltag ist immer noch mal etwas anderes, wie oben beschrieben. Aber wenn Tim Walter nach den Ausfällen mit einer komplett neuen, komplett uneingespielten Viererkette (Schonlau, Muheim, Mikelbrencis fallen sicher aus, Hadzikadunic ist fraglich) sowie ohne Ludovit Reis seinen Fußball gnadenlos durchziehen will, kann es übel werden. 

So, Ihr wisst jetzt, wie ich über diese Saisonvorbereitung denke. Dass ich trotzdem darauf hoffe, dass es anders kommt – LOGISCH! Mir geht es nur darum, zu verdeutlichen, dass man diese vergleichsweise Vorbereitung wieder nicht optimal genutzt hat. Die offensichtlichste Baustelle jedenfalls ist weiter offen: Die Viererkette. Bleibt nur zu hoffen, dass der HSV seine sportlichen Defizite gegenüber den Schalkern, die für ihre Baustelle in der Defensive heute mit Timo Baumgartl einen absoluten Topspieler für Zweitligaverhältnisse verpflichtet haben, mit Einstellung und viel Unterstützung von den Rängen wiedergutmachen kann. Und ich verspreche: Morgen suche ich nach den Punkten, die hoffen lassen, dass der HSV am Freitag einen guten Start hinlegt…

In diesem Sinne, bis morgen.

Scholle

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