Spielbericht

Hinten stabil, zu Null, vorne einmal getroffen - so geht das, HSV!

Der HSV hat im ersten Spiel unter Merlin Polzin als Cheftrainer gegen den bisherigen Tabellenführer zu Null gespielt, selbst getroffen – und somit sogar (zumindest…

Hinten stabil, zu Null, vorne einmal getroffen - so geht das, HSV!

Der HSV hat im ersten Spiel unter Merlin Polzin als Cheftrainer gegen den bisherigen Tabellenführer zu Null gespielt, selbst getroffen – und somit sogar (zumindest vorübergehend) die Tabellenführung in der 2. Fußball-Bundesliga erobert. Beim 1:0 im Spitzenspiel gegen den 1. FC Köln zeigte der HSV vielleicht fußballerisch nicht sein bestes Spiel– aber er war taktisch auf der Höhe und spielte gegen den Ball so stabil und konsequent, dass man im Stadion ein gutes Gefühl bekam. Mich lässt es zumindest darauf hoffen, dass der HSV die Balance aus Offensive und Defensive noch findet.

Den entscheidenden Treffer erzielte Ransford Königsdörffer (78.). Er scheiterte zunächst mit einem Foulelfmeter an Kölns Schlussmann Marvin Schwäbe, verwandelte aber den Nachschuss. Königsdörffer hatte auch die beiden Treffer beim 2:1-Sieg des HSV in der Hinrunde in Köln markiert.

Später Anpfiff

Dass die Partie ein Spitzenspiel war, machten die Begleitumstände deutlich. Wegen des hohen Verkehrsaufkommens rund um das Volksparkstadion wurde die Partie 15 Minuten später angepfiffen. 

Fast schon Normalität: Nach Pyroeinsatz der Kölner Fans und der dadurch bedingten Rauchentwicklung unterbrach Schiedsrichter Christian Dingert schon in der zweiten Minute für kurze Zeit das Spiel. Dramatischer war der Zwischenfall Stunden vor dem Spiel im Hamburger Stadtteil, als laut Polizei ca. 200 HSV-Fans Kölner Anhänger angegriffen hatten. 

Das Spiel selbst verdiente dabei wie erwähnt kaum das Prädikat Spitzenduell. Lange neutralisierten sich beide Mannschaften mit ihren guten Defensivreihen. Mit einem spielerischen Übergewicht für den HSV gegen Kölner, die sich an der stabil und von Daniel Elfadli gut organisierten Defensive des HSV immer wieder die Zähne ausbissen. Denn selbst wenn mal was durchkam, dann war Daniel Heuer Fernandes da.

HSV mit leichtem Übergewicht

Zwei nennenswerte Aktionen gab es in der ersten Halbzeit für den HSV: Davie Selke (25.) verpasste nach Flanke von Jean-Luc Dompé nur knapp mit der Fußspitze. Kurz vor der Pause scheiterte Dompé (44.) an Kölns Torwart Marvin Schwäbe. Gut: Der HSV spielte zwei stabile Halbzeiten tat etwas mehr für die Offensive un d gewann am Ende verdient, nachdem man noch ein mal Glück bei einem Pfostentreffer des Kölners Eric Martel (87hatte. Schlusswort Merlin Polzin, der auch in seinem fünften Spiel in Folge als Chef an der Seite ungeschlagen blieb: „Wir sind zufrieden mit dem Ergebnis. Wir haben zu null gespielt, daran haben wir im Winter viel gearbeitet. Mit Aggressivität und Laufbereitschaft wollten wir es den Kölnern schwer machen. Gleichzeitig haben wir selbst versucht, unser Spiel nach vorn zu tragen. In einigen Szenen sind wir an Martin Schwäbe gescheitert, aber insgesamt haben wir diesen verdienten Arbeitssieg eingefahren. Am Ende haben wir die große Geschlossenheit gesehen, auch zusammen mit dem Volksparkstadion, das uns am Ende getragen hat. Das war eine geile Atmosphäre, die wir sehr genossen haben, aber ab morgen geht es weiter.“

DIE EINZELKRITIKEN:

Daniel Heuer-Fernandes: Er war lange nur als Anspielpunkt der eigenen Mitspieler gefragt, und stand dann plötzlich im Mittelpunkt des Geschehens, als die Kölner zu guten Chancen kamen. Aber: Er war da und parierte stark. Alles richtig gemacht, dazu noch ein, zwei überragende Szenen - das ergibt die   Note: 1

William Mikelbrencis: Er wird immer sicherer, sein Tempo hilft immer wieder. Und die zunehmende Spielzeit lässt ihn entwickeln. Das kann noch Note: 3

Denis Hadzikadunic: Aggressiv, wach und kompromisslos. Er spielte ebenso rustikal wie er effektiv verteidigte. Fehlerfrei über die gesamten 90 Minuten. Für mich war das sein bisher bestes Spiel für den HSV.  Note: 2

Daniel Elfadli: Heuet mal wieder als Abwehrchef – und das wie immer stark. Aber: Wenn er da hinten steht, fehlt er in der Mitte auf der Sechs. Wer auch immer sagt, der HSV müsse nichts. Mehr machen personell, der hat einfach keine Ahnung. Einen guten Innenverteidiger zu finden binnen zwei Jahren – das MUSS drin sein! Aber.. -  ach, scheiß drauf!  Beim HSV sind sie alle schlauer! Ich sage das jetzt seit zwei Jahren, irgendwann reichts auch. Von daher, zurück zu Elfadli: Der machte das im Zentrum der Viererkette stark, rettete in höchster Not (63.), stand immer richtig – top! Und weil er hinten zusammen mit Hadzikadunic und Heuer Fernandes eine lange vermisste Kompaktheit herstellte gibt es die  Note: 1

Miro Muheim: Er ist und bleibt einer der konstanten Spieler beim HSV. Auch heute hatte er links fast alles im Griff, versuchte sich – leider etwas zu selten und zu zögerlich – auch offensiv einzubringen. Auch wenn da, gerade im Zusammenspiel mit Dompé, noch Luft nach oben ist, war das insgesamt okay.  Note: 3

Jonas Meffert (bis 74.): Er ist wichtig als Abläufer, der die Räume nach hinten zumacht. Aber was er offensiv mit dem Ball anstellt, das ist oft schwer zu verstehen. Note: 3,5

Jean-Luc Dompé (bis 83.): Er ist offensiv die größte Gefahrenquelle für den HSV. Seine Dribblings, seine Flanken, und bestenfalls noch eigene Abschlüsse braucht der HSV. In der ersten Halbzeit war das gut, in der zweiten Hälfte ausreichend – ergibt die Note: 3

Silvan Hefti (ab 84.): Sollte mit absichern, hatte aber mit dem gesamten Spiel nicht mehr viel zu tun.

Adam Karabec (bis 72.): Den Kopfball in der zweiten Halbzeit muss er machen! Aus einem Meter Entfernung muss der Ball drin sein! Auch sonst macht er vieles gut, aber er bringt seine Aktionen selten zu einem Abschluss. Soll heißen: Er deutet weiter mehr an, als er bislang imstande ist, zu zeigen. Er spielt nicht schlecht, aber mir fehlt einfach ein wenig mehr Wille, mehr Aggressivität, mehr Mut nach vorn.  Es war wie immer okay – aber eben nicht so gut, wie man es sich von ihm erhofft. Note: 4

Lukasz Poreba (ab 73.): Stabilisierte, war sofort im Spiel. Das passte!

Immanuel Pherai (bis 45.): Er versuchte viel und wirkte dabei leider noch etwas übermotiviert (wild). Dann die Gelbe und gleich danach ein Foul . Wenn er nicht angeschlagen runter musste, dann weil er Gelbrot-gefährdet war. Trotzdem: Er macht mehr, treibt den Ball nach vorn, ist anspielbar – und mit mehr Spielzeit kommt auch der Rest! Note: 3

Marco Richter (ab 46.): Er will ja – aber es reicht einfach zu oft nicht mit diesem (Nicht-)Tempo am Ball. Dass er den Elfer rausholte, glich den einen oder anderen Ballverlust aus und machte ihn heute wertvoll. Note: 3

Bakery Jatta (bis 56.): Er macht mehr kaputt, als er hilft. Dass er diesmal mehr wollte, war zu sehen. Er wirkte nicht so demotiviert wie vor der Winterpause. Aber das war im Ergebnis wieder nichts.  Note: 5

Emir Sahit (ab 57.): Er kam rein und lief mit wedelnden Armen wild herum, spielte Fehlpässe, dribbelte sich im Sechzehner frei – aber kontrolliert passiert da gar nichts. Einfach wild! Aber: Man kann irgendwie immer darauf hoffen, dass er die entscheidende Vorlage spielt oder selbst trifft. Dass er besser als sein Vorgänger war, erwähne ich hier nicht. Das sagt nichts aus… Note: 4

Davie Selke (bis 72.): Er war gegen seinen Exklub fleißig, aber er wurde von den Exkollegen abgemeldet oder war nicht auf der Höhe, wenn mal ein Ball durchkam.  Note: 4

Ransford Königsdörffer (ab 73.): Im Nachschuss getroffen, zählt auch! Seine Körperlichkeit und sein Tempo hatte ich mir früher erhofft.  Note: 3

DIE STIMMEN ZUM SPIEL:

Marco Richter: Wir sind sehr glücklich, dass wir mit einem Heimsieg vor dieser Kulisse ins neue Jahr starten konnten. Wir haben von Anfang an gezeigt, dass wir hier gewinnen wollten. Wir waren aggressiv und griffig, haben nicht viele Chancen zugelassen. Das war ein verdienter Sieg. Ferro hat gut gehalten, die Viererkette stand fest und jeder ist für jeden gerannt. Nur gemeinsam sind wir erfolgreich und so sind wir heute aufgetreten. Nächste Woche folgt jetzt wieder ein Kracher und wir wollen erneut drei Punkte holen.

Heuer Fernandes: Man hat viel von dem gesehen, was wir uns in der Vorbereitung vorgenommen haben: Bereitschaft, Rhythmus und Spielwitz. Wir haben es dem Gegner schwer gemacht, Räume zu finden. Wir waren kompakt und hatten gute Umschaltmomente. Wir haben das Spiel kontrolliert, waren zugleich immer gefährlich und hatten unsere Chancen. Wir sind zufrieden mit der Leistung. Und jetzt gilt: weiter machen!


Davie Selke: Ein Riesenkompliment an die Truppe. Man sieht, wie fokussiert wir an unserem Ziel arbeiten. Diesem Ziel sind wir heute einen Schritt näher gekommen. Und bis dahin haben wir jetzt noch 16 Spiele. Wir haben im Trainingslager 17 Spiele ausgerufen, in denen wir genau das auf den Platz bringen wollen, was wir heute gezeigt haben. Es war ein verdienter Sieg. Für uns gilt es, jetzt Woche für Woche so eine Stimmung zu kreieren und aufzubauen. Das wird nicht immer gelingen, aber wir können die Wahrscheinlichkeit erhöhen. Ich konnte heute 70 Minuten durchhalten. Da geht ein Lob an die medizinische Abteilung, die mich super gesteuert und zurückgebracht hat.

Jonas Meffert: Wir haben uns diesen Sieg absolut verdient. Köln hat eine starke Defensive, gegen die wir uns trotzdem einige Chancen erspielt haben. Wir selbst haben defensiv sehr gut gestanden, haben kaum etwas zugelassen. Und wenn doch, dann war Ferro da, so dass wir zu null spielen konnten, was unser Ziel war. Und vorne haben wir uns dieses Glück einfach dadurch erarbeitet, dass wir permanent drangeblieben sind und weitergemacht haben. Wir haben jetzt in den letzten Wochen einen sehr guten Punkteschnitt, haben heute erneut eine sehr gute Teamleistung gezeigt und wollen da oben jetzt weiter dranbleiben.

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Sonntag!

Scholle

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