Hinten sicher, vorn effizient: So einfach kann es sein
Mit einem Doppelpack hat Robert Glatzel die letzte Chance im Aufstiegsrennen erhalten. Beim 4:0 des in Braunschweig legte der Torjäger mit seinen Treffern in der zehnten und in…

Mit einem Doppelpack hat Robert Glatzel die letzte Chance im Aufstiegsrennen erhalten. Beim 4:0 des in Braunschweig legte der Torjäger mit seinen Treffern in der zehnten und in der 22. Minute die Grundlage für den klaren Erfolg. Für den 30-Jährigen waren es nach vier erfolglosen Einsätzen die Saisontore 17 und 18. Noch in der Nacht hatte Glatzel mit Übelkeit zu kämpfen gehabt – dies aber dem Trainerteam nicht mitgeteilt, weil er unbedingt spielen wollte. Bakery Jatta (69.) direkt nach seiner Einwechslung und Ludovit Reis (84.) machten das Ergebnis in der zweiten Halbzeit deutlich. Einziges Manko: Am Ende hatte der HSV, der neben sechs Punkten auf Düsseldorf auch ein um 16 Tore schwächeres Torverhältnis aufholen müsste, wenn er die Relegation noch erreichen wollte, noch weitere sehr gute Gelegenheiten, die er allesamt ungenutzt ließ.
Ein Teil der Wahrheit ist aber auch, dass der HSV unmittelbar nach Wiederanpfiff zur zweiten Halbzeit Glück hatte, dass der Anschlusstreffer durch Johan Gomez (49.) vom ansonsten fehlerlosen EM-Schiedsrichter Daniel Siebert wieder zurückgenommen wurde. Siebert entschied nach Betrachtung der Videobilder auf Foul an Keeper Matheo Raab, der bis hierhin und danach fehlerfreier Part einer stabilen Defensive war, die nichts zuließ. Der HSV spielte heute das, was ich mir seit Jahren wünsche: Hinten sicher, vorn effizient. Und dabei musste man sich noch nicht einmal über die Maße anstrengen, weil man es gut machte. So eine Saison lang spielen und der Aufstieg wäre schon längst erreicht.
Aber okay: So bleibt zumindest die Hoffnung am Leben, zumal Holstein Kiel zuhause überraschend gegen den FCK verlor. Jetzt heißt es, dem FC Schalke im Duell mit der Fortuna aus Düsseldorf die Daumen zu drücken.
SPIELERBEWERTUNGEN:
MATHEO RAAB: Erste Halbzeit fehlerlos, zweite Halbzeit dann gleich nach wenigen Minuten der Bock zum ersten Treffer der Braunschweiger, der nach Videoüberprüfung nicht galt. Zugegebenermaßen etwas überraschend – aber diese Entscheidung nehmen wir gern an! Note: 3
LUDOVIT REIS: Defensiv war das vor allem zu Spielbeginn zu wenig. Als hätte er keinen Bock darauf, Rechtsverteidiger spielen zu müssen. Glück für ihn, dass Braunschweig das nicht nutzte. Bleibt zu hoffen, dass sein Treffer zum 3:0 vielleicht sowas wird wie der Startschuss zur alten Form. Note: 3
DENNIS HADZIKADUNIC: Hatte gefühlt gar nichts zu tun. Und wenn was kam, dann gewann er seine Zweikämpfe. Note: 3
SEBASTIAN SCHONLAU: Machte den Laden hinten im Kollektiv dicht – ergo: Job erfüllt. Note: 3
MIRO MUHEIN: Er brauchte die erste Halbzeit, um ein wenig in Fahrt zu kommen. Insgesamt heute nicht so stark wie zuletzt, auch wenn er in den letzten 15 Minuten endlich wieder Druck nach vorn entfachen konnte. Note: 3,5
JONAS MEFFERT (bis 85.): Das Mittelfeldzentrum ist sein Hoheitsgebiet, dort muss er für Ordnung sorgen. Und das gelang ihm zu Spielbeginn nicht. Wurde besser. Note: 3
MORITZ HEYER (ab 86.): Durfte noch die Siegprämie mit einfahren.
LUKASZ POREBA: Er brauchte ein paar Minuten, um sich zu akklimatisieren, dann hatte er den Blick für Glatzel – und bereitete zusammen mit Pherai im Kurzpassspiel das 1:0 vor. Note: 4
IMMANUEL PHERAI (bis 74.): An alter Wirkungsstätte deutlich sicherer und effektiver als zuletzt – zumindest zu Beginn. Nach dem Co-Assists zum 1:0 tauchte er wieder ab. Note: 4
ANSSI SUHONEN (ab 75.): War nur noch dabei. Ohne große Wirkung.
RANSFORD KÖNGSDÖRFFER (bis 67.): Ihm fehlt die technische Fähigkeit beim ersten Ball, diesen schnell zu verarbeiten/mitzunehmen. Ihm fehlt der Überblick im Ballbesitz. Hätte er das beides, wäre eine ein absoluter Topspieler. Heute insgesamt belebend! Note: 2,5
BAKERY JATTA (ab 68.): Besser kann man nicht ins Spiel finden – traf mit dem ersten Ballkontakt zum 3:0. Note: 3
JEAN-LUC DOMPÉ (bis 67.): War heute überhaupt nicht im Spiel. Note: 4,5
MASAYA OKUGAWA (ab 68.): Spannende Ansätze – aber wirklich drüber hinaus kommt die Leihgabe noch nicht. Note: 4
ROBERT GLATZEL (bis 67.): Wenn er im Sechzehner anspielbar/aufzufinden ist, dann trifft er. Heute wieder einmal doppelt. Da ist er für den HSV unverzichtbar. Selbst so angeschlagen wie heute. Weshalb er trotz seines frühen Treffers immer wieder auf Höhe der Mittellinie rumturnte und sich dort die Bälle holen wollte, erschließt sich mir absolut nicht. Vorne eine glatte 1, im Mittelfeld wie der Storch im Salat - ergibt zusammen eine gute Note: 2
ANDRAS NEMETH (ab 68.): Er trifft einfach nicht. Auch heute hatte er wieder eine Hundertprozentige, traf aber nur den Pfosten. Bitter für ihn. Ebenso beim Konter in der 90., als er das Zentrum zustellte und Okugawa so nur links rausspielen konnte – hier MUSS er den Raum frei machen. Note: 4,5
TRAINER STEFFEN BAUMGART: Endlich mal wieder ein Sieg. Das Spiel gegen heute schwache Braunschweiger hat gezeigt, wie leicht man es sich hätte machen können: Defensiv gut stehen, vorn effizient die Chancen nutzen, schon steht ein souveränes 3:0 zu Buche. Allerdings wird das so nicht weitergehen, schon gar nicht am kommenden Freitag gegen den FC St. Pauli, der im Volksparkstadion de n Aufstieg perfekt machen will. Ein guter Move war der Wechsel von Königsdörffer nach rechts. Note: 3
DIE STATISTIK ZUM SPIEL:
Eintracht Braunschweig: Hoffmann - Kurucay, Bicakcic, Nikolaou - Rittmüller, Krauße (46. Finndell), Donkor (46. Lucoqui), Kaufmann (67. Amyn), Helgason - Philippe (86. Ivanov), Gomez (76. Ujah)
HSV: Raab - Reis, Hadzikadunic, Schonlau, Muheim - Meffert (86. Heyer), Poreba, Pherai (74. Suhonen) - Königsdörffer (67. Okugawa), Glatzel (67. Nemeth), Dompé (67. Jatta)
Tore: 0:1 Glatzel (10.), 0:2 Glatzel (22.), 0:3 Jatta (69.), 0:4 Reis (84.)
Zuschauer: 23.000 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Daniel Siebert (Berlin)
Gelbe Karten: - / Königsdörffer
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