Heiße Debatte: Fans diskutieren über Klaus Michael Kühne
Heute ist Klaus Michael Kühne hier mal wieder das Thema. Nicht, weil ich irgendwelche neuen Kenntnisse habe. Meine Meinung ist auch heute nicht so entscheidend, die werde ich…

Heute ist Klaus Michael Kühne hier mal wieder das Thema. Nicht, weil ich irgendwelche neuen Kenntnisse habe. Meine Meinung ist auch heute nicht so entscheidend, die werde ich an selber Stelle morgen begründen. Nein, stattdessen hat mein Blogfreund und Gastautor Frank Ockens von der Initiative #fuerdenhsv sich seine Gedanken gemacht und diese auf Papier gebracht. Die Kollegen haben diesen auch schon aufgegriffen und ihn als Brandrede bezeichnet. Ich habe diesen Artikel als Anlass genommen, hier noch einmal eine sachliche Diskussion über das Thema loszutreten. Dass ich dafür auch die andere Sichtweise brauchte, logisch! Die hatte mit Marc Osigus schon vor längerer Zeit einmal zugeschickt. Seither hatte ich Kühne hier leider nicht mehr als Kernthema, daher ist der Artikel bislang nur via LinkedIn erschienen. Aber nachdem mir Frank Ockens seinen Artikel zugeschickt hatte, sah ich den Moment als den richtigen gekommen, um die Sichtweise des Gründers und CEO's von Auffhäuser Investment Banking hier mit unterzubringen. Zwei Sichtweisen, aus denen sich für mich sehr viele logische Argumente ziehen lassen. Oder wie seht Ihr das? Anbei die beiden Sichtweisen:
Wenn angebliche Freunde Dir scheinbar helfen wollen! Wie erpressbar ist der HSV?
Von Frank Ockens (Gründer der Initiative #fuerdenhsv)
Seit 2014 besitzt der Investor Kühne einen Großteil der frei verfügbaren Anteile der HSV AG und hat sich seitdem immer wieder grundlegend in die Struktur des HSV und ins operative Geschäft eingemischt. Leider zumeist mit negativem Ergebnis. Seine herabwürdigenden Kommentare, sowie das häufige Fordern von „Köpfen“, haben dem HSV in seiner Außendarstellung definitiv geschadet!
Uns ist bewusst, dass finanzstarke Partner, Sponsoren und Mäzene in der heutigen Zeit des Profifußballs unverzichtbar sind und auch der HSV darauf angewiesen ist. Einem Investor, wie es Herr Kühne ist, geht es jedoch nur um Macht und Einflussnahme und nicht um die reine Unterstützung der Raute! Aufgrund der Erfahrung in der Vergangenheit muss der HSV sich von dem Investor Kühne, so weit wie möglich trennen. In finanziell schwierigen Zeiten müssen wir andere Wege beschreiten, um die Herausforderungen zu lösen und nicht erpressbar zu sein. Weitere Gelder vom Investor Kühne anzunehmen und im Gegenzug Zugeständnisse zu machen und Positionen in den Kontrollgremien abzugeben, darf nicht die Lösung sein! Um ein breites Meinungsbild in diesem Thema zu erlangen, stellt sich zurzeit folgende Frage:
Soll der HSV in Vorleistung gehen und dem Investor Kühne einen zweiten Aufsichtsrats Posten zusagen, ohne die genaue Gegenleistung zu kennen?
Die Antwort kann nur „NEIN!“ lauten, denn allein schon die Art und Weise, sowie der Inhalt des vor kurzem über die Presse unterbreiteten „120 Millionen“ Angebotes von Herrn Kühne, ist indiskutabel und respektlos! Herr Kühne ist, wird und will kein strategischer Partner des HSV sein. Er möchte die Kontrolle ausbauen und bei allen Entscheidungen mitreden. Das kann nicht im Sinne des HSV und seinen Mitgliedern sein. Bestes Beispiel ist seine zuletzt geäußerte Forderung für den zweiten AR-Posten für Herrn Peters, sollte man dies ablehnen, würde er alle Gespräche absagen! Solch eine Aussage macht kein HSV-Unterstützer!
Mit Tim Walter haben wir einen Trainer, der seit dem 01.07.2021 im Amt ist. Kein Trainer des HSV, war in den letzten 12 Jahren länger am Ruder. (T. Fink 2011-2013). Unser Sportdirektor Jonas Boldt ist seit Mai 2019 im Amt. Auf beiden Positionen versucht der Aufsichtsrat die Grundlagen für Vertragsverlängerungen zu erzielen und eine gewisse Kontinuität herbeizuführen. Das ist grundsätzlich gut, sofern der Leistungsgedanke berücksichtigt wird. Der HSV muss endlich wieder zum Leistungsprinzip zurückkehren: Konstanz und Kontinuität bei Entwicklung und Erbringung von Leistung! Dies gilt für den sportlichen und den wirtschaftlichen Bereich. Seit 10 Jahren erreichten wir mal wieder eine „schwarze Null“, da kann man noch nicht mit der Konfettikanone schießen, aber zumindest sollte man sagen: Endlich! Sehr gut! Weiter so!
Diesen Weg soll und kann der HSV aber nur weiter beschreiten, sofern er sich wirtschaftlich emanzipiert! Wir dürfen nicht dem Lockruf des „schnellen, quick & dirty“ Geldes verfallen und dafür ggf. sogar unsere Seele und Machtansprüche verkaufen, sondern müssen eine klare und saubere Struktur der Finanzpolitik weiterverfolgen. Ein schneller Liquiditätszufluss hat dem HSV in der Vergangenheit noch nie geholfen, sondern eher geschadet. Wir sind trotz vieler Schulden und Millionendarlehen, großspurig mit dem Füllhorn herumgelaufen und versenkten Millionen in Spieler, die nicht die entsprechende Qualität hatten, in diverse Trainer die gleichzeitig angestellt waren und in Abfindungen für unlieb gewordenen Mitarbeiter. Kaufmännischer Gedanken: Fehlanzeige!
Unser Präsidium im e.V. hat Zeiten mit vielen Höhen und Tiefen hinter sich und steht auch im Moment vor großen Herausforderungen. Der HSV e.V. ist wirtschaftlich und strukturell top aufgestellt! Wir haben mit über 90.000 Mitgliedern (Stand Oktober 2022) ein Rekordniveau erreicht, die sportlichen Leistungen aller Sparten sind von zufriedenstellend bis herausragend und trotzdem gibt es immer wieder Angriffsfläche,
sofern es um den HSV-Profi-Fußball geht. Positiv sei noch einmal die Bilanz des letzten Geschäftsjahres der AG erwähnt, jedoch muss man auch ehrlich sein und die sportliche Zugehörigkeit in der 2. Bundesliga seit nunmehr 4 Jahren, stark kritisieren. Es wurde jedes Jahr viel Geld in den Kader gesteckt, jedoch blieb der angestrebte Erfolg, der Aufstieg, aus! Die unsäglichen Monate um den Anteilseigener CaLeJo in Person von Thomas Wüstefeld und die ausgebliebenen Reaktionen, waren ebenfalls eine schwarze Stunde der Führung unseres Vereins. Dass sich unser Präsidium nach all den Vorgängen jetzt aber auseinanderdividieren lässt, aufgrund von Herrn Kühne, der sein Investment in den HSV, als die schlechteste Investitionsentscheidung seines Lebens bezeichnet hat, darf jawohl nicht wahr sein und muss beendet werden.
Lange Rede, kurzer Sinn: Der HSV hat ausreichend Substanz, um mit klarer Führung und sauberen Strukturen erfolgreich zu wirtschaften. Wir haben kein Einnahme-, sondern ein Ausgabenproblem und sollten in der jetzigen Zeit, wo der HSV eine positive Außenwirkung hat, eine enorme Zuschauerunterstützung erfährt und sich in einer sportlich, komfortablen Ausgangssituation befindet, nicht selbst verraten und verkaufen. Der HSV besteht seit 135 Jahren und wird auch noch weitere 135 Jahre bestehen! Auch wenn es 5 vor 12 sein sollte, müssen wir uns jetzt professioneller aufstellen und den gesamten Fokus auf das richten, was wir selbst verändern können, anstatt auf die heilsbringende, helfende Hand aus der Schweiz zu warten, denn diese würde einen schmerzhaften Griff haben. Daher der klare Appell an unser Präsidium: keinen weiteren Aufsichtsratsposten für den von Herrn Kühne entsandten Hans-Walter Peters!
Mit blau-weiß-schwarzen Grüßen
Frank R. Ockens
Im Dezember 2022 #fuerdenhsv
Investoren erwünscht – aber die richtigen!
Von Marc Osigus
Ich habe einen großen Teil meiner Jugend auf der Paul-Hauenschild-Anlage des HSV verbracht. Noch heute erinnere ich mich daran, wie uns Uwe Seeler, der direkt nebenan gewohnt hat, aus seinem Garten die Bälle zurück aufs Feld geworfen hat. An Ernst Happel und Horst Hrubesch, die unsere Trainingseinheiten beobachtet haben. Meine Diplomarbeit habe ich auch beim HSV geschrieben: Einführung eines Management-Systems. Und selbst nach einem Jahrzehnt voller Rückschläge, schlägt auch mein Herz genauso wie damals für den #HSV – auch wenn es nicht immer leicht war.
Und genau deshalb bin ich anderer Meinung als ein Teil der Fans auf der Nordkurve. Der Profifußball benötigt Investoren. Es müssen aber die richtigen sein.
Natürlich will ich unsere Vereine nicht als Spielzeug totalitärer Staaten oder zwielichtiger Gestalten sehen, wobei ich hier keinesfalls Klaus-Michael Kühne dazu zähle. Während der Corona-Pandemie haben einige Vereine aber die Hälfte ihrer Umsätze verloren, was die Basis ihres Kapitals zerstört hat und die Wettbewerbsfähigkeit immer weiter schwächt. Klingt wie ein Teufelskreis? Ist es.
Doch es gibt eine Lösung. Die beginnt zunächst einmal intern mit einem sportlich UND wirtschaftlich kompetenten, vor allem aber langfristig orientierten Management. Im nächsten Schritt steht die Umwandlung zur KGaA. Die ist aus Sicht des Vereins super, weil dem Verein als Komplementär umfangreiche Kontrollmöglichkeiten eingeräumt werden können und diese auch bei durch Kapitalerhöhungen der KGaA bedingten Verwässerungen der Stimmrechtsanteile bestehen bleiben.
Und dann? An die Börse!
Dass der Erfolg der Kapitalmaßnahme nur vom sportlichen Erfolg abhängig ist, wie zuletzt in einigen Medien suggeriert, stimmt nicht. Ausschlaggebend ist viel mehr, was die Investoren grundsätzlich zu zahlen bereit sind – weil sie Potenzial im Verein sehen oder weil ihnen der wirtschaftliche und sportliche Erfolg des Klubs einfach am Herzen liegt. In einem wohlhabenden Umfeld mit einer so großen, leidenschaftlichen Fanbasis wie in Hamburg, bin ich mir zum Beispiel sicher, einen IPO mit einer attraktiven Bewertung umsetzen zu können.
Zudem haben wir in vielen Gesprächen, die wir als Bank in den letzten Jahren mit Vereinen, Unternehmern, Vermögensverwaltern, Family Offices, aber auch Vereinsmitgliedern und Fans organisiert haben, etwas entscheidendes bemerkt: Es gibt eine enorme Bereitschaft, gemeinsam gutes – weil vereinsnahes – Kapital zur Verfügung zu stellen.
Damit bleiben die Vereine wettbewerbsfähig und wahren gleichzeitig ihre Identität.
Besser geht es nicht, oder?
Marc Osigus
aus dem November 2022
Von Marc heute noch ergänzend hinzugefügt:
Nur noch einmal zur Erläuterung: mir geht es nicht darum, unseren schönen Verein an irgendwelche komischen Leute/Organisationen/Länder zu verkaufen. Dafür ist mir die (Fan)Kultur viel zu wichtig…gleichzeitig glaube ich aber, dass der HSV der breiten Masse nur dann langfristig Spaß macht, wenn sportlicher Erfolg da ist. Und dafür benötigt es nun einmal Kapital. Da kommt meine Idee der Beteiligung der Fans - gerne auch gemeinsam mit größeren Geldgebern - ins Spiel. Also Eigenkapital und kein Fremdkapital wie zB bei Union Berlin. Gleichzeitig würde das (siehe Dortmund) eine größere organisatorische Stabilität gewährleisten und den Verein unabhängiger von Einzelinteressen machen. Klingt idealistisch - habe die Hoffnung aber nicht aufgegeben und finde unsere aktuellen Handelnden überraschend gut. Bin zudem extrem positiv von den Zahlen und der Bilanz überrascht - sehe den HSV in den Medien weitgehend falsch dargestellt…
Und dann noch ein Stück WM. Wie jeden Tag hat unser geschätzter Kollege Wolfgang Stephan auch heute wieder ein Stück seiner WM-Erlebnisse in Katar zusammengestellt. Danke, Wolfgang! Und: Euch viel Spaß beim Lesen!
Kolumne 19
Das Vorbild
Ich lernte ihn einst in Südafrika kennen. Damals, 2010, er war 72 Jahre alt und agil wie ein Fünfzigjähriger. Hartmut Scherzer. Sein Auftreten, seine Art, sein Wissen, seine Schreibe, sein Alter, seine Fitness – ich beschloss, ihn mir als journalistisches Vorbild zu nehmen. Vier Jahre später sind wir mehrmals gemeinsam durch Brasilien geflogen, es war immer das gleiche Ritual, ich fragte, Hartmut erzählte. Dabei ging es meist nicht um Fußball. Der Kollege hat alle drei Jahrhundert-Boxkämpfe von Muhammad Ali in New York, Kinshasa und Manila live miterlebt, war bei 33 Tour de France-Rennen dabei und hat von 21 Olympischen Spielen berichtet. Eine Sportreporter-Legende, eine Lichtgestalt des deutschen Sportjournalismus. Es mag sich antiquiert anhören, wenn ich von einem der alten Garde schreibe. Aber er ist halt einer, dem es nie nur um Tore, Siege oder Rekorde ging, was in seinem Buch „Welt-Sport“ auf über 700 Seiten nachzulesen ist. Online ist so einer nicht zu gebrauchen, für ihn eine besondere Wertschätzung.
Scherzer schreibt Hintergründe, über Revolten, Aufstände, Rassismus, Apartheid. Seine Helden sind auch die Kämpfer gegen Krankheiten, wie Lance Armstrong, der des Dopings überführte Radsportler, der ihn wegen seines eisernen Überlebenskampfes gegen den Krebs fasziniert. „Dafür bewundere ich ihn“, schreibt Scherzer, der 1984 in Los Angeles Muhammad Ali zu Hause besuchen durfte, und einer der Ersten war, der spürte, dass mit Ali was nicht stimmte – Parkinson. „Den Zerfall des Champs zu erleben, gehört zu meinen erschütterndsten Erlebnissen.“
Eine Statistik fehlt bisher in dieser Aufzählung: Seine Fußball-Weltmeisterschaften. Hartmut absolviert gerade sein 16. Turnier Seit 1962 in Chile ist er ununterbrochen dabei. Mit damals 15 deutschen Journalisten. In Katar waren es 150, in Brasilien 200, jetzt sind es nach dem Abflug der Deutschen noch etwa 30 deutsche Kollegen. Hartmut Scherzer bleibt auch bis zum Finale. Wir trafen uns am Dienstag im Medienzentrum. „Hartmut, Du bist ja auch noch da“, stellte ich freudig fest. Seine lapidare Antwort: „Warum nicht, das ist schließlich eine Weltmeisterschaft und keine Deutsche Meisterschaft“, sagte der Mann, der mit 84 Jahren immer noch mit wachem Blick auf der Pressetribüne sitzt. 84.
Das mit dem Vorbild überlege ich mir nochmal.
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