Meinung

Hauptaugenmerk des HSV muss weiter auf Defensive liegen

Ich hasse diese unsinnige Regel, dass ein Chip im Ball am Ende beweist, dass es eine nicht zu erkennende Berührung des Balles gab (siehe Handfelfer gegen Dänemark).…

Hauptaugenmerk des HSV muss weiter auf Defensive liegen

Die EM ist für mich tatsächlich am vergangenen Freitag zu Ende gegangen. Ich weiß, dass das nach einem schlechten Verlierer klingt, und ich bin das in Teilen ganz sicher auch: Aber ohne ein Team dabei zu haben, für das ich mitfiebere, ist dieses Turnier nur noch einen Bruchteil so spannend wie bis zum unglücklichen Aus der Nagelsmann-Elf. Und ja, auch der nicht gegebene Elfmeter ist für mich noch nicht abgehakt, im Gegenteil: In dem Moment, wo hier in Deutschland alle einmal miterleben mussten, wie unfair die Auslegung der Handspiel-Regelung noch ist, könnte ja der Anfang sein, um mit diesem absoluten Irrsinn endlich abzuschließen.

Ich hasse diese unsinnige Regel, dass ein Chip im Ball am Ende beweist, dass es eine nicht zu erkennende Berührung des Balles gab (siehe Handfelfer gegen Dänemark). Andererseits wird ein gefährlicher Torschuss wie der Jamal Musialas vom Spanier unabsichtlich, aber deutlich erkennbar so abgefälscht, dass ein mögliches Tor verhindert wird – und es gibt keinen Strafstoß. Von den tausenden unsinnigen Handspielen, bei denen Spieler teils ohne Sicht auf den Ball mit der Hand an selbigen kommen ganz zu schweigen. Nein, das ist nicht mehr gesund. Und auch deshalb bin ich komplett bei Julian Nagelsmann, der hier eine Einheitlichkeit fordert, die ganz einfach klingen kann. 

Denn neben den gewollten Handspielen muss für die ungewollten eine Regel her. Hier macht es Sinn zwischen gefährlichen Torschüssen und/oder Flanke gegenüber den Schüssen zu unterscheiden, aus denen im Nachgang nichts geworden wäre. Klingt einfach – und das ist es auch. Wenn man hierzu den beiden Mannschaften noch eine begrenzte Anzahl „Challenges“ zugesteht, mit denen sie Entscheidungen überprüfen lassen können, würde man diesem ganzen VAR-Wahnsinn vielleicht seine Fußball-entehrende Wirkung ein Stück weit nehmen können. 

Ich hatte nie etwas dagegen, dass Schiedsrichter Fehler machen. Wie auch? Sie sind denselben physikalischen Gesetzen ausgesetzt wie alle anderen Menschen. Und wir alle sehen verschiedene Dinge entsprechend unterschiedlich – und eben auch mal falsch. Auch die Schiedsrichter. Aber ich habe den Glauben daran, dass die Unparteiischen ihrem Namen Ehre erweisen, nie verloren. Dafür sehe ich in solchen Fehlentscheidungen wie dem nicht gegebenen Elfer gegen Spanien insbesondere dann eine Tragik, wenn sie nach zigfacher Überprüfungen immer noch falsch getroffen werden. 

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Apropos Entscheidungen: Eine haben wir hier getroffen. Und zwar die Entscheidungen, wohin wir die 200 Euro spenden, die wir über unser Tippspiel und über unseren großzügigen Blog-User Michael eingespielt haben. Jeweils 100 Euro werden wir an das Deutsche Kinderhilfswerk sowie an das Friedensdorf international spenden und hoffen, dass wir diesen Betrag zur neuen Saison dann noch mal steigern können.

Ebenso hoffe ich, dass der HSV sich zur neuen Saison weiter neu aufstellt und hierbei alte Fehler meidet. Mit Daniel Elfadli und Adam Karabec hat der HSV zwei Neue geholt. Laszlo Benes ist derweil als bislang einziger Leistungsträger gegangen. Da ich Karabec’s Leistungsniveau auf Zweitligaebene noch nicht wirklich einschätzen kann, bin ich mir in der Summierung der Zu- und Abgänge noch nicht im Klaren, ob der HSV sich verbessert hat. Elfadli halte ich für einen guten Backup für Jonas Meffert – oder eben auch neben ihm. Aber Benes‘ Abgang ist sportlich schwer.

Denn der Linksfuß war nicht nur einer der torgefährlichsten Spieler im Team, sondern auch einer der wenigen, die mal einen Standard direkt verwandeln konnten. Und davon hat der HSV jetzt keinen mehr – den noch immer gesperrten Marijo Vuskovic mal ausgenommen. Aber so einen Spieler braucht der HSV. Wie gesagt, bei Karabec sehe ich einen guten linken Fuß und Torgefahr. Aber kann er Benes in Sachen Standards ersetzen? Und falls nicht – wer kann es sonst?

Dass sich der HSV angeblich mit einem Davie Selke beschäftigt, erschreckt mich. Selke ist vom Typus her als Stürmer ähnlich wie Glatzel - okay. Aber gefühlt ist er eben auch jemand, der mir in den letzten Jahren mehr durch sein Verhalten außerhalb als durch Leistung auf dem Platz aufgefallen ist. Und ich bleibe dabei: Ich wünsche mir einen jungen Angreifer, der sein erkennbares Potenzial beim HSV ausschöpft und hier mit dem Klub zusammen wächst, um später teurer verkauft zu werden oder mit dem HSV aktuell schwer vorstellbare Erfolge feiert. Und ein Spieler mit höherem Wiederverkaufswert ist Selke sicher nicht.

Aber: Offensiv sehe ich beim HSV weniger Probleme als defensiv. Den Ausfall von Vuskovic konnte der HSV nie ersetzen. Und da noch immer nicht klar ist, wie lange der Kroate noch gesperrt bleibt und ebenso fraglich sein würde, wie schnell er nach der langen Pause wettbewerbsfähig fit wird, sehe ich in der Defensive den größten Handlungsbedarf. Die Aussage von Sportvorstand Stefan Kuntz, der sagte, dass man bis zum Ende der Transferphase warten müsse, um dann vielleicht noch einen Hochkaräter günstig zu schießen, kann ich für den einen, besonderen Spieler nachvollziehen. Aber dieser potenzielle Hochkaräter sollte den HSV nur noch in der Spitze verbessern – nicht im Grundgerüst.

Denn der HSV muss auch ohne diesen unplanbaren Neuzugang schon so aufgestellt sein, dass man aufstiegsreif ist. Und da fehlte es in der abgelaufenen Saison insbesondere defensiv an Qualität. An Tempo in der Innenverteidigung, aber auch an Qualität auf der rechten Verteidigerposition. Insbesondere dann, wenn Ignace van der Brempt ausfiel, mussten die beiden HSV-Trainer Tim Walter sowie in der Folge auch Steffen Baumgart improvisieren. Und neben der dann fehlenden Qualität war es auch die fehlende Eingespieltheit, die im Aufstiegskampf am Ende dazu führte, dass der HSV sein Ziel verpasste. Dass man ein überbordendes Maß an Verletzungspech nicht vorhersehen kann, ist klar. Aber in Sachen Viererkette muss der HSV sich qualitativ noch deutlich besser aufstellen. Und dass zu erkennen, bedarf sich keines Hellsehers – aber leider hört man von Seiten des HSV bislang recht wenig in diese Richtung.

Wie sich die Profiklubs einen Marktüberblick verschafften, könnt Ihr im neuen Video mit unserem Profi-Analysten Mats Beckmann von Createfootball.com hören und sehen. Eine sehr umfangreiche Arbeit, die Profiklubs in aller Regel ohne fremde Hilfe von Datenbank-Spezialisten so umfänglich gar nicht mehr leisten können – zumindest keine Zweitligisten wie der HSV. In dieser Folge „Inside Profifußball“ nennt Mats auch spannende Namen, die für den HSV interessant werden könnten. Auch für die Defensive...

In diesem Sinne, hoffen wir mal, dass der HSV sich für die Defensive noch ein wenig was einfallen lässt und dass Ihr vielleicht ein wenig mehr Freude an der verbleibenden EM habt als ich…!

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