Spielbericht

Hannover bricht ein - der HSV schießt sich aus der Krise

Noch Minuten nach dem Schlusspfiff feierten die Spieler des HSV mit ihren Fans im ausverkauften Volksparkstadion den höchsten Saisonsieg in der 2. Fußball-Bundesliga. Mit dem…

Hannover bricht ein - der HSV schießt sich aus der Krise

Noch Minuten nach dem Schlusspfiff feierten die Spieler des HSV mit ihren Fans im ausverkauften Volksparkstadion den höchsten Saisonsieg in der 2. Fußball-Bundesliga. Mit dem 6:1 gegen die desolaten Gäste von Hannover 96 setzte der HSV am Samstag ein Statement im Aufstiegskampf und erhöhte nach drei sieglosen Spielen wieder den Druck auf die Konkurrenten Darmstadt 98 und 1. FC Heidenheim. „Wir sind glücklich, dass wir uns heute belohnt haben, was wir in den anderen Spielen schon hätten tun können“, sagte Trainer Tim Walter - und das nach einer schwachen ersten halben Stunde: „Mit dem HSV musst du immer rechnen!“  Durch den Erfolg rückten die Hamburger zumindest bis zum Abendspiel (20.30 Uhr) des 1. FC Heidenheim gegen den FC St. Pauli auf den zweiten Platz vor. Tabellenführer Darmstadt 98 spielt am Sonntag (13.30 Uhr) gegen den SC Paderborn. 

In den ersten 30 Minuten hatte es überhaupt nicht nach einem solch deutlichen Erfolg ausgesehen. Beide Mannschaften machten zu viele oft stümperhafte Fehler. Doch nach der Führung durch Sonny Kittel (34. Minute) und Laszlo Benes (41.) kamen die Hamburger allmählich in Fahrt. Auch der Anschlusstreffer durch Hannovers Derrick Köhn (52.) brachte sie nicht mehr vom Weg ab.

Benes' zweites Tor per Foulelfmeter (61.) und der 17. Saisontreffer von Torjäger Robert Glatzel (65.) beendeten alle Zweifel. Der eingewechselte Ransford Königsdörffer (76.) und Ludovit Reis (87.) sorgten mit ihren Treffern endgültig für eine Party auf den Rängen. „Wenn man die Fans sieht, die Mannschaft sieht, wie wir das genießen heute: So oft spielen wir nicht so deutlich - auch wenn wir die Chancen oft dazu haben“, sagte Kapitän Sebastian Schonlau.

Bei ihrem Erfolg profitierten Schonlau und Co. zweifellos auch von der Schwäche des Gegners. Wie Hannover 96 nach dem 3:1 für den HSV auseinanderfiel, war bitter (für die Niedersachsen). Vor einer Woche hatten sich die Niedersachsen noch über den ersten Rückrunden-Sieg gegen den SV Sandhausen freuen können - nach dem Gastspiel in Hamburg ist die Ernüchterung aber groß. „Innerhalb von vier Minuten geben wir das Spiel aus der Hand mit dem 1:3 und 1:4. Danach war das Spiel gegessen“, sagte 96-Trainer Stefan Leitl. „Was danach passiert ist, darf so natürlich nicht passieren.“ 

Hannovers Zusammenbruch in den letzten 30 Minuten hatte für die Hamburger die Wirkung einer Therapiesitzung. Sie konnten sich für die Schlussphase im Aufstiegsrennen Selbstvertrauen holen. «Ich bin sehr stolz darauf, was die Mannschaft dann an den Tag gelegt hat», sagte Walter. Zur Belohnung gab er seinen Spielern über Ostern frei. Sie können nun Kraft bei der Familie tanken. Denn die nächsten Aufgaben mit dem Spiel beim 1. FC Kaiserslautern und dem Stadtderby gegen den FC St. Pauli haben es in sich. So leicht wie gegen 96 wird es nicht mehr. (dpa)

DIE EINZELKRITIK:

DANIEL HEUER FERNANDES: Rettete seinen Kollegen Meffert nach dessen Fehlpass und war präsent wie immer. Er spielte fehlerfrei. Und auch wenn er nicht allzu gefordert wurde, verdient sein Auftritt eine gute Note: 2

MORITZ HEYER: Endlich wieder auf „seiner“ Position. Rechts im Zusammenspiel mit Jatta deutlich wirkungsvoller als links Katterbach/Kittel. Er hatte erst die Chance zum 3:1, dann holte er den Elfer zum 3:1 heraus. Ich würde wirklich alles versuchen, um ihn rechts zu behalten. Dort ist er einfach am stärksten. Note: 2

NOAH KATTERBACH: Er braucht zu oft noch zu lang, um sich zu orientieren. Er muss schneller spielen. So machte er das Spiel oft langsam und stand sich mit Kittel (und im Wechsel Benes/Reis) zu oft auf den Füßen. Defensiv hatte er zu Beginn Schwierigkeiten, fing sich aber schon im Laufe der ersten Halbzeit. Mit Beginn der zweiten Halbzeit bekam er Räume über links – und er nutzte diese wie bei der gefühlvollen Vorlage auf Glatzel zum 4:1. Note: 3

SEBASTIAN SCHONLAU (bis 86.): Mit ihm ist der HSV defensiv eine Klasse besser, als ohne ihn. Auch heute. Note: 2,5

VALON ZUMBERI (ab 87.): Durfte endlich mal Zweitligaluft schnuppern.

JONAS DAVID: Ohne grobe Fehler kommt er leider nicht aus. Seine gleich zweimal schlecht verteidigte, selbst verschuldete Gelbe Karte in der dritten Minute war ein früher Dämpfer.  So früh vorbestraft als Innenverteidiger – das geht oft schief. Und wenn man ehrlich ist, hätte David schon in der ersten Hälfte Gelbrot kassieren können, wenn nicht sogar müssen. Da hatte er Glück. In der zweiten Hälfte blieb er dann komplett fehlerfrei, gewann seine Zweikämpfe und wirkte sicher. Note: 3,5

JONAS MEFFERT (bis 70.): Von Beginn an hellwach, bügelte er Fehler der Kollegen aus, stopfte Löcher und verteilte Bälle.  Aber er bekam erst sehr langsam Ordnung ins Mittelfeld und die Defensive. Dann aber war er auch offensiv vor dem 2:0 mit seinem Ballgewinn der entscheidende Mann. Um nicht die fünfte Gelbe Karte zu riskieren und ihn nach seinen zuletzt andauernden Knieproblemen etwas zu schonen, durfte er beim Stand von 4:1 runter. Note: 2

ANSSI SUHONEN (ab 71.): Das ist schon geil, so einen quirligen Typen in der Hinterhand zu haben. Er brauchte gefühlt nullkommanull Eingewöhnung und ist immer im Vollgasmodus unterwegs. Note: 2

SONNY KITTEL (bis 70.): Der Teilzeitmitspieler. Während alle um ihn herum (oft zu wild) liefen, stand er. Er spart seine Kräfte, sagen die, die es nett meinen. Und er traf. Er weiß, wann und wo es gefährlich wird.  Leider war er es auch, der mit einem unkonzentrierten Ballverlust, den Anschlusstreffer einleitete. Hätte er unmittelbar danach getroffen – es wäre wieder ausgeglichen gewesen. Note: 3

RANSFORD KÖNIGSDÖRFFER (ab 71.): Hannover liegt ihm! Gerade mal fünf Minuten nach seiner Einwechslung durfte er wie schon im Hinspiel wieder einen eigenen Treffer bejubeln. Note: 2

LUDOVIT REIS: Letzte Woche in Düsseldorf hatte er sich seine Auszeit genommen – heute war er wieder bärenstark! Von der ersten Minute an war der Niederländer der aktivste Hamburger. Er kurbelte das HSV-Spiel maßgeblich an und war dann mit dem Auge für Kittel beim 1:0 auch der entscheidende Faktor für die Richtungsänderung gen Heimsieg. Dass er auch noch selbst traf war das i-Tüpfelchen. Note: 1

BAKERY JATTA (bis 80.): Er bekam mit Köhn seinen persönlichen Schatten zugeteilt und lieferte sich spannende Duelle, die er oft gewann. Schade nur, dass er seine sehr guten Aktionen nicht auch noch sehr gut abschließt. Dennoch: Er ist mit seinem Tempo immer ein Unruheherd und für mich unverzichtbar. Note: 3

ANDRAS NEMETH (ab 81.): Dabei. Mehr kann man da nicht sagen. 

LASZLO BENES (bis 80.): Er ist immer extrem bemüht – aber zu selten effektiv. Heute hatte er vor dem 2:0 einen Trick parat, mit dem er alle täuschte und dann eiskalt versenkte. Und obwohl ich mir sicher bin, dass er den Ball eigentlich nach hinten und nicht in den eigenen Lauf legen wollte – schön war es, dieses 2:0 kurz vor dem Pausenpfiff. Er nahm sich nach dem in Düsseldorf verschossenen Elfer heute sofort den Ball beim Elfer in der zweiten Halbzeit – und er verwandelte sicher. Das war sein bislang bestes Spiel für den HSV, weil er sich selbst belohnte. Note: 1,5

ELIJAH KRAHN (ab 81.): Saustarke Ansätze hat er definitiv. Und wäre er nicht so lange verletzt ausgefallen, er wäre sicher schon sehr viel häufiger auf dem Platz gewesen. Wobei: Das wird jetzt kommen. Auch in diesen wenigen Minuten zeigte er sofort, dass er eine Verstärkung werden kann. Der Junge wird in den nächsten Wochen und Monaten noch mehr zeigen, da bin ich mir sicher. 

ROBERT GLATZEL: Endlich hat er wieder getroffen! Das allein wird ihm nach diesem Spiel extrem gut tun. Dass er seinen zweiten Treffer trotz klarster Chance verpasste, fällt da nicht mehr ganz so schwer ins Gewicht. Zumal Königsdörffer den Abpraller zum 5:1 nutzte. Note: 2,5

Trainer TIM WALTER: Der HSV-Trainer war nach dem Spiel sichtlich zufrieden. So einen hohen Sieg gab es in dieser Saison noch nicht. Dennoch muss man dieses Spiel in zwei Teile aufteilen: Bis zur 30. Minute - und von dort an. Denn bis zur 30. Minute stimmte nur der Einsatz, der teilweise noch etwas wild wirkte. Danach übernahm der HSV dann aber zunehmend die Kontrolle und spielte endlich mal wieder effektiv in der Offensive - und fast zu null defensiv. So einen Fernschuss wie den von Köhn (sensationell in den Winkel) kann man schwer verteidigen. Dennoch weiß Walter, dass auch defensiv noch nicht alles stimmt. Es ist nur etwas besser gewesen - und das gilt es weiter im Training zu bearbeiten. Aber weil heute auch die Wechsel griffen, gibt es für heute die Note: 2.

DAS SPIEL IM STENOGRAMM:

HSV: Heuer Fernandes - Heyer, David, Schonlau (81. Zumberi), Katterbach - Meffert (71. Suhonen) - Jatta (79. Nemeth), Reis, Benes (79. Krahn), Kittel (71. Königsdörffer) - Glatzel

Hannover 96: Zieler - Lührs, Krajnc, Kunze - Muroya, Ernst (82. Momuluh), Besuschkow, Köhn - Schaub (64. Teuchert) - Nielsen (74.Foti), Beier

Tore: 1:0 Kittel (34.), 2:0 Benes (41.), 2:1 Köhn (52,.), 3:1 Benes (FE., 61), 4:1 Glatzel (65.), 5:1 Königsdörffer (76.), 6:1 Reis (87.)

Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)

Schiedsrichter: Florian Badstübner (Nürnberg)

Gelbe Karten: David (3.), Benes (11.), Reis (75.) / Beier (80.)

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