Gutes Zeichen: Jansen gibt Posten als Aufsichtsratsboss ab
Die BILD nennt es „HSV-Hammer“, ich nenne es einen ersten, kleinen, aber guten Schritt zum neuen Selbstverständnis, mit dem beim HSV führende Positionen besetzt werden müssen.…

Die BILD nennt es „HSV-Hammer“, ich nenne es einen ersten, kleinen, aber guten Schritt zum neuen Selbstverständnis, mit dem beim HSV führende Positionen besetzt werden müssen. Denn eines ist klar: Nichts hat dem HSV in den letzten Jahren mehr geschadet, als Machtbedürfnisse, Eitelkeiten und Intriganz. Die daraus resultierenden Machtkämpfe haben den HSV trotz bester Möglichkeiten nach der Ausgliederung nicht weiter nach oben und nach Europa gebracht, sondern lassen ihn zum vierten Mal in Folge in der Zweiten Bundesliga um den Aufstieg kämpfen. Zudem bemerkenswert: Marcell Jansen, der seinen Posten als Aufsichtsratsvorsitzender freiwillig räumte, war zuletzt genau dieses egozentrische Verhalten angedichtet worden.
Von daher war es auch vom Präsidenten des HSV e.V. ein sehr geschickter Schachzug, um seinen Widersachern mit Taten den Wind aus den Segeln zu nehmen. In der Pressemitteilung des HSV heißt es wörtlich:
HAUPTVERSAMMLUNG BESTÄTIGT NEUE HSV-AUFSICHTSRÄTE
DR. THOMAS WÜSTEFELD, MICHAEL PAPENFUSS, DR. HANS-WALTER PETERS UND LENA SCHRUM WURDEN ZU MITGLIEDERN DES KONTROLLGREMIUMS GEWÄHLT – FELIX GOEDHART UND MICHAEL KRALL SCHEIDEN AUF EIGENEN WUNSCH AUS
Die HSV Fußball AG hat nun wieder einen siebenköpfigen Aufsichtsrat. Die Hauptversammlung bestätigte am Dienstag (30. November) die vom bisherigen Rat vorgeschlagenen Kandidaten Dr. Thomas Wüstefeld (Geschäftsführer der CaLeJo GmbH), Michael Papenfuß (Vizepräsident und Schatzmeister des Hamburger Sport-Verein e. V.), Dr. Hans-Walter Peters (Berater / Verwaltungsratsvorsitzender / Gesellschafter Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG) und die Kandidatin Lena Schrum (Geschäftsführerin der aware THE PLATFORM GmbH) für das Kontrollgremium. Nach dem freiwilligen Ausscheiden der bisherigen Räte Felix Goedhart und Michael Krall ist der Aufsichtsrat damit neben den verbleibenden Mitgliedern Marcell Jansen, Markus Frömming und Dr. Andreas Peters wieder komplett.
Bei der harmonisch verlaufenden Hauptversammlung im Volksparkstadion stellte der Vorstand in Person von Jonas Boldt und Frank Wettstein den Gesellschaftern einen Bericht über das vergangene Geschäftsjahr vor und lieferte einen kompakten Überblick über den Status quo.
In der anschließenden Aufsichtsratssitzung wurde Dr. Thomas Wüstefeld auf Vorschlag von Marcell Jansen zum neuen Vorsitzenden des Kontrollgremiums gewählt. Stellvertreter bleibt Dr. Andreas Peters. Marcell Jansen: „Bereits auf der Mitgliederversammlung habe ich betont, dass der HSV nur als Team funktionieren kann und niemals zur ‚One-Man-Show‘ werden darf. Meine Botschaft bleibt: Wir werden vereint neue Wege gehen müssen. Unser ‚weiter so‘ heißt anpacken. Mit Dr. Thomas Wüstefeld haben wir die Position des Aufsichtsratsvorsitzenden mit unternehmerischer Erfahrung, Netzwerk und HSV-Herz hervorragend besetzt. Ich freue mich auf die zukünftige Zusammenarbeit.“ Dr. Thomas Wüstefeld: „Die Wahl meiner Kollegin und Kollegen ist für mich eine besondere Ehre. Der Verantwortung bin ich mir sehr bewusst. Als Aufsichtsrat ist es unsere Verpflichtung, den HSV für die Zukunft stark auszurichten.“
Den Finanzausschuss bilden zukünftig Dr. Hans-Walter Peters (Vorsitzender) und Michael Papenfuß.
Pressemitteilung des HSV
Diese sieben Kontrolleure werden in Zukunft auch über den Vorstand beraten, dessen Konstellation der scheidende Finanzvorstand Frank Wettstein im Podcast der Abendblatt-Kollegen thematisiert hat. „Meine Präferenz wäre, dass Jonas als Alleinvorstand bleibt“, sagte Wettstein, „mit ihm im Vorstand und der zweiten Reihe dahinter wäre die Geschäftsstelle sehr gut aufgestellt. Jonas hat die Qualitäten, dieses Amt auszufüllen.“ Worte, die Wettstein in Anbetracht seines baldigen Abschiedes leicht über die Lippen gehen dürften.
Für Wettstein wäre die Lösung eines Alleinvorstands ideal. Auch für den Fall eines Zweiervorstandes hat er mit dem aktuellen Finanzdirektor Eric Huwer gleich einen Kandidaten parat: „Wenn man jemanden von außen nimmt, dann brüskiert man diejenigen aus der zweiten Reihe, die sich möglicherweise Hoffnungen gemacht haben. Und man müsste erst einmal schauen, ob dieser dann auch mit Jonas Boldt harmoniert. Eric Huwer macht einen Klassejob beim HSV.“ Das übrigens hört man tatsächlich immer wieder. Allein einen Dreiervorstand schließt Wettstein als schlechteste Lösung aus. Es wäre angesichts der Umgestaltung des Aufsichtsrates eine „zu große Eruption“ und würde die Gefahr vergrößern, dass wieder Machtkämpfe entstehen.
Aber – und das fand ich fast am interessantesten an dem Wettstein-Interview, die Finanzen werden im Nachgang von den wenigsten thematisiert. Vielleicht liegt es daran, dass das größte Problem erst noch vor dem HSV liegt. Dass Wettstein die Finanzen für die Stadionsanierung als gesichert bezeichnet – okay. Ich finde, das muss man angesichts des Zusatzes, dass der HSV dafür „am Finanzmarkt Geld aufnehmen“ anders erklären. Denn die Kredite, die Wettstein hier als Absicherung für die Stadionsanierung nennt, wird der HSV zu 100 Prozent zurückzahlen müssen und eben NICHT geschenkt bekommen…
Aber: Angesichts der Neuaufstellung des Aufsichtsrates darf der HSV tatsächlich auf einen Ruck hoffen. Denn wenn meine Informationen stimmen, gehen gerade vom neuen Vorsitzenden, Dr. Thomas Wüstefeld, sehr spannende Verbindungen zu potenten Geldgebern aus. Das haben wir zwar damals auch schon erzählt bekommen, als der HSV seinen Aufsichtsrat am Tag der Ausgliederung präsentierte, diesmal aber stammen meine Informationen nicht von den Protagonisten selbst, sondern von Personen, die kein Interesse daran haben, irgendwas zu beschönigen.
Tja, eigentlich hatte ich mir für heute vorgenommen, andere (langweilige, aber notwendige) Dinge zu erledigen. Aber in der tagesaktuellen Berichterstattung lässt sich so ein erzwungenes Umdenken eben nicht vermeiden. Mal sehen, wann ich diesen Tag nachholen kann. Wobei, bevor ich diesen Blog beende, noch eine kurze Meldung: Der HSV absolviert in der ersten Januarwoche (2. Bis 8. Januar 2022) ein einwöchiges Trainingslager im südspanischen Cadiz. Voraussichtlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
In diesem Sinne, bis morgen! Dann wie immer ab 7.30 Uhr mit dem MorningCall. Und: Da wir erst am Donnerstag den neuen Communitytalk aufnehmen können, werde ich die Funktion per Email ([email protected]) offenlassen und die Möglichkeit für Fragen über Instagram ab morgen 10 Uhr freischalten. Hintergrund hierfür ist, dass man den Post nur 24 Stunden freigeschaltet lassen kann. Aber das hat uns hier bislang ja immer noch gereicht…
Bis morgen! Bleibt gesund!
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