Analyse

Gute und schlechte Nachrichten für den HSV vor dem Topspiel gegen den Tabellenführer

In der Reihe der Halbzeitanalyse fehlen noch die Trainer. Und die werden wir nach Köln auch noch mal analysieren, um auch dem neuen Trainerteam die faire Chance einer gesamten…

Gute und schlechte Nachrichten für den HSV vor dem Topspiel gegen den Tabellenführer

In der Reihe der Halbzeitanalyse fehlen noch die Trainer. Und die werden wir nach Köln auch noch mal analysieren, um auch dem neuen Trainerteam die faire Chance einer gesamten Vorbereitung mit der Mannschaft zu geben. Dass diese in diesem Winter extrem kurz war – okay. Aber vier Spiele war Merlin Polzin in dieser Zweitliga-Saison ja auch zuvor schon der verantwortliche Mann des HSV neben dem Platz. Zudem ist er seit Jahren schon als Cotrainer aktiv und dementsprechend auch in teilen für das mitverantwortlich, was der HSV in den letzten Jahren geleistet – und eben auch nicht geleistet hat.

Heute steht stattdessen das Spitzenspiel am Sonnabendabend im Volksparkstadion im Mittelpunkt. Denn dieser Auftritt wird ein erster Fingerzeig sein, wo der HSV steht. Und es ist eine Premiere für Polzin. Gegen den Tabellenersten 1. FC Köln steht der 34-Jährige erstmals nicht mehr Interims- sondern als echter Cheftrainer an der Seitenlinie. Ob es für ihn eine besondere Situation sei? Für ihn und seinen Assistenten Loïc Favé ändere sich nichts, sagte Polzin heute auf der obligatorischen Spieltags-Pressekonferenz. „Es ist in jedem Spiel, bei dem wir, also Loïc und ich, angetreten sind, so gewesen, dass wir das Spiel gewinnen wollen“, so Polzin im typischen Trainersprech. „Wir haben eine Trainingswoche, wo wir uns auf den Gegner und auf unser eigenes Spiel einstellen, was wir sehen wollen am Wochenende. Und das war der Fokus, und der Fokus hat sich jetzt nicht verändert.“

Unmittelbar nach dem letzten Hinrundenspiel hatte der HSV in Person von Sportvorstand Stefan Kuntz mitgeteilt, dass Polzin Cheftrainer bleiben würde. Vorerst bis Saisonende. Die Spieler selbst hatten sich schon vorher klar committed und Polzin das Vertrauen ausgesprochen. Auch öffentlich. Kapitän Schonlau, Davie Selke, Jonas Meffert und Co. lobten Polzin und seine Cotrainer. „Er kennt die Jungs natürlich in- und auswendig. Das ist sicherlich ein Vorteil für ihn“, hatte stellvertretend Kapitän Sebastian Schonlau gemeint. „Er hat es geschafft, Inhalte reinzubringen, aber auch Lockerheit, Spaß und eine gewisse Gier.“ Aber: Auch das ist normal. Schonlau als Kapitän hat zumindest bis heute noch alle seine HSV-Trainer gesondert gelobt.

Was also kommt dabei raus, den Hamburger Weg mit den Hamburger Jungs Polzin, Favé und Co. zu gehen?

Dieb Erwartungen sind gleichbleibend groß. Polzin soll in der Rückrunde einfach das schaffen, was seine zum Teil deutlich namhafteren Vorgänger wie der im November freigestellte Steffen Baumgart, Tim Walter, Daniel Thioune oder auch Hannes Wolf in den vergangenen Jahren seit dem Abstieg 2018 nicht gelungen ist: der Aufstieg. Und so sehr Der Aufstieg unter ihrer Leitung wäre zweifellos ein schönes Stück Fußball-Romantik. Aber danach richtet sich im Profisport eben auch niemand. Wie es funktionieren könnte, zeigte der HSV unter Polzin in der Hinrunde zum Schluss noch einmal, nachdem man zuvor aber auch gezeigt hat, wie es auch schiefgehen kann. Wobei: acht Punkte aus vier Spielen reichten für den Sprung auf Platz drei. Mit einem Sieg am Sonnabend würde sogar der direkte Aufstiegsplatz winken.

Es ist schon ein wenig seltsam, wenn ein jahrelanger Cotrainer – immerhin erster Ansprechpartner und Tippgeber des Cheftrainers, plötzlich alles anders machen will. Aber dem scheint so zu sein. Polzin setzt auf eigene Akzente. Den Feinschliff für die zweite Saisonhälfte gab er den Spielern im Trainingslager im türkischen Belek. Polzins Vorgänger Baumgart hatte keine Vorbereitung in der Ferne geplant. Nach Ansicht der Mannschaft war die Reise aber genau die richtige Maßnahme. „Merlin ist das Teamgefüge sehr wichtig. Das betont er immer wieder“, sagte Mittelfeldspieler Jonas Meffert. „Ich fand den Teamspirit vorher auch schon sehr gut, aber natürlich hat uns das Trainingslager jetzt nochmal richtig gutgetan.“

Wie gesagt: Es sind alles nur Worte. Und die haben beim HSV schon oft mehr versprochen, als die Mannschaft im Nachgang zu liefern imstande war. Entscheidend für alles ist und bleibt das, was auf dem Platz rumkommt.  Und mit dem Tabellenführer 1. FC Köln kommt für Polzin und seine Spieler gleich der erste Maßstab, wie er schwieriger nicht hätte gewählt werden können.  „Natürlich ist ein absolutes Highlight-Spiel. Und wir wollen das Ganze auch so angehen und so bewerten, weil die Jungs einfach richtig Bock haben auf das Spiel“, sagte Polzin. 

Gute Nachrichten hatte Polzin dann auch in personeller Natur zu verkünden. Denn personell entspannte sich diese Woche die Situation. Torwart Daniel Heuer Fernandes meldete sich ebenso wieder fit wie Zehn-Tore-Mann Selke und dessen Sturmpartner Ransford Königsdörffer. Positiv überraschend hinzu kam die Aussage des Trainers, dass Ludovit Reis bald wieder voll im Mannschafts-Training sein wird. Ob Schonlau dagegen schon wieder spielen kann nach seiner Grippe, soll am Freitag oder Sonnabend entschieden werden.

In diesem Sinne, Euch allen eine gute Nacht!

Scholle 

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