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Große Entscheidungen, neue Gesichter und emotionale Abschiede: Der Umbruch beim HSV beginnt

Beim HSV dreht sich derzeit alles um die nähere Zukunft - sportlich wie personell. Nachdem Trainer Merlin Polzin mit seinem Team den lang ersehnten Aufstieg in die Bundesliga…

Große Entscheidungen, neue Gesichter und emotionale Abschiede: Der Umbruch beim HSV beginnt

Beim HSV dreht sich derzeit alles um die nähere Zukunft - sportlich wie personell. Nachdem Trainer Merlin Polzin mit seinem Team den lang ersehnten Aufstieg in die Bundesliga endlich perfekt gemacht haben, laufen im Volkspark die Planungen für die neue Saison auf Hochtouren. Dabei kristallisieren sich für den Moment zwei zentrale Themen heraus: der mögliche Verbleib von Top-Torjäger Davie Selke und der gezielte Umbau des Kaders, um in der Bundesliga konkurrenzfähig zu sein.

Eines der größten Gesprächsthemen bleibt der auslaufende Vertrag von Davie Selke. Der 30-jährige Angreifer war mit seinen Toren maßgeblich am Aufstieg beteiligt – nun wollen ihn die HSV-Verantwortlichen unbedingt halten. Bislang konnten sich beide Seiten jedoch nicht auf eine Verlängerung einigen. Während Sportvorstand Stefan Kuntz daran arbeitet, Selke ein attraktives Angebot zu unterbreiten, wächst der Druck: Laut SportBild und Sky denkt der Stürmer mittlerweile auch über einen Abschied nach.

Davie Selke: Die Schlüsselfrage des Sommers

Interessant hierbei: Ex-HSV-Trainer Steffen Baumgart, inzwischen in der Ersten Liga bei Union Berlin tätig, zeigt offenbar großes Interesse an Selke. Baumgart kennt den Torjäger gut, holte ihn bereits nach Köln und später zum HSV. Nun könnten die Berliner zur ernsthaften Konkurrenz werden. Der HSV soll Selke bislang einen Zweijahresvertrag mit Option auf ein drittes Jahr angeboten haben. Die Spielerseite fordert jedoch ein Dreijahrespaket mit einem Jahresgehalt von 1,8 Millionen Euro.

Möglicherweise muss Hamburg sein Angebot nachbessern, um seinen Toptorjäger zu halten - was ich nicht sehe. Im Gegenteil: Ich würde - wie bereits geschrieben - die Haltung von Sportvorstand Stefan Kuntz unterstreichen und dabei bleiben, endlich ein angemessenes Gehaltsniveau bei leistungsbezogenen Verträgen zu schaffen. Gesagt haben das bis heute schon viele - um nicht „alle“ zu sagen - aber geschafft wurde es nicht. Fakt ist aber, dass man alles, was man jetzt einmal preislich nach oben zulässt, gegen den HSV verwendet wird in kommenden Verhandlungen. 

Kaderplanung läuft auf Hochtouren

Trotz des schwelenden Themas Selke arbeiten die Verantwortlichen akribisch am Kader für die Bundesliga. Und dabei gibt es einige Gerüchte, die ich hier einmal aufgreufen möchte, und über die ich mit unserem Chefanalysten Mats sprechen werde, sobald dieser wieder fit ist. 

Ein vielversprechender Neuzugang könnte Matija Frigan werden. Der 22-jährige Kroate vom belgischen Klub KVC Westerlo hat laut Transferexperte Sacha Tavolieri ein offizielles Angebot aus Hamburg vorliegen. In der abgelaufenen Saison erzielte der U21-Nationalspieler in 41 Pflichtspielen 14 Tore und bereitete vier weitere vor. Sein Marktwert liegt bei fünf Millionen Euro, sein Vertrag läuft noch bis 2028. Frigan soll einem Wechsel nach Hamburg offen gegenüberstehen.

Ein weiterer potenzieller Neuzugang ist Nicolai Remberg von Bundesliga-Absteiger Holstein Kiel. Der 24-jährige Mittelfeldspieler, der als möglicher Nachfolger von Ludovit Reis gehandelt wird, könnte dank einer Ausstiegsklausel für 2,4 Millionen Euro zu haben sein. Auch wenn Konkurrenz aus Mainz, Augsburg und Berlin droht, sollen bereits Gespräche mit dem HSV stattgefunden haben. Remberg wäre eine wichtige Verstärkung für das zentrale Mittelfeld, besonders im Hinblick auf die Bundesliga-Herausforderungen.

Emotionale Abschiede und neue Wege

Neben möglichen Neuzugängen stehen auch einige Abgänge fest. So haben sich Valon Zumberi und Adedire Mebude vom Verein verabschiedet. Zumberis Zukunft ist noch offen, Mebude kehrt nach einem völlig missglückten Ausflug zum HSV wieder zu seinem Stammverein KVC Westerlo zurück. Auch die Leihe von Marco Richter endet. Der 27-Jährige, der von Mainz 05 kam, konnte sich sportlich nicht wie gewünscht durchsetzen, hinterlässt aber menschlich einen bleibenden Eindruck.

Richter zeigte sich trotz schwieriger Saisonverläufe tief verbunden mit dem Verein. Emotional äußerte er sich nach dem 6:1 gegen Ulm, das den Aufstieg sicherte, voller Dankbarkeit: „Ich liebe jeden einzelnen“, sagte er, „so etwas erlebt man nur einmal.“ Auch wenn er mit nur einem Tor und zwei Vorlagen in 28 Einsätzen unter den Erwartungen blieb, zeigte sich Richter im Aufstiegsmoment überglücklich. In einem letzten Statement betonte er erneut: „Ich habe alle ins Herz geschlossen.“

Marco Richter war in der abgelaufenen Saison sportlich nicht der erhoffte Unterschiedsspieler, das ist unbestritten. Weder das Trainerteam noch der Spieler selbst würden daran einen Zweifel lassen. Umso bemerkenswerter ist es, dass Richter dennoch immer wieder Einsätze bekam. Der Grund dafür liegt im Ideal, das das Trainerteam des HSV verfolgt - und in dem Richter trotz sportlicher Schwächen seinen festen Platz fand.

Denn es ging nicht nur um Tore, Vorlagen und Startelfeinsätze. Es ging auch um Haltung, Teamgeist und die Fähigkeit, eine Gruppe zu stabilisieren. Richter war einer, der sich voll einbrachte - nicht nur außerhalb des Platzes, sondern auch im Training, in der Kabine und im alltäglichen Miteinander. Gerade in der heißen Phase der Saison war er ein wichtiger Stabilisator, ein emotionaler Mitreißer, der durch seine Integrität und seinen Einsatzwillen überzeugte.

Fakt ist: Richter half mit, die Homogenität innerhalb des Teams zu erhalten und sogar zu stärken - ein Wert, der in einer langen, kräftezehrenden Saison oft über Aufstieg oder Scheitern entscheidet. Seine emotionalen Abschiedsworte waren keine Floskel, sondern Ausdruck echter Verbundenheit und Teilhabe. Das, was er über die Mannschaft sagte - dass er jeden einzelnen liebe - ist nicht nur schön formuliert, sondern bringt auf den Punkt, wie sehr er selbst vom Zusammenhalt profitierte. Und wie sehr er gleichzeitig dazu beitrug, dass dieser Zusammenhalt bestehen blieb.

So wurde Richter trotz sportlich durchwachsener Bilanz zu einem Baustein des Aufstiegs. Vielleicht nicht durch Tore, aber durch Haltung.

Rückkehrer mit unklarer Zukunft: Perrin und Poreba

Zwei weitere Personalien werfen derweil Fragen auf: Lucas Perrin und Lukasz Poreba. Beide hatten in der abgelaufenen Saison eher kleine Rollen gespielt. Perrin in der Hinrunde beim HSV, in der Rückrunde dann bei Cercle Brügge. Trotz ordentlicher Leistungen in Belgien wird der Klub die Kaufoption von rund einer Million Euro nicht ziehen. Perrin will nach eigener Aussage nach Hamburg zurückkehren und um einen Platz im Bundesliga-Kader kämpfen. Und es ist mehr als wahrscheinlich, dass er das nicht schaffen wird. Auch deshalb rechnen alle damit, dass der HSV dem Franzosen einen Wechsel nahelegen wird. 

Auch Lukasz Poreba steht vor einer ungewissen Zukunft. Zwar konnte er in den entscheidenden Spielen gegen Nürnberg und Ulm überzeugen, über die gesamte Saison hinweg kam der Mittelfeldspieler aber zu wenig Einsatzzeit. Poreba, der bis 2027 unter Vertrag steht, könnte bei einem passenden Angebot wechseln – entweder per Leihe oder dauerhaft. Allerdings ist bei ihm ein Verbleib nicht ausgeschlossen – und wäre dann auch nicht ungewollt von HSV-Seite.

Millionen-Talente unter Beobachtung: Soumahoro und Rössing-Lelesiit

Große Hoffnungen ruhen auf den beiden Winter-Neuzugängen Aboubaka Soumahoro (20) und Alexander Rössing-Lelesiit (18). Beide wurden mit hohen Erwartungen verpflichtet – gemeinsam kosteten sie rund fünf Millionen Euro. Irre viel Geld, und das zu einem sehr überraschenden Zeitpunkt. Und das komplett ohne Ertrag bislang. Verletzungsbedingt konnte Soumahoro bislang noch nicht eingreifen. Nach einem Sehnenriss im ersten Training arbeitete er sich in der Reha zurück und soll zur neuen Saison voll angreifen. Der französische U20-Nationalspieler wird am 2. Juli ins Mannschaftstraining einsteigen. Dann entscheidet sich, ob er den erhofften Sprung in die Bundesliga-Abwehr schafft.

Ähnlich stockend ist die Entwicklung von Flügeltalent Rössing-Lelesiit. Der Norweger nimmt an der U19-EM teil und bekommt dort wichtige Spielpraxis auf internationalem Niveau. In der Rückrunde kam er beim HSV immerhin zu zwei (geschenkten) Kurzeinsätzen. Der Verein setzt auf seine Entwicklung. Und das mit dem klaren Plan, ihn über Trainingsleistungen an den Profikader heranzuführen. Doch angesichts der gezahlten Ablösesummen stehen beide Talente in einem Fokus, dem sie nicht gerecht werden. Wobei die daraus resultierende Kritik ganz klar an die Verantwortlichen beim HSV zu richten ist. 

Fazit: Der HSV steht vor einem spannenden Sommer - mit Gefahren, aber auch enormem Potenzial

Die Weichen für eine erfolgreiche Bundesliga-Rückkehr müssen in diesen Wochen gestellt werden. Riskante Manöver wie im Winter kann sich der HSV nicht noch mal erlauben. Ob mit dem Verbleib von Davie Selke ein wichtiges Signal gesendet werden kann, hängt von der Kompromissbereitschaft beider Seiten ab. Gleichzeitig müssen die Verantwortlichen ein konkurrenzfähiges Team für die höchste Spielklasse aufbauen - mit gezielten Transfers, gern auch vielversprechenden Talenten, aber immer klaren Entscheidungen in Personalfragen. Es ist ein Sommer des Wandels, von dem wieder sehr viel abhängt. Mit vielen offenen Fragen, aber auch enormem Potenzial für eine erfolgreiche Zukunft.

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