Glatzel-Schock beim 1:1 im Test des HSV gegen Aarhus
Das Wochenende ist schon ein paar Tage her und seither gab es ein paar Geschichten rund um das Spiel, die sich durch die Euphorie nach einem Sieg gegen ein Topteam angeboten…

Das Wochenende ist schon ein paar Tage her und seither gab es ein paar Geschichten rund um das Spiel, die sich durch die Euphorie nach einem Sieg gegen ein Topteam angeboten hatten. Okay, auch die eine Story über Denis Hadzikadunic, der von Bosniens Nationaltrainer Sergej Barbarez nicht einmal mehr für die anstehenden Länderspiele nominiert wurde. Ausgerechnet jetzt, vor dem Duell gegen Deutschland am Freitag ist das natürlich besonders bitter. Fast so bitter wie ein Ausfall von Robert Glatzel - aber dazu später mehr.
Denn wie gesagt, es gab auch die Storys über die Gewinner des Spiels. Über den am Sonntag in Topform agierenden Matheo Raab, dem Kollegen und Rivalen das Potenzial andichteten, Weltklasse zu werden. Sicherlich der eine Schritt zu weit, nachdem Raab gerade einmal eine Woche zuvor noch zum Deppen der Nation erklärt worden war und auch heute im Test gegen Aarhus wieder seine Schwächen mit dem Ball am Fuß zeigte. Aber dieses übertrieben Lob ist auch nicht ganz untypisch für das HSV-Umfeld, das in den letzten Jahren keine zwei guten Halbzeiten brauchte, um einen jungen Protagonisten schnell mal zum „Juwel“ zu erklären.
Umso schöner ist es, die unaufgeregte Art des Trainers mitzuerleben. Steffen Baumgart hatte mich zuletzt ein wenig genervt, weil es aufgesetzt wirkte, wie er auftrat. Wenn sich ein Trainer zur Marke macht, ist das für mich grundsätzlich der Schritt zu weit. „SB72“ – kann man so machen, muss man aber eher nicht. Ich mag es, wenn Trainer mehr Wert darauf legen, wie sie als Trainer inhaltlich wahrgenommen werden. Und da macht Baumgart gerade einen großen Schritt nach vorn. Zumindest bei mir. Sein Umgang mit den Spielern ist inzwischen auf einem vertrauten Niveau angekommen, das gut ist. Er hat sich von Namen – wie im Beispiel Ludovit Reis zu erkennen – nie blenden lassen, sondern hat allen klargemacht, wie sie bei ihm zu funktionieren haben, wenn sie Einsatzzeiten bekommen wollen. Soweit ist das allerdings auch nicht ungewöhnlich – aber in diesem Fall hat Baumgart sehr viel Fingerspitzengefühl bewiesen.
Reis war lange verletzt und frustriert vom wiederholt verpassten Aufstieg. Er hatte im Sommer seinerseits Ambitionen, zu wechseln, durfte aber nicht. Dann kam er zurück aufs Feld, wurde aber zunächst nur von der Bank gebracht. Zurecht, wie er sportlich unter Beweis stellte. Und während die Fachwelt Reis kritisierte und infrage stellte, lobte Baumgart seinen Vizekapitän öffentlich, stellte ihn aber weiterhin nicht in die Startelf. Bis Düsseldorf. Denn dort überraschte Baumgart erneut mit seiner Startelf – diesmal insbesondere mit Reis im Mittelfeld. Aber Reis enttäuschte nicht.
Nach einem verbesserten Auftritt in Düsseldorf war Reis heute bei dem 1:1 in einem ordentlichen Testspiel gegen das dänische Topteam von Aarhus einer der Besten im HSV-Dress. Nicht, dass ich das überbewerte. Aber der Trend stimmt. „Ich habe das Gefühl, Baumgart macht einige Spieler besser“, sagt Jan Stahl heute im neuen Talk. Und ich kann nachvollziehen, wie er auf diesen Gedanken kommt, denn ganz falsch ist das nicht. Allerdings ist das nicht allein Baumgarts taktischen Anweisungen und Verbesserungstipps zuzuschreiben, sondern der Moderation des gesamten Kaders, der eine qualitative Breite hat, wie lange nicht und der so den Konkurrenzkampf maximal oben hält. Für alle – egal ob Routinier oder Youngster.
Aber noch mal: Der Weg dieses HSV ist noch weit. Als sich Robert Glatzel heute im Testspiel kurz nach seiner Einwechslung und einem verschossenen Elfer am Oberschenkel verletzte, machte deutlich, wie schnell es gehen kann. In der 85. Minute lief er allein auf das Tor zu, als er den Sprint abbrechen musste und sich hinter dem Tor zu Boden fallen ließ. Den Oberschenkel bandagiert musste er vorzeitig in die Kabine. Wie schlimm es denn sei? „Robert hat in dem Moment etwas gespürt, das ist natürlich ärgerlich, aber wir wollen nicht spekulieren, sondern die Untersuchung abwarten“, antwortete Steffen Baumgart nach dem Spiel betont vorsichtig.
Und auch wir hoffen, dass es nicht zu schlimm ist, denn ein solcher Ausfall ist nur sehr schwer zu kompensieren. Trotz eines spannenden Talentes wie Otto Stange, trotz eines Königsdörffers. Und selbst trotz eines Davie Selke. Wobei diese Namen auch zeigen, was diesen HSV diese Saison auszeichnet: Die verbesserte Breite im Kader. Im Spiel noch mal etwas verändern zu können, das Spiel verbessern zu können von der Bank – DAS ist die Zutat, die mir in dieser Saison die größte Zuversicht verschafft.
Auch das Testspiel heute, in dem neben vielen Talenten auch Bakery Jatta wieder voll mitmischen konnte, war gut. , das er ansonsten positiv bewertete: „Die Mannschaft hat diesen Test sehr ernstgenommen, das war absolut positiv, zudem konnten wir vielen Spielern Spielzeit geben, sind in unseren Abläufen geblieben und hatten eine hohe Intensität“, lobte Baumgart nach der Partei und trauerte ein wenig dem verschossenen Elfer sowie dem damit verbundenen, verpassten Sieg nach. Baumgart weiter: „Aber viel wichtiger ist, dass die Jungs gegen einen guten Gegner die Aufgabe gut angenommen und die Vorgaben umgesetzt haben." Stimmt.
Und jetzt kommt der FC Magdeburg mit Extrainer Christian Titz. Die auswärtsstärkste Mannschaft der Liga mit vier Siegen aus vier Spielen. Ein guter Gratmesser, um zu sehen, wie weit der HSV wirklich ist. Ich freue mich auf jeden Fall darauf!
Aber bevor ich hier Schluss für heute mache, noch ein paar Worte in eigener Sache: Länderspielpausen haben immer etwas Beruhigendes. Wobei, wenn man ehrlich ist, ist es beim HSV schon sehr, sehr lange deutlich ruhiger geworden, als es das noch vor zehn oder 15 Jahren war. Auf positive Art und Weise, was die Vereinsführung betrifft. Aber negativ im Hinblick auf das öffentliche Interesse bzw. die Berichterstattung. Die Kollegen von der Bild hatten früher zwei große Seite voll – heute haben sie teilweise nur noch eine einzige Story. Und das ist bei den Kollegen der Mopo, Abendblatt, Welt, kicker und SportBild nicht großartig anders. Der größte Teil der Informationen wird heutzutage über Social Media verbreitet. Exklusivstorys gibt es im Grunde nicht mehr, weil sich diese Exklusivität auf wenige Stunden (wenn überhaupt) beschränkt, ehe alle diese eine Meldung aufgenommen und ihrerseits vermeldet haben. Auch deshalb sterben die Printmedien zunehmend weg - was ich extrem bedaure. Nein, das macht mich als alten Abendblatt-Reporter sogar richtig traurig.
Dass ich in den letzten 12 Monaten zunehmend weniger Blogs verfasst habe, hat zeitliche Gründe, wie ich Euch schon mitgeteilt hatte. Und einen zweiten Mann für die tägliche Berichterstattung habe ich leider nicht. Oder genauer gesagt: den kann ich mir ohne externe finanzielle Hilfe gar nicht leisten, so gern ich das auch täte. Aber: Umso wichtiger werden eigene Formate, womit ich jetzt nicht diesen Blog an sich meine. Bloggen ist weit verbreitet. Auch Video- und Podcastformate gibt es inzwischen in allen Facetten. Trotzdem halten wir uns hier wacker und setzen darauf, dass sowohl sportlich als auch zeitlich wieder bessere Tage kommen, in denen wir uns darüber unterhalten, was wir alles durchgemacht haben, um eben wieder an jenen erfreulicheren Punkt zu kommen. Zusammen!
Was ich damit sagen möchte?
Eigentlich nur einmal ganz kurz und deutlich: DANKE!
Danke für Eure Treue auch in diesen schwierigeren Zeiten. Als kleine Revanche dafür kann ich Euch versprechen, dass es diesen Blog in dieser Form auch weiterhin geben wird. Mindestens, bis der HSV wieder erstklassig ist… ;-)
In diesem Sinne,
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