Glatzel oder nicht Glatzel - das ist hier die Frage...
Selbstverständlich zieht eine Personalie wie die von Robert Glatzel viel Interesse auf sich. Sehr viel sogar. Dennoch geht mir die Diskussion darüber, ob er in Magdeburg…

Selbstverständlich zieht eine Personalie wie die von Robert Glatzel viel Interesse auf sich. Sehr viel sogar. Dennoch geht mir die Diskussion darüber, ob er in Magdeburg spielen wird oder nicht, inzwischen auf den Keks. Denn es ist alles gesagt. Und: Der HSV hat weitere Alternativen für den Ausfall des bisherigen Toptorjägers Davie Selke. Beim starken 4:1 gegen Fortuna Düsseldorf saß Glatzel noch als Zuschauer mit seinen Mitspielern vor den Fans auf der Tribüne. Nun steht der beliebte Torjäger vor seinem Comeback im Topspiel beim 1. FC Magdeburg. Nach fast fünf Monaten Verletzungspause gehört der 31-Jährige am Wochenende zumindest endlich wieder dem Kader der Norddeutschen an. „Es ist auch kein Geheimnis, dass er am Freitag dabei sein wird. Er hat diese Woche voll mittrainiert, ist voll dabei, hat sehr viel Energie“, sagte Trainer Merlin Polzin vor der Partie am Freitag (18.30 Uhr/Sky) in Magdeburg – und heizt damit die Gerüchte an, Glatzel könne sogar in der Startelf stehen.
Aber das wird er nicht, wenn die Trainer nicht ihren bislang sehr nachvollziehbaren, leistungsorientierten Weg verlassen. Und genau dafür schätze ich das neue Trainerteam: Sie sind konsequent und vernünftig. Deshalb war Glatzel am vergangenen Wochenende trotz Einsatzfähigkeit auch noch nicht im Kader. Vor allem aber demonstrieren sie den restlichen Offensivspielern, dass sie ihnen keinen 80-Prozent-Glatzel vorziehen, sondern ihnen vertrauen. Auch jetzt in Magdeburg, wo es ohne den gelbgesperrten Toptorjäger zweifellos sehr schwer wird. „Da ist es, glaube ich, sinnvoller, den Spieler nach und nach dann heranzuführen, als ihn jetzt direkt in etwas hineinzujagen. Und trotzdem ist es Freitagabend definitiv ein besonderes Spiel“, sagt Polzin – und er hat recht!
Glatzel: „Alles kann, nichts muss..."
Zur Erinnerung: Glatzel musste im Oktober nach seinem Sehnenabriss im Hüftbereich operiert werden. In den vergangenen Wochen wurde der Fußballprofi langsam und sehr behutsam wieder ans Mannschaftstraining herangeführt. Seit zwei Wochen ist er mehr oder weniger voll dabei. Dennoch sind sich alle einig, dass es für die vollen 90 Minuten noch nicht reichen kann. Die Faustregel, dass man so lange braucht, um zu seiner alten Form zu finden, wie man raus war – sie gilt sicher nicht für jeden gleichermaßen. Aber dass Glatzel nicht sofort bei 100 % Matchfitness sein kann, ist logisch.
Von daher ist der Plan des Trainerteams, Glatzel langsam heranzuführen, absolut nachvollziehbar – und aus vielerlei Gründen auch richtig. Denn Glatzel im noch nicht spielfitten Zustand schon die Verantwortung des Hoffnungsträgers aufzubürden, macht das Comeback nicht einfacher, im Gegenteil. Am Ende aber eingewechselt zu werden und in kurzer Zeit vielleicht noch einmal helfen zu können – das ist auch für Glatzel eine überschaubare Drucksituation, bei der er mehr gewinnen als verlieren kann.
Ich würde Glatzel in Magdeburg noch nicht beginnen lassen, ihm aber sehr wohl am Ende noch ein paar Minuten Spielzeit schenken, wenn das Spiel es zulässt – oder es sogar danach verlangt. In der darauffolgenden Länderspielpause würde ich Glatzel dann in einem oder mehreren Testspielen noch ein Stück weit näher an seine Matchfitness heranbringen. Und: Im ersten Zweitligaspiel nach der Länderspielpause kommt der SV Elversberg ins Volksparkstadion – da würde ich Glatzel ebenfalls nicht beginnen lassen, sofern Selke dann fit sein sollte und/oder einer der anderen Stürmer gut performen sollte.
Soll heißen: Glatzel kann – Stand heute – ganz behutsam herangeführt werden, es besteht aktuell kein Druck für die Trainer. Dass das nie ausschließen darf, Glatzel doch zu bringen, wenn er am besten von allen Offensivspielern trainiert und wirklich „topfit“ sein sollte, wie es Trainer Polzin heute etwas überspitzt formuliert hat – logisch! Oder wie haben wir früher immer vor unseren nächtlichen Partyzügen gesagt: „Alles kann – nichts muss …“
Magdeburg fehlt der Abwehrchef - dem HSV der Toptorjäger
Im nächsten Topspiel beim Tabellenvierten Magdeburg wird es nicht zum Duell der beiden besten Torjäger kommen. Davie Selke mit 17 Treffern und Martijn Kaars mit 16 Toren für den FCM stehen ganz oben in der Torjägerliste der 2. Bundesliga. Der Niederländer Kaars war im Sommer nach Magdeburg gewechselt. Er gilt als großer Scouting-Erfolg, denn der 26-Jährige hatte zuvor „nur“ in der zweiten niederländischen Liga bei Helmond Sport gespielt.
Dennoch sorgten Selke auf HSV-Seite und Kaars für Magdeburg dafür, dass ihre Klubs die torreichsten der Liga wurden. Der HSV erzielte bisher 55 Treffer, die Magdeburger stehen mit 53 Toren knapp dahinter. Die Magdeburger um Ex-HSV-Trainer Christian Titz sind zudem nur drei Zähler von den Hamburgern distanziert – und könnten am Wochenende mit einem Sieg mindestens für Punktgleichheit sorgen. Polzin freut sich auf das nächste Duell mit einem Trainer, der eine HSV-Vergangenheit hat: „Das wird ein richtig cooles Fußballspiel.“ Hoffen wir mal, dass der HSV in der immer sehr stimmungsvollen und mit 30.098 Zuschauern wieder ausverkauften Magdeburger AVNET-Arena seine Leistung aus den Düsseldorf- und Kaiserslautern-Heimspielen (im Gegensatz zur Leistung beim SC Paderborn) diesmal auch auswärts konservieren kann …
Ich würde dort mit Ransford Yeboah Königsdörffer für Selke in der Spitze beginnen und ansonsten nichts ändern. Zumal auch gesagt werden muss, dass dem FCM mit Abwehrchef Daniel Heber ein Stammspieler hinten gelbgesperrt fehlen wird. Sollte es mit Königsdörffer (wie zuletzt gegen Düsseldorf) nicht gut funktionieren, kann Otto Stange einspringen – oder RYK als Doppelspitze ergänzen, was ich für eine durchaus geeignete Umstellung erachten würde. Und: Dass Stange 45 Minuten im Köcher hat, hat er bei seiner sehr ordentlichen Performance bei Preußen Münster bewiesen. Und wie bereits erwähnt: Wenn das alles nicht greift, hat man immer noch einen Robert Glatzel in der Hinterhand. Es gibt definitiv schwierigere Ausgangspositionen für einen Trainer.
Dementsprechend positiv ist Polzin dann auch gelaunt. Heute sagte er: „Ich glaube, die Fußball-Fans können ein Spektakel erwarten. Die Magdeburger setzen auf Ballbesitz, wir müssen also auf höchstem Niveau verteidigen. Unabhängig davon wollen wir aber natürlich gewinnen.“
In diesem Sinne, morgen melde ich mich wieder mit dem Matchday-Video mit Stefan Schnoor zusammen bei Euch!! Bis dahin wünsche ich Euch allen alles Gute - und bleibt gesund!
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