Glatzel kehrt zurück - aber Selke ist nicht wegzudenken
Robert Glatzel macht bei seiner Genesung Fortschritte. Sehr schnell und sehr gute Fortschritte. „Wir sind sehr optimistisch, dass wir ihn noch zahlreiche Spiele auch in dieser…

Robert Glatzel macht bei seiner Genesung Fortschritte. Sehr schnell und sehr gute Fortschritte. „Wir sind sehr optimistisch, dass wir ihn noch zahlreiche Spiele auch in dieser Saison sehen können und nutzen können“, sagte Trainer Merlin Polzin vor der Partie am Sonntag (13.30 Uhr) beim Tabellenletzten Jahn Regensburg. Wissend, dass er mit Glatzels Rückkehr automatisch ein Luxusproblem mehr hätte. Denn eines ist klar: In der aktuellen Form ist Davie Selke nicht aus dem Team zu nehmen!
Ich gehe sogar so weit, zu behaupten, dass Selke dem HSV in Summe aktuell mehr liefert, als Glatzel es mit seinen vielen Toren kann. Hintergrund dieser These ist, dass Selke neben seinen Toren auch mit seiner Art vorangeht. Diese extrovertierte, oft als arrogant wahrgenommene Art hat sich beim HSV zum „Aggressive Leader“ entwickelt. Mit seiner heißspornigen Art kann der das gesamte Team mitreißen. Mal, wenn es nicht läuft - und ebenso, wenn das Team auf ein er Erfolgswelle schwimmt.
Selke ist der neue „Aggressive Leader" beim HSV
Seine Kollegen hören auf Selke. „Davie ist auf dem Platz und daneben ein ganz wesentlicher Erfolgsfaktor“, sagte Polzin zuletzt und immer wieder lobend. Und damit hat er Recht. Selke ist ein Leadertyp. Einer, der durchaus polarisiert. Zumindest kann ich mir gut vorstellen, weshalb ihn die Fans seiner ehemaligen Mannschaften und die der anderen Gegner nicht wirklich leiden können. Das ging mir nicht anders, bevor ich Selke beim HSV gesehen habe. Aber wie so oft dreht sich ein Bild manchmal, wenn man die Person etwas besser kennenlernen darf. Ich behaupte jedenfalls, dass Selke dem HSV alles in allem inzwischen sogar mehr Qualität beisteuert, als es Glatzel kann.
Und nur, damit das hier niemand falsch versteht: Allein vom Sportlichen, was beide auf den Platz bringen, sehe ich Glatzel noch vorn. Nicht mehr weit, aber doch erkennbar. Allerdings zählt Glatzel mit seiner ruhigen Art nicht zu denjenigen, die auf dem Platz die Mentalität der Mannschaft drehen können, wenn es mal nicht läuft. Er kann Spiele sportlich mit seiner Qualität drehen – aber das schafft Selke inzwischen eben auch. Daher meine These, die aufzeigt, dass Trainer Polzin mit der Rückkehr von Selke vorn vielleicht über die zwei der wertvollsten Angreifer der Liga verfügen wird.
Wann Glatzel wieder richtig zurück ist, ist noch offen – aber es soll sehr bald passieren. Einen ungefähren Zeitpunkt nannte Glatzel in einem Vereinsinterview selbst: „Der Plan ist nach wie vor, im Februar ins Teamtraining einzusteigen und im März wieder zu spielen. Letztlich will ich aber einfach nur wieder fit auf dem Platz stehen, und ob das dann eine Woche früher oder später ist, ist dann auch nicht entscheidend.“
Glatzel will im Februar einsteigen - Polzin ist vorsichtig
Bei dem in den vergangenen Jahren zuverlässigsten HSV-Torschützen, der sich im vergangenen Oktober schwer verletzt hatte und wegen eines Sehnenabrisses im Hüftbereich operiert werden musste, sieht es laut Polzin gut aus. Der 31-Jährige sei intensiv im Austausch mit der medizinischen Abteilung. „Der nächste Schritt wird einfach sein, dass wir die Belastung nach und nach dann auch steigern, was die Intensität angeht, sodass er dann teilintegriert wird“, sagte Polzin. Allerdings stellte der Coach klar, dass der Club dabei behutsam vorgehe, um eine erneute Verletzung zu vermeiden. „Und deshalb wird es noch ein bisschen dauern, bis er wieder komplett mit der Mannschaft trainiert. Aber er ist auf jeden Fall sehr gut im Zeitplan.“
Wohl dem, der einen Ersatz wie Selke dahinter hat! Der 30-Jährige trumpfte zuletzt auf, traf am vergangenen Wochenende sogar doppelt beim 2:1 in Münster und holte dabei sogar den spielentscheidenden Elfmeter auf sehr clevere Art selbst heraus, bevor er selbigen sicher verwandelte. Aktuell steht Selke mit 13 Treffern als bester HSV-Torschütze in der Zweitliga-Torjägerrangliste zusammen mit Schalkes Moussa Sylla hinter dem Magdeburger Martijn Kaars (15 Tore). Geht es nach „benötigte Spielminuten pro Tor“ ist Selke sogar der Toptorjäger.
Was ich sagen will: Meine Befürchtungen bei der Selke-Verpflichtung haben sich so absolut gar nicht bestätigt. Und ich freue mich tierisch darauf, dass der HSV dieses Jahr gerade zur „kritischen Phase“ im Frühling offenbar noch mehr Optionen als jetzt haben wird (dreimal auf Holz geklopft!!). Vor allem freue ich mich für Selke, dass er endlich Licht am Ende seiner Leidenszeit sieht...!
In diesem Sinne, hoffen wir mal, dass Polzin auch für Sonntag ausreichend Optionen hat. In der Defensive ist das der Fall – das Thema hatten wir gestern an selber Stelle. Heute äußerte sich auch der HSV-Coach zu dieser Frage. Muss Kapitän Sebastian Schonlau für ihn in der zentralen Abwehr wieder weichen? Oder Nebenmann Dennis Hadzikadunic Polzin lässt es bewusst offen: „Die Entscheidung ist noch nicht mit der Mannschaft kommuniziert, wir im Trainerteam sind auch fleißig am Diskutieren. Aber es nimmt bei uns gar nicht so eine große Rolle ein.“ Man werde sich am Sonnabendmorgen zusammensetzen „und die Inhalte auf den Tisch packen.“
Er selbst habe aber mit dieser schwierigen Entscheidung eh kein Problem, sagt Polzin. Im Gegenteil: „Das Schöne ist für mich, dass es weniger eine Entscheidung gegen einen Spieler sein wird, sondern eine Entscheidung für den nächsten Gegner Regensburg, für die Belohnung der Trainingswoche, für eine Idee, die wir als Trainer haben. Die Jungs gehen diesen Weg komplett mit, jeder stellt sein Ego auch zurück.“ Klingt ein wenig nach Schonlau auf der Bank, oder was meint Ihr?
So, jetzt wünsche ich Euch alle erst einmal einen schönen Freitagabend! Schreibt doch gern mal aus Eurer Sicht, wie Ihr am Sonntag aufstellen würdet! Ich finde, dass das zumindest diesmal wirklich spannend wird!
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