Gjasula weg, neuer Keeper da - und das Derby ruft
„Trainer Tim Walter erwägt im Stadtderby beim FC St. Pauli das Comeback des ehemaligen Kiezkickers Jeremy Dudziak“, titeln die Kollegen der Deutschen Presse-Agentur direkt im…

„Trainer Tim Walter erwägt im Stadtderby beim FC St. Pauli das Comeback des ehemaligen Kiezkickers Jeremy Dudziak“, titeln die Kollegen der Deutschen Presse-Agentur direkt im Anschluss an die heutige Pressekonferenz, auf der Walter nach dem Mittelfeldspieler gefragt wurde – aber meines Erachtens nach nicht so wirkte, als wolle er Dudziak sofort bringen. Im Gegenteil. „Jerry ist immer eine Option und damit auch ein möglicher Kandidat für die Startelf“, sagte der 45-Jährige heute mit Blick auf das Spiel am Millerntor am Freitag (18.30 Uhr, wir werden Euch wieder eine Live-Couch anbieten) und beantwortete die ihm gestellte Frage damit bewusst so allgemein wie möglich.
Dudziak, der nach vier Jahren beim Kiezclub 2019 zum HSV gewechselt war, sei nach seiner Knöchelblessur zwar „größtenteils wieder hergestellt und fit für das Derby“. Aber, das fügte Walter an, „Jerry kann sicher noch was zulegen. Und: Es gibt noch andere Themen, die wichtig sind für eine Mannschaft.“ Und ich behaupte, dass Walter damit vielsagend angesprochen hat, worüber bei dem 25 Jahre alten Mittelfeldakteur zuletzt immer wieder diskutiert wurde: Seine Disziplin. Zumindest scheint sich der bislang verletzt ausgefallene Dudziak bei HSV-Trainer Walter nach seiner Suspendierung unter Horst Hrubesch weiter in der Probezeit zu sein.
Sportlich, da bin nicht nur ich mir sicher, kann Dudziak diesem HSV helfen. Gerade in Hinsicht auf das Tempospiel, das Walter bevorzugt, hat Dudziak mit seinem schnellen Umschaltspiel Attribute, die Walter gefallen würden. Andererseits ist Walter ein Verfechter der klaren Kante und von Disziplin. „Schlamperte Genies“, wie hochtalentierte Fußballer mit einem Manko an Eigenmotivation oft genannt werden, haben es bei ihm eher schwer. Und da Dudziak auf dem Platz ebenso geniale Momente hat wie außerhalb kleinere und größere Aussetzer, bleibt zu hoffen, dass sich Dudziak auf das Wesentliche konzentriert und vielleicht sogar am Freitag schon seinen ersten Teil zum Erfolg beiträgt. Zumindest aber wird es interessant zu sehen sein, wie sich die Zusammenarbeit entwickelt.
Und während der lange gehandelte schwedische U21-Keeper Marko Johansson heute i Hamburg einfliegen, seinen Vertrag unterschreiben und ggf. am Freitag schon auf der Bank als Ersatzkeeper Platz nehmen soll, werden die dann neue Nummer drei (bislang war er Nummer zwei) Tom Mickel sowie Angreifer Robin Meißner und Innenverteidiger Stephan Ambrosius - verletzungsbedingt. Ebenso wie Klaus Gjasula, der allerdings gesund ist und unmittelbar vor seinem Wechsel stehen soll. Der BILD nach, soll Gjasula heute bei Darmstadt 98 den Medizincheck absolviert haben. Eine wenig überraschende Personalie, da dieser Wechsel schon seit längerem so kolportiert worden war. Und obwohl Walter diese Personalie so noch nicht final bestätigen wollte/konnte, wurde deutlich, dass der Albaner auch aus Vereins- bzw. Trainersicht gehen darf/soll. „Ich war mit Klaus immer klar, wir haben immer sehr offen und ehrlich gesprochen. Er ist mit anderen Vereinen im Gespräch. Mit wem, darüber könnt ihr spekulieren. Ich weiß nur, dass er in Gesprächen ist“, so der HSV-Trainer wenig tangiert.
Das wiederum gilt nicht für seine persönliche Aussicht auf das Derby am Freitag. Walter selbst freut sich „riesig“ auf sein erstes Derby in der Hansestadt. „Freitagabend, Flutlicht, dazu die Lichter vom Dom. Wer Fußball spielt, der träumt genau davon“, schwärmte der Coach, der mit der Startausbeute von vier Punkten aus den ersten beiden Partien zufrieden ist. „Wenn wir die drei Punkte holen, ist es noch schöner.“ Und Walter wirkte genau so, wie man es sich vor einem Derby vorstellt: Fokussiert, unverkrampft – aber mächtig heiß.
Große Hoffnungen steckt Walter in die Unterstützung der Anhänger. 700 der zugelassenen 10 003 Zuschauer im damit ausverkauften Stadion am Millerntor sind HSV -Fans. „700 sind besser als keine Fans. Ich hoffe, dass diese 700 die anderen 10 000 übertünchen werden“, sagte Walter und ich kann bestätigen, dass die HSV-Anhänger schon mächtig heiß sind. Zumindest kamen binnen weniger Stunden etliche Motivationsvideos zusammen, nachdem meine Blogfreunde Joscha und Flo dazu aufgerufen hatten. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen! Aber seht (und hört) selbst:
Apropos heiß: Das wird auch unser neues Tippspiel, das Ihr ab sofort hier (kostenfrei) mitspielen könnt. Dieser dritte Zweitliga- Spieltag wird also unser erster Tippspieltag. Und wir werden nach jedem Spieltag eine/n Gewinner/in im Communitytalk in der Woche darauf bekannt geben. Gewinne haben wir von unseren Partnern und Freunden des Blogs auch schon zugesagt bekommen. Mit anderen Worten: Seid dabei. Das wird Spaß machen! Und: Es können wirklich alle mittippen, die hier bei MoinVolkspark registriert sind. Und für die/den Beste/n werden wir uns am Saisonende etwas ganz Besonderes einfallen lassen…
Anders als Walter, der darauf setzt, sich eben nichts Besonderes einfallen lassen zu wollen. Selbst der bei Fußballern weit verbreitete Aberglaube zieht bei dem Realisten Walter nicht. Im Gegenteil: „Wer selbstbewusst ist, der glaubt an die eigene Stärke, der braucht keinen Aberglauben“, so der Trainer mit einem breiten Grinsen heute auf der Pressekonferenz, ehe er selbstbewusst hinzufügte: „Wir wollen wie zuletzt intensiv sein, Bereitschaft zeigen, und mutig sein. Denn wer da am Freitag keinen Mut an den Tag legt, der wird den Kürzeren ziehen.“
Ergo: Verstecken ist nicht! Ansonsten gibt es von Walter was an die Backen! Und ganz ehrlich: Ich mag diese Art…! Denn endlich wird hier klargemacht, dass alles andere als 100 Prozent Einsatz nicht akzeptiert werden. Der HSV wird von Walter aus dem „Wir müssen nur unser Potenzial abrufen“-Irrglauben herausgeholt. Und nach seinem Klartext im Anschluss an das etwas fahrige Spiel in Braunschweig dürfte jedem in der Mannschaft klar sein: Walter meint es genau so, wie er es sagt.
Und: Was der Trainer des Stadtrivalen zu sagen hat, habe ich Euch hier auch einmal reingestellt. In diesem Sinne, bis morgen. Dann wieder um 7.30 Uhr mit dem MorningCall und am Abend dann mit dem Blog und einem neuen Communitytalk, den wir unseren Videographen zuliebe um einen Tag geschoben haben. Bis morgen!
Scholle
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