Analyse

Gibt es gegen Fürth das nächste Spektakel?

In der ersten Spielhälfte gegen Regensburg hat der HSV vorgemacht, wie ein kompakt sowie tief stehender Gegner zu knacken ist. Gerade die schnelle Kombination zwischen Reis und…

Gibt es gegen Fürth das nächste Spektakel?

In der ersten Spielhälfte gegen Regensburg hat der HSV vorgemacht, wie ein kompakt sowie tief stehender Gegner zu knacken ist. Gerade die schnelle Kombination zwischen Reis und Jatta, dessen anschließender Durchbruch über die rechte Seite sowie die maßgenaue Hereingabe auf Glatzel vor der frühen 1:0-Führung haben offengelegt, wie einfach es funktionieren kann. Warum nicht einfach genau so gegen Fürth?

Trainer Tim Walter warnte auf der gestrigen Pressekonferenz vor dem Willen der Franken: „Fürth ist eine sehr aggressive Mannschaft, sie sprinten sehr viel“, so Walter. Das Kleeblatt hat zwar mit 38 Punkten den Klassenerhalt so gut wie sicher, allerdings wird das Team von Alexander Zorniger in den verbleibenden zwei Partien alles daran setzen, die 40-Punkte-Marke zu überschreiten. Der direkte Abstieg ist rechnerisch mittlerweile unmöglich, allerdings könnten die Fürther im Worst-Case-Szenario noch auf den Relegationsplatz rutschen. Sollte Paderborn der Spielvereinigung am Samstagmittag jedoch Schützenhilfe leisten und einen Sieg von Arminia Bielfeld verhindern, wäre Greuther Fürth bereits vor Anpfiff des „Topspiels“ im Volkspark sicher gerettet. Ein Szenario, welches sicherlich dem HSV in die Karten spielen würde.

Fürth-Coach Alexander Zorniger gab im Vorfeld der Partie zu, sich bei der Spielvorbereitung am Hinspiel orientiert zu haben. Dieses hatte der HSV mit 0:1 verloren und dabei eine der schwächsten Saisonleistungen gezeigt. „Man kann von ähnlichen Grundvoraussetzungen ausgehen. Wir haben uns das Hinspiel nochmal vor Augen geführt, was wir für eine Intensität im Spiel hatten. Die wollen wir auch jetzt hochhalten, das hat sich auch in der Trainingswoche angedeutet“, erklärte Zorniger. Fraglich nur, ob dieses Spiel noch große Aussagekraft besitzt. Damals spielte unter anderem noch Vuskovic - in seinem bis dato letzten Spiel für den HSV.

Gegen den HSV muss Zorniger lediglich auf Innenverteidiger Damian Michalski verzichten, der aufgrund eines Mittelfußbruchs ausfällt. Der zentrale Mann beim  Bundesliga-Absteiger ist immer noch Kapitän Branimir Hrgota, der mit elf Treffern und vier Vorlagen das Herz des fränkischen Offensivspiels darstellt. Beim 2:2-Unentschieden gegen Eintracht Braunschweig vergangenen Wochenende sorgte hingegen Sechser Julian Green mit einem Doppelpack für die Tore. Green ist nicht der einzige Fürther mit HSV-Vergangenheit: Auch Gideon Jung wird aller Voraussicht nach morgen in der Startelf stehen.

In den vergangenen Partien vertraute Alex Zorniger stets einer Dreier- respektive Fünferkette, dem Mittelfeld-Trio um Christiansen, Green und Hrgota sowie eine Doppelspitze. Zuletzt agierten dort Lukas Petrov und Armindo Sieb. Letzterer hatte im Hinspiel für den 1:0-Siegtreffer gesorgt. Ich halte es für möglich, dass Zorniger in der Offensive gegen den HSV personell umstellt. Möglicherweise werden wir Samstagabend auch SGE-Leihgabe Ragnar Ache oder Dickson Abiama von Beginn an sehen. Beim HSV ist hingegen davon auszugehen, dass Walter auf die gleiche Startelf wie in Regensburg setzen wird, wenngleich er nach Benes Rückkehr (war gelbgesperrt) nun im Mittelfeld die Qual der Wahl hat. Aufpassen müssen Jonas David und Ludovit Reis, denn beide stehen aktuell bei vier gelben Karten. 

Die Formkurve der Franken zeigt im Saisonendspurt nach unten: Seit vier Partien gab es keinen Sieg mehr, zudem verpassten sie in den Duellen gegen die Konkurrenz (Rostock 0:2, Bielefeld 1:1 und Braunschweig 2:2) den vorzeitigen Klassenerhalt. Für mich stellt Fürth im Vergleich zum SV Sandhausen den deutlich leichteren Gegner dar. Falls das Kleeblatt bereits vor dem Anpfiff den Klassenerhalt feiern kann, könnte der HSV nach Regensburg auf den nächsten „Aufbaugegner“ treffen. Klar ist jedoch auch, dass mangelnde Konzentration und Überheblichkeit auch wieder zu einer Blamage führen können. Knüpft der HSV an die Leistung aus Regensburg (insbesondere aus Halbzeit eins) an, wird er auch gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth gewinnen, davon bin ich überzeugt.

Bis auf Katterbach, Nemeth und Amaechi sind alle HSV-Spieler mit an Bord. „Die zweite Liga ist keine ruhige See. Wir können aber mit Wellen umgehen“, gab ein maritim-gestimmter Tim Walter zu verstehen. Um das langersehnte Ziel Bundesliga anzusteuern, braucht Walter in den restlichen zwei (wohl eher vier) Partien auch eine vollbesetzte (See-)Mannschaft. Mit an Bord waren in den vergangenen Trainingstagen auch viele HSVer, gestern schauten sogar 500 von ihnen beim Training zu. Auch am Tag zuvor waren es fast 200. Das Interesse am HSV ist so groß wie lange nicht mehr. Hoffen wir, dass es im ausverkauften Volkspark morgen das nächste  (positive) Spektakel gibt.

Euch ein schönes Wochenende,

Cornelius

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