Spielbericht

Geschlossen stark 2:0 gegen Heidenheim - so ist der HSV reif für das Saisonfinale

Vorweg: Es war schon unangenehm frisch im Stadion – aber das auch nur für genau zehn Minuten. Vor dem Spiel. Denn gleich mit Anpfiff wussten die Mannen von HSV-Trainer Daniel…

Geschlossen stark 2:0 gegen Heidenheim - so ist der HSV reif für das Saisonfinale

Vorweg: Es war schon unangenehm frisch im Stadion – aber das auch nur für genau zehn Minuten. Vor dem Spiel. Denn gleich mit Anpfiff wussten die Mannen von HSV-Trainer Daniel Thioune die paar wenigen  Zuschauer im Volksparkstadion mitzureißen mit aggressivem, ansehnlichen – und am Ende vor allem auch erfolgreichem Fußball, der den HSV zumindest vorübergehend (Bochum spielt erst am Montag in Düsseldorf) wieder an die Tabellenspitze springen lässt. Wichtiger aber noch als das 2:0 an sich war für mich die Art und Weise, wie die Mannschaft heute die vielen schwerwiegenden Ausfälle nicht nur kompensierte, sondern am Ende auch über ihren Willen und Einsatz eine Moral an den Tag legte, die mich behaupten lässt, dass das heute gerade ob der Voraussetzungen das beste Spiel des HSV in dieser Saison war. „Wir haben von Beginn an sehr reifen und dominanten Fußball gespielt“, sagte der heute wieder starke Aaron Hunt, „dementsprechend war der Sieg völlig verdient, auch wenn Heidenheim der erwartet schwere Gegner war. Kompliment an das ganze Team, jeder Einzelne war heute voll da. Es ist wichtig, dass wir den Ausfall von einigen Leistungsträgern heute als Team auffangen konnten.“

Und das durch Manuel Wintzheimer – soweit war es erwartet worden. Dazu kam aber auch noch Bobby Wood - und das wiederum kam überraschend. Zumal für den US-Amerikaner Bakery Jatta auf die Bank musste. Hinten spielte der HSV mit der Viererkette Vagnoman, Heyer, Ambrosius, Gyamerah, während sich Leibold links auf der Mittelfeldposition davor positionieren durfte. Onana agierte als einziger Sechser, Hunt davor – zusammen mit Wintzheimer auf der einen und Kittel auf der anderen Außenbahn. So ging es los. Und zwar richtig gut! Denn der HSV presste die Heidenheimer von der ersten Sekunde an in die eigene Hälfte. Der Ballführende – und Ballbesitz war für den FCH zu Beginn selten – wurde sofort gedoppelt und unter Druck gesetzt, die Zweikämpfe wurden hart (aber fair) geführt. Leibold, Vagnoman, Ambrosius, Heyer und Onana verloren gefühlt nicht einen Zweikampf in dieser Anfangsphase. Selbst Kittel grätschte und zog nicht einmal zurück, während Aaron Hunt forderte jeden Ball, während Wintzheimer und Wood vorn sehr beweglich agierten. Ebenfalls auffällig: Einer half dem anderen, keiner war sich für irgendwas zu schade.

Der HSV beginnt stark - und hält das Niveau

Im Gegenteil! Es lief gut an! Der HSV war sofort im Spiel. Er gewann die Zweikämpfe und baute zudem sein eigenes Spiel schnell (vor allem über das starke Duo Onana/Hunt) auf. Und so kam es, dass der HSV schon in der zweiten Minute die erste richtig gute Torchance hatte. Wintzheimer kam 13 Meter vor dem FCH-Tor frei zum Schuss, zielte aber zu zentral auf Gästekeeper Kevin Müller, der keine Probleme hatte. Und nur zwei Minuten später tauchte Wood völlig allein vor Müller auf und verzog – er wäre allerdings auch im Abseits gewesen. Aber egal wie, zumindest zeigte der HSV den Gästen hier gleich mal an, was heute auf sie zukommt: Schwerstarbeit, die im Zweifel sogar wehtut.

So wie in der 11. Minute. Leider. Denn hätte Wood nach Zuspiel von Wintzheimer schneller abgeschlossen, es wäre wohl das 1:0 gewesen. So traf zwar Kittel per Nachschuss, aber leider erst, nachdem Wood schmerzhaft seinen Gegenspieler gefoult hatte. Aber Letztgenannter war es dann, der den ersten Treffer dieser Partie einleitete. Er verlagerte vor dem Strafraum nach halbrechts auf den immer anspielbaren Hunt, der gegen den zu zögerlichen Theuerkauf ins Zentrum chippt. Dort touchiert Leibold den Ball noch leicht mit dem Kopf (hieß es - ich dachte, er wäre nicht mehr dran gewesen...) und trifft aus sieben Metern ins linke Eck (15.). Das völlig verdiente 1:0.

Und das Spiel des HSV verlor auch hiernach nicht an Fahrt. Wintzheimer zwingt Müller in der 21. Minute zur nächsten Glanztat, ehe die Gäste das erste Mal etwas an Offensive andeuten (34.). Dass es am Ende „nur“ 1:0 stand, war zwar schade, denn allein Kittel hatte es noch auf dem Fuß, als er allein vor Müller bir die Latte traf – aber der HSV ging hier mit einer richtig starken ersten Halbzeit und der Gewissheit in die Kabine, dass man die schwerwiegenden Ausfälle bis hierhin mehr als vergessen machen konnte. Jeder Spieler hatte seine persönliche Aufgabe erfüllt – und dazu noch dem jeweiligen Nebenmann geholfen. Und auch bdie zweite Hälfte begann genau so. 

Sie begann sogar noch besser. Wieder war es Hunt, der mit seinem Pass  nicht nur den Raum öffnete, sondern auch noch Wintzheimer im Sechzehner freispielte. Der wiederum schaut n aller Ruhe, wer sich in der Mitte anbetet und findet dort Tim Leibold per Flachpass. Für den Kapitän war es kein Problem mehr, den Ball im leeren Kasten unterzubringen. Ein richtig schön herausgespieltes Tor, das die gesamte Reservebank inklusive Trainer Daniel Thioune zum Jubeln auf den Platz stürmen ließ. Und nebenbei konnte Leibold so ein bisschen von der dummen Roten Karte wiedergutmachen... Und genauso, wie Leibold dieses Lob verdiente, verdiente sich der HSV mit Einsatz und Willen, den Ausgang der nächsten Szene. Heidenheims Pick wird freigespielt, schließt aber frei vor Ulreich aus zehn Metern nicht ab, sondern legt sich den Ball noch einmal vor - und schon retten die Hamburger mit letztem Einsatz im Kollektiv. Kittel grätscht, Vagnoman stellt den Schützen, dessen Schuss von Kittel geblockt wird. Eine Hundertprozentige, die der HSV mit etwas Glück und viel Einsatz abwehren kann (51.). Aber: Der HSV verdiente sich dieses Glück heute mehr als redlich.

Es fehlte nur noch der so oft zitierte Deckel, den man hier mit dem dritten Treffer spätestens drauf hätte. Chancen dafür gab es. Zum Beispiel durch Vagnoman, der sich auch von zwei Heidenheimern im Strafraum nicht vom Ball trennen lässt und im zweiten Versuch Wood in der Mitte findet. Der fleißige -und bei Defensivkopfbällen sehr wertvolle! - US-Amerikaner schlägt in aussichtsreicher Position aber über den Ball. Das hätte das 3:0 sein müssen – und es hätte mich gerade für Wood ganz besonders gefreut. Wobei, nein! Mich hat dieser Auftritt heute in Gänze gefreut! Weil es mich in meiner bisherigen Haltung komplett bestätigt: Diese Mannschaft IST eine Mannschaft. Dieser Zusammenhalt – heute auf dem Platz wie drumherum – das hat mir imponiert. DAS ist genau der Teamspirit, der dem HSV in den letzten zwei Jahren im Saisonfinale, im Schlussspurt gefehlt hat. Zu sehen, wie die Abwehr immer stabiler wird,  wie Onana im Mittelfeld alles überragt, wie ein Aaron Hunt plötzlich zum Leader wird und wie sich Kittel, Wood und Wintzheimer mit allem reinhauen, was sie aufbieten können, das darf tatsächlich allen Mut machen, dass diese Mannschaft reifer ist als in den Vorjahren. 

Und während Gästetrainer Frank Schmidt die Niederlage als „verdient“ einstufte und die Leidenschaft beim HSV lobte, mit der verteidigt wurde, überlasse ich Manuel Wintzheimer heute mal das Schlusswort. Denn das ist ebenso einfach wie richtig:  „Wir haben heute mit und gegen den Ball ein sehr gutes Spiel gemacht. Von Anfang an waren wir als Team voll da und haben uns geschlossen reingehauen. Zu keiner Zeit hatte man das Gefühl, dass wir das Spiel aus der Hand geben.“ Stimmt.

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

Das Spiel im Stenogramm:

HSV: Ulreich - Vagnoman, Ambrosius, Heyer, Gyamerah - Onana (80. Jung), Hunt (89. David) - Wintzheimer (80. Narey), Kittel, Leibold (87. Jatta) - Wood (87. Meißner)

1. FC Heidenheim: Müller - Busch, Mainka, Hüsing, Theuerkauf (69. Schimmer) - Sessa (84. Schnatterer), Schöppner, Thomalla (46. Pick), Kerschbaumer (46. Mohr) - Kleindienst, Kühlwetter

Tore: 1:0 Leibold (15.), 2:0 Leibold (50.)

Zuschauer: leider keine

Schiedsrichter: Christof Günsch (Marburg)

Gelbe Karten: - / Kleindienst (31.)

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