Analyse

Gegen Sandhausen steht noch mal alles auf dem Prüfstand

Die Mannschaft von Trainer Tim Walter hat sich als Tabellenzweiter noch immer gut positioniert im Aufstiegsrennen zur Bundesliga. Das steht fest. Dass sie Zweiter bleiben,…

Gegen Sandhausen steht noch mal alles auf dem Prüfstand

Die Mannschaft von Trainer Tim Walter hat sich als Tabellenzweiter noch immer gut positioniert im Aufstiegsrennen zur Bundesliga. Das steht fest. Dass sie Zweiter bleiben, dagegen nicht. Denn Heidenheim lauert nur einen Punkt (bei besserer Tordifferenz) direkt hinter dem HSV, um diesen abzulösen. Und unabhängig von allem, was gesagt wird: Die Niederlage am vergangenen Mittwoch bei Greuther Fürth hat allemal Fragezeichen hinterlassen. Zum einen, warum der HSV in der Anfangsphase (7 Gegentor ein den ersten 15 Minuten) ist. Zum anderen, warum der HSV in Fürth zuletzt so leblos aufgetreten ist.  Walter fordert „Haltung und Respekt“ vor der Aufgabe auf dem Rasen und vor den Fähigkeiten des Gegners von seinen Spielern. Und er meint damit sicherlich auch, dass seine Mannschaft eine durchaus vertretbar selbstbewusste Coolness mit Tatenlosigkeit verwechselt hatte. Denn zwischen beiden Haltungen ist es oft nur ein schmaler Grat.

Gegend en SV Sandhausen wird es morgen ab 13 Uhr im Volksparkstadion sicher nicht leichter, zumal die Gäste sehr massiv tief stehen werden. Walger rechne auf jeden Fall mit dieser Taktik, sagte er gestern auf der Pressekonferenz. Und gerade deshalb bin ich gespannt, ob sich der HSV-Trainer diesmal etwas einfallen lässt, wie er dem wahrscheinlich konstantesten Problem des HSV in der Zweiten Liga diesmal begegnen wird. Also alles wieder wie immer? Sehr wahrscheinlich. Dass das bislang eher mäßig funktioniert hat, stört Walter dabei nicht. „Wir sind weiter als letzte Saison“, sagt er und hat punktemäßig recht. Aktuell steht der HSV schon bei 31 Punkten. Das sind zwei mehr als nach der Hinrunde 2021/22, wo man nach 17 Partien 29 Punkte hatte. Aber spielerisch muss der HSV diesen Beweis erst noch antreten. Insbesondere bei Heimspielen, wenn die Gegner sich etwas tiefer fallen lassen, hat der HSV Probleme. Weil er den Walter-Fußball zu oft nur bis zum gegnerischen Sechzehner durchzuziehen weiß. Zu selten dagegen bis in den Sechzehner.

Fürth hat viele Fragen aufgeworfen

Mein Lob nach dem 3:1 gegen Jahn Regensburg und dem Auswärtssieg beim SC Paderborn musste ich in Fürth bitter wieder einkassieren. So leblos wie bei den Kleeblättern habe ich den HSV schon sehr lange nicht mehr gesehen. Dass es „solche Tage“ nun einmal unerklärlicherweise geben würde, wie Walter sagte, kann ich als Analyse nur sehr bedingt akzeptieren. Wobei ich sicher auch hierüber wieder anders denken würde, wenn Sebastian Schonlau und Co. morgen genau das Gegenteil zeigen würden.

Aber die Partie gegen Sandhausen ist nicht nur aus tabellarischen Gründen wichtig, sondern auch aus vielen anderen Gesichtspunkten. Zum einen ist es der Hinrundenabschluss und damit das letzte Spiel für den Coach, um sich für einen neuen Vertrag zu empfehlen. Über selbigen soll in der langen Winterpause entscheiden werden, hatte Aufsichtsratsboss Marcell Jansen angekündigt. Gleiches gilt für Jonas Boldts Vertrag, über dessen Verlängerung intern diskutiert wird.

Aber vor alledem steht, dass Walters Worten Taten folgen. Zuletzt hatte er von einer erkennbaren Entwicklung gesprochen, die ich in großen Teilen auch sehe. Aber wie oben geschrieben, gibt es einfach immer noch Probleme, die es hier schon seit Jahren gibt. Und solange der HSV unter Walter darauf keine probate Lösungsansätze zu liefern weiß, fehlt ein ganz maßgeblicher Teil der erhofften Entwicklung. Und das Spiel morgen gegen Sandhausen könnte auch der Abschied des einen oder anderen Profis beim HSV werden. Zumindest eignet sich diese lange Pause sehr gut dafür, den Kader noch mal etwas stärker auf den Prüfstand zu stellen. Sonny Kittel lässt grüßen. Aber bevor das alles kommt, muss der HSV die Aufgabe morgen gegen den SV Sandhausen meistern.

Ist der HSV diesmal von Beginn an hellwach?

Und auch das wird eine Kernaufgabe Walters sein: die Mannschaft diesmal von Beginn an auf Temperatur zu haben. Die wieder einmal mehr als 53.000 Zuschauer, die erwartet werden, werden mit Sicherheit wieder ihren teil beitragen. Und auch wir werden natürlich vor Ort sein, um direkt im Anschluss mit Einzelkritik und Blitzfazit zu kommen. Allein, wer morgen beginnen wird, wird etwas spannender als zuletzt. Wobei mir am wichtigsten wäre, dass Laszlo Benes weiter im zentralen Mittelfeld aufgebaut wird, denn der scheint gerade jetzt richtig aufzukommen, leider erst so kurz vor der Winterpause – aber immerhin kommt er langsam in Fahrt.

Ansonsten glaube ich nicht an große Veränderungen. Kittel dürfte noch einmal seine Chance bekommen, weil Walter schon seit Wochen brutal loyal zu seinem Mittelfeldspieler steht. Vorne ist Robert Glatzel ebenso gesetzt wie Ludovit Reis im Mittelfeld vor Jonas Meffert.  Dass Jean-Luc Dompé auf der Außenbahn beginnt, scheint mangels Alternativen so lange sicher, wie Ransford Königsdörffer auf der rechten Seite defensiv agieren soll. Hinten in der Viererlette dürfte dabei lediglich Königsdörffers Position zur Disposition stehen. Entweder Walter geht auf Dreierkette über – oder er schmeißt William Mikelbrencis wieder rein – was ich schwerlich glaube. 

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

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