Analyse

Gegen Hannover 96 geht es um mehr als drei Punkte

Zwischen Anspannung und bedingungslosem Vertrauen bewegt sich dieser Tage die Gefühlswelt von HSV-Trainer Tim Walter. Sagt er. Einerseits lieferte der 47-Jährige zuletzt die…

Gegen Hannover 96 geht es um mehr als drei Punkte

Zwischen Anspannung und bedingungslosem Vertrauen bewegt sich dieser Tage die Gefühlswelt von HSV-Trainer Tim Walter. Sagt er. Einerseits lieferte der 47-Jährige zuletzt die bekannten und auch selbstbewussten Aufstiegsbekundungen. Auf der anderen Seite haben die mäßigen Ergebnisse der vergangenen Wochen auch beim abgeklärten Coach ihre Spuren hinterlassen. Im Training waren immer wieder Anforderungen des Trainers an seine Spieler zu hören, die verdeutlichten, dass er eben doch nicht so zufrieden ist, wie er es in der Öffentlichkeit gern erklärt. „Ihr müsst umschalten! Nicht nur traben! Habt ihr das verstanden?“, schrie der Coach. Und das lässt mich tatsächlich hoffen, dass es nicht dieses „weiter so“ beim HSV gibt, sondern nur verträgliche Worte nach außen, während nach innen gearbeitet wird. Die Ergebnisse der vergangenen Wochen dürfen einfach nicht so weggesabbelt werden. Sie sind da – und alarmierend:

„Wir haben in den letzten Wochen individuelle Fehler zuhauf gemacht“, hat Walter im „kicker“ gesagt. Und genau so ist es. Es ist einfach zu wenig. Und für Walter und den HSV geht es in den verbleibenden acht Spielen alles. „Wir können es aus eigener Hand schaffen. Selbst wenn wir Dritter sind, können wir durch die Relegation aufsteigen. Und wir wissen auch, dass wir es schaffen. Wir holen uns die letzten Punkte auch noch“, sagte Walter gewohnt selbstsicher – und erhöhte damit den

Dass Walter trotz seines Eingeständnisses der Fehler sagte, dass seine Mannschaft in den vergangenen zwei Begegnungen „sehr, sehr gut gespielt“ habe, hat mich stutzig werden lassen. Denn damit hatte er den eigenen Anspruch sehr tief gelegt. Seine Ergänzung: „Wir müssen uns für den Aufwand mehr belohnen. Das haben wir uns für Samstag auf die Fahnen geschrieben“, lässt allerdings hoffen, dass Walter es doch erkannt hat. 

Ich werde, wie vor jedem Spiel gern gefragt, was ich glaube, wie das Spiel ausgeht. Und bei allen Bedenken, die sich bei mir ob der Leistungen der Letzten Wochen aufgebaut haben, sehe ich Hannover als einen Gegner, der passen könnte. Aber bei jeder Antwort versuche ich auch zu vermitteln, dass das eben nur gilt, wenn man selbst seine eigenen 100 Prozent abzurufen vermag. Denn mit weniger geht es nicht. Gegen niemanden. Und Hannover 96 wird alles abrufen, was in deren Macht steht. Nach neun Spielen ohne Sieg und Kritik aus dem eigenen Fan-Lager gelang dem Club am vergangenen Wochenende mit dem 3:1 über Tabellenschlusslicht SV Sandhausen endlich wieder ein Dreier – und den will man in Hamburg vergolden. 

So sagt es zumindest Trainer Stefan Leitl. Der verdeutlichte, dass seine Mannschaft „eine gewisse Leidensfähigkeit und trotzdem auch den Mut, nach vorne und aggressiv zu verteidigen“ brauche. So äußerte es der H96-Coach in der Medienrunde. Für den 45-Jährigen steht aber fest: „Der Druck liegt nicht bei uns, der liegt bei Hamburg. Die Hamburger haben schon ein bisschen Druck aufgrund der letzten Ergebnisse“, äußerte Leitl und fügte hinzu: „Das wollen wir dann auch vielleicht in eine positive Energie für uns ummünzen und eine stabile und gute Leistung zeigen.“

Personell muss Leitl auf Jannik Dehm und Sebastian Kerk verzichten, Abwehrspieler Julian Börner fehlt gesperrt. Für Börner könnte der defensive Mittelfeldspieler Fabian Kunze in die Innenverteidigung wechseln.Beim HSV wird neben den beiden gesperrten Javi Montero und Miro Muheim auch Jean-Luc Dompé fehlen, der heute auch das Abschlusstraining nicht mitmachen konnte.

Dennoch: Dass der HSV mit Druck im Rücken gegen Hannover umgehen kann, hat er in Hannover bewiesen. Im Hinspiel Ende September des vergangenen Jahres hatte Ransford Yeboah Königsdörffer mit einem sehr geilen Solo den Siegtreffer zum 2:1 herbeigeführt. Hoffen wir mal, dass sich Geschichte beim HSV nicht immer nur bei den negativen Dingen wiederholt – sondern auch diesmal.

Ich freue mich auf das Spiel morgen im ausverkauften Volksparkstadion und wünsche Euch allen jetzt erst einmal einen schönen Karfreitag.

Scholle

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