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Fehler sind offensichtlich - und es gilt: Alles oder nichts!

Das Osterwochenende war nicht der Spieltag des HSV. Mal wieder nicht. Das 1:1 in Fürth warf den HSV weiter zurück. Und angesichts der inzwischen schon sieben Punkten Rückstand…

Fehler sind offensichtlich - und es gilt: Alles oder nichts!

Das Osterwochenende war nicht der Spieltag des HSV. Mal wieder nicht. Das 1:1 in Fürth warf den HSV weiter zurück. Und angesichts der inzwischen schon sieben Punkten Rückstand auf den nächsten direkten Aufstiegsplatz nimmt der HSV offiziell die erneute Teilnahme an der Relegation immer deutlicher ins Visier. „„Es lässt sich nicht von der Hand weisen“, räumte der 42-Jährige am Ostermontag ein, „dass wir tabellarisch und punktemäßig nicht da stehen, wo wir stehen wollen. Wir haben Platz zwei nicht aus den Augen verloren, sind aber auch nicht naiv“, sagte Sportvorstand Jonas Boldt, „wenn man einen Rückstand eigentlich aufholen will, den Rückstand aber vergrößert hat und den Tabellenplatz drei verliert, dann ist es jetzt erst einmal das Kernziel, den Platz zurückzuerobern. So überheblich sind wir nicht, dass wir sagen, wir haben die Tabelle nicht im Kopf.“

Allein in einen Krisenmodus verfallen wolle er nicht. Seine Grundstimmung sei positiv, sagte Boldt. „Auf jeden Fall“, so der 42-Jährige. Boldt macht, was er machen kann – und machen muss: Er versucht, die schlechter werdende Situation realistisch einzuordnen und den Blick nach vorn zu richten. Auch, um seinen eigenen Job zu sichern, der intern seit geraumer Zeit auf dem Prüfstand steht. In seiner sportlichen Analyse sagt Boldt zum letzten 1:1 in Fürth: „Das Spiel in Fürth sei kein schlechtes gewesen. „Der Trend von dem, was eingefordert wurde, und was wir umgesetzt haben bei einem starken Heimgegner, war über weite Strecken richtig gut. Wir waren einfach nicht entschlossen genug, um das Ergebnis auf unsere Seite zu ziehen. Darauf bauen wir auf. Das gibt uns definitiv Hoffnung und Aufschwung für die nächsten entscheidenden Wochen“, sagte Boldt, der damit dieselbe Analyse ansetzte wie ich nach dem Spielende – allerdings mit einer anderen, deutlich positiveren Schlussfolgerung.

Fakt ist, dass sich der HSV mal wieder selbst in eine Drucksituation gebracht hat. Während der FC St. Pauli, Kiel und auch Düsseldorf gerade im Aufschwung sind und von der Erwartung an die eigene Saison über den eigenen Erwartungen agieren, ist das beim HSV mal wieder andersrum. Der HSV verliert sein Ziel aus der Reichweite – und inzwischen muss man selbst dem Minimalziel Relegation wieder hinterherlaufen. „Wir schauen weiter nur auf uns, nicht auf die anderen Mannschaften, das bringt nichts“, sagte Miro Muheim nach dem 1:1 in Fürth, „aber klar ist, dass wir die Dinge analysieren und besser machen müssen, um Spiele zu gewinnen.“ Wenn das nur so einfach wäre. 

Ich weiß, dass hier viele nach dem einen Schuldigen suchen und diesen vor allem in der Person Jonas Boldt ausgemacht haben. Und auch ich habe fast alles rund um den Trainerwechsel zuletzt kritisiert – und kritisiere es immer noch. Zu spät musste Tim Walter gehen, zu wenig überzeugend wurde Steffen Baumgart präsentiert, und zu wenig wurde er unterstützt. Auch die Tatsache, dass der HSV im Winter ebenso wenig einen starken Innenverteidiger wie auch einen Glatzel-Backup finden konnte, darf man dem Sportvorstand als sportlich Hauptverantwortlichen anlasten. Aber bei einem Punkt bleibe ich aus tiefster Überzeugung dabei: Dieser Kader ist auch in der aktuellen Konstellation so stark, dass man mit ihm aufsteigen muss.

Entscheidender Zusatz hierbei: Wenn man alles aus dem Kader rausholt.

Denn das haben weder Walter in den letzten 2,5 Jahren noch Baumgart in den wenigen Wochen seiner Amtszeit hinbekommen. Bei Walter fehlte die defensive Denkweise, die Absicherung. Bei Baumgart fehlt die Überzeugung offensiv. Und insgesamt scheint der Trainerwechsel mehr Verwirrung als positive Aufbruchstimmung verbreitet zu haben – was ich absolut nicht an Baumgarts Art festmachen möchte. Ich befürchte einfach nur, dass dieser HSV nach 2,5 Jahren Walter-Taktik zu sehr darauf abgestimmt ist. Hier nicht im Winter zu wechseln, war ein ganz entscheidender Fehler, da mit diesem Wechsel neues Personal ebenso einhergegangen wäre wie eine verlängerte Vorbereitungszeit unter dem neuen Zepterschwinger. Wenn dann noch Schlüsselspieler wie Robert Glatzel fehlen, geht schnell mal gar nichts mehr in der Offensive.

Ergo: Strategisch hat der HSV in dieser Saison nicht viel richtig gemacht. Und da der Kopf immer vom Kopf her zu stinken beginnt, ist die Frage, wo man hier ansetzen muss. Beim Trainer hat man angesetzt – aber zu spät. Also wäre es nur logisch, den Aufsichtsrat in die Verantwortung zu nehmen, der den Vorstand reguliert und vor allem kontrolliert. Und Ich nehme beide in die Pflicht. Den untätigen Aufsichtsrat sowie den Vorstand, der zu spät und dann falsch handelt. Denn für mich bleibt es unumstößlich, dass dieser HSV-Kader von der Qualität her nicht hinter dem FC St. Pauli, Holstein Kiel und Düsseldorf stehen darf. Das allerdings ist aktuell – und zwar absolut verdientermaßen! – der Fall.

Mein Fazit: Dieser HSV muss intern die neue Saison vorbereiten, ohne dass die Mannschaft davon sportlich beeinflusst wird. Denn bei allem, was sch… gelaufen ist bis hierhin, ab sofort darf nur noch gelten Alles oder nichts! Also noch mal alle zusammen Vollgas gehen, um zu sehen, was bis zum Saisonende noch möglich ist. Und dann muss endlich mal wirklich „detailversessen analysiert“ werden. Egal, wie offensichtlich die gemachten Fehler inzwischen sind.

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