Fehlende Führung beim HSV? Die große Sportvorstand-Debatte
Wie bereits angekündigt gehen wir heute mal direkt auf das Thema des Sportvorstandes ein. In den kommenden Tagen werden wir uns noch mit der fortlaufenden Kaderplanung…

Moin zusammen,
Wie bereits angekündigt gehen wir heute mal direkt auf das Thema des Sportvorstandes ein. In den kommenden Tagen werden wir uns noch mit der fortlaufenden Kaderplanung beschäftigen und wer dafür zuständig ist, bzw. sein sollte, wird sowohl dort als auch hier heute explizit aufgegriffen. Da explizit in Konversationen aus dem Beitrag über Sebastian Kehl „HSV Update – Nationalspieler unterwegs – kommt Kehl nach Hamburg?“ angesprochen wurde, habe ich mir gedacht, dass ich die Punkte, die genannt wurden, mal aufgreife und meine Meinung zum Ganzen abgebe. Wir beginnen mit einer kurzen Beschreibung des Profils eines Sportvorstandes und gehen dann auf die von euch gebrachten Punkte ein.
Grundlage des Systems
Wir beginnen mal mit der grundsätzlichen Struktur beim HSV, zumindest ganz grob. Oben sitzt der Aufsichtsrat, der dafür verantwortlich ist, den Vorstand; den der AR installiert, um die Ziele des Vereins zu erreichen; zu beraten und zu überwachen. Beim HSV hatte man vor der Saison einen Vorstand aus Eric Huwer für das Thema Finanzen und Stefan Kuntz für das Thema sportliche Leitung. Der Sportvorstand ist dann dafür verantwortlich, dass die vorgegebenen Ziele des Aufsichtsrates eingehalten werden. Dabei leitet er die Aufgaben weiter an z. B. den Kaderplaner und das Trainerteam. Wenn etwas nicht funktioniert, muss er dafür sorgen, dass sportliches Personal entlassen wird oder Strukturen geändert werden. Das gilt auch für Spieler, die am Ende vertraglich ja ebenso Angestellte sind wie das Trainerteam. Das heißt, dass der Sportvorstand im Prinzip auch dafür zuständig ist, dass Spieler verpflichtet werden. Damit der Sportvorstand die richtigen Spieler holt, arbeitet er meistens eng mit Trainer und dem Kaderplaner zusammen. Am Ende soll ein erfolgreiches Team zusammengestellt werden, mit dem jeder glücklich ist.
Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten, wie der Sportvorstand seine Position noch erweitert nutzen kann. Er kann z. B. durch internationale Beziehungen und sein nutzen um Personal an Land ziehen, welches den Kader, die Personalreihe oder das Nachwuchsleistungszentrum verstärkt.
Eine weitere Maßnahme, die heute üblich ist, ist, dass der Sportvorstand, vor allem wenn es brenzlig wird, selbstsicher auftritt und dem von ihm eingestellten Personal den Rücken stärkt bzw. dieses aus der Schusslinie nimmt. Dafür bedarf es natürlich bestimmter Attribute.
Die Rolle des Sportvorstandes hat Stefan Kuntz also innegehabt, bis es zum Auflösen des Vertrages Ende Dezember/Anfang Januar kam. Zunächst übernahm Claus Costa die üblichen Tätigkeiten im operativen Geschäft. Das macht er zum aktuellen Zeitpunkt immer noch, da der HSV bis jetzt keinen neuen Sportvorstand gefunden hat. Während der Transferperiode machte es eigentlich keinen wesentlichen Unterschied, ob nun Costa oder Kuntz die Transfers abwickelten. Am Ende schlug Costa die Spieler weitestgehend vor und Kuntz versuchte dann, die Transfers abzuwickeln. Nun schlug Costa die Transfers vor und wickelte sie eben auch ab. Ich bin nicht über jeden Verein informiert, aber ich würde jetzt einfach mal behaupten, dass es üblich ist, dass ein Kaderplaner häufig die Ideen vorgibt und der Sportvorstand selbst eher selten aus Eigeninitiative Spieler holt. Deswegen machte es Sinn, nicht direkt nach dem Auflösen des Vertrages von Kuntz, einen neuen Sportvorstand zu installieren, sondern erstmal in Ruhe zu schauen, was der Markt hergibt.
Jetzt kommen wir aber in die Phase, in der die Kaderplanung zweigleisig geplant werden muss und in der auch die Kritik an egal welchen Stellen immer lauter wird. Und genau da kam der Einwand, dass es eben jetzt einen Sportvorstand benötige, der eben einem jungen Polzin den Rücken stärkt. Und das ist ein Punkt, dem ich zustimme. Von Polzin kann jeder halten, was er möchte, aber Fakt ist, dass er es geschafft hat, nach 27 Spielen mit 30 Punkten dazustehen. Dennoch ist die Kritik groß und das basiert maßgeblich auf einem Punkt. Die Personal Situation im Sturm mit Glatzel und Downs. Polzin hält an Downs fest, mit der Begründung, dass er für das defensiv ausgerichtete System besser sei. Dieses Argument klingt für viele schwammig, da man eben genau das nicht auf dem Platz sieht. Keiner weiß, wie die Situation mit einem Sportvorstand wäre, aber es bestünde die Möglichkeit, dass eben dieser den Rat an Polzin geben würde, Downs mal draußen zu lassen. Zudem sollte ein Sportvorstand in die vorläufige Kaderplanung eingebunden werden, da man einerseits mit zwei Meinungen meistens zum besseren Ergebnis kommt. Andererseits besteht ja auch immer die Möglichkeit, dass ein geplantes Spielerprofil durch die Beziehung des Sportvorstandes einfacher oder günstiger zum Verein kommt.
Und es brächte jemanden, der genau jetzt auftritt und die Entscheidungen von Polzin, mögen sie auch noch so irreführend sein, öffentlich unterstützt, einfach damit die Last, die nun ganz und alleine auf Polzin liegt, geringer wird. Denn genau das ist das, was das Profil eines Sportvorstandes ebenso wichtig macht. Das man nach außen Souveränität präsentiert, damit man intern ruhig arbeiten kann.
Ebenso wurde der Punkt angeführt, wer bei einer Entlassung von Polzin überhaupt den neuen Mann holen soll. Und auch das ist ein wichtiger Punkt. Denn Claus Costas Fokus liegt auf dem Scouting und dem Kader, nicht auf der Spielweise und wie diese zum Kader passt. Eine Trainerverpflichtung nun auch noch auf die Schultern von Costa zu packen, ergäbe m. Mn. wenig Sinn.
Fazit
Grundsätzlich finde ich die Idee richtig, nicht direkt nach Kuntz einen neuen Sportvorstand zu holen. In einer Phase, in der es sportlich nicht allzu schlecht lief, hat man versucht, die Ruhe im Verein zu wahren, um einerseits die sportliche Leistung und andererseits die Transferpolitik nicht zu gefährden. M. M. n. hat das weitestgehend geklappt. Sicherlich waren nicht alle Transfers gut, aber es hat eben kein großes Chaos gegeben. Am Ende wurden die Spieler geholt, die geholt werden sollten, und auch sportlich konnte der HSV im Januar einige Punkte einfahren. Das war in früheren Zeiten mal anders.
Nun ist man allerdings bereits Ende März und man ist immer noch nicht so weit, dass man in näherer Zukunft einen Sportvorstand vorstellt. Der Aufsichtsrat hat ja eine Firma engagiert, die potentielle Kandidaten suchen soll. Dieses Vorgehen kann jeder selber bewerten. Soweit ich informiert bin, ist die endgültige Liste potentieller Kandidaten aber immer noch nicht vollständig beim Aufsichtsrat angekommen, und das verschafft den Eindruck, dass das eben noch lange dauern könnte. Und das, obwohl man meiner Meinung nach schon jetzt im Zusammenspiel zwischen Trainerteam, Kaderplaner und Sportvorstand Spielerprofile suchen und auch gegebenenfalls ansprechen sollte.
Mal angenommen, der HSV wäre an Brandt oder Süle interessiert, wäre es jetzt schon an der Zeit, z. B. einen Kehl als Sportvorstand damit zu beauftragen, die beiden Spieler ranzuholen. Denn der HSV wäre zum jetzigen Zeitpunkt sicherlich nicht der erste Verein, der bei Spielern mit auslaufenden Spielerverträgen anklopft. Das Ganze hier ist natürlich nur ein Beispiel und soll keine Verbindung zwischen dem HSV und Süle und/oder Brandt bzw Kehl schaffen.
Wenn wir mal zum BVB schauen, scheint als erste Amtshandlung eine Vertragsverlängerung von Schlotterbeck in Sicht. Auch dafür wäre ein Sportvorstand jetzt beim HSV eine gute Option. Sicherlich kann auch Costa die Verträge verlängern, aber eine zweifache Mannstärke wirkt da eben besser. Nehmen wir mal das Beispiel Königsdörffer. Egal, ob man seine Leistungen jetzt gut findet oder nicht, am Ende verliert man eventuell einen Spieler ablösefrei, für den man im Sommer bei Vertragsverlängerung eine Ablöse bekommen würde.
Der HSV versucht, das Ganze ruhig und besonnen anzugehen, aber man bewegt sich hier auf einem schmalen Grat, da man sowohl in der Kaderplanung als auch in der Außendarstellung und der Souveränität, die Ruhe in den Verein bringt, ein Risiko eingeht, welches man m.Mn. durch die Installation eines Sportvorstandes meiden könnte.
Nun seid ihr aber wieder gefragt und dürft weiter diskutieren. Wie steht ihr zu dem ganzen Thema? Sollte man jetzt schon einen Sportvorstand installieren oder hätte es schon direkt nach der Entlassung von Kuntz passieren müssen? Und vor allem: Wer soll es werden?
Tom
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