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Falsches Management: Das haben HSV und DFB gemein

Wer sich die Bilder aus Argentinien, Kroatien und auch Marokko ansieht, der wird ein wenig neidisch. Oder er erinnert sich an die tolle Party mit der Nationalmannschaft 2006,…

Falsches Management: Das haben HSV und DFB gemein

Wer sich die Bilder aus Argentinien, Kroatien und auch Marokko ansieht, der wird ein wenig neidisch. Oder er erinnert sich an die tolle Party mit der Nationalmannschaft 2006, wo die DFB-Elf nach einer sensationellen WM im eigenen Land den dritten Platz erreichte. Es war damals der Beginn einer großen Ära mit dauerhaft starken deutschen Mannschaften bei den Endturnieren inklusive dem Weltmeistertitel 2014. Bundestrainer Joachim Löw und seine Spieler wurden wie Helden gefeiert, neue Stars wurden geboren. WM-Siegtorschütze Mario Götze, Mannschaftskapitän und Vorzeigeprofi Bastian Schweinsteiger, WM-Rekordtorschütze Miroslav Klose – und noch andere.

Eine Euphoriewelle im deutschen Fußball, von der nach den frühen Ausscheiden zuletzt nahezu nichts geblieben ist. Zurecht, weil das Umfeld der deutschen Nationalmannschaft um DFB-Manager Oliver Bierhoff es nicht schaffte, die Euphorie mit den Anhängern zu teilen. Im Gegenteil: Plötzlich hoben rund um die Nationalmannschaft alle ab. „Die Mannschaft“ nannte man sich und erhöhte sich damit allen anderen Mannschaften gegenüber. Insbesondere den Amateuren gegenüber, die der DFB über zwei Jahrzehnte eh schon mit immer neuen Statuten von sich distanzierte. Und so thronte der DFB über allen – und schoss sich damit selbst ab.

Was das alles mit dem HSV zu tun hat? Ganz einfach: Es ist der Weg, den auch der HSV gegangen ist. Etliche Level tiefer liegend, logisch! Statt Weltmeistertitel gab es beispielsweise internationale Höhepunkte, Stars waren keine Weltfußballer, sondern hießen, Petric, van der Vaart, Zé Roberto und van Nistelrooy. Aber für HSV-Verhältnisse war das schon eine große Sache. Und: Bei allem Erfolg, den der HSV über Jahre hatte, verloren sich Offizielle in Machtkämpfe und stellten sich so immer wieder sich selbst über das Wesentliche: Über die eigene Mannschaft.

So, wie sich der DFB von den Fans abschottete und für alle Endturniere Unsummen für die Spieler ausgab, wurden beim HSV immer weiter steigende Millionengehälter bezahlt, die den Klub nominell zu einer europäischen Top-Adresse erhoben und den HSV unter einen Erfolgszwang setzten – den die Mannschaft nicht zu erfüllen wusste. Nach außen aber war ein Bild abgegeben worden, als müsse der Anspruch des HSV eigentlich der WM-Titel sein, und dass alles andere zu wenig sei – mit fatalen Folgen: Die Fans nahmen diese Position an. Zuerst wurde ein verpasster Champions League-Platz als Misserfolg gewertet, dann das Verpassen der Europa League. Über viele Jahre enttäuschte der HSV so seine Anhänger sportlich. Bis man plötzlich sogar im Abstiegskampf steckte.

„Ich habe noch nie erlebt, dass ein Land so wenig hinter seiner Nationalmannschaft steht, wie es bei uns der Fall ist. Das ist sehr traurig und macht mich nachdenklich.“

Steffen Baumgart, Trainer 1. FC Köln

Ein Satz vom Trainer des 1. FC Köln, den ich so unterstütze. Denn bei aller berechtigten Kritik an der Leistung der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Katar hätte die DFB-Auswahl als Mannschaft die Unterstützung des Landes verdient. Immerhin fahren dort die vermeintlich besten Fußballer unseres Landes hin, um für ihr Land anzutreten. Sie vertreten uns. Aber: Wie sich beim HSV die Vorstände und Aufsichtsräte durch ihre Eitelkeiten keinerlei Unterstützung verdienten, war es beim Nationalteam der Verband samt seiner Entscheider, der dies verhinderte. Im Ergebnis dieser Fehler rund um die Mannschaft reagierten die Anhänger der Nationalmannschaft sogar so dramatisch, dass selbst so tadellose Profis wie Joshua Kimmich im TV klagten, dass sie das Gefühl hätten, sich für die WM-Teilnahme als DFB-Auswahlspieler entschuldigen zu müssen. Aus Fußballersicht tat mir das leid. Die Frage ist vor allem: Was können die Spieler dafür?

Okay, die Nationalmannschaft war in diesem Jahr defensiv zu schwach und vorn nicht effektiv genug. Aber schon allein die Stimmung von außen hatte sie zum Scheitern verurteilt. So eine Unruhe, befeuert noch durch die politischen Diskussionen vor und während des Turniers, ist nie ganz vom Team fernzuhalten. So, wie die Machtkämpfe und das Chaos in den Vereinsführungen den HSV auch sportlich (und daraus resultierend finanziell) scheitern ließ, scheiterte die Nationalmannschaft an den anhaltenden Fehlern seines Umfeldes, die schon vor der WM und unabhängig von allen sportlichen Ergebnissen viel Kredit gekostet hatten. Und die Spieler samt Trainer Flick wurden zu Bauernopfern. Auch deshalb ist der Rücktritt Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoffs ein Schritt, der Respekt verdient. Denn so überfällig das auch war, nicht viele machen das so. Siehe HSV…

Und so, wie ich beim HSV seit dem Abstieg fordere, diesen Misserfolg als Chance zu nutzen, hoffe ich das beim DFB. Beim DFB hoffe ich sogar noch mehr darauf, da es dem HSV bislang mehr erzwungen denn gewollt gelingt, seine Ansprüche der Wirklichkeit anzupassen. Der HSV wurde/wird durch weitere Misserfolge gezwungen, kann man auch sagen. Sollte der erneute finanzielle Großangriff aus diesem Sommer am Saisonende nicht zum gewünschten Erfolg führen, würde es zumindest inhaltlich niemanden überraschen, wenn Boldt trotz verlängerten Vertrages zurücktreten würde.

Fakt ist aber, dass die von Baumgart angesprochene Problematik nicht DFB-exklusiv ist. Die Erwartungen in Deutschland sind sicherlich etwas höher als woanders. Vielleicht auch oft zu hoch. Aber die angesprochene Problematik ist vor allem (und fast immer!) das Ergebnis falschen Managements. Siehe auch HSV und viele andere Erst- und Zweitligisten (sowie einige bereits versenkte Traditionsklubs…).

In diesem Sinne, bis morgen!! Da könnt Ihr uns dann auch wieder Fragen für den Communitytalk stellen, sofern gewünscht! 

Scholle 

P.S.: Weil es gestern im Kommentarbereich angesprochen wurde:

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