Experten sehen HSV ganz oben - und den FC St. Pauli unten
Es geht wieder los. Die ganzen so genannten Experten kommen zu Wort. Nicht alle, weil sie sprechen wollen. Aber eben sehr viele, weil sie gefragt werden. Und das Ergebnis ist…

Es geht wieder los. Die ganzen so genannten Experten kommen zu Wort. Nicht alle, weil sie sprechen wollen. Aber eben sehr viele, weil sie gefragt werden. Und das Ergebnis ist wenig überraschend: Neue Saison, üblicher Favorit. Die beiden Sky-Experten Ewald Lienen und Torsten Mattuschka glauben, dass der HSV im fünften Anlauf die Rückkehr in die Bundesliga schafft. „Es ist das erste Mal, dass der HSV mit dem gleichen Trainer in eine neue Zweitliga-Saison geht. 80 Prozent des Kaders sind zusammengeblieben. Für mich ist der HSV der Top-Favorit. Die Qualität ist brutal. Daher steigen sie auf“, sagte Mattuschka bei einer Sky-Veranstaltung in Hamburg.
Ex-Pauli-Trainer Ewald Lienen sieht die Hanseaten ebenfalls vorne: „Der HSV ist einer der Top-Favoriten.“ Die Vereinsführung des HSV beurteilt er allerdings kritisch: „Dass der HSV seit vielen Jahren nicht in der 1. Liga spielt, hat nicht nur mit dem Trainer und dem Kader zu tun. Der Fisch stinkt immer vom Kopf.“ Besonders der Streit zwischen Sportvorstand Jonas Boldt und Sportdirektor Michael Mutzel, der keinen Kontakt mehr zur Mannschaft haben soll, fällt Lienen negativ auf: „Wenn ich so etwas mache, dann mache ich das unter vier Augen. Wenn ich das in aller Öffentlichkeit mache, dann ist das ein fatales Zeichen für die Kommunikationskultur innerhalb eines Vereins.“ Kann man so sehen. Auch Hannover-96-Sportdirektor Marcus Mann rechnet fest mit einem Aufstieg des HSV. „Aufgrund der vergangenen Saison muss man den Hamburger SV als Favorit nennen. Sie haben die Mannschaft mehr oder weniger zusammengehalten und sogar noch verstärkt.“
HSV Aufstiegsfavorit und der FC St. Pauli Abstiegskandidat?
Dem FC St. Pauli prognostizieren die beiden Experten Lienen und Mattuschka übrigens eine schwierige Saison. „Das sind brutale Abgänge“, sagt Mattuschka über die beiden abgewanderten Torjäger Guido Burgstaller und Daniel Kofi Kyereh. „Ich glaube nicht, dass sie die gleiche Rolle spielen wie in der letzten Saison. Ich erwarte sie auf Platz acht oder neun.“ Und obgleich ich zugeben muss, dass die Qualität der Abgänge brutal und die des Kaders eher Rang acht vermuten ließe, glaube ich daran, dass der FC St. Pauli am Ende besser dastehen wird. Und das nur, weil man intern einen starken Zusammenhalt hegt, wie mir immer wieder berichtet wird.
Lienen sieht das anders. Und er sollte es im Zweifel deutlich besser wissen, als ich, daher zitiere ich ihn in diesem Zusammenhang auch hier noch einmal, obgleich dieser Blog den HSV zum Inhalt hat. Denn Lienen hatte den FC St. Pauli von 2014 bis 2017 selber trainiert und war bis Juni 2022 in anderer Funktion als Technischer Direktor und Vereinsbotschafter beschäftigt. „Es ist immer das Schicksal von Vereinen, die eine gute Saison spielen und trotzdem nicht aufsteigen, dass sie danach wichtige Spieler verlieren. Ich habe das in meiner zweiten Saison bei St. Pauli selber erlebt. Wir haben nach einer guten Saison viele Spieler verloren und hatten in der Saison darauf nach 14 Spielen nur sechs Punkte. Ob dem FC St. Pauli der Abstiegskampf droht? Das ist eine schwierige Angelegenheit. Es kommt darauf an, wie die Neuzugänge sich etablieren und wie sie in die Saison kommen“, sagt Lienen.
Fernab vom FC St. Pauli erwartet Lienen einen ausgeglichen Aufstiegskampf: „Ich sehe nicht den einen ganz großen Favoriten. Es wird auch Überraschungen geben. Die drei Aufsteiger Magdeburg, Braunschweig und Kaiserslautern sind Traditionsvereine. Und andere Mannschaften wie Hannover und Nürnberg haben auf dem Transfermarkt richtig zugeschlagen.“ Ich persönlich glaube daran, dass Magdeburg mit Trainer Christian Titz einen sehr spannenden Start hinlegen wird und für einige Überraschungen gut ist. Auf lange Strecker sehe ich sie zwar wieder in die untere Tabellenhälfte rutschen, aber wer weiß schon, was Euphorie aus diesem Traditionsklub noch herauskitzeln kann…? Gleiches gilt für den FCK. Allein Braunschweig erwarte ich Stand heute schwächer und von Anbeginn an gegen den Abstieg kämpfend.
Oben indes wird es breiter als in der letzten, eh schon recht ausgeglichenen Saison. Auch Mattuschka glaubt, dass der Aufstiegskampf „enger wird als in der letzten Saison. Die Absteiger Bielefeld und Greuther Fürth werden von Anfang an eine gute Rolle spielen. Genauso wie der HSV, der sich durchsetzen wird“, so der Sky-Experte. „Hannover 96 hat sich gut verstärkt und mit Stefan Leitl einen guten Trainer geholt, auch Düsseldorf ist eine gute Mannschaft“, so Matuschka, der sogar Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern, der am Freitagabend das Auftaktspiel der 2. Bundesliga gegen Hannover 96 bestreitet einen der vorderen Tabellenplätze zutraut. Seine erstaunlich mutige Prognose: „Kaiserslautern kann eine der großen Überraschungen der Saison werden, wenn sie noch drei, vier gute Spieler dazuholen.“
Wobei das wahrscheinlich für alle Klubs gelten dürfte, oder…? Oder wie es HSV-Trainer Tim Walter sagt: „Solange das Transfer-Fenster offen ist, kann man immer etwas brauchen.“
Der Unersetzbare beim HSV - und was sonst noch fehlt
Drei, vier neue und dazu noch richtig gute Spieler hat der HSV inzwischen schon dazu geholt. Matheo Raab ist ein guter, talentierter Keeper. Rechnet man Vuskovic als Neuzugang, dann hat man einen der besten Zugänge der gesamten Liga geholt. Dazu noch einen Miro Muheim sowie Filip Bilbija, die beide zu echten Stammkräften werden können. Und natürlich Toptransfer Ransey Königsdörffer, der bei optimaler Entwicklung schneller in die Erste Bundesliga als der HSV aufsteigen könnte.
Und trotzdem fehlt mir noch etwas im HSV-Kader. Denn die rechte Abwehrseite mit einem Linksverteidiger zu besetzen, wenn der umfunktionierte Moritz Heyer ausfallen sollte – das kann nicht der Plan des HSV sein. Vielmehr muss es möglich sein, einen neuen Rechtsverteidiger oder wenigstens einen talentierten Spieler zu finden, der sich im Schatten von Heyer im Laufe der Saison entwickelt und heranarbeitet, um Heyer bestenfalls noch im Laufe dieser Saison zu überholen. Ebenso wenig zu kompensieren wäre ein Ausfall von Robert Glatzel als zentraler Stürmer.
Eigentlich sehe ich im zentral-defensiven Mittelfeld mit Jonas Meffert den einzigen Spieler, der nicht zu ersetzen ist. Zumindest nicht direkt. Maximilian Rohr wird immer stärker und deutete an, dass er es in Teilen schaffen könnte. Richtig wohl fühlt sich der Mittelfeldspieler aber weniger auf der Sechs denn auf der davorliegenden Position des Achters. Ebenso Anssi Suhonen, der nach seiner Verletzung noch nicht wieder im Mannschaftstraining ist und natürlich auch Ludovit Reis, der weniger mit seiner spielberuhigenden, sortierenden Art zu glänzen weiß, denn mit seiner unfassbar fleißigen, aggressiven Spielweise. Aber okay, der HSV hat finanziell nicht die Mittel, noch weiter teuer einzukaufen. Jetzt gilt es, kreativ einzukaufen. Und bei ablösefreien Spielern hat der HSV (abgesehen von Amadou Onana) in den letzten Jahren nicht besonders gut ausgesehen.
Anbei mal eine Prognose aus dem Internet:
Heute hat indes die Trainingswoche vor dem Saisonauftakt begonnen. Mit einem lautstarken Trainer, der sich nicht nur gegen den Stadionlärm (die Red Hot Chilli Peppers probten zeitgleich) durchsetzen musste. Und mit einem nahezu voll besetzten Kader, der dem Trainer für den Auftakt bei Eintracht Braunschweig einige Optionen lässt. Neben der Startelf-Frage ebenfalls interessant: Spielt der HSV mit einer Spitze und Königsdörffer auf der Außenbahn? Oder doch mit zwei Angreifern im 4-4-2-System? Aber dazu sicherlich im Laufe der Woche noch einmal mehr!
Bis dahin Euch allen erst einmal einen schönen Dienstagabend und auch von dieser Stelle noch einmal die allerbesten Glückwünsche nach Mallorca, wo unser Neuzugang Louis heute seinen 18. Ehrentag begeht! Bleib gesund, Louis! Wir sehen uns dann am Freitag! Alle anderen sehe ich morgen wieder – wenn es denn so gewollt ist.
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