Meinung

Es gibt nur wenige, die diesen Erfolg mehr verdienen

Er stand heute Rede und Antwort. Zurecht. Denn Daniel Heuer Fernandes ist sicherlich auch schon vor dem Saisonende der Aufsteiger dieser Saison. Ein Torhüter, der in den…

Es gibt nur wenige, die diesen Erfolg mehr verdienen

Er stand heute Rede und Antwort. Zurecht. Denn Daniel Heuer Fernandes ist sicherlich auch schon vor dem Saisonende der Aufsteiger dieser Saison. Ein Torhüter, der in den letzten Jahren beim HSV so oft aussortiert wurde, dass ich an seiner Stelle den Verein um Vertragsauflösung gebeten hätte. Und das Schlimmste daran: Es gab Zeiten, in denen hätten die damaligen HSV-Verantwortlichen dem sogar zugestimmt. „Wir waren die glücklichere Mannschaft durch einen überragenden Torhüter“, platzte es nach dem Sieg am Mittwochabend aus Trainer Tim Walter heraus. Und ich kann Euch sagen, dass mich jedes einzelne positive Wort über Heuer Fernandes für ihn persönlich extrem freut. Mehr als bei vielen anderen Spielern.

Und Daniel Heuer Fernandes, der in Hamburg viele Nackenschläge hinnehmen musste,  ist  inzwischen sogar der Lieblingsspieler der HSV-Fans. Mit Sprechchören haben die 25.000 Zuschauer im Volksparkstadion Heuer Fernandes nach dem dramatischen Elfmeterkrimi gefeiert. Wobei das mit Sicherheit noch häufiger passieren wird. „Ferro macht eine überragende Saison“, schwärmt nicht nur Sportvorstand Jonas Boldt. Auch Trainer Tim Walter konnte nicht anders, als den Keeper hervorzuheben, obwohl er eigentlich lieber Lob an das gesamte Team verteilt. „Er ist total charakterstark, steht für etwas und ist von allem überzeugt, was er tut. Was er darstellt, das stellt unsere Mannschaft dar.“ 

Heuer Fernandes wird zum Publikumsliebling - zurecht!

Seit Wochen präsentiert sich der 29-Jährige in bemerkenswerter Form. Dabei hat er eine Doppelaufgabe zu erfüllen: seinen Kasten sauber zu halten und zugleich elfter Mitspieler zu sein. Häufig verlässt er seinen Strafraum als Anspielstation und Ballverteiler. Denn in Walters Ballbesitzfußball stehen lange Abschläge vor das gegnerische Tor quasi auf dem Index, was mich immer wieder mal verrückt macht. Zugegeben. Aber Heuer Fernandes kann Fußball spielen, das steht fest. „Er hat einfach immer eine fußballerische Lösung“, sagt Walter über seinen spielstarken Torwart, der schon in den vorangegangenen Pokal-Elfmeterschießen beim Erstligisten 1. FC Köln ebenso einen Schuss vom Punkt parierte wie zuvor beim 1. FC Nürnberg. Beim FCN, der auch am Sonnabend wieder der Gegner des HSV ist, zog er sich dann einen Kapselriss im Knie zu und musste mehr als neun Wochen (sechs Spiele) pausieren. Und: Sein Vertreter, der Schwede Marco Johansson, machte seine Sache ebenfalls richtig gut.

https://soundcloud.com/user-36211795/fr040322-heuer-fernandes-ist-im-pokalfinale-dabei-hecking-warnt-den-hsv-vagnoman-will-spielen?utm_source=clipboard&utm_medium=text&utm_campaign=social_sharing

Aber Walter legte sich schon vor – aber vor allem auch nach Heuer Fernandes‘ Regeneration sofort wieder auf seinen Stammkeeper fest, der bei allem Jubel um ihn wie immer sehr bescheiden bleibt. „Gestern hatten wir viele Pokalhelden. Robert Glatzel hat Einiges zum Weiterkommen beigetragen, auch Bakery Jatta ist 120 Minuten von oben nach unten marschiert. Das gilt aber für die ganze Mannschaft, da kann man wirklich alle Spieler herausheben.“ Wie schon in den für ihn deprimierenden Phasen ordnet er sich auch in seiner ganz persönlichen Hochphase der Mannschaft unter und versucht, den Hype um seine Person so gering wie nötig zu halten. Auch in Sachen Elferkiller: „Der Schütze muss schießen, ich habe die Ruhe im Tor“, erklärt der Schlussmann seine Nervenstärke und verrät seine Zutaten: „Ein Stück weit Glück, und ein bisschen Können ist auch dabei.“

Aber: Mit nur 24 Gegentoren in dieser Saison haben die Hamburger die beste Zweitliga-Defensive, wozu auch der gebürtige Bochumer gehört, der als Sohn eines Portugiesen und einer Deutschen auch den portugiesischen Pass besitzt. Sechs U21-Länderspiele hat er für Portugal bestritten. „Ich bin unglaublich froh, dass ich ihn habe“, sagt  Walter, der sich sportlich auch immer wieder lautstark über Heuer Fernandes‘ fußballerische Qualitäten freut. Zudem lobt der HSV-Coach: „Vor allem ist er auch eine Frohnatur. Das bringt noch einmal eine andere Komponente in unsere Mannschaft rein.“

„Ferro“ bleibt sich treu - und stellt sich hintenan

Und: „Ferro“ könnte auch im Pokal-Halbfinale wieder der HSV-Held sein. Ob RB Leipzig, Union Berlin oder der SC Freiburg der Gegner ist, wird am Sonntag in der ARD-Sportschau ermittelt. Alles Erstligisten, gegen die der HSV Außenseiter ist. Alles Gegner, bei denen ich jetzt sofort unterschreiben würde, wenn man mir ein Elfmeterschießen fürs Halbfinale anbieten würde. Walter hält sich mit Wünschen zurück. „Wir freuen uns riesig darüber, dass wir jetzt im Halbfinale stehen. Mit der Mannschaftsleistung und dem Auftreten können wir sehr zufrieden sein, es war ein echter Pokalfight. Wir haben – egal in welchen Momenten – immer an uns geglaubt und eine perfekte Reaktion auf die Rückschläge gezeigt. Was wir gestern erreicht haben, ist nichts Alltägliches. Das sind die Fußballspiele, für die du Profi geworden bist. Jedes Spiel muss erst mal gespielt werden. Das wird auch im Halbfinale so sein“, sagt er. Und betont: „Wir wissen, wer wir sind. Wir haben Respekt vor jedem.“

Und ich freue mich, heute einmal einen solchen Artikel hier schreiben zu können - weil ich mich für Daniel Heuer Fernandes freue. Sehr sogar. Morgen werde ich mich dann wieder dem Sportlichen widmen vor dem nächsten, sehr schwierigen Spiel am Sonnabend beim 1. FC Nürnberg. Dessen Trainer hat heute schon einmal Vollgas gegeben bei der Pressekonferenz des FCN. Aber dazu morgen mehr. Ich freue mich darüber, dass der HSV am Mittwoch neben den Zusatzeinnahmen von rund zweieinhalb Millionen Euro vor allem bewiesen hat, dass er mental vorbereitet ist auf ein zähes letztes Saisondrittel mit vielen schwierigen Spielen. Oder wie sagte Tim Walter so treffend: „Wir haben uns in der Kabine gesammelt, bekommen dann den nächsten Nackenschlag. Wie die Jungs dann ihr Spiel durchgezogen haben, war sehr, sehr gut. Das wünsche ich mir für die Zukunft über die komplette Spieldauer. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft, wie sie immer wieder zurückkommt, nie aufgibt und sämtliche Widerstände überwindet.“

Er hat Recht. Denn Einstellung, Wille und Moral sind zweifelsfrei in dieser Mannschaft vorhanden. Mehr, als in den letzten Jahren. Und neben Heuer Fernandes hätte ich heute auch andere Spieler noch einmal abfeiern können. Unter ihnen übrigens auch Bakery Jatta, der gestern wohl einmal seine komplette Qualitäts-Palette zeigte. Von Kreisliga-Aktionen bis hin zu vorbereiteten Toren. Dazu bleibt festzuhalten, dass der HSV endlich auch eine zweite Reihe hat, die in dieser wichtigen, späten Phase der Saison sehr gut funktioniert.  Aber zu allen diesen sportlichen Themen morgen mehr…

Bis dahin.

Scholle  

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