Es gibt nur zwei Wege: Gestärkt weitermachen - oder trennen
Ärmel hochgekrempelt, Arbeiter-Style und -Tonart, dazu immer mit dem Herz auf der Zunge unterwegs. Einer, der sich vor die Mannschaft stellt und nie aufgibt. Steffen Baumgart…

Ärmel hochgekrempelt, Arbeiter-Style und -Tonart, dazu immer mit dem Herz auf der Zunge unterwegs. Einer, der sich vor die Mannschaft stellt und nie aufgibt. Steffen Baumgart wirkt wie einer, mit dem man sich als Fan sehr schnell und sehr gut identifizieren kann. Oder anders formuliert: Steffen Baumgart wirkt wie einer, mit dem man gern arbeitet. Zumal er auch noch bekennender HSV-Fan ist. Zumindest auf mich erweckt er genau diesen Eindruck, und ich würde mich freuen, wenn er mal als HSV-Trainer arbeitet und ich ihn hier kennenlernen und wirken sehen darf.
Viele von Euch, so scheint der Tenor unter dem gestrigen Blog zu sein, sehen das ähnlich. Viele wollen Baumgart lieber jetzt als gleich als Trainer am Rand des HSV sehen, anstelle des in der Rückrunde erfolglosen HSV-Trainers Daniel Thioune. Der wiederum hat nur noch rund ein Drittel der hier kommentierenden Leserinnen und Leser hinter such. Und mich. Wobei ich den Kritikern in den allermeisten Punkten absolut zustimme. Auch denen, die Elvis in seinem wie immer sensationell zutreffenden Spieltagssong auflistet.
Denn Fakt ist, dass der HSV nach einer starken Hinrunde in der Rückrunde abgestürzt ist. 16 Punkte aus 14 Rückrundenspielen ist schlecht. Sehr schlecht. Wie in den letzten zwei Jahren wiederholt sich der Absturz in der Rückrunde und auch diesmal scheint der Nichtaufstieg nahezu sicher zu sein. Und auch diesmal soll der Trainer als Schuldiger dafür gehen.
Noch mal: Ich schreibe hier, was ich sehe. Ich schreibe meine Meinung zu den Themen beim HSV. Und das alles, ohne den Anspruch zu erheben, immer alles allein und richtig zu wissen. Ich schreibe hier auch nicht, um den HSV zu maßregeln, sondern weil ich fest davon überzeugt bin, dass diese Community in ihrer Liebe zum HSV und Ihrer Unabhängigkeit vom HSV und allen anderen ein sehr spannender Ort ist, um sachlich und inhaltlich zu diskutieren. So, wie es unter meinem gestrigen Blog passiert. Und dafür danke ich Euch!
Auch denen, die eben nicht meiner Meinung sind. Sehr feinteilig und manchmal auch nicht minder grobschlächtig wurden die Kritikpunkte zusammen mit der Forderung, Thioune zu entlassen, aufgeführt. Stellvertretend für viele, die es so oder so ähnlich formuliert haben, nehme ich den Post von Thomas, um mich einmal konkret darauf zu beziehen, weshalb ich Euch in vielen Punkten zustimmen und trotzdem für den Verbleib Thiounes sein kann. Thomas ist gegen den Verbleib von Thioune und listet die Punkte auf:
PostPunkt 1 Entwicklung:
Thioune hat es nicht gefasst talente näher an die mannschaft zu bringen man wollte opoku, david und auch ameachi näher an die mannschaft bringen und dass sie dadurch auch öfters spielen und auch eine rolle im kader sind. Opoku und ameachi sind ausgeliehen und von david hört man nichts mehr. Es sind zwar noch heil und meissner dazu gekommen aber dies ist auch mehr aus der not heraus geboren aufgrund mangelnder alternativen. Aber auch onana und wintzheimer hat er verunsichert weil sie zu beginn stark aufgespielt haben und plötzlich nahm er sie heraus ohne jeglichen grund dabei wintzi ist ein kämpfer und hätte öfters spielen müssen. Vagnoman hat den durchbruch schon unter hecking geschafft darum zähle ich ihn hier nicht extra auf und ambrosius gebe ich mal thioune. Zur entwicklung wollte er auch gestandene spieler weiterentwickeln aber hier nehme ich auch mal die besten beispiele heraus kinso, dudziak und kittel diese spieler haben bewiesen das sie kicken können aber hier wurde es auch nicht geschafft dass sich diese spieler stabilisieren und konstant gute leistung bringen. Nein es muss im schlussspurt wieder auf hunt gesetzt werden weil sonst nichts mehr da ist.
Post unter dem gestrigen Blog von "Thomas"
Vagnoman zum Stammspieler zu machen, Ambrosius zur echten Säule in der Innenverteidigung zu machen und einen Manuel Wintzheimer ebenso wie einen Amadou Onana nahe an einem Stammplatz zu bringen ist nicht die schlechteste Quote. Im Gegenteil. Bei Amaechi stimmt dessen Leistung nicht mit dem überein, was viele (auch ich!) an grundsätzlichen Fähigkeiten in ihm gesehen haben. Bei Jonas David stimme ich zu, auch ich hätte dem Jungen mehr Spielzeiten gewährt, um ihn näher ans Team ranzubringen. Das ist ein Versäumnis der Hinrunde. Dudziak und insbesondere Kittel haben unter Thioune Schritte nach vorn gemacht. David Kinsombi leider nicht, der hat seine abfallende Leistungskurve fortgesetzt und sie meiner Meinung nach zuletzt sogar auf ein rekordtief geführt. Sollte sich das nicht signifikant verbessern, wäre der für mich vielleicht kompletteste aller HSV-Mittelfeldspieler einer der Kandidaten für mich, die man abgeben muss, um diesem Kader mehr Leistungskultur und mehr Stabilität zu verleihen. Aber im Fazit sehe ich es nicht wie Thomas und andere. Ich behaupte, dass Thioune viele Spieler besser gemacht hat. Aber einzelne bringen gar nichts, solange diese das Spieler es in der Schlussphase nicht im Kollektiv auf den Platz bringen. Dafür wiederum sehe ich tatsächlich Thioune in der Verantwortung.
Punkt 2 liga annehmen
Wenn man die Rückrunde anschaut hat man vorallem gegen die schwächeren teams bemerkt, dass diese durch ihre giftigkeit gegen den hsv ein vorteil haben und durch ihres hohe anlaufen die mannschaft überfordert. Darum haben wir auch oft gegen underdogs die punkte liegen gelassen und zum teil verdient verloren.
Post unter dem gestrigen Blog von "Thomas"
Stimmt. Wobei es in der Hinrunde noch funktioniert hat. Da hat der HSV alle Spiele gegen die vermeintlich schwächeren Gegner sogar gewonnen. Teilweise sehr deutlich. Mit anderen Worten: Der HSV kann es mit diesem Spielerstamm und diesem Trainer. Die Frage also muss vielmehr darauf ausgerichtet werden, warum dieselben Mannschaft gegen dieselben Gegner plötzlich nicht mehr klarkommt. In den letzten Spieler in Sandhausen und Regensburg kam man mit mannorientierter Deckung des Gegners nicht klar. Und ich behaupte, dass das wiederum am fehlenden Mut lag. Der fehlende Mut, das Eins-gegen-Eins zu suchen, um Räume zu schaffen. Dadurch lahmte das HSV-Spiel und es bleiben zumeist torchancenarme HSV-Partien. Das könnte man dem Trainer anlasten, der hier die Taktik hätte anpassen müssen – aber ich sehe hierbei eher die „Säulenspieler“ in der Pflicht, auf dem Platz Verantwortung zu übernehmen und voranzugehen. Die aber haben nicht funktioniert. Siehe das 1:1 gegen den KSC
Punkt 3 unberechenbar sein
Hat am anfang vielleicht gut funktioniert ich meine nachdem aue spielt hat man gelesen der gegner war komplett verwirrt wie der hsv nun spielt aber wenn man die Rückrunde anschaut und vor allem die letzten 4 spiele dann war der hsv so einfach zu lesen und zu berechenbar. Ich mein wie einfach die letzten gegner zu den punkten kam ich glaube der gegner war selbst überrascht.
Post unter dem gestrigen Blog von "Thomas"
Thioune ist der Trainer der Zweiten Liga, der die meisten Veränderungen im personellen wie taktischen Bereich vorgenommen hat. Zumindest war er das in Osnabrück und zu Beginn beim HSV so. Bei Osnabrück brauchte er dieses Stilmittel, weil der Kader nicht die Qualität hatte, um mit einem festen System und einem festen Stamm den Gegner zu bezwingen. Das aber änderte sich für den Trainer mit seinem Wechsel zum HSV. Auch hier ist der Trainer deutlich flexibler in seiner taktischen Herangehensweise als seine Vorgänger. Daher mal eine Frage an alle, die Thioune hier Fehler anlasten: Wie kann es sein, dass der HSV taktisch nachweislich flexibler ist, also mehr Systeme auf Knopfdruck abrufen kann und dafür immer noch über einen der vermeintlich spielerisch stärksten Kader der Liga verfügt – und es trotzdem nicht auf den Platz bekommt? Sicher trägt der Trainer hier einen Anteil – aber ich behaupte, dass die Mannschaft mit ihren „Säulenspielern“ eben nicht über die Mentalität verfügt, sich selbst aus Negativphasen herauszuholen. Auch, weil die Wahrnehmung hier bei uns bei den Profis eben nicht großartig anders ist. Oder anders formuliert: Alles, was positiv ist, ist für die Profis normal - das hat also kaum Effekt, weil es minimal über dem Aggregatzustand des so zitierten großen Topfavoriten ist. Aber jeder kleine Rückschlag, jedes Negativerlebnis wiegt doppelt und dreifach schwer. Oder wie erklärt ihr mir, dass man auch hier im Blog schon in der Hinrunde nach einem unglücklichen 2:3 in Heidenheim und dem erstmaligen Verlust der Tabellenführung formulierte: „Es geht schon wieder los…“
Punkt 4 thioune selbstThioune wirkte vorallem nachdem letzten spiel komplett hilflos er wusste nicht was sagen soll oder wie reagieren. Er hat das bild abgegeben was er auch oft in den spielen gezeigt hat er wusste nicht auf die situationen zu reagieren und wechselte immer extrem spät. Zudem muss man auch die causa wood ihm ankreiden. Wo er hauptschuldig ist anstatt auf hinterseer zu setzen( bin uberzeugt dass der luke für 5-6 tore in der saison gut gewesen wäre) war thioune der überzeugung er kriegt wood wieder hin und ist kläglich gescheitert nein es kam noch besser und wood wurde freigestellt.
Post unter dem gestrigen Blog von "Thomas"
Hinterseer wollte weg, weil er hinter Terodde zu kaum Einsatzzeiten gekommen wäre. Und dass der HSV Wood auch in dieser Saison abgeben wollte (um Geld zu sparen) und das ob dessen Gehaltsvorstellungen nicht hinbekommen hat, ist auch kein Geheimnis. Hier musste Thioune ausbaden, was andere zu verantworten haben. Dass Wood überhaupt noch einmal sportlich nutzbar wurde war für mich ehrlich gesagt eine riesengroße Überraschung.
Und ja, Thioune wirkte nach dem KSC-Spiel ratlos. Genau deshalb habe ich gestern auch geschrieben, dass der Trainer die nächsten Tage nutzen muss, um zu erkennen, ob er sich selbst die Aufgabe noch zutraut. Ich behaupte jedenfalls, dass Thioune selbst so ehrlich ist, das zuzugeben. Bislang hat er zumindest vorgelebt, was er von anderen erwartet. Selbstreflexion und vor allem Ehrlichkeit gehört hier zwingend dazu.
Punkt 5 die zukunft
Man tut thioune und dem hsv keinen gefallen in die neue saison zu gehen. Der druck ist zu gross auf ihn vom ersten spieltag an und wenn der start misslingt wird der druck noch grösser und die fragen werden dann auch laut warum man nicht nach dieser rückrunde nicht schon reagiert hat bei einem punktschnitt von einem sind auch trainer entlassen worden, welche nicht um den aufstieg spielen. Darum ist eine trennung im sommer das sinnvollste, weil mit einem angeschlagenen trainer in die saisonvorbereitungen zu gehen und noch den kader zusammenzustellen bitte nicht der schuss kann nur nach hinten losgehen zu dem hat der hsv jetzt auch mal die chznce das solch streit charakteren wie hunt und wood weg sind damit die mannschaft ruhe hat. Und klar viele sagen jetzt wir haben noch drei spiele aber ich finde die drei spiele kann man nicht grossartig berücksichtigen, in der bewertung am schluss, wenn der aufstieg nicht geklappt weil die druck situation auch nicht mehr da ist der druck war gross in den letzten wochen und da kam die leistung nicht.
Post unter dem gestrigen Blog von "Thomas"
Wie bei Punkt vier schon geschrieben, müssen jetzt klare Analysen gemacht und klare Konsequenzen gezogen werden. Ein „ich glaube schon“ darf es nicht geben. Entweder überzeugt sein und weitermachen – oder zweifeln und alles beenden. Nur diese beiden Wege darf es geben. Das Gute hieran: Genau so soll es auch intern kommuniziert worden sein.
Und genau hier liegt für mich übrigens der absolut alles entscheidende Punkt: Ist diese Phase etwas, aus der Thioune die richtigen Schlüsse zieht und die ihn in seiner noch jungen Profitrainer-Karriere für die nächste Saison sogar besser macht? Sollte man zu diesem Schluss kommen und sowohl der Verein von Thioune als auch Thioune von sich selbst weiter voll überzeugt sein – sollte man weiter zusammenarbeiten und das Angefangene ausbauen. Weil man einen Weg angefangen hat, der zwar nicht funktioniert hat, dessen Fehler man aber analysiert und ausmerzen kann. Man muss das Aktuelle komplett sezieren und die Schwachstellen herausfiltern, um noch einmal nachzujustieren.
Ein gutes Beispiel, wie das geht, zeigt übrigens ausgerechnet unser Stadtrivale FC St. Pauli: Dort spielte ein neuer, noch junger Profitrainer eine erschütternd erfolglose Hinrunde und man setzte sich vor der Winterpause zusammen, um die Gründe dafür zu finden. Dass diese in Teilen am Trainer Schulz selbst festzumachen waren – logisch. Aber auch personell hatte man nicht alles bedacht und das veränderte man mit den Nachverpflichtungen im Winter so gut, dass man jetzt aus meiner Sicht zu den vier spielerisch besten Mannschaften (Pauli, Fürth, Bochum, HSV) zählt und die Rückrunde dominiert. Hier hat sich das Vertrauen der Verantwortlichen in die eigene Überzeugung ausgezahlt. Und ich sage wenig überraschend voraus, dass der FC St. Pauli in der kommenden Saison ein absoluter Aufstiegskandidat sein wird. Mit einem extrem jungen Trainerteam, dass in der Hinrunde 2020/21 eine brutale Lehre machen musste – daraus aber gestärkt hervorgeht. Und genau DAS traue ich Thioune und Co. auch zu.
Ich hoffe, diejenigen unter Euch, die meine Haltung bislang nicht nachvollziehen konnten, wissen jetzt zumindest, warum ich diese Haltung vertrete. In diesem Sinne, am morgigen Sonntag werde ich meine Zeit meinen Kindern widmen und mich selbst einmal vom HSV ablenken. Soll auch mal ganz guttun, habe ich gehört… ;-) Euch allen ein schönes Wochenende mit einem spannenden Pokalspiel der Kieler beim BVB! Bis Montag dann…!
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HSV-Blamage- Die Taktik war das geringste Problem
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