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Entscheidung der Vernunft - Hunt verlässt den HSV

Die Pressemitteilung ging bei mir um 17.37 Uhr ein: Aaron Hunts Vertrag wird nicht verlängert. Der ehemalige Kapitän verlässt den HSV somit zum 1. Juli und sucht eine neue…

Entscheidung der Vernunft - Hunt verlässt den HSV

Die Pressemitteilung ging bei mir um 17.37 Uhr ein: Aaron Hunts Vertrag wird nicht verlängert. Der ehemalige Kapitän verlässt den HSV somit zum 1. Juli und sucht eine neue Herausforderung. Eine Entscheidung der Vernunft, wie ich finde. Denn in den letzten Jahren gingen Erwartungshaltung und Realität immer weiter auseinander. Selbst der gut gedachte und gut gemeinte Versuch, den Daniel Thioune unternommen hatte, ging schief. Denn aus der Rolle des Backup-Spielers wurde im Laufe der Rückrunde plötzlich doch wieder ein Stammplatz. Bis zur Verletzung. Also genau in die Phase hinein, in der der HSV schwach spielte und ungenügend punktete. Wenig verwunderlich daher, dass viele darin eine Kausalität erkannt haben wollen.

Fakt ist dagegen, das sieht auch Hunt selbst, dass man die Ziele nicht erreicht hat, die man hätte erreichen müssen. Auch er selbst konnte nicht da anknüpfen, wo er wertvoll für die Mannschaft geworden wäre. Eine Begleiterscheinung des zunehmenden Alters. Und da der Fußball nicht anders ist als das normale Leben, wird auch hier die Leistungsfähigkeit ab einem gewissen Alter nicht mehr besser. Hunts bald 35 Jahre bedeuten nicht zwangsläufig ein Karriereende. Aber seine auffallend hohen Verletzungs-Ausfallzeiten haben deutlich gemacht, dass man mit ihm eben nicht mehr als feste Größe im Team planen kann.

Auch ein Grund, weshalb Daniel Thioune schon zu Saisonbeginn das Gespräch mit dem Routinier sichte und ihm die Rolle des Backup-Spielers andiente. Aber bei allem was hier jetzt wieder negatives über Hunt im Forum kommen wird, Hunt selbst war in der Mannschaft auch deshalb so beliebt, weil er eben sehr wohl einen Sinn für die Realität hatte. Deshalb nahm Hunt nahm die ihm von Thioune angediente Rolle auch an – auch wenn er selbst gern noch viel mehr gewollte hätte.

Aber: Alles hat seine Zeit. Und diese ist von Hunt beim HSV abgelaufen und ich wünsche ihm nur das Allerbeste. Ich bleibe auch bei meiner Meinung, dass Hunt fußballerisch einer der besten HSVer der letzten Jahre ist. Und wäre sein Körper noch ein Stück weit resistenter, er wäre sicher ein wichtiger Spieler für den HSV gewesen. Aber dieses „on und off“ war letztlich für keine Seite ausreichend. Im Gegenteil: Ein Aaron Hunt hätte nur topfit der Führungsspieler sein können, der er sein sollte. Umso vernünftiger ist es, sich jetzt zu trennen. Denn die Gefahr, dass Hunt hier zum Gesicht des Niederganges abgestempelt wird, war nicht nur groß – dieser Prozess hatte schon eingesetzt.

Am Ende, und das muss man auch dem Klub anlasten, hat Hunt vom HSV in den letzten Jahren immer auch eine Rolle angelastet bekommen. „Angelastet“, weil sie von Hunt eben nicht mehr zu realisieren war. Einem Spieler zu überlassen, sich selbst einzuschätzen, geht selten gut. Es liegt in der Natur der Sache, dass sich die allermeisten Spieler mehr zutrauen, als wirklich noch im Köcher ist. Da ist Hunt keine Ausnahme. Aber es ist an den Vereinen, das Potenzial der Spieler korrekt einzuschätzen – und hier herrschte bei Hunt eine erkennbare Diskrepanz. Hunt wurde sogar ein Stück weit zum Alibi der Verantwortlichen, weil man es in den letzten Jahren versäumt hat, einen jüngeren, fitteren und somit verlässlicheren, leistungsstarken Zehner zu finden. Hunt als Backup – ich glaube, das hätte passen können. Zumindest besser, als ihm immer wieder die Hauptverantwortung „anzulasten“.

Egal wie, jetzt gehen Hunt und der HSV getrennte Wege. Sollten meine Informationen stimmen, wird es Hunt ins Ausland ziehen, wo er seine Karriere als Aktiver fortsetzen will. Und dafür wünsche ich dem ehemaligen Kapitän alles Gute, Gesundheit und Erfolg! Anbei die Pressemitteilung des HSV: 

AARON HUNT VERLÄSST DEN HSV

DER VERTRAG DES MITTELFELDSPIELERS, DER IN DEN VERGANGENEN SECHS JAHREN MEHR ALS 150 PFLICHTSPIELE FÜR DIE ROTHOSEN BESTRITT, WIRD NICHT VERLÄNGERT. HUNT: „ES WAR ETWAS BESONDERES, DAS HSV-TRIKOT ZU TRAGEN.“ 

Der Hamburger SV und Aaron Hunt gehen nach sechs gemeinsamen Jahren in der kommenden Saison 2021/22 getrennte Wege: Der zum 30. Juni dieses Jahres auslaufende Vertrag des 34-jährigen Mittelfeldspielers wird nicht verlängert. „Wir hatten mit Aaron einen guten, offenen und ehrlichen Austausch über seine weitere Zukunft beim HSV. Er hat uns in den Gesprächen deutlich gemacht, dass er noch möglichst viel und lange Fußball spielen möchte. Aus unserer Sicht ist dafür eine Veränderung der beste Weg“, erklärt HSV-Vorstand Jonas Boldt und bedankt sich explizit bei dem 304-fachen Bundesliga-Spieler: „Wir möchten Aaron Hunt für seine Leistungen und seinen Einsatz in den vergangenen sechs Jahren auf und neben dem Platz ausdrücklich danken. Er hat sich immer der Verantwortung gestellt und diese auch in schweren Phasen übernommen. Wir wünschen ihm und seiner Familie alles Gute für die Zukunft. Aaron wird im Volkspark aber auch immer willkommen sein.“

Auch Aaron Hunt bedankt sich für die offenen Gespräche hinsichtlich seiner Zukunft und die zurückgelegten sechs gemeinsamen Jahre. „Ich wollte unbedingt mit dem HSV aufsteigen, leider hat das nicht geklappt. Das stand für mich aber über allem und war auch der Grund, warum die Verantwortlichen und ich die Gespräche über meine Zukunft hintenangestellt haben. Jetzt nach Saisonende haben wir sie geführt – von beiden Seiten absolut offen und ehrlich. Die Entscheidung ist getroffen, für mich ist aber auch klar, dass ich Bock habe und noch weiter Fußball spielen will. Ein großer Dank an den gesamten HSV. Es war etwas Besonderes, das HSV-Trikot zu tragen und zwei Jahre lang das Team als Kapitän aufs Feld zu führen“, betont der 34-Jährige.

153-MAL HSV MIT HÖHEN UND TIEFEN 

Aaron Hunt wechselte im Sommer 2015 an die Elbe und absolvierte in den vergangenen sechs Spielzeiten 153 Pflichtspiele für die Rothosen, in denen er 26 Tore und 18 Assists markierte. Zu Beginn seiner HSV-Zeit aufgrund seiner langjährigen Vergangenheit beim Hamburger Nordrivalen Werder Bremen durchaus kritisch gesehen, ließ der technisch versierte Mittelfeldspieler bei den Fans schnell Taten für sich sprechen und entwickelte sich zu einer festen und prägenden Größe im Team. So blieb Hunt dem HSV auch nach dem erstmaligen Bundesliga-Abstieg 2018 treu, übernahm in den ersten beiden Zweitliga-Spielzeiten das Kapitänsamt und stellte sich auf und abseits des Platzes in schwierigen Situationen immer der Verantwortung.

Auch zur vergangenen Saison 2020/21 blieb der „Hunter“ in Hamburg, um sein „großes sportliches Ziel, den HSV zurück in die Bundesliga zu bringen“ ein drittes Mal ins Visier zu nehmen. Statt des gewünschten Happy-Ends bestritt der Linksfuß am 29. April dieses Jahres beim Heimspiel gegen den Karlsruher SC (1:1) sein 153. und unverhofft letztes Pflichtspiel für die Rothosen, als er aufgrund eines Muskelfaserrisses in der Wade ausgewechselt wurde und seine 17. Profi-Saison damit vorzeitig für ihn beendet war. Trotz dieses unglücklichen Endes bleiben besondere Hunt-Momente im HSV-Dress in Erinnerung – darunter vor allem sein spektakulärer Siegtreffer beim 3:2-Heimerfolg über den FC Schalke 04 aus der Bundesliga-Saison 2017/18, sein Hattrick beim 3:3-Remis gegen Hannover 96 aus der abgelaufenen Spielzeit sowie zahlreiche sicher und sehenswert verwandelte Elfmeter- und Freistoßtreffer. 

Nach sechs emotionalen Jahren im HSV-Trikot schlägt Aaron Hunt im Spätherbst seine Karriere nun ein neues Kapitel auf. Der HSV bedankt sich für seinen langjährigen und leidenschaftlichen Einsatz im Zeichen der Raute und wünscht ihm für die Zukunft nur das Beste – mach´s gut, Aaron!

In diesem Sinne, bis morgen! Dann auch wieder mit dem Communitytalk!

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