Endlich wieder Heimspieltag...
Und weiter gehts. Endlich wieder Heimspiel, sagen die meisten. Denn zuhause klappts bislang gut. Nein. Sogar sehr gut. Sechs Heimspiele, sechs Siege. Und sechsmal ausverkauft.…

Und weiter gehts. Endlich wieder Heimspiel, sagen die meisten. Denn zuhause klappts bislang gut. Nein. Sogar sehr gut. Sechs Heimspiele, sechs Siege. Und sechsmal ausverkauft. Das ist top. Passend hierzu hat der nächste Gegner, die Eintracht aus Braunschweig (Fr. 18.30 Uhr, Volksparkstadion), alle ihre sechs Partien in der Fremde verloren und dabei sogar nur einen Treffer erzielt. „Da müssen wir über eine Favoritenrolle nicht einmal im Ansatz diskutieren“, sagte der neue Eintracht-Trainer, Daniel Scherning, heute. „Wir treffen auf die beste Mannschaft der Liga aus meiner Sicht, gespickt mit Top-Spielern für diese Liga. Wären da nur nicht diese fiesen Auswärtsspiele, würde der HSV tatsächlich gute Chancen haben, ganz oben zu rangieren. Also noch vor dem Ortsnachbarn FC St. Pauli. Aber: Fußball ist eben kein Konjunktiv und am Ende zählen die nackten Ergebnisse. Ebenso normal ist es, dass der Gegner-Trainer den HSV vor der jeweiligen Begegnung hoch lobt. Das senkt auch die Erwartungshaltung und damit den Druck aufs eigene Team.
Scherning und seine Spieler wüssten, was auf sie zukommt. Das Volksparkstadion wird wohl erneut mit 57.000 Zuschauern ausverkauft sein. „Dass wir leiden müssen, Dinge richtig gut machen müssen, steht außer Frage. Kleinigkeiten werden gegen einen solchen Gegner bestraft“, so Scherning. Wichtig sei, dass seine Mannschaft „ihre eigenen Stärken auf den Platz bekommt“, so der Coach der Niedersachsen, der die Stärken seines Teams auf mentaler Ebene sieht. Glaube könne Berge versetzen, so Scherning, der ausführt: „Und den brauchen wir, um zu bestehen und etwas mitzunehmen.“
So weit, so normal. Die Frage nach dem Favoriten in diesem Spiel stellt sich damit nicht. Aber die Frage, ob der HSV nach dem enttäuschenden 2:4 bei Holstein Kiel wieder sein gutes Gesicht aufsetzen kann, bleibt. Auch personell. Die Innenverteidiger Guilherme Ramos und Stephan Ambrosius sind wohl einsetzbar, was die in den letzten zwei Wochen im Training immer wieder einstudierte Dreierkette mit Heyer, Meffert und Muheim eher unwahrscheinlich macht. „Wir haben auch diese Option mit drei hinten“, sagte Walter zwar heute. Aber er machte dabei eher den Eindruck, als würde er auf seine Viererkette setzen wollen. Durch den Ausfall des gelbgesperrten Dennis Hadzikadunic dürften Ramos und Ambrosius hier in der Innenverteidigung erste Wahl sein. Interessant: Als Ersatz soll der Youngster Luis Seifert im Kader stehen.
Ob Immanuel Pherai im Mittelfeld von Beginn an ran darf, darf zumindest kontrovers diskutiert werden. Denn obgleich Walter heute eine Art Loblied auf den bislang eher enttäuschenden Zugang aus Braunschweig sang, ist dieser lange noch nicht die erhoffte Verstärkung. Pherai selbst schätzt das kommende Duell seines aktuellen gegen seinen ehemaligen Club als schwierig ein. „Sie haben in der Liga und zuletzt im Test gegen St. Pauli wieder gewonnen und dadurch ein gutes Gefühl bekommen – auch durch den neuen Trainer“, sagte Pherai der „Braunschweiger Zeitung“ (Donnerstag)., während er sich über sich und seine Situation beim HSV ärgert. „Es war auf jeden Fall der richtige Schritt für mich“, schickte er vorweg, „hier kann ich mich weiterentwickeln und zu einem besseren Spieler werden.“
Aber Pherai gestand auch nicht übersehbare Probleme ein. Immerhin blieb der 22-Jährige in zehn Pflichtspielen noch ohne eigenen Treffer. „Das ärgert mich natürlich ein bisschen“, sagte der offensive Mittelfeldspieler. „Aber vielleicht klappt es ja ausgerechnet gegen die Eintracht.“ Vielleicht. Hoffen wir es. Denn es würde dem HSV für den Moment helfen und in Pherai vielleicht eine Handbremse lösen, die aktuell noch gezogen zu sein scheint.
Trainer Tim Walter ist derweil andererseits hocherfreut. In diesem Fall allerdings weniger über die eigene Personallage vor dem Heimspiel am Freitag gegen Braunschweig, sondern über die Entwicklung eines Spielers, der gerade in Fernost für Furore sorgt: Bilal Yalcinkaya. Der junge Mittelfeldmann weilt aktuell bei der U-17-Fußball-Weltmeisterschaft in Indonesien. Yalcinkaya, der zuletzt bei den HSV-Profis mittrainieren durfte, hatte die deutsche Auswahl mit seinem Treffer zum 3:2 gegen die USA ins Viertelfinale geschossen. Für Yalcinkaya war es bereits der zweite Treffer im Turnier. „Wir betrachten das mit großer Freude, wie der Junge agiert, weil er das bei uns im Training natürlich auch schon sehr häufig gezeigt hat», sagt Walter. „Wir sind auch immer im Austausch. Von daher freuen wir uns sehr für den Kleinen, aber freuen uns auch, wenn er wieder da ist.“
Beim HSV hatte es Yalcinkaya zuletzt bis in den Kader gegen Holstein Kiel geschafft. Auf sein Profidebüt wartet der 17-Jährige allerdings noch. „Wir fördern den Jungen, aber fordern ihn auch. Ich glaube, das ist das alles Entscheidende, dass wir versuchen, ihm einen sportlichen Weg aufzuzeigen“, so Walter. Und klar scheint: Eine Perspektive dürfte aktuell das alles Entscheidende sein. Denn Yalcinkaya, der aktuell noch einen Fördervertrag beim HSV hat, soll langfristig gehalten werden. Die Gespräche laufen bereits, zumal Yalcinkaya mit den aktuellen Leistungen auffällt.
Und während der HSV am Freitag im Rahmen des 14. Zweitligaspieltages im Volkspark Braunschweig empfängt, trifft Yalcinkaya mit der deutschen U17-Auswahl um 9.30 Uhr (live zu sehen bei Sky) auf das starke Team aus Spanien. Sollten Yalcinkaya und Co. bis ins Finale kommen, wäre das Turnier am 2. Dezember für sie vorbei.
Ich persönlich werde erst U17 am Morgen und dann das Heimspiel gegen Braunschweig ansehen. Also ein Freitag vollgepackt mit Fußball!! Es gibt Schlimmeres… Aber, eines schon mal vorausgeschickt: Entscheidend in der Gesamtbewertung ist für mich weniger das Spiel gegen Braunschweig als die darauffolgende Partie beim FC St. Pauli - und die Partien danach! Denn letztlich gilt es für Walter und Co., nach den bislang wieder zwischen „höchstdominant“ und „völlig hilflos“ variierenden Liagspielen endlich eine Konstante zu finden, mit der man die Gegner auf lange Strecke schlägt.
Aber dieses Thema ist beim HSV inzwischen schon ein so alter Hut, dass es bei allem Schutz selbst für Walter immer gefährlicher wird. Auch deshalb ist es für mich absolut nicht nachvollziehbar, warum Walter auch heute auf der Pressekonferenz nur Floskeln und Trotz („wir sind immer noch Tabellenzweiter“) auf die Frage parat hatte, wie er dem negativen Trend entgegenwirken wolle. Aber mal sehen, vielleicht zeigt es die Mannschaft ja sportlich…
In diesem Sinne, bis morgen!
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