Endlich folgen den Worten auch die entsprechenden Taten
Der Spieltag hätte für den HSV besser gar nicht laufen können. In vielerlei Hinsicht sogar. Denn tabellarisch hat man als einziges Top-7-Team dreifach gepunktet. Das ist schon…

Der Spieltag hätte für den HSV besser gar nicht laufen können. In vielerlei Hinsicht sogar. Denn tabellarisch hat man als einziges Top-7-Team dreifach gepunktet. Das ist schon eine Menge wert. Dazu kommt, dass man endlich einmal das Leistungsprinzip komplett durchgesetzt hat und damit den Erfolg hatte, der allen hierbei auf die Bank degradierten Spieler jegliche Grundlage für Kritik an der Aufstellung nahm. Und drittens: Keiner der degradierte Spieler muckte rum, ganz im Gegenteil! Insbesondere der fiel diskutierte Härtefall Sebastian Schonlau ging als Kapitän voran und demonstrierte, was es bedeutet, wenn der mannschaftliche Erfolg über den eigenen Interessen steht.
Einige fanden es übertrieben, dass ich Schonlau seine beste Saisonbewertung für das Bank-Dasein gegeben habe. Aber ich widerspreche all denen zu 100 Prozent, denn genau darauf wird es jetzt ankommen. Und genau das hat dem HSV in den letzten Jahren neben defensiver Stabilität entscheidend gefehlt! Jetzt wird das wichtig werden, was Merlin Polzin, Loic Favé und das gesamte Trainerteam offenbar besser hinbekommen als ihre Vorgänger bislang in der Zweiten Liga. Denn wer sich mal genau umsieht, genauer hinhört – und dann beides übereinanderlegt, der erkennt, dass hier den Worten Taten folgen. Teamplay ist kein Worthülse mehr. Schonlau war und ist hierfür ein Beispiel – und zum Glück nur eines von vielen. Davie Selkes Metamorphose vom extrovertierten Egoisten zum mannschaftsdienlichen Aggressive Leader und Toptorjäger, oder auch der Schulterschluss der Mannschaft mit dem jüngsten Trainerteam der HSV-Geschichte – es gibt noch einige Beispiele mehr.
Fakt ist, dass das junge Trainerteam aktuell einen sehr guten Zugriff aufs Team hat. Vor allem aber treffen sie sehr gute Entscheidungen und schaffen es, mit ihren Umstellungen sowas wie ein Leistungsprinzip zu vermitteln. Genauso wichtig: Sie schaffen es, mit ihren Wechseln in den Spielen das Spiel der eigenen Mannschaft besser zu machen. Zuletzt unter Walter war genau das Gegenteil der Fall. Ich hatte es bei der Inthronisierung Polzins und Favés geschrieben: Taktisch sind die beiden das Beste seit langem für den HSV. Und hierin sehe ich mich zum jetzigen Zeitpunkt bestätigt.
Entscheidend wird jetzt sein, dass Polzin und Co. diesen Zugriff und diese Wirkung konservieren können. Denn wie im Ligabetrieb gilt auch hier: Erfolg zu haben ist einfach, ihn zu bestätigen dafür umso schwerer. Die zehn Spiele ohne Niederlage sind eine gute Hausnummer. Darauf kann man aufbauen. Dass man aktuell stimmungsmäßig noch keinen Ausfall im Team hat, auch nicht selbstverständlich. Was mich aber persönlich optimistisch stimmt, ist die Tatsache, dass jetzt sogar einige wichtige Spieler wieder zurückkommen.
Die einen kommen aus Verletzungen, wie Fabio Baldé und vor allem demnächst auch Robert Glatzel. Aber es kommen eben auch einige aus Formtiefs wie beispielsweise Ludovit Reis, der sich mit der Kapitänsbinde um den Arm am vergangenen Freitag von Spielminute zu Spielminute steigerte. Viel Zeit auf seine Leistung verschwendete der Niederländer trotzdem nicht, sondern dachte sofort an das große Ganze: „Wir haben das Spiel gewonnen. Ich freue mich über meine Leistung. In der Kabine reden wir immer darüber, dass wir jedes Spiel 100 Prozent geben. Das hat man diesmal gesehen. Wir haben viel Qualität und sehr gut gezeigt, was wir wollen“, sagte Reis, der sich in dieser Form auch im nächsten Spiel am Sonntag in Paderborn in der Startelf wiederfinden dürfte. Angesprochen darauf sagte er nur: „Jeder kann spielen – das zeigt einfach, dass wir eine gute Mannschaft sind.“
Gut heißt allerdings noch lange nicht, dass es auch gut genug ist Und die Tabelle macht weiter deutlich, dass sich weder der HSV noch irgendein anderes Team zu früh zu sicher sein sollte. Vier Punkte Vorsprung sind es auf den ersten Nichtaufstiegsplatz vier. Und schon am Sonntag könnte Paderborn mit einem Heimsieg gegen den HSV bis auf einen Punkt herankommen. Und dann würden viele wieder beginnen, das so oft zitierte „HSV-Frühjahr“ herbeizurufen…
Was ich sagen will: Lob ist nach einem so stabilen Spiel wie gegen das bislang formstärkste Team vom FCK durchaus erlaubt. Festzuhalten ist, dass der HSV mit einer stabilen Defensive in der Lage ist, zwei gute Halbzeiten zu spielen. Und das wiederum hat viel mit Vertrauen zu tun. Aktuell vertrauen beim HSV die meisten dem IV-Duo mit dem überraschend formstarken Denis Hadzikadunic und Überraschungs-Innenverteidiger Daniel Elfadli. Ich auch. Dennoch, bei allem bestehenden Vertrauen bleibe ich dabei, dass diese Konstellation ohne ein Backup auf identischem Niveau ein vermeidbares Risiko darstellt. Fällt einer aus, wird es wieder wackelig. Aber diesen Punkt habe ich zu oft schon thematisiert…
In diesem Sinne, genießt den Moment. Bis morgen.
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