Einfach mal machen!
Hätte Düsseldorf ein Tor mehr und Fürth eines weniger – es wäre noch besser gewesen. Und obgleich ich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis schon einige habe, die es gern…

Hätte Düsseldorf ein Tor mehr und Fürth eines weniger – es wäre noch besser gewesen. Und obgleich ich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis schon einige habe, die es gern anders gesehen hätten, weil sie sich einfach nicht mehr an die theoretische Chance klammern wollen, bleibt dem HSV . Sie wollen lieber WISSEN, dass der Aufstieg futsch ist, als sich noch ein paar Wochen an die minimale Hoffnung und auf die anderen Mannschaften zu hoffen. Zu letzterem zähle ich nicht. Im Gegenteil: Ich war und bin ein Wettkampftyp und würde nie aufgeben, bevor es nicht auch rechnerisch vorbei ist. Von daher werden wir ob der heutigen Remis von Fürth und Düsseldorf auch über Montag hinaus noch theoretische Chancen haben.
Und das wiederum freut mich vor allem für Horst Hrubesch, der mit seinen 70 Jahren ganz sicher andere Pläne hatte, als jetzt noch einmal als HSV-Trainer in der zweiten Liga am Rand zu stehen. Nicht, dass er meckert – das würde ein Horst Hrubesch niemals machen. Aber letztlich ist es ein Gefallen, den er seinem HSV macht. Und vor seinem ersten Spiel als Cheftrainer musste Hrubesch heute nach dem Ausfall von Aaron Hunt auf den zweiten zentralen Mittelfeldspieler verzichten. Jeremy Dudziak, der zuletzt mit einer Grippe flachlag und Antibiotika nehmen musste, fehlte heute auf dem Platz und trainierte nur individuell im Kraftraum. Sein Einsatz am Montag gegen Nürnberg ist gefährdet. Interessant ist, dass Hrubesch in der vermeintlichen A-Elf lässt wie schon am Donnerstag wieder mit zwei Spitzen trainieren ließ. Robin Meißner durfte dabei neben Simon Terodde im Sturm ran. Hier scheint der einstige Bundesliga-Torschützenkönig die erste Veränderung zu planen. Wobei morgen noch eine Einheit ansteht, in der es auch schon wieder ganz anders aussehen könnte.
Apropos, beim nächsten Gegner sieht es personell echt mal recht übel aus. Nicht, dass das irgendwas zu bedeuten haben muss – aber Fakt ist, dass dem 1. FC Nürnberg etliche Spieler fehlen. Das kündigte Coach Robert Klauß an. Neben den bereits bekannten Verletzten Pascal Köpke, Noel Knothe, Felix Lohkemper, Fabian Nürberger und Manuel Schäffler fallen auch Hanno Behrens, Paul-Philipp Besong und Dennis Borkowski am 32. Spieltag aus. Ein Einsatz von Abwehrspieler Georg Margreitter ist zudem noch unklar. Schäffler werde wegen seiner Innenbandverletzung in dieser Saison nicht mehr spielen, berichtete Klauß. Behrens muss wegen eines befürchteten Haarrisses im Mittelfuß passen. Bei Borkowski sei eine Weisheitszahn-Operation unausweichlich. Nachwuchsstürmer Besong zog sich im Training eine Bänderverletzung zu.
Fakt ist, dass Hrubesch sich reinhaut und versucht, das Beste aus der schlechten Situation zu machen. Aus-Prinzip-Nörgler Felix Magath hatte sich bei meinen Kollegen von der BILD jüngst das erste Mal seit Ewigkeiten positiv über den HSV geäußert – wobei das wiederum auf seine Freundschaft zu Hrubesch zurückzuführen sein dürfte. Magath: „Es war die zu 100 Prozent beste Entscheidung, Horst Hrubesch für die letzten drei Spiele zum Interimstrainer zu machen. Ich bin total überzeugt, dass Horst die drei verbleibenden Partien alle gewinnen wird.“
Das wiederum muss der HSV auch, wenn er am Ende tatsächlich noch auf den Relegationsplatz klettern will. Aber egal wie unrealistisch das auch ist, die Hoffnung stirbt zuletzt. Und der Satz: „Der HSV hat das nicht verdient“ nervt einfach nur. Denn am Ende wird die Tabelle genau das wiederspiegeln, was die Mannschaften über die 34 Spieltage hinweg geleistet haben. Das gilt übrigens auch in dem Fall, wenn der HSV mal etwas erreichen sollte.
Ebenso sicher ist, dass in den letzten Spielen fast egal ist, wer am Rand das Zepter schwingt. Es ist sogar fast egal, wer am Ende zuerst auf dem Platz steht. Denn Fußballspielen können sie alle – und worum es geht ist an der Tabelle bis ins letzte Detail abzulesen. Das zu erkennen würden sogar drei Schimpansen hinbekommen. Und dementsprechend freue ich mich darüber, dass Hrubesch seine Rolle genau so annimmt, wie man es sich von ihm erhofft hat. Immer Karo einfach. Ohne jede Show, ohne Pseudo-Psychotricks – eben einfach einfach. Einfach Hrubesch halt
Denn so ist es auch. Gegen Nürnberg muss die Mannschaft von der ersten Sekunde an bei 100 Prozent sein, um dem Gegner sofort zu demonstrieren: „Hier gibt es nichts zu holen. Und wenn ihr das nicht hinnehmt, tut es weh.“ Also in etwa das, was die Mannschaft in den letzten Jahren fast nie hinbekommen hat. Aber okay: Der kurzzeitige Trainereffekt mit einem zweifellos etwas anderen Typen wie Hrubesch ist spannend. Er ist für mich ehrlich gesagt sogar das spannendste an diesem Montag.
Nicht, weil Hrubesch der beste Trainer ist. Auch nicht, weil er besser ist als Thioune, das glaube ich nämlich nicht einmal. Nein, nur, weil ich glaube, dass er für diese Situation eine sehr gute Lösung sein kann. Und so sehr sich die Leute auch über den in den letzten Jahren unsympathisch rüberkommenden HSV ärgern – allein Hrubesch gibt dem HSV einen sympathischen Anstrich. Allein er verdient es, dass sich jeder einzelne auf dem Platz den A…. aufreißt und bis zum Umfallen kämpft. Ich jedenfalls werde die letzten Spiele einerseits leise hoffen. Aber andererseits werde ich sehen, wer aus diesem Team die Mentalität eines Profis hat – und wer eben nicht…
Morgen ist noch einmal Training und zudem die Pressekonferenz mit Hrubesch (13 Uhr). Ich melde mich im Anschluss daran wieder bei Euch! Bis dahin!
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