Eine starke Halbzeit reicht nicht - HSV vergibt Sieg gegen Hannover
Der HSV bleibt stabil. Zumindest eine Halbzeit lang. Oder besser formuliert: Leider nur eine Halbzeit lang. Denn beim 2:2 (1:0) im Nordduell gegen Hannover 96 musste der…

Der HSV bleibt stabil. Zumindest eine Halbzeit lang. Oder besser formuliert: Leider nur eine Halbzeit lang. Denn beim 2:2 (1:0) im Nordduell gegen Hannover 96 musste der zuletzt stabiler werdende HSV einen kleinen Rückschlag im siebten Spiel unter dem jungen Cheftrainer Merlin Polzin hinnehmen, weil man die zweite Halbzeit mehr oder weniger an die Hannoveraner abschenkte. Am Ende musste man fast noch froh sein, dass man noch einen Punkt mitnehmen konnte. Das das Remis den Verlust der Tabellenführung nach dem 20. Spieltag bedeutet, werte ich nicht zu hoch. Dafür ist da oben alles noch viel zu eng beieinander. Allein die Hoffnung, dass der HSV seinen fast schon traditionellen Einbruch in den Rückrunden wie in den letzten sechs Zweitliga-Saisons vermeiden kann, bleibt.
„Jeder Punkt hilft auf dem Weg zum großen Ziel. Von daher nehmen wir den Punkt mit“, sagte HSV-Trainer Polzin nach dem Spiel. „Wir müssen uns einfach vorwerfen, dass wir das Spiel in der ersten Halbzeit nicht klarer gestaltet haben», sagte Polzin. Nicolo Tresoldi (53.) und Winter-Zugang Rabbi Matondo (79.) drehten die Partie, nachdem Muheim-Ersatz Silvan Hefti den HSV in Führung gebracht hatte. Doch Jean-Luc Dompé (84.) besorgte mit einem schönen Freistoßtor noch den Ausgleich für die Gastgeber. Polzin: „Wir haben schon häufiger gesehen, was für ein Unterschiedsspieler Dompé ist. Wir sind sehr glücklich, dass wir ihn im Team haben.“
Der HSV rutscht durch dieses Remis auf Rang zwei zurück, zwei Punkte hinter dem 1. FC Köln und punktgleich mit Magdeburg sowie dem 1. FC Kaiserslautern.
DIE EINZELKRITIKEN:
Daniel Heuer-Fernandes: Bei den Gegentoren war er chancenlos, ansonsten war er da, wenn er gebraucht wurde. Weiter eine feste Größe. Note: 3
William Mikelbrencis: Dass er zusammen mit dem defensiv oft wilden Sahiti die rechte Seite sichern sollte, machte mir vor Spielbeginn Sorgen. Im Spiel machten die beiden das in der ersten Hälfte nach ein paar Eingewöhnungsminuten gut. Aber: Sein Laufweg beim Konter von Sahiti (44.) war fatal, da muss er Sahiti außen überholen und den Verteidiger vor die Entscheidung stellen, einen der beiden zu attackieren. So machte er den Konter kaputt. Dazu seine sehr unglückliche Aktion beim 1:1 und ein unnötiger Ballverlust sowie ein verlorener Zweikampf im eigenen Sechzehner zum 1:2 – bitter! In der zweiten Hälfte war das auch sonst zu wenig von ihm. Er ist einfach noch zu inkonstant, zu wackelig. Note: 5
Denis Hadzikadunic (bis 66.): Er scheint sich unter dem neuen Cheftrainer wohler zu fühlen – oder ist es Nebenmann Daniel Elfadli? Egal wie, er macht das momentan gut und rettet immer wieder auch in brenzligsten Situationen (48.). Die Entscheidung Polzins, ihn auszuwechseln erschloss sich mir nicht. Note: 3
Sebastian Schonlau (ab 67.): Der Kapitän sollte hinten stabilisieren und konnte sich schon mal warmspielen, da er durch Elfadlis Sperre am kommenden Wochenende wieder beginnen dürfte. Note: 4
Daniel Elfadli: Er hat Übersicht, ist aggressiv im Zweikampf, hat einen sehr guten Spielaufbau – kein Wunder, dass der HSV defensiv stabiler ist mit ihm. Bitter für Schonlau, das Allerdings hat er arge Probleme, wenn der Gegner hoch presst. Aber: Seine heute eingeholte fünfte Gelbe tut weh, er wird in Münster fehlen. Note 3
Silvan Hefti: Erstmals in der Startelf und dann macht er, was Muheim macht: Er ist an einem Tor beteiligt, nein: er erzielt es sogar selbst! Dass er in einigen Situationen noch unsicher ist – nach so wenig Spielzeit normal. Aber er wurde im Laufe des Spiels sicherer. Auch dank des Treffers. Ich würde als Trainer überlegen, ihn als Rechtsfuß auch als Rechtsverteidiger zu bringen, wenn Muheim links wieder zur Verfügung steht. Note: 3
Jonas Meffert: Deutlich besser als zuletzt. Sogar richtig gut, vor allem auch im Zusammenspiel mit Richter. Er muss aber zusehen, auch nach Wechseln seine Mitspieler sofort zu stellen und das Zentrum zu organisieren. Note: 3
Marco Richter (bis 66.): Er hätte seinen guten Beginn mit einem Torassist krönen können/müssen (14.), aber auch so war das für mich seine beste erste Halbzeit bislang. Sowohl nach vorn als auch nach hinten sehr aktiv. Ballgewinne, schlaue Pässe, gute Zweikampfführung und sich so lange auspowern, bis nichts mehr geht – so geht das! Hoffentlich kann Richter diese Leistung konservieren und immer wieder einbringen. Note: 2,5
Ludovit Reis (ab 67.): Schade, dass er den Ball in der 76. Minute nicht auf Sahiti weitergespielt bekommt – das wäre eine Hundertprozentige geworden. Aber er wird in den nächsten Wochen über die Kurzeinsätze kommen. Hoffentlich! Note: 3
Adam Karabec (bis 85.): Nach zehn Minuten machte er endlich mal das, was ich mir von ihm viel mehr erhoffe: Er ging dahin, wo es gefährlich werden kann. Und es wurde gefährlich. Erst scheiterte er selbst knapp, während Meffert den daraus resultierenden Eckball per Kopf nur knapp verfehlte. Leider bekommt er sein gutes Spiel immer wieder nur eine Halbzeit auf den Platz, auch heute. Note: 4
Lukasz Poreba (ab 86.): Durfte noch ein wenig mitspielen.
Jean-Luc Dompé: Immer gefährlich. Er ist das personifizierte Grauen für jede Zweitliga-Defensive. Dass er Freistöße schießen kann, ist ebenso bekannt wie es für den HSV am Ende ein ganz wichtiger Faktor werden kann. Bester HSVer heute. Note: 2
Emir Sahiti (bis 85.): Sehr guter Start ins Spiel für ihn. Seine Eins-gegen-Eins-Qualitäten werden immer sichtbarer. Defensive kann er nicht, das muss der HSV-Trainer so einplanen. Leider war die Kombi mit Mikelbrencis heute nur die ersten 45 Minuten funktional. Aber: Offensiv ist er ein Spieler, der noch sehr spannend werden kann für den HSV. Note: 3
Adedire Mebude (ab 86.): Durfte noch ein paar erste Minuten im Volkspark sammeln und erinnerte mich in seinen Abläufen sehr stark an Fabio Baldé. Aber abwarten…
Ransford Yeboah Königsdörffer (bis 75.): Er war sehr viel unterwegs, bot sich an, wurde gesucht – aber er fand nicht ins Spiel, weil die Hannoveraner ihn gut zustellten. Note: 5
Otto Stange (ab 75.): Er ist sofort im Spiel, legt einen Ball zum Konter super auf, holt den Freistoß zum 2:2 raus – das passt! Hoffentlich bekommt er auch in den nächsten Wochen und Monaten immer wieder Spielzeit, um sich zu weiterzuentwickeln. Note: 3
Trainer Merlin Polzin: Nach zwei Siegen in Folge wieder ohne Kapitän Sebastian Schonlau zu beginnen ist konsequent und vermittelt eine Art Leistungsgedanken. Ihn zu bringen, um hinten Ruhe reinzubringen, war falsch – zumindest, dass er dafür den überrascht wirkenden Hadzikadunic rausgenommen hat. Wie gut Letztgenannter werden kann, wenn er Vertrauen geschenkt bekommt, hat man bis zu seiner Auswechslung in bislang allen Spielminuten 2025 gesehen. Hoffentlich denkt Hadzikadunic nicht zu intensiv darüber nach. Polzin wird sich fragen müssen, weshalb man nur eine gute Halbzeit gespielt hat und in der zweiten Halbzeit auf Hannovers Umstellungen nicht entsprechend zu reagieren wusste. Note: 4
DATEN ZUM SPIEL:
HSV: Heuer Fernandes - Mikelbrencis, Hadzikadunic (67. Schonlau), Elfadli, Hefti – Meffert, Karabec (85. Poreba), Richter (67. Reis) - Sahiti (85. Mebude), Königsdörffer (75. Stange), Dompé
Hannover 96: Zieler - Neumann, Tomiak, Halsteberg - Dehm, Leopold (88. Christiansen), Kunze, Rochelt (88. Momuluh), Wdowik (46. Matondo) - Nielsen (75. Gindorf), Tresoldi (90.+1 Voglsammer)
Tore: 1:0 Hefti (15.), 1:1 Tresoldi (52.), 1:2 Matondo (79.), 2:2 Dompe (84.)
Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Michael Bacher (Amerang)
Gelbe Karten: Meffert, Reis, Mebude, Elfadli, Höh (TW-Trainer auf der Bank) / Halstenberg
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