Ein Tag für die Ewigkeit – HSV feiert Doppelaufstieg in die Bundesliga
Hamburg, 19. Mai 2025. Ein Montag, wie ihn diese Stadt selten erlebt hat – und ein Tag, der für alle HSV-Fans unvergesslich bleiben wird. Kein Platz für Trauer ob der…

Hamburg, 19. Mai 2025. Ein Montag, wie ihn diese Stadt selten erlebt hat – und ein Tag, der für alle HSV-Fans unvergesslich bleiben wird. Kein Platz für Trauer ob der verpassten Meisterschaft, noch kein Gedanke an die schweren Aufgaben (außer ganz am Ende des Blogs), die jetzt noch kommen. Heute galt es für alle, den Moment zu genießen. Deshalb versammelten sich schon am frühen Vormittag die ersten Anhänger auf den Rathausmarkt. Viele sichern sich früh einen Platz, andere beobachten das Geschehen aus Cafés, von Bänken – oder sogar von den hohen Dächern rund um den Platz. Hamburgs Innenstadt färbt sich in den Vereinsfarben Blau, Weiß und Schwarz, begleitet von Fangesängen, Sprechchören und einer spürbaren Vorfreude. Die erwarteten 100.000 Fans waren es am Ende sicher nicht, aber der unfassbar emotionalen, schönen Feier am Hamburger Rathausmarkt tat das keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil!
Um 16 Uhr dann das erste emotionale Highlight: Unter tosendem Applaus wird die HSV-Fahne am Rathaus gehisst. Der Platz singt vereint „Nie mehr Zweite Liga“ – und der Gänsehautmoment ist perfekt. Währenddessen füllt sich der Rathausmarkt zunehmend. Rund 40.000 Fans drängen sich in die abgesperrte Zone, viele weitere müssen draußen bleiben. Die Polizei hatte zuvor mit bis zu 120.000 Menschen in der City gerechnet. Die U-Bahn-Linien sind überfüllt, HSV-Schals und Trikots wohin das Auge reicht.
Um 17 Uhr werden die HSV-Männer und -Frauen offiziell von Hamburgs Erstem Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher im Rathaus empfangen. Es ist die erste Doppel-Aufstiegsfeier in der Vereinsgeschichte. Beide Teams spielen ab der kommenden Saison wieder erstklassig. Tschentscher begrüßt sie mit bewegenden Worten: „Der Dino ist zurück. Heute wäre Uwe Seeler sehr stolz auf seinen HSV.“ Und er ergänzt mit einem Augenzwinkern: „Möge es die letzte Aufstiegsfeier des HSV gewesen sein – weil wir nie wieder absteigen.“













Um 17.40 Uhr öffnet sich der Rathausbalkon – erst für die HSV-Frauen, dann für die Männer. Der Rathausmarkt explodiert förmlich vor Jubel, als die Teams erscheinen. „Wir sind der HSV“ von Abschlach hallt über den Platz, der komplette Markt singt mit. Es wird getanzt, gefeiert, gefühlt. Dann die Männer: Angeführt von Maskottchen Dino Herrmann und Cheftrainer Merlin Polzin zeigt sich das Team, das eine Woche zuvor mit einem furiosen 6:1 gegen Ulm den Aufstieg klargemacht hatte. Die Menge feiert Kapitän Sebastian Schonlau, Torhüter Mickel, Toptorjäger Selke und Glatzel – es ist laut, es ist emotional, es ist ein Moment der Erlösung nach sieben langen Jahren in Liga zwei.
Doch auch Kritik kommt auf: Das Bier ist schon am frühen Nachmittag alle und Reden vom Balkon bleiben aus – das Protokoll sieht sie nicht vor. Doch die Fans nehmen die Sache selbst in die Hand. Vor dem Rathaus ruft Schonlau mit den Fans „Nie mehr Zweite Liga“, Dompé wird mit Sprechchören gefeiert, Glatzel dankt mit Tränen in den Augen: „Was ihr uns gegeben habt, ist unfassbar. Vielen, vielen Dank!“ Und dann, fast magisch: „Mein Hamburg lieb ich sehr“, erst gesungen mit Musik, dann a cappella von Tausenden Kehlen – eine Stadthymne, ein Versprechen.
Um 18.45 Uhr startet der große Umzug: Zwei HSV-Trucks fahren unter dem Jubel der Massen um die Binnenalster. An den Straßenrändern: Familien, Kinder auf Schultern, Fans mit selbstgebastelten Plakaten, mit Fahnen, mit Bügelbrettern als Stehtische. Auch Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer haben sich gut platzierte Plätze gesichert. Trotz des Gedränges bleibt die Stimmung ausgelassen, respektvoll, gemeinschaftlich. Die Stadt singt, tanzt, feiert. Blau-weißer Rauch zieht durch die Straßen, „Sweet Caroline“ schallt über die Plätze – ein kollektives HSV-Gefühl liegt in der Luft.
Polzin gibt Marschroute voller „Anspruch, Demut und Respekt“ vor
Im Rathaus spricht Trainer Merlin Polzin zu Politik, Presse und Vereinsführung. Er erinnert an den steinigen Weg, den der HSV gegangen ist. Als einstiger Co-Trainer wurde er im November befördert – und führt nun als Cheftrainer den Verein zurück in die Bundesliga. „Es war eine unfassbare Reise“, sagt der 34-Jährige. „Die Bundesliga wird einen anderen HSV erleben – mit Anspruch, Demut und Respekt.“ Hoffentlich!
Heute indes wird groß aufgefahren. Nach dem Rathausmarktbesuch geht es für die Mannschaften auf zwei großen Trucks im Schritttempo um die Binnenalster. Begleitet von tausenden Fans. Und während die Sonne langsam hinter der Binnenalster untergeht, feiern die Fans weiter – in den Straßen, auf den Plätzen, in den Herzen. Die Mannschaft fliegt in den kommenden Tagen nach Ibiza, um den historischen Moment gemeinsam ausklingen zu lassen und hinterlässt in Hamburg ein Gefühl, das lange vermisst wurde: Stolz. Gemeinschaft. Hoffnung. Der HSV ist zurück. Und diesmal soll es für immer sein.
Auch deshalb beginnt beim HSV schon jetzt die vielleicht härteste Phase. Hier wartet die nächste Herausforderung: Der HSV muss ein Team formen, das in der Bundesliga nicht nur mitspielen, sondern die Klasse halten kann. Und das wird alles andere als einfach. Sportvorstand Stephan Kuntz hat die Marschrichtung dabei bereits klar benannt. In einem ersten sportlichen Fazit ließ er keinen Zweifel daran, dass die aktuelle Mannschaft in ihrer jetzigen Form nicht erstligatauglich sei – statistisch schon allein in Sachen Physis. Hier müsse man gezielt und deutlich nachbessern.
Sportvorstand Stefan Kuntz kündigt "schnelle Transfers" an
Tempo, Wucht, Durchsetzungsfähigkeit – Attribute, an denen es dem HSV schon zu früheren Bundesliga-Zeiten immer wieder mangelte, sollen nun ein zentrales Element bei der Kaderplanung werden. Ein Umdenken, das Hoffnung macht – und notwendig ist. Denn Kuntz deutete an, dass es mehrere Transfers brauchen wird, um ein konkurrenzfähiges Team auf den Platz zu schicken. Dazu zählt neben der individuellen Qualität, die verbessert werden muss, im aktuellen Status der Zusammenhalt und die Homogenität im Team mehr denn je. Hinter den Kulissen wird in Hamburg mit Hochdruck gearbeitet werden müssen, um den Rückstand gegenüber der Erstligakonkurrenz möglichst weit zu verringern. Und das in einem finanziellen Rahmen, der im Vergleich zur Konkurrenz eher schmal ausfällt.
Die Aufgabe ist gewaltig. Während andere Erstligisten mit ganz anderen Budgets planen können, muss der HSV mit kreativen Lösungen und klugen Entscheidungen punkten. In den letzten 20 Jahren wär das nicht zwingend die Kernkompetenz der HSV-verantwortlichen. Aber Polzin hatte ein Umdenken bereits angeregt und von der notwendigen Demut den bevorstehenden Herausforderungen gegenüber gesprochen. Die Transfers müssen diesmal sitzen. Es geht darum, nicht nur Spieler zu holen, sondern eine Mannschaft zu bauen, die den Kampf in der stärksten Liga des Landes annimmt – und die besteht.
Feiert alle noch schön. Wir von MoinVolkspark werden uns ab morgen der neuen Saison widmen und am Freitag ein Special mit unserem Profiscout Mats Beckmann bereitstellen, in dem wir uns über die nachweislich größten Baustellen im HSV-Kader unterhalten und Lösungswege aufzeigen wollen.
Bis morgen!
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