Ein Sieg, der noch viel mehr wert sein kann als die drei Punkte
Der HSV hat den Klassiker zum Auftakt der 2. Fußball-Bundesliga gegen den 1. FC Köln gewonnen. In einem unterhaltsamen Duell der beiden Traditionsclubs siegte der vom Ex-Kölner…

Der HSV hat den Klassiker zum Auftakt der 2. Fußball-Bundesliga gegen den 1. FC Köln gewonnen. In einem unterhaltsamen Duell der beiden Traditionsclubs siegte der vom Ex-Kölner Steffen Baumgart trainierte HSV mit 2:1 (2:0). Mann des Spiels war zweifellos Ransford-Yeboah Königsdörffer, der vor 50.000 Zuschauerinnen und Zuschauern beide Treffer für den HSV erzielte (6. Minute/35.). Bei seinem ersten Tor profitierte der 22-Jährige noch von einem Fehler von Kölns Torwart Jonas Urbig. Den zweiten Treffer machte er im Nachsetzen stark! Für den FC traf Linton Maina (78.).
„Auch wenn wir verloren haben, haben wir ein gutes Spiel gemacht“, sagte Maina bei Sky. „Wir hätten mehr verdient gehabt.“ Und das kann man so sehen – muss man aber nicht. Denn der HSV verteidigte mit viel Leidenschaft. Oft ein wenig ungestüm und wild, aber er hatte mit Daniel Heuer Fernandes heute einen starken Keeper im Kasten, der hielt, was zu halten war – und sogar ein bisschen mehr. Der Ersatz für den an einer Lungenentzündung erkrankten Matheo Raab war neben Königsdörffer heute bester Mann auf dem Platz, behaupte ich. „Ich habe es immer gesagt: Wir haben zwei Nummer Einsen im Kader“, lobte Trainer Steffen Baumgart nach Schlusspfiff zurecht.
Auch deshalb gelang den Kölnern kein zweiter Treffer. Der Bundesliga-Absteiger, der im ersten Pflichtspiel mit dem neuen Trainer Gerhard Struber einen Fehlstart hinlegte, war zwar spielbestimmend und hatte deutlich mehr Ballbesitz, aber der HSV zeigte sich selbst, dass man auch mit einer überraschend destruktiven, defensiven Spielweise Erfolg haben kann und holte die ersten drei Punkte auf seiner erneuten Mission Aufstieg. „Wir wollen aufsteigen. Das ist ein klares Ziel. Da machen wir auch keinen Hehl draus. Weil es auch gar nicht anders geht an dem Standort“, hatte Baumgart gesagt.
Köln mit der ersten Chance, der HSV mit dem ersten Tor
Aber zurück zum Spiel: Der FC startete stark. Erst setzte Dejan Ljubicic den Ball freistehend über das HSV-Tor (3.). Wenige Augenblicke später vertändelte Hamburgs Miro Muheim den Ball an Ljubicic, dessen Hereingabe Denis Huseinbasic aber aus aussichtsreicher Position nicht verwerten konnte (4.). Auf der anderen Seite lud ein Patzer von Kölns Keeper Urbig den HSV zum 1:0 ein. Der 20-Jährige, der in der vergangenen Saison auf Leihbasis für die SpVgg Greuther Fürth spielte, konnte einen eigentlich harmlosen Schuss von Jean-Luc Dompé nicht festhalten. Den Abstauber nutzte Königsdörffer, der anstelle des verletzten Robert Glatzel (Sehnenreizung) und Davie Selke (Trainingsrückstand) im Angriff auflief.
Und Königsdörffer, dem man zuletzt immer wieder zurecht fehlende Torgefahr vorwarf, legte sogar noch nach. Nach einer schönen Flanke von Neuzugang Adam Karabec, der zumindest anzudeuten wusste, was die Kaderplaner und Trainer Steffen Baumgart in ihm sehen, köpfte Königsdörffer den Ball an die Latte. Aber er blieb hellwach und reagierte im Nachsetzen schneller als der Ex-Pauli-Kicker Paqarada und versenkte den Nachschuss in bester Stürmer-Manier.
Kurz vor der Pause hatte der FC die Riesengelegenheit zum Anschlusstreffer. Angreifer Tim Lemperle scheiterte jedoch aus kurzer Distanz am starken HSV-Keeper Daniel Heuer Fernandes. Es war die Szene, die ich eingangs mit „…und sogar ein bisschen mehr…“ meinte.
Ein Sieg, der deutlich zeigt, was noch besser werden muss
Dass der HSV spielerisch heute unterlegen agierte und teilweise haarsträubende Fehler im Aufbauspiel hatte, darf hier aber nicht unerwähnt bleiben. Gerade zu Spielbeginn lud man die Kölner im Minutentakt ein, aufs Tor zu schießen, während man offensiv zwar brutal effektiv war – aber eben auch sonst viel zu wenig aus dem eigenen Ballbesitz machte. Immer wieder wurden die Bälle planlos (was vor allem Jatta aber auch Reis und Muheim heute machten, war schon hart!). Zudem griffen die Wechsel von Baumgart heute nicht. Den starken Dompé runterzunehmen, während der völlig ausgelaugt und müde wirkende Jatta auf dem Platz bleiben durfte – eine Fehlentscheidung.
Aber eine, die heute ohne große Bestrafung blieb. Der HSV gewann den Auftakt mal wieder. Sehr glücklich im Zustandekommen, zugegeben! Aber bei der gezeigten Effizienz gepaart mit der defensiven Leidenschaft war der Sieg erarbeitet und nicht unverdient. Heute ist der HSV mal in die Rolle der Gegner gerutscht, die dem HSV in den letzten Jahren trotz drückender Überlegenheit immer wieder wichtige Punkte geklaut haben. Und dafür muss man sich als HSVer nicht entschuldigen.
Trotzdem hoffe ich, dass Trainer Baumgart seine angedeutete Kritik („Defensiv war das sehr ordentlich, spielerisch – naja…!“) Taten folgen lässt und unter der Woche tief in die Analyse eintaucht. Dass man hierfür auch noch auf dem Transfermarkt tätig werden will und sollte, ist auch klar. Und hier verlasse ich mich auf die Ankündigung von Sportvorstand Stefan Kuntz, der angekündigt hatte, noch etwas machen zu wollen und für alle Mannschaftsteile (das Tor mal ausgenommen) sucht.
Fazit: Es war ein Arbeitssieg mit einem brutal effizienten Königsdörffer und viel Leidenschaft im mannschaftlichen Verbund defensiv. Nicht unverdient und vor allem ausgestattet mit vielen Lehren, was man zwingend besser machen muss, wenn man weiter gewinnen will. Zieht man die richtigen Schlüsse, kann dieser Sieg noch deutlich mehr wert sein, als die drei Punkte, die er unmittelbar einbringt....!
In diesem Sinne, freuen wir uns über die drei Punkte, die wir nicht überbewerten dürfen – die man aber auch nicht zu klein reden sollte. Im Gegenteil: was gubt es schöneres als Siege, die einem neben drei Punkten auch noch deutlich aufzeigen, was noch besser werden MUSS…?!
Euch und uns allen eine Gute Nacht!
Scholle
DIE STATISTIK ZUM SPIEL:
1. FC Köln: Urbig - Thielmann, Hübers, Pauli (87. Heinz), Paqarada - Martel, Ljubicic, Huseinbasic (87. Obuz), Waldschmidt (57. Adamyan) - Downs (57. Maina), Lemperle (76. Dietz)
HSV: Heuer Fernandes - Hadzikadunic, Schonlau, Muheim - Jatta (90.+1 Mikelbrencis), Elfadli, Meffert, Dompe (65. Öztunali), Karabec (65. Balde), Reis (83. Heyer) - Königsdörffer (90.+1 Selke)
Tore: 0:1 Königsdörffer (6.), 0:2 Königsdörffer (35.), 1:2 Maina (78.)
Zuschauer: 50.000 (ausverkauft) / Schiedsrichter: Max Burda (Berlin)
Gelbe Karten: Lemperle, Pauli / Muheim, Königsdörffer, Baumgart
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