Ein sehr trauriger Tag für den HSV
Leider muss ich aus traurigem Anlass heute die angekündigte Kadergeschichte noch einmal schieben. Denn der ehemalige Aufsichtsratschef Udo Bandow ist tot.

Leider muss ich aus traurigem Anlass heute die angekündigte Kadergeschichte noch einmal schieben. Denn der ehemalige Aufsichtsratschef Udo Bandow ist tot.
Der HSV bestätigte diese traurige Nachricht am Dienstag, die für den Klub selbst den Verlust seines letzten richtig guten Aufsichtsratsbosses (abgesehen von der kurzen Ära eine Alexander Otto) bedeutet. Denn Bandow war es, der dem Kontrollgremium von 1996 bis 2007 das Gesicht gab, das den HSV nach außen hin seinerzeit zum „Rising Star“ werden ließ. Konsequenterweise erreichte der HSV in seiner Zeit unter anderem 2000 und 2006 die Gruppenphase der Champions League.
Udo Bandow wurde stolze 91 Jahre alt. Der ehemalige Banker und Ehrenpräsident der Hanseatischen Wertpapierbörse verband mit dem HSV eine lebenslange Beziehung. Zuletzt spielte er noch lange in der Altliga und war eng mit der im vergangenen Jahr gestorbenen HSV-Legende Uwe Seeler (85) befreundet, in dessen Stiftung er im Vorstand saß. Bandow wurde seinerzeit völlig zurecht ach auf dem „Walk of Fame“ am Uwe-Seeler-Fuß vor dem Volksparkstadion gewürdigt. Zudem erhielt er vom Verein die Ehrennadel in Gold.
Bandow war dabei nicht nur ein anerkannter Wirtschafts- und Bank-Fachmann und saß nicht nur im HSV-Aufsichtsrat, sondern gehörte auch den Kontrollgremien mehrerer Hamburger Unternehmen an. Der Hanseatischen Wertpapierbörse stand er von 1990 bis 2008 vor. Bandow selbst blieb seiner stets korrekten, genauen Art immer treu. Er war es auch, der den Aufsichtsrat trotz extrem unterschiedlicher Meinungen immer wieder einte. Unvergessen seine Pressestatements, die er in einer unaufgeregten Art verfasste, dass man dachte, dieses Gremium sei sich in allem einig. Ebenso unvergessen auch seine Hintergrundgespräche im obersten Stockwerk der Vereins- und Westbank, zu denen Bandow in geregelten Abständen lud.
Dass es dabei hinter den Kulissen des Aufsichtsrates immer wieder krachte, nannte Bandow mir gegenüber mal als „inhaltlich hilfreich kontroverse Diskussionen, die ich das eine oder andere Mal dann auch ein wenig eindämmen musste“. Wobei ich ebenfalls erfuhr, dass Bandow in diesen Sitzungen sehr wohl auch sehr klar werden konnte. Wer hier Genaueres wissen möchte, der muss sich nur mal bei Bandows Dauer-Konterpart im Kontrollrat, bei Jürgen Hunke, informieren. Dass Letztgenannter trotz aller Diskrepanzen mit Bandow heute noch dessen Art lobt, beweist nur noch einmal, welch allseits hochgeschätzter und fähiger Funktionär Bandow war.
Dass der HSV zuletzt nicht viel mehr auf seine Hilfe bzw. seine Ratschläge zurückgriff, ließ Bandow zuletzt in persönlichen Gesprächen immer wieder unkommentiert. Er war ein Ehrenmann der alten Sorte durch und durch. Bandow wollte niemandem etwas Böses beim HSV. Aber er konnte seine Sorge über die aktuellen Entwicklungen auch nicht gänzlich zurückhalten. Und auch ich habe hier immer wieder mal Bandow zu Wort kommen lassen, weil ich fest davon überzeigt bin, dass der HSV mit Bandow ein besserer HSV ist als ohne ihn und seinen Rat.
Ich persönlich habe immer wieder sehr gern auf den Rat Bandows zurückgegriffen. Ich war sehr stolz darauf, dass Herr Bandow mir immer wieder zur Verfügung stand, denn ich habe sehr oft und sehr gern mit ihm gesprochen. Weil der gebürtige Hamburger es mit einer wohltuend unaufgeregten Art immer wieder schaffte, mich zu überzeugen. Er verstand es wie kaum ein anderer, in einer Diskussion das Beste aus allen noch so konträren Meinungen so zu einem Ergebnis zusammenzufassen, dass am Ende alle zufrieden waren.
Seine Meinung war mir immer sehr wichtig. Auch deshalb wird Udo Bandow mir als Diskussionspartner sehr fehlen.
Ruhen Sie in Ihrem wohlverdienten Frieden, Herr Bandow. Ich kann nur hoffen, dass sich viele ein Beispiel an Ihnen nehmen, Herr Bandow. Vielleicht wird dem HSV dann sogar noch einmal irgendwann so viel Gutes widerfahren, wie es mit Ihnen der Fall war.
Lieber Herr Bandow, Sie werden nicht nur mir sehr fehlen.
P.S.: Daniel Heuer Fernands musste das heutige Training mit einer Fingerverletzung abbrechen. Zudem gab der HSV heute eine weitere Verpflichtung (auf Leihbasis) bekannt. Die Pressemitteilung:
AUF LEIHBASIS: IGNACE VAN DER BREMPT WECHSELT ZUM HSV
DER 21-JÄHRIGE RECHTSVERTEIDIGER KOMMT VOM FC RED BULL SALZBURG UND SCHLIESST SICH DEN ROTHOSEN LEIHWEISE FÜR DIE SAISON 2023/24 AN.
Verstärkung für die Defensive: Ignace Van der Brempt wechselt auf Leihbasis vom FC Red Bull Salzburg zum Hamburger SV und schließt sich den Rothosen für die Saison 2023/24 an. Der 21-jährige Belgier absolvierte am heutigen Dienstag (18. Juli) den Medizincheck im UKE-Athleticum, unterschrieb anschließend einen bis zum 30. Juni 2024 befristeten Leihvertrag und wird fortan mit der Rückennummer 22 auflaufen. Den Hamburgern steht damit für die kommende Spielzeit ein weiterer gelernter Rechtsverteidiger zur Verfügung, der dank seiner technischen und taktischen Ausbildung aber auch in der Innenverteidigung und als linker Verteidiger zum Einsatz kommen kann. Für RB stand der aktuelle belgische U21-Nationalspieler (zwölf Spiele, ein Tor) in den vergangenen anderthalb Jahren in insgesamt 24 Pflichtspielen (ein Tor) auf dem Rasen.
Vor seinem Transfer nach Österreich hinterließ der 1,87 Meter große Defensiv-Spezialist seine fußballerischen Spuren in der belgischen Heimat: Im Alter von 15 Jahren (Sommer 2017) schloss sich der gebürtig aus Antwerpen stammende Van der Brempt dem FC Brügge an, nur etwas mehr als zwei Jahre später debütierte der sprint- und spielstarke Rechtsfuß in der Jupiler Pro League (September 2019). Bis Januar 2022 folgten weitere 35 Pflichtspiele (ein Tor, zwei Vorlagen) für den belgischen Topclub, ehe der Transfer zum österreichischen Serienmeister vollzogen wurde. Trotz seines jungen Alters finden sich somit schon 60 Herren-Pflichtspiele für Brügge und Salzburg in seiner Vita, darunter auch sechs Einsätze in der UEFA Champions League und drei Partien in der UEFA Europa League. Zuletzt stand der belgische Auswahlspieler zudem im Kader für die U21-Europameisterschaft und wurde dort einmal eingewechselt.

„Ignace passt mit seinem Spielerprofil optimal in unsere Planungen: Er hat in den vergangenen Jahren in Spitzenteams gespielt, ist daher ständigen Erfolgs- und Leistungsdruck gewohnt. Zudem bringt er die physischen, technischen und taktischen Voraussetzungen für die 2. Bundesliga mit und hat trotz seines jungen Alters bereits internationale Erfahrungen auf höchstem Niveau gesammelt. Da er sich in den Gesprächen sehr schnell und bewusst für den Wechsel zum HSV entschieden hat, sehen wir in diesem Transfer eine Win-win-Situation für alle Seiten“, sagt Direktor Profifußball Claus Costa zum jüngsten Neuzugang der laufenden Transferperiode.
Ignace Van der Brempt, der über Deutsch-Kenntnisse verfügt und fließend Englisch spricht, gibt zu Protokoll: „Ich war von Anfang an begeistert von der sehr spannenden Aufgabe beim HSV, und die Gespräche mit den Verantwortlichen haben mich vollends überzeugt. Es ist gut, dass ich direkt loslegen kann, jetzt möchte ich der Mannschaft beim Erreichen der Ziele helfen. Von den HSV-Fans habe ich schon gehört, dass sie bei allen Heim- und Auswärtsspielen hinter dem Team stehen. Das steigert meine Motivation und Vorfreude umso mehr.“
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