Drei Spieltage, dreimal hoffen auf Walters "brutales Spiel"?
Damit hätten sie gern noch eine Woche oder wenigstens einen Spieltag warten können – haben sie aber nicht. Der abstiegsbedrohte SSV Jahn Regensburg hat sich unmittelbar vor dem…

Damit hätten sie gern noch eine Woche oder wenigstens einen Spieltag warten können – haben sie aber nicht. Der abstiegsbedrohte SSV Jahn Regensburg hat sich unmittelbar vor dem Heimspiel gegen den HSV am Sonntag von Trainer Mersad Selimbegovic getrennt. Das teilte der Tabellenvorletzte heute mit. Die Regensburger reagierten damit drei Spieltage vor dem Saisonende auf die sportliche Krise. In der Rückrunde holte der Jahn lediglich neun Punkte und damit so wenige Zähler wie keine andere Mannschaft. Inzwischen haben die Oberpfälzer sechs Zähler Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz. Der Club wird sich nach eigenen Angaben „unmittelbar mit der Neubesetzung der Position“ befassen. Der Club müsse aber „im Kampf um den Klassenerhalt einen neuen Reiz setzen“, äußerte Aufsichtsratschef Hans Rothammer. Hoffen wir mal, dass der kurzweilige Effekt nicht sofort greift.
Beim HSV stimmt in der Rückrunde nicht allzu viel, sportlich betrachtet. 23 Punkte in 14 Spielen bedeuten Rang sieben in der Rückrunde – gerade einen Punkt vor dem 1. FC Magdeburg. Und ganze 13 Punkte weniger als Rückrundenkrösus FC St. Pauli. Da die Mannschaft aber weiter zum Trainer hält, ist hier ein Trainerwechsel noch kein Thema. „Er ist natürlich ein Künstler“, sagte Kapitän Sebastian Schonlau, der zuletzt immer wieder betonte, wie sehr die Mannschaft hinter Walter und dessen Spielsystem stehe. „Er hat eine eigene Idee vom Fußball. Die setzt er brutal um, die will er immer sehen. Es gibt keine festen Positionen – Hauptsache, die Positionen werden aufgefüllt. Am Ende geht es natürlich um Dominanz, um Tore schießen.“Vor allem aber geht es darum, mehr Punkte als die Konkurrenz zu sammeln.
Ein Thema, das sich beim HSV inzwischen untergeordnet hat. Meinem gestrigen Blog folgte ein wütender Anruf eines Fußballfachmannes, mit dem ich ansonsten immer sehr sachlich-fachlich diskutieren kann. In diesem Fall war es sehr emotional mit wenig aussagekräftigen Argumenten wie „wir haben mehr Punkte als je zuvor zu diesem Zeitpunkt“ und „Geld schießt keine Tore“. Sätze, die so weit am Kern des Themas vorbeigehen, dass ein Einspruch schon gar keinen Sinn mehr macht.
Und ich bleibe dabei, dass für mich weder der Aufstieg noch ein Nichtaufstieg für die Entscheidung Pro oder Contra Trainer entscheidend sind. Für mich zählt allein, ob ich eine Weiterentwicklung erkenne, die mich darauf hoffen und vor allem daran glauben lässt, dass der HSV in Zukunft erfolgreicher wird. Heute sehe ich diese Entwicklung nicht. Sie stagniert einem halben Jahr. Gepaart mit einigen ungünstigen Umständen (vor allem die Vuskovic-Sperre), entwickeln sich weder der HSV noch der Trainer weiter. Wobei ich beides niemals voneinander trennen würde, sondern sich beides meiner Meinung nach absolut bedingt. Aber das Thema hatten wir gestern schon.
Drei Spiele sind es noch für den HSV. Drei Spieltage, an denen man hoffen darf, dass die anderen doch noch patzen und man selbst seine Aufgaben erledigt. Allein am kommenden Wochenende duellieren sich mit St. Pauli und Düsseldorf, sowie Heidenheim und Paderborn die vier Mannschaften vor und hinter dem HSV. Darmstadt als Tabellenführer nehme ich raus aus diesem Rennen, die werden den einen noch benötigten Sieg in Partien gegen Hannover, Magdeburg und/oder Fürth sicher einfahren. Aber eine Heidenheimer Niederlage gegen Paderborn würde ich nicht ausschließen.
Bleibt aber der HSV, der aus meiner Sicht offensiv mit einem wieder besser gewordenen Sonny Kittel eine echte Alternative für das offensive Mittelfeld dazugewonnen hat. Aktuell würde ich ihn auf links spielen lassen, Jatta rechts und Glatzel zentral offensiv. Dahinter würde ich Meffert auf der Sechs sowie Ludovit Reis und Anssi Suhonen (Korrektur: Benes ist gelbgesperrt) davor beginnen lassen. Denn ich bin mir sicher, dass diese Offensive bis zu Meffert immer in der Lage ist, gegen jeden Zweitligisten einen Treffer zu erzielen. Würde man dann noch die Viererkette stabilisiert bekommen – es könnte sogar mal einen souveränen Sieg geben. Es wäre zu schön – weil es andeuten könnte, dass auch Walter leichte Veränderungen an seiner Defensiv-Taktik nicht mehr mit einem Schuldeingeständnis verwechselt. Und dass man diese sichere Defensive personell nicht verfügbar hat, halte ich für den allergrößten Nonsens. Das Personal ist da – allein die Taktik dafür ist nicht da. Oder wie sagte Schonlau so schön: „Er hat eine eigene Idee vom Fußball. Die setzt er brutal um, die will er immer sehen. Es gibt keine festen Positionen…“
In diesem Sinne Euch allen einen schönen Champions-League-Abend.
Scholle
P.S.: Im Training heute durfte nach zuletzt starken Leistungen bei der U21 Jonah Fabisch mittrainieren. Miro Muheim war nach überstandenen Oberschenkelproblemen auch wieder dabei.
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